Moriz Benedikt (Publizist)

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Moriz Benedikt im Jahre 1904[1]

Moriz Benedikt, auch: Moritz Benedikt (* 27. Mai 1849 in Kwatschitz bei Ungarisch Hradisch, Mähren, heute Kvačice, Tschechische Republik; † 18. März 1920 in Wien) war ein österreichischer Publizist jüdischer Abstammung.

Biografie[Bearbeiten]

Moriz Benedikts Eltern waren der aus Holleschau in Mähren stammende Kaufmann Markus Benedikt (1810–1883) und dessen Frau Julie Hertzka (1821–1891).[2] Nach Wien gekommen, war er Mitschüler von Eugen Böhm von Bawerk (1851–1914) sowie Friedrich von Wieser (1851–1926), den späteren Mitbegründern der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Der Aufstieg der Deutschliberalen Partei zog Benedikt in den Bann der Politik: er wurde Mitarbeiter der von Julius Faucher (1820–1878) herausgegebenen Vierteljahrschrift für Volkswirthschaft und Culturgeschichte[3].[4]

1872 begann er als Redakteur der Neuen Freien Presse (NFP) in Wien, wo er sich schon ein Jahr später durch seine Darlegungen zum Gründerkrach einen Namen machte und in der Folge das Vertrauen bedeutender Persönlichkeiten insbesondere der Geldwirtschaft gewann, unter anderem von Börsenkommissar Eduard Schön (1825–1879) sowie Wilhelm von Lucam (1820–1900).[4]

1880 wurde er Mitherausgeber der NFP; von 1908 bis zu seinem Tod war er Chefredakteur. Er wurde als erster und einziger Journalist von Kaiser Karl I. (1887–1922) ins österreichische Herrenhaus, das Oberhaus des Reichsrates, berufen (19. Mai 1917)[5]. Auch finanziell war Benedikt sehr erfolgreich: 1910 lag er, mit einem Jahreseinkommen von 1,7 Millionen Kronen, auf Rang 11 der 926 Spitzenverdiener. (Der Herausgeber der damaligen Kronen Zeitung, Gustav Davis, lag mit 146.000 Kronen nur auf Rang 513.)[6][Anm. 1]

Er war aufgrund seiner wirtschaftsliberalen Einstellung eine der von Karl Kraus am schärfsten angegriffenen Personen, wodurch sein Name auch heute noch geläufig ist.

Benedikt war verheiratet mit Adele Krohn (* 30. April 1847 in Breslau; † 21. Februar 1935 in Wien),[7] der Tochter von Samuel Moritz Krohn (1810–1864) und Sophie Silberstein (1818–1900).[Anm. 2] Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Karl († 1905) sowie Ernst (1882–1973). Moriz Benedikt wurde in einem vom Architekten Karl König gestalteten Mausoleum auf dem jüdischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs (Gruppe 20, Reihe 1 Nr. 1a) beigesetzt. Das Mausoleum wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem US-amerikanischen Bombenangriff zerstört.

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 40 Jahre „Neue Freie Presse“. Mit sechs Illustrationen.. In: Österreichs Illustrierte Zeitung, Jahrgang 1904, S. 124 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/oiz.
  2. The Silberstein Family Genealogy. (…) Moriz Benedikt & Adele Krohn. In: kurrein.com, abgerufen am 2. Jänner 2013.
  3. ZDB-ID 200404-5.
  4. a b Das Hinscheiden von Moriz Benedikt. Ein Aufstieg aus eigener Kraft. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 19957/1920, 19. März 1920, S. 1. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  5. Amtlicher Teil. In: Wiener Zeitung, Nr. 116/1917, 22. Mai 1917, S. 1, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  6. Roman Sandgruber: Im Dienste der Kronen. In: diepresse.com, 14. Oktober 2011, abgerufen am 2. Jänner 2013.
  7. In memoriam. Adele Benedikt. In: Die Österreicherin. Nr. 3.1935 (VIII. Jahrgang). Bund österreichischer Frauenvereine (Hrsg.), Wien 1935, ZDB-ID 2695610-X, ZDB-ID 667410-0, S. 4. (Online bei ALO) sowie
    Adele Benedikt gestorben. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 25305 M/1935, 22. Februar 1935, S. 5, Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Zum Vergleich: Das Jahreseinkommen eines Dienstmädchens betrug 300 Kronen. – Sandgruber: Im Dienste der Kronen.
  2. Adele Benedikt, eine literarische Begabung, veröffentlichte Artikel in der Neuen Freien Presse. Ein besonderes Verdienst erwarb sie sich als Herausgeberin und Übersetzerin der Briefe von Jane Welsh Carlyle (1801–1866), Ehefrau von Thomas Carlyle (1795–1881). – Leonard Huxley, Adele Benedikt (Übers.): Jane Welsh Carlyle. Briefe an ihre Familie, 1839–1863. Zsolnay, Wien 1930.