Provinz Morona Santiago

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Provinz Morona Santiago
Provincia de Morona Santiago
Flagge
Bandera Província Morona Santiago.svg
Lage in Ecuador
Galápagos Esmeraldas Carchi Imbabura Sucumbios Orellana Napo Pichincha Santo Domingo de los Tsáchilas Manabí Cotopaxi Tungurahua Bolívar Los Ríos Guayas Cañar Chimborazo Pastaza Morona Santiago Azuay Santa Elena El Oro Loja Zamora Chinchipe Kolumbien PeruLage in Ecuador
Über dieses Bild
Basisdaten
Hauptstadt Macas
Bevölkerung 127.496 (2005, [1])
 - Anteil an Ecuador 1,0 %
 - Rang in Ecuador Rang 17 von 22
 - Dichte 5 Einwohner je km²
Fläche 23.875 km²
 - Anteil an Ecuador 9,3 %
 - Rang in Ecuador Rang 2 von 22
Kfz-Kennzeichen V
Eingerichtet 1953
Präfekt Jaime Mejía
(Pachakutik)
Gouverneur Luis Valencia
Sitze im
Nationalkongress
2 von 100
Gliederung 12 Kantone
ISO 3166-2 EC-S
www.moronasantiago.gov.ec

Morona Santiago (span. Provincia de Morona Santiago) ist eine Provinz in Ecuador. Sie liegt im Oriente genannten Anteil Ecuadors am Amazonasbecken und hat auf einer Fläche von 23.800 km² etwa 130.000 Einwohner. Ihre Hauptstadt ist Macas. Die Provinz ist benannt nach den Flüssen Morona und Santiago, die Nebenflüsse des Amazonas sind, bzw. nach zwei Kantonen, die die Namen der Flüsse tragen.

Lage[Bearbeiten]

Die Provinz Morona Santiago befindet sich im Südosten Ecuadors und zieht sich von den Osthängen der Anden bis ins Amazonastiefland hin. Sie grenzt im Norden an die Provinz Tungurahua, im Nordosten und Osten an die Provinz Pastaza, im Westen und Südwesten an die durch das Protokoll von Rio de Janeiro und nachfolgende Abkommen festgelegte Grenze zu Peru (Region Loreto) im Süden an die Provinz Zamora Chinchipe und im Westen an die Andenprovinzen Azuay, Cañar und Chimborazo.

Geographie[Bearbeiten]

Der Westen der Provinz Morona Santiago befindet sich zwischen dem Osthang der Anden und verschiedenen subandinen Kordilleren, darunter im Süden die Cordillera del Cóndor, die dreimal (1941, 1981 und 1995) Schauplatz von Grenzkriegen bzw. Kampfhandlungen zwischen Ecuador und Peru war (siehe unten). Hier wurden die letzten Grenzsteine erst 1999 gesetzt.

Der höchste Berg der Provinz ist der aktive Vulkan Sangay (5.230 m). Er befindet sich im Sangay-Nationalpark, den sich die Provinz Morona Santiago mit den Provinzen Tungurahua und Chimborazo teilt und der zum Weltnaturerbe gehört. Neben der Natur befinden sich hier auch Überreste von in der zweiten Hälfte des vierten Jahrtausends v. Chr. errichteten Pyramiden.

Den Großteil der Provinz bildet jedoch eine waldbewachsene Ebene, die von zahlreichen Flüssen durchzogen werden, die in den Bergen entspringen und dem Amazonas und seinen Nebenflüssen zufließen. Neben den namensgebenden Flüssen Morona und Santiago durchfließen unter anderem der Palora und der Bobonaza die Provinz. Der Upano, der Paute und Zamora sind Quellflüsse des Santiago. Der Pastaza bildet die Grenze zur gleichnamigen Provinz im Nordosten. Das Klima in dieser Region ist heiß und schwül.

Neben der Hauptstadt Macas sind Sucúa, ein Zentrum der Shuar und Achuar, und Gualaquiza wichtige Städte der Provinz.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Inka übten keinen bedeutenden Einfluss auf das Gebiet der heutigen Provinz Morona Santiago aus. Möglicherweise wichen die Vorfahren der Shuar und Achuar, der wichtigsten indigenen Volksgruppen in der heutigen Provinz, vor den vorrückenden Inka aus dem Gebiet der Provinz Loja in das Amazonasgebiet zurück.

Während der Konquista wurde der Oriente 1548 von Vizekönig Pedro de la Gasca formal in vier Eroberungsgebiete unterteilt, von denen eine ihren Stützpunkt in Macas hatte und eine gobernación beinhaltete. Tatsächlich gelang es der indigenen Bevölkerung aber, Missionare und Goldsucher lange von einem dauerhaften Vordringen fernzuhalten. So griffen Shuar und Verbündete 1599 in einem großen Feldzug die Goldsuchersiedlungen Sevilla de Oro und Logroño an und zerstörten sie.

Bis in das 19. Jahrhundert blieb Macas die einzige bedeutendere Siedlung in der Gegend. Im Gesetz über die territoriale Gliederung Großkolumbiens von 1824 wurde das Gebiet als Kanton Sangay der Provinz Chimborazo des Departamento del Ecuador (Quito) zugeordnet. Diese Zuordnung blieb nach der Unabhängigkeