Mordfall Lee Rigby

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
QS Ereignisse Dieser Artikel wurde aufgrund von inhaltlichen Verbesserungsmöglichkeiten auf der Qualitätssicherungsseite des WikiProjekts Ereignisse eingetragen. Dies geschieht, um die Qualität der Artikel aus diesem Themengebiet auf ein höheres Niveau zu bringen. Bitte hilf mit, die inhaltlichen Lücken oder Probleme dieses Artikels zu beseitigen, und beteilige dich an der Diskussion!
Eugène Delacroix - La liberté guidant le peuple.jpg
Lee Rigby

Der Mord an Lee Rigby fand am 22. Mai 2013 im Londoner Stadtteil Woolwich statt. Rigby, Soldat der British Army, wurde offenbar vorsätzlich von einem Auto angefahren und anschließend von den beiden Insassen mit Hiebwaffen und Messern getötet. Im Videomitschnitt eines polizeilichen Verhörs kurz nach der Tat gab einer der vermeintlichen Täter an, der 22. Mai sei der Tag gewesen, an dem er und sein Komplize „Allah gehorchen“ sollten. Ein Soldat sei für sie ideal gewesen, weil Soldaten den Tod als Berufsrisiko in sich trügen. Gegen Rigby, der zufällig die Straße überquerte, habe er keinerlei persönliche Aversion gespürt; im Gegenteil, Rigby sei eine „nicht-muslimische Variante“ seiner selbst gewesen und hätte einen humanen Tod verdient. Deswegen habe man versucht, ihm die Halsschlagader zu durchtrennen. In dem Gerichtsprozess ein halbes Jahr nach der Tat bekannten sich Michael Adebowale[1] und Michael Adebolajo,[2] 22 und 28 Jahre alt, nicht schuldig. Die britische Regierung sprach von einem Terrorakt, weil die Angreifer islamistische Parolen skandierten. Sie ließen sich von Passanten filmen, flüchteten nicht vom Tatort, sondern wurden dort später von der Polizei überwältigt.

Hergang der Tat[Bearbeiten]

An jenem Mittwochnachmittag wurde der 25-jährige Soldat Lee Rigby in der Wellington Street, nur wenige hundert Meter von seinem Stationierungsort in den Royal Artillery Barracks entfernt, von einem blauen Pkw erfasst und zu Boden geschleudert. Die beiden Insassen des Pkw zerrten den schwer verletzten Mann anschließend auf die Straße, wo sie ihn mit Messern und einem Fleischerbeil töteten. Zudem sollen sie versucht haben, Rigby zu enthaupten. Zahlreiche Augenzeugen, die anfangs von einem Verkehrsunfall ausgegangen waren, verständigten die Polizei.

Nach Zeugenberichten scheinen die Männer gezielt auf Aufmerksamkeit aus gewesen zu sein. Die Täter blieben am Ort der Tat und ließen sich von Passanten filmen. Eine Frau verwickelte einen der Täter in ein Gespräch.[3] Ein mit Handy aufgenommenes und später vom britischen Sender Independent Television veröffentlichtes Video zeigt einen der mutmaßlichen Täter mit blutverschmierten Händen, wie er in die Kamera spricht:

„Wir schwören beim allmächtigen Allah, wir hören nie auf, euch zu bekämpfen, bis ihr uns in Ruhe lasst. Auge um Auge und Zahn um Zahn. Es tut mir leid, dass Frauen das mit ansehen mussten. Aber in unserem Land müssen Frauen dasselbe mit ansehen. Ihr werdet nie sicher sein. Setzt eure Regierung ab. Sie kümmert sich nicht um euch!“[4]

Derselbe Mann soll die Passagiere in einem Bus aufgefordert haben, ein Foto von ihm zu machen.

Schon kurz nach dem Rigby vom Pkw erfasst worden war, ging der erste Anruf bei der Metropolitan Police ein, welche etwa zehn Minuten später eintraf und den Tatort absperrte. Beim Versuch, die beiden Täter festzunehmen, bedrohten diese die Polizei mit einem Beil und einem Revolver. Daraufhin wurden sie von den Beamten angeschossen und überwältigt.[5] Wegen ihrer Schussverletzungen wurden sie anschließend in unterschiedlichen Krankenhäusern behandelt.

Opfer[Bearbeiten]

Nach der Tat hieß es zunächst, bei dem Opfer handele sich um einen Angehörigen der British Army, der in den Royal Artillery Barracks stationiert war. Dies wurde aber von den Behörden nicht bestätigt. Das britische Verteidigungsministerium gab am 23. Mai 2013 die Identität des Opfers als Lee Rigby bekannt.[6] Der 25-Jährige war Trommler des 2nd Battalion des Royal Regiment of Fusiliers.[7] Rigby war seit 2006 im Dienst der britischen Armee und absolvierte Auslandeinsätze in Zypern und Afghanistan; zeitweise war er auch in Deutschland stationiert.[8] Auch wurde er zur Unterstützung der Wachsoldaten u.a. am Tower of London eingesetzt, von wo er direkt vor der Tat kam.[9] Er stammte aus Middleton, Greater Manchester.[10] Rigby war verheiratet und hatte einen zum Tatzeitpunkt zwei Jahre alten Sohn.

Zum Zeitpunkt des Angriffes hatte Rigby dienstfrei und war in Zivilkleidung unterwegs; er trug ein T-Shirt der Wohltätigkeitsorganisation „Help for Heroes“, die sich für kriegsversehrte britische Soldaten einsetzt. Die verschiedentlich geäußerte These bzw. Behauptung, dieses Kleidungsstück hätte Rigby ins Visier der Täter gebracht, konnte nicht bestätigt werden.

