Morgen kommt der Weihnachtsmann

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„Morgen kommt der Weihnachtsmann“ ist ein deutsches Weihnachtslied, dessen Text Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) unter dem Titel Der Weihnachtsmann 1835[1] für die Sammlung Siebengestirn gevatterlicher Wiegen-Lieder für Frau Minna von Winterfeld verfasst hat.

Der Text erschien 1837 mit einer Melodie von Ernst Heinrich Leopold Richter in dessen Liedsammlung für den Unterricht[2] sowie erneut 1843 in Hoffmanns Fünfzig Kinderliedern mit derselben Melodie,[3] die sich nicht durchsetzte.

Die heute übliche Melodie stammt von dem französischen Lied Ah! vous dirai-je, Maman (nachgewiesen seit ca. 1761),[4] das Wolfgang Amadeus Mozart als Grundlage seiner Klaviervariationen Köchelverzeichnis 265 verwendet hat. Auch Ernst von Dohnányis Variationen über ein Kinderlied für Klavier und Orchester, Op. 25, variieren diese Melodie. In verschiedenen Sprachen existieren weitere Versionen des Liedes mit anderem Text, beispielsweise das englische Twinkle, Twinkle, Little Star. Als Alphabet-Lied wird auch das Alphabet auf diese Melodie gesungen.

Melodie[Bearbeiten]

\relative f' { \key f \major \time 2/4 \autoBeamOff f8 f c' c d d c4 bes8 bes a a g4 f8 r
c' c bes bes a a g4 c8 c bes bes a a g4
f8 f c' c d d c4 bes8 bes a a g4 f8 r \bar "|." } \addlyrics {Mor -- gen kommt der Weih -- nachts -- mann, kommt mit sei -- nen Ga -- ben.
Trom -- mel, Pfei -- fe und Ge -- wehr,
Fahn und Sä -- bel und noch mehr,
Ja ein gan -- zes Krie -- ges -- heer,
möcht’ ich ger -- ne ha -- ben. }

Text[Bearbeiten]

Der Originaltext:

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
Kommt mit seinen Gaben.
Trommel, Pfeife und Gewehr,
Fahn und Säbel und noch mehr,
Ja ein ganzes Kriegesheer,
Möcht’ ich gerne haben.

Bring’ uns, lieber Weihnachtsmann,
Bring’ auch morgen, bringe
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Panthertier,
Roß und Esel, Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge.

Doch du weißt ja unsern Wunsch,
Kennest unsere Herzen.
Kinder, Vater und Mama,
Auch sogar der Großpapa,
Alle, alle sind wir da,
Warten dein mit Schmerzen.

Eine verbreitete Umdichtung, bei der die Zeilen mit dem Kriegsspielzeug entfernt wurden, stammt von Hilger Schallehn:[5]

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
kommt mit seinen Gaben.
Bunte Lichter, Silberzier,
Kind und Krippe, Schaf und Stier,
Zottelbär und Pantertier
möcht’ ich gerne haben!

Bring uns, lieber Weihnachtsmann,
bring auch morgen, bringe
eine schöne Eisenbahn,
Bauernhof mit Huhn und Hahn,
einen Pfefferkuchenmann,
lauter schöne Dinge.

(Dritte Strophe wie oben)

Von manchen populären Liedern, vor allem von denen mit eingängigen Melodien, werden die Texte umgedichtet oder ergänzt; häufig werden sie parodiert. In einer Parodie dieses Liedes[6] macht Dieter Süverkrüp sich nicht nur über den weihnachtlichen Konsum lustig, sondern kritisiert auch die aus seiner Sicht unzulänglichen politischen Verhältnisse.

1.
Morgen kommt der Weihnachtsmann,
kommt mit seinen Gaben:
Goldnes Armband, goldne Clips,
Socken, Oberhemd und Schlips,
Schnäpschen, Bierchen, Weihnachtsschwips
will man schließlich haben.
2.
Drum erhöht der Weihnachtsmann
heute schon die Preise.
Ist ihm selbst nicht angenehm.
Doch in unserem System
gibt es das als Phänomen
altbekannterweise.
3.
Denn der flinke Weihnachtsmann
denkt auch ans Verdienen.
Gehen unsre Löhne rauf,
schlägt er's auf die Kosten drauf.
Er frißt unsren Vorrat auf.
Wir sind seine Bienen.
4.
So macht's jeder Weihnachtsmann
und nicht nur der eine:
Industrie und das Finanz-
kapital mit Rattenschwanz
spielen auf zum selben Tanz,
machen uns schon Beine.
5.
Seht, da kommt der Weihnachtsmann
und vereinnanhmt Steuer.
Schöne blanke Bundeswehr,
Fernraketen und noch mehr
ist den Weihnachtsmännern sehr
lieb. Und uns sehr teuer.
6.
Über unsrem Lande herrscht
eine Weihnachtsmannschaft.
Leben alle sanft und gut
unter Gottes großem Hut
und kassieren großgemut,
was das Volk heranschafft.
7.
Drum versöhnt der Weihnachtsmann
oft mit bunten Dingen.
Bringt uns neue Kanzler mit
und so manchen neuen Trick.
Nur die neue Politik
will er uns nicht bringen.
8.
Und die neue Politur
macht er nur zum Schein her.
Finge nämlich irgendwann
wirklich große Ändrung an,
brächt' sie nicht der Weihnachtsmann,
denn dann wär er keiner.

Mit freundlicher schriftlicher Genehmigung von Dieter Süverkrüp vom 7. Dezember 2013.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Xaver Erni, Heinz Alexander Erni: Stille Nacht, Heilige Nacht. Die schönsten Weihnachtslieder. Herder, Freiburg 2002, ISBN 3-451-27859-6.
  • Silke Leopold (Hrsg.): Mozart-Handbuch. Metzler-Verlag und Bärenreiter-Verlag, Stuttgart und Kassel 2005, ISBN 3-476-02077-0.
  • Arnold Werner-Jensen: Musikführer Wolfgang Amadeus Mozart. Band 1: Instrumentalmusik. Reclam, Stuttgart 1989, ISBN 3-15-010359-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Twinkle Twinkle Little Star – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fallersleben-Archiv
  2. Ernst Richter: Unterrichtlich geordnete Sammlung von ein-, zwei-, drei- und vierstimmigen Sätzen, Liedern, Canons und Chorälen. Erste Abteilung. Cranz, Breslau 1837, S. 15 (Ausschnitt online)
  3. Hoffmann von Fallersleben: Funfzig Kinderlieder. Nach Original- und bekannten Weisen mit Clavierbegleitung von Ernst Richter. Mayer und Wigand, Leipzig 1843, S. 57 (Digitalisat).
  4. Siehe Hinweis von Bob Kosovsky auf weitere Quellen, 10. Dezember 2001
  5. In: Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 11. Auflage. Schott, Mainz 2004 (1982), ISBN 3-254-08213-3.
  6. Dieter Süverkrüp, Süverkrüps Liederjahre 1963 - 1985 ff., 1. Auflage 2002, S. 148 ff.,Grupello Verlag, Düsseldorf, ISBN 3-933749-88-3