Morgellons

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Morgellons (auch Morgellons-Krankheit) ist die Bezeichnung für ein Krankheitsbild, das mehrheitlich als Variante des Dermatozoenwahns angesehen wird.[1][2]

Symptome[Bearbeiten]

Betroffene berichten, dass bunte Fasern oder Hyphen in der Haut oder des Unterhautgewebes gebildet würden; weitere Symptome sind Hautläsionen, Bewegungsphänomene in der Haut, Beschwerden des Bewegungsapparates und des Magen-Darm-Trakts, Leistungseinschränkungen sowie kognitive und emotionale Störungen. In den USA (Kalifornien) wurde eine Prävalenz von 3,65 Fällen auf 100.000 Einwohner ermittelt, Frauen sind dabei wesentlich häufiger betroffen als Männer.[3]

Begriffsbildung[Bearbeiten]

Der Begriff Morgellons wurde erstmals im 17. Jahrhundert in einem Werk des englischen Arztes Sir Thomas Browne erwähnt. Ähnliche Krankheitsbilder werden in der medizinhistorischen Literatur vielfach beschrieben.[4] Der Begriff fand aber erst seit 2002 vor allem im englischen Sprachraum weite Verbreitung, nachdem die Mutter eines betroffenen Kindes den Begriff wiederentdeckte und mit der Gründung der Morgellons Research Foundation propagierte. Die rasante Verbreitung des Begriffes wird auf ein Internet- und Medien-Phänomen („Internet-Mem“) zurückgeführt.[5]

Hypothesen zur Ätiologie[Bearbeiten]

Die Ätiopathogenese der Krankheit ist unklar. Die Verfechter eines eigenständigen Krankheitsbildes bezeichnen die Pathophysiologie oft als „unspezifisch“, zuweilen werden als Ursachen auch infektiöse Erreger wie die Bakterien Agrobacterium tumefaciens und Stenotrophomonas maltophilia, der Pilz Cryptococcus neoformans oder der Parasit Strongyloides stercoralis vermutet.[1][6] Bei Untersuchungen von Hautproben von Betroffenen ließen sich jedoch keine dieser Erreger feststellen.[7] Eine Studie des Centers for Disease Control and Prevention mit 115 untersuchten Fällen der Erkrankung konnte keinerlei Parasiten oder Mycobakterien nachweisen.[3] In anderen Fällen konnten Fasern unbekannter Herkunft mikroskopisch nachgewiesen werden, deren Rolle im Krankheitsbild ist jedoch noch unklar.[8]

Behandlung[Bearbeiten]

Behandlungserfolge wurden unter anderem durch Medikation mit Antipsychotika wie Pimozid, Risperidon oder Aripiprazol erzielt.[9]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Robert E. Accordino, Danielle Engler, Iona H. Ginsburg, John Koo: Morgellons disease? Dermatol Ther. 2008 Jan-Feb;21(1):8-12. PMID 18318880 (PDF)
  2. Wolfgang Harth, Barbara Hermes, Roland W. Freudenmann: Morgellons in der Dermatologie. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, 2010 Apr;8(4):234-42. PMID 19878403
  3. a b Michele L. Pearson, Josef V. Selby, Kenneth A. Katz, Virginia Cantrell, Christopher R. Braden, et al. (2012): Clinical, Epidemiologic, Histopathologic and Molecular Features of an Unexplained Dermopathy. PLoS ONE 7(1), PMID 22295070
  4. C.E. Kellett: SIR THOMAS BROWNE AND THE DISEASE CALLED THE MORGELLONS. Annals of Medical History, n.s., Vol. 7, 1935, S. 467-479
  5. Andrew Lustig, Sherri Mackay, John Strauss: Morgellons disease as internet meme. Psychosomatics. 2009 Jan-Feb;50(1):90. PMID 19213978
  6. Virginia R. Savely, Mary Leitao, Raphael B. Stricker: The mystery of Morgellons disease: infection or delusion? Am J Clin Dermatol. 2006;7(1):1-5. Review. PMID 16489838
  7. Sara A. Hylwa, Jessica E. Bury, Mark Davis, Mark Pittelkow, J. Michael Bostwick: Delusional Infestation, Including Delusions of Parasitosis: Results of Histologic Examination of Skin Biopsy and Patient-Provided Skin Specimens. Arch Dermatol. 2011 Sep;147(9):1041-5. PMID 21576554
  8. Virginia Savely, Raphael Strickern: Morgellons disease: Analysis of a population with clinically confirmed microscopic subcutaneous fibers of unknown etiology. Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology, Vol. 3, Dover Medical Press, 2010, S. 67-78
  9. Carolin Koblenzer: The challenge of Morgellons disease (PDF; 75 kB). In: Journal of the American Academy of Dermatology, Vol. 55, No. 5, S. 920-922
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