Moritz Veit

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Moritz Veit (* 12. September 1808 in Berlin; † 5. Februar 1864 ebenda) war ein deutscher Autor, Verleger und Politiker. Er war Vorsitzender des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, Berliner Stadtverordneter sowie preußischer altliberaler Abgeordneter. Außerdem war er führend in der jüdischen Gemeinde in Berlin tätig.

Moritz Veit

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Veit stammte aus der wohlhabenden jüdischen Bankiersfamilie Veit. Diese war bereits seit der Zeit des Großen Kurfürsten in Berlin ansässig.[1] Er besuchte das Joachimsthalesche Gymnasium und legte sein Abitur 1825 ab. Er besuchte die Universität Berlin und hörte Vorlesungen in unterschiedlichen Fächern insbesondere aber Geschichte, Philosophie, Philologie und Geographie. Er blieb an der Universität bis 1832/33 eingeschrieben, hat aber seit 1829 keine Vorlesungen mehr besucht. Hauptsächlich beeinflusst wurde er von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Er machte viele Reisen nach Dresden, Heidelberg und verschiedentlich nach Weimar. Dort kam er unter anderem mit dem Kreis um Johann Wolfgang von Goethe in Kontakt. In Berlin führte sein Vater ein gastfreundliches Haus. An den dortigen „Donnerstag Abenden“ beteiligte sich unter anderem auch Heinrich Heine. Die meisten Teilnehmer dieser Runden waren Juden oder Personen mit jüdischen Wurzeln.

Ohne Geldnot widmete sich Veit dem Schreiben. Er arbeitete als Kritiker oder hat sich als Journalist gegen antijüdische Entwicklungen geäußert. Er schrieb dabei regelmäßig für zahlreiche Zeitschriften und Zeitungen. Zu Beginn der 1830er Jahre gab er den Berliner Musenalmanach heraus, an dem sich sogar der alte Johann Wolfgang von Goethe und zahlreiche weitere bekannte Autoren wie Achim von Arnim, Gustav Schwab oder Adelbert von Chamisso beteiligten. Auch Veit selbst veröffentlichte dort einige seiner Gedichte. Allerdings musste der Almanach wegen ausbleibenden Erfolgs bald eingestellt werden.

Er erkannte wohl in dieser Zeit, dass er kaum Karriere als Dichter machen könnte. Auch eine akademische Laufbahn kam für ihn als Juden nicht in Frage. Im Jahr 1833 hat er in Jena mit einer Arbeit über Henri de Saint-Simon promoviert. Danach heiratete er im Weimar Johanna Elkan. Diese war Tochter des Bankiers Israel Julius Elkan. Die Ehe blieb kinderlos. Das Paar führt ein geselliges Haus in Berlin. An den dortigen Abenden nahmen Buchhändler, Politiker, Schriftsteller und Gelehrte teil.

Verleger[Bearbeiten]

Veit selbst entschloss sich Buchhändler zu werden und erwarb zusammen mit Josef Levy eine entsprechende Konzession. Im Jahr 1833 wurde ein Verlag gekauft und 1834 die Firma Veit & Company gegründet. Das Hauptgeschäft machte das Unternehmen mit einem Wohnungsanzeiger für Berlin. Die neue Firma übernahm auch die Herausgeber des Enzyklopädischen Wörterbuchs der medizinischen Wissenschaften. Daneben wurden zahlreiche wissenschaftliche Werke und Zeitschriften herausgegeben. Johann Gustav Droysen und Wilhelm Adolf Schmidt gehörten zu den Hauptautoren. Unter den wissenschaftlichen Zeitschriften war auch die von Schmidt herausgegebene Allgemeine Zeitschrift für Geschichte. Nicht zuletzt gab er die neun Bücher preußischer Geschichte von Leopold Ranke heraus. Wichtig war auch das Laienbrevier von Leopold Schefer. Es erschienen auch naturwissenschaftliche, forstwissenschaftliche, juristische, medizinische Werke und Bücher weiterer Fachrichtungen. Besonders gepflegt wurde die Literatur zum Schachspiel. Herausgegeben wurden auch eine Reihe philosophischer Werke. Dabei hatten die Gesamtausgabe der Werke von Johann Gottlieb Fichte sowie der Briefwechsel zwischen Friedrich Schiller und Körner nur mäßigen Erfolg. Veits anhaltender Nähe zu Fichte drückte sich auch darin aus, dass er 1862 einer der Hauptredner zur Feier des hundertjährigen Geburtstages des Philosophen war.[2] Auch einige Werke von Bettina von Arnim und von ihrem Mann Achim von Arnim hat Veit verlegt. Ebenso wurde das System des römischen Rechtes von Friedrich Carl von Savigny veröffentlicht. Daneben erschienen auch einige politische Schriften etwa von Maximilian Duncker. Er veröffentlichte auch Schriften zu Themen des Judentums und der Emanzipation. Der Verlag von Veit gehörte nicht zu den Großen aber zu den hoch geachteten seiner Zeit. Enge Verbindung pflegte er zu auswärtigen Verlegern und er besuchte regelmäßig die Leipziger Buchmessen.

