Moritz Hartmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Moritz Hartmann (Begriffsklärung) aufgeführt.
Moritz Hartmann, Holzschnitt nach Adolf Neumann (Die Gartenlaube, 1859)
Moritz Hartmann, Grafik aus der Zeitschrift „Freya“, 1865.

Moritz Hartmann (* 15. Oktober 1821 in Duschnik in Böhmen; † 13. Mai 1872 in Oberdöbling bei Wien) war ein österreichischer Journalist, Schriftsteller und Politiker.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Nach der Schulzeit am Piaristengymnasium in Jungbunzlau, dessen antijüdische Atmosphäre Moritz Hartmann, der sich hatte katholisch taufen lassen, aber ursprünglich jüdischen Glaubens war, nur durch die Nähe des von ihm verehrten orthodoxen, aber undogmatischen Grossvaters ertrug, nahm 1838 ein Studium der Philosophie und Literatur, nach anderer Quelle der Medizin an der Karls-Universität Prag auf. Während dieser Zeit veröffentlichte er erste schriftstellerische Publikationen in "Ost und West", ging 1840 nach Wien und widmete sich künstlerisch ganz der Literatur und verdiente seinen Lebensunterhalt als Hofmeister.

1844 ging er für einige Jahre nach Deutschland und war vermutlich u.a. in Wien, Leipzig, Paris und Berlin, wo er mit seinen Veröffentlichungen die Zensurbestimmungen verletzte. In Paris lernte er Heinrich Heine kennen, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verbinden sollte.

1847 kehrte er nach Böhmen zurück, wurde 1848 Abgeordneter für den Wahlkreis Leitmeritz in der Frankfurter Nationalversammlung. Er galt als einer der radikalsten Vertreter der demokratischen Linken, entging bei der Eroberung Wiens durch Windischgrätz nur knapp der Gefangenschaft und blieb Mitglied des Frankfurter Rumpfparlaments. Nach ausgedehnten Reisen (u.a. Krimkriegskorrespondent für die Kölnische Zeitung), lehrte er 1860 in Genf Deutsche Literatur, wurde 1863 Redakteur in Stuttgart, wo er ab 1867 die Redaktion der Zeitschrift "Freya" leitete. Nach der Amnestie 1867 wurde er Feuilleton-Redakteur der Neuen Freien Presse in Wien. Er verstarb 1872 in Oberdöbling nahe Wien im Alter von 50 Jahren.

Moritz Hartmann war der Vater des Historikers Ludo Moritz Hartmann und der Schwager des Schriftstellers Siegfried Kapper.

Sein literarisches Wirken umfasst Gedichte, Romane, Satiren sowie Novellen. Er gilt als der Chronist der Wiener Revolution von 1848 .

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten]

  • Kelch und Schwert, 1845
  • Neuere Gedichte, 1847
  • Zeitlosen, 1858

Romane, Erzählungen, Novellen[Bearbeiten]

  • Der Krieg um den Wald, Roman, 1850
  • Schatten, Erzählungen, 1851
  • Erzählungen einer Unstäten, 1858
  • Nach der Natur, Novellen, 1866
  • Die Diamanten der Baronin, Roman, 1868

Satiren[Bearbeiten]

  • Reimchronik des Pfaffen Maurizius, 1849

Reiseberichte[Bearbeiten]

  • Tagebuch aus Languedoc und Provence, 1853

Bühnenstücke[Bearbeiten]

  • Gleich und Gleich, Lustspiel in zwei Akten

Werkausgaben[Bearbeiten]

  • Moritz Hartmann’s Gesammelte Werke, hrsg. v. L. Bamberger u. W. Vollmer, 10 Bde., 1873–1874
  • Moritz Hartmanns Gesammelte Werke, hrsg. v. Otto Wittner, 1906–1907

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Moritz Hartmann – Quellen und Volltexte