Täter[Bearbeiten]

Die Täter waren zwei junge britische Staatsbürger mit Verbindungen nach Nigeria. Die Täter waren zu einer radikalisierten Form des Islam konvertiert.

Einer der Täter wurde als der in Nigeria geborene Greenwich University-Student Michael Olumide Adebolajo aus Saxilby in Lincolnshire identifiziert.[2] Adebolajo lebte als Kind in einem christlichen Umfeld und konvertierte im Alter von 18 Jahren zum Islam.[11] Er gehörte in London der salafistischen Gruppe Al Muhajiroun an und nannte sich nach der Konversion Mujaheed.[12][13]

Der zweite Täter wurde als der 22-jährige Michael Oluwatobi Adebowale aus Greenwich identifiziert.[1]

Ermittlungen und Hintergrund[Bearbeiten]

Die beiden Täter waren den Sicherheitsdiensten aus früheren Ermittlungen bekannt.[14] Am 25. Mai berichtete Abu Nusaybah – ein Bekannter Adebolajos – der BBC, dass der britische Geheimdienst MI5 sich im Vorfeld der Tat „intensiv bemühte“ Adebolajo anzuwerben.[15] Nusaybah wurde direkt nach seinem Interview mit der BBC verhaftet.[15] Eine offizielle Bestätigung der Anwerbeversuche seitens des MI5 gibt es nicht.

Einen Tag nach dem Attentat nahm der Scotland Yard in der Grafschaft Lincolnshire einen Mann und eine Frau unter dem Verdacht der Beihilfe zum Mord fest.[16]

Reaktionen[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Der britische Premierminister David Cameron berief einen Krisenstab ein. Cameron sprach am Tatabend von starken Hinweisen auf einen Terroranschlag und brach seinen Besuch in Paris ab.

Londons Bürgermeister Boris Johnson sagte, es handle sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen Terroranschlag. Innenministerin Theresa May sprach von einem „barbarischen Verbrechen“. Sie beraumte auf Anweisung Camerons eine Sitzung des Krisenstabs an. Dieser kommt immer dann zusammen, wenn Belange der nationalen Sicherheit Großbritanniens berührt sind. In der Nähe des Tatorts wurden nach der Tat die Sicherheitsvorkehrungen verschärft und alle Kasernen stärker bewacht.

US-Präsident Barack Obama hat den Mord an Lee Rigby als „entsetzlich“ bezeichnet und aufs Schärfste verurteilt; laut einer Mitteilung aus Washington freue er sich auf den G8-Gipfel in Nordirland 2013, bei dem er mit Premierminister David Cameron auch über die gemeinsamen sicherheitspolitischen Herausforderungen beider Länder sprechen werde.

Der britische Muslimrat verurteilte das Verbrechen. Der radikale Islamist Anjem Choudary hingegen entschuldigte die Tat indem er meinte: „die Ursache [des Todes von Rigby] ist klar - es ist die britische Außenpolitik “.[17]

Sonstiges[Bearbeiten]

Es war der erste nennenswerte Terrorakt auf britischem Boden seit 2005. Am 7. Juli 2005 starben bei vier Anschlägen auf U-Bahnen und Busse über 52 Menschen (plus die vier Selbstmordattentäter). Über 700 Menschen wurden (teilweise schwer) verletzt.

Am 24. Mai 2013 attackierte in Paris ein 22-jähriger mutmaßlicher Islamist einen Soldaten auf Patrouillefahrt mit einem Messer und verletzte ihn mit einer Stichwaffe am Nacken.[18]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWoolwich attack 'incredibly hard' to stop. BBC, 24. Mai 2013, abgerufen am 24. Mai 2013.
  2. a b Woolwich attack: knife-wielding suspect named as Michael Adebolajo
  3. Frau verwickelte London-Täter in Gespräch Tagesanzeiger, 23. Mai 2013, abgerufen am 28. Dezember 2013.
  4. tagesschau.de
  5. heise.de
  6. Kronen Zeitung: London: Opfer Lee Rigby (25) hatte zweijährigen Sohn vom 23. Mai 2013.
  7. BBC News: Woolwich attack: Lee Rigby named as victim vom 23. Mai 2013.
  8. Miriam Shaviv: UK military calls attack victim a model soldier. In: The Times of Israel. Abgerufen am 23. Mai 2013.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWoolwich attack: Lee Rigby named as victim. BBC News, 23. Mai 2013, abgerufen am 23. Mai 2013.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDan Thompson: Woolwich soldier murder victim named as Lee Rigby from Middleton. In: Manchester Evening News. 23. Mai 2013, abgerufen am 23. Mai 2013.
  11. London-Killer war dem Geheimdienst bekannt
  12. Michael Adebolajo's parents are hard-working Nigerian immigrants
  13. Attentäter pflegte Kontakte zu Hasspredigern, Spiegel Online, 24. Mai 2013.
  14. Woolwich attack: Suspects known to security services, BBC, 23. Mai 2013.
  15. a b sueddeutsche.de
  16. Suspect In Attack On British Soldier Named vom 23. Mai 2013.
  17. reuters.com
  18. FAZ.net: Verdächtiger festgenommen

51.4883460.062396Koordinaten: 51° 29′ 18″ N, 0° 3′ 45″ O