Veit hat sich auch interessenpolitisch für den Buchhandel eingesetzt. Er arbeitete intensiv in der Buchhändlerkorporation mit, wurde stellvertretender Vorsitzender und von 1853 bis 1863 Vorsitzender des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler. Dabei trat er regelmäßig gegen eine Einschränkung der Pressefreiheit oder für den Schutz der Autorenrechte auf. Er wirkte in diesem Zusammenhang auch in den 1850er Jahren an Abkommen mit Frankreich zum Schutz des geistigen Eigentums bei. Nach dem Tod seines Partners hat Veit auch seine Anteile 1858 an einen Leipziger Buchhändler verkauft. Der Verlag ging 1919 im Walter de Gruyter Verlag auf.

Politiker[Bearbeiten]

Daneben hat er in verschiedener Funktion die Politik in Berlin beeinflusst. Seit den 1840er Jahren war er Berliner Stadtverordneter. Im Jahr 1849 wurde er unbesoldeter Stadtrat. Nach Ablauf seiner Amtszeit wurde er wieder Stadtverordneter und blieb dies auch in den folgenden Jahren mit kurzen Unterbrechungen. Im Jahr 1863 wurde er zum stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Insbesondere arbeitete Veit in der Gewerbedeputation und im Bereich der Schul- und Waisenpflege mit.

Mitglieder der Casinofraktion in der Frankfurter Nationalversammlung

Veit selbst war politisch gemäßigt, blieb überzeugter Monarchist und erstrebte die deutsche Einheit unter Führung Preußens auf friedlichem Wege. Nach der Märzrevolution von 1848 war er Mitglied des liberalen konstitutionellen Clubs und für den 6. Berliner Wahlbezirk in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Nach Ernest Hamburger war er auch bereits Mitglied im Vorparlament.[3] Dort gehörte er der Casinofraktion an. Er hat im Plenum zwar nie gesprochen, hat sich aber intensiv an den Beratungen der volkswirtschaftlichen Kommission beteiligt. Als Zielvorstellung einer künftigen Wirtschaftspolitik formulierte er, dass diese „die Ausschließlichkeit des Privilegs ebenso vermeiden sollte, wie die ungezügelte Anarchie des Laissez-faire[4] Veit hat auch die Gründung der kurzlebigen Reichsbibliothek als einer deutschen Nationalbibliothek tatkräftig unterstützt.[5] Er veröffentlichte verschiedene Flugblätter und Schriften, in denen er unter anderem gegenüber seinen Wählern seine Positionen darstellte. Er hat dabei als Maßnahmen gegen die Radikalen auch die Verlegung der preußischen Nationalversammlung von Berlin nach Brandenburg begrüßt. [6]Er war von Dezember 1848 bis Mai 1849 auch Redakteur der "Parlamentskorrepondenz der Zentren." Er wählte Friedrich Wilhelm IV. zum Deutschen Kaiser mit. Zusammen mit seiner Partei schied er am 20. Mai 1849 aus dem Parlament aus. Er war im selben Jahr Teilnehmer des Gothaer Nachparlaments.[7] Im Jahr 1851 wurde er in einer Nachwahl in die erste Kammer des preußischen Landtages gewählt, wo er mit der geschwächten liberalen Partei sich weitgehend erfolglos für die Pressefreiheit einsetzte. In den frühen 1850er Jahren war er als politischer Schriftsteller besonders aktiv. Er schrieb regelmäßig für die „Constitutionelle Zeitung“ die er nach dem Ausscheiden von Rudolf Haym zeitweise auch redigierte. Auch auf Grund der Eingriffe durch die Zensur musste das Blatt sein Erscheinen bereits 1851 einstellen.

Veit hatte insbesondere wegen seiner politischen Äußerungen mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So wurde seinem Verlag der lukrative Berliner Wohnungsanzeiger entzogen. In den folgenden Jahren der Reaktion blieb er einer gemäßigten altliberalen Linie treu. In deren Umfeld stand Veit zwar nie in erster Reihe hat aber im Hintergrund Ratschläge gegeben und am politischen Leben mitgewirkt. Seit 1858 war er Mitglied im preußischen Abgeordnetenhaus. Er hat dort in vielen Kommission gewirkt und zusammen mit Hermann Carl Rudolf Duncker den Entwurf für eine Novelle der Gewerbegesetzgebung eingebracht. Nicht zuletzt hat er versucht die Reste der Diskriminierung der Juden zu bekämpfen. Veit gehörte an führender Stelle dem Deutschen Nationalverein an. Wie Gabriel Riesser gehörte er dem Präsidium an.[8] Zusammen mit anderen gehörte er dem Ausschuss zur Gründung der „Berliner Allgemeinen Zeitung“ an. Als er 1861 zu Beginn des preußischen Verfassungskonflikts für die von der Mehrheit der Liberalen abgelehnten Militärreform stimmte, bedeutete dies das Ende seiner politischen Laufbahn. Allerdings sollte sich sein Abschiedswort als zutreffend erweisen: „Ich will die Militärreform ohne – Ihr werdet sie mit einem konservativen Ministerium bekommen.“

Tätigkeit in der jüdischen Gemeinde[Bearbeiten]

Die neue Synagoge in Berlin um 1865

Neben seiner beruflichen und politischen Tätigkeit war Veit auch religiös engagiert. Allerdings lässt er sich nicht klar einer Richtung innerhalb des Judentums zuordnen. Bei aller Liberalität bewahrte er immer auch Respekt vor den traditionellen Formen seiner Religion. Gegenüber den Reformbestrebungen blieb er auf Abstand. Er setzte mit seinem langjährigen Freund Michael Sachs in der jüdischen Gemeinde einen Rabbiner durch, von dem er glaubte, dass dieser seine Haltung teilte.[9] Veit war von 1839 bis 1848 Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Danach war er Vorsteher des Repräsentantenkollegiums. Über zwei Jahrzehnte übte er einen entscheidenden Einfluss auf die Berliner jüdischen Gemeinde aus. Ihm war das 1840 gegründete und 1858 neuorganisierte Lehrerseminar besonders wichtig.[10] Erheblichen Anteil hatte er an der Ausarbeitung des Gemeindestatuts von 1847. In diesem Zusammenhang hat er auch eine allgemeine Schrift zum Thema veröffentlicht.[11] Auch für den Bau der neuen Synagoge war er intensiv tätig. Sie wurde allerdings erst nach seinem Tod eröffnet. In verschiedenen Fällen haben ihn die Behörden in Fragen des Judentums als Gutachter befragt und war bei Ministern und politischen Gremien als Interessenvertreter jüdischer Interessen tätig. Immer wenn es galt gegen Beschränkungen für jüdische Bürger vorzugehen, hat sich Veit zu Wort gemeldet. Teilweise kam es dabei auch zum Widerspruch mit seinen allgemeinen politischen Ansichten. So beklagte er, dass die Herrscher mehrfach das Prinzip der Gleichberechtigung beschworen hätten, diesen Grundsatz aber nie zur Ausführung kommen lassen. Dagegen wäre das Volk dem Prinzip der Gleichheit niemals untreu geworden.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernest Hamburger: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands : Regierungsmitglieder, Beamte u. Parlamentarier in der monarchischen Zeit. 1848 - 1918. Tübingen, 1968 S.177
  2. Juden - Bürger - Deutsche. Zu Vielfalt und Grenzen 1800-1933. Tübingen, 2001 S.185
  3. Ernest Hamburger: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands : Regierungsmitglieder, Beamte u. Parlamentarier in der monarchischen Zeit. 1848 - 1918. Tübingen, 1968 S.171
  4. Reinhard Rürup: Deutschland im 19. Jahrhundert 1815–1871. Göttingen, 1992 S.190
  5. Reichsbibliothek von 1848
  6. Jacob Toury: Die politischen Orientierungen der Juden in Deutschland. Tübingen, 1966 S.75
  7. Ernest Hamburger: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands : Regierungsmitglieder, Beamte u. Parlamentarier in der monarchischen Zeit. 1848 - 1918. Tübingen, 1968 S.172
  8. Juden - Bürger - Deutsche. Zu Vielfalt und Grenzen 1800-1933. Tübingen, 2001 S.174
  9. vergl.: Frank D. Lucas/Heike Frank: Michael Sachs, Der konservative Mittelweg. Tübingen, 1992
  10. Moritz Veit/L. Zunz: Das jüdische Schullehrer-Seminarium zu Berlin. Berlin, 1840 Digitalisat
  11. Entwurf einer Verordnung über die Verhältnisse der Juden und das Edikt vom 11. März 1813 (PDF; 132 kB)
  12. Jacob Toury: Die politischen Orientierungen der Juden in Deutschland. Tübingen, 1966 S.116

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Saint Simon und der Saintsimonismus. Allgemeiner Völkerbund und ewiger Friede. Leipzig, 1834 Digitalisat
  • Berliner Musenalmanach für 1831. Berlin, 1831 Digitalisat

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig Geiger: Veit, Moritz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 535–546.
  • Anne-Katrin Ziesak: Der Verlag Walter de Gruyter. Berlin, 1999. S.107ff.
  • Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 6. Berlin/Eberswalde 1908, S. 972-975. Digitalisat
  • Ernest Hamburger: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands : Regierungsmitglieder, Beamte u. Parlamentarier in der monarchischen Zeit. 1848 - 1918. Tübingen, 1968

Weblinks[Bearbeiten]