Morgagni-Hydatide

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Morgagni-Hydatide bezeichnet zwei unterschiedliche anatomische Strukturen als verbliebene Reste der Embryonalentwicklung bei Mann und Frau. Sie sind nach dem italienischen Pathologen Giovanni Battista Morgagni (1682–1771) benannt.

Bei Männern handelt es sich um ein funktionsloses Relikt des Müller-Gangs. Der Gang wird beim Mann zwar angelegt, degeneriert dann aber unter dem Einfluss des Anti-Müller-Hormons. Die Appendix testis ist ein bläschenförmiges, ungestieltes Anhängsel, das sich auf dem Hoden neben dem Nebenhodenkopf befindet. Es stellt das kraniale Ende des Müller-Gangs dar, das durch den Descensus testis in den Hodensack mitgewandert ist.

Bei Frauen bestehen kleine gestielte, mit Flüssigkeit gefülltes Bläschen am Fimbrientrichter des Eileiters als zystische Ausweitung des Wolffschen Ganges von 2 bis 10 mm Größe. Meist findet man solche Hydatiden als Zufallsbefunde bei Bauchspiegelungen.[1] Eine operative Entfernung ist nur notwendig, wenn sie größer sind und die Gefahr einer Stieldrehung besteht.[2]

Erkrankungen[Bearbeiten]

Klassifikation nach ICD-10
N44.1 Hydatidentorsion
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Überwiegend bei Männern besteht die Gefahr einer Torsion der Hydatide, welche bei Frauen kaum auftritt. Dabei wird die Blutversorgung der Zyste unterbrochen. Die Symptome der Torsion der Appendix testis, plötzlich auftretende Schmerzen, entsprechen denen einer Hodentorsion, sind jedoch meist nur von kurzer Dauer und weniger intensiv. Die Hydatidentorsion tritt vorwiegend im Kindes- und Jugendalter auf, kann jedoch in jedem Lebensalter vorkommen. Die Behandlung besteht in einer operativen Abtragung der Hydatide.[3][4]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Alex Novotny: Gynäkologie, Geburtshilfe und Neonatologie: Lehrbuch für Pflegeberufe. W. Kohlhammer Verlag, 2006, ISBN 3-170-18346-X (Volltext in der Google-Buchsuche).
  2.  Marion Kiechle: Gynäkologie und Geburtshilfe. Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2006, ISBN 3-437-42406-8 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  3.  Richard Hautmann: Urologie. Springer Verlag, 2010, ISBN 3-642-01158-6 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  4.  Stefan Siemer: Hydatidentorsion In: Joachim Steffens, Stefan Siemer: Häufige urologische Erkrankungen im Kindesalter: Klinik Diagnose Therapie. Steinkopff Verlag, 2007, ISBN 3-798-51780-0 (Volltext in der Google-Buchsuche).
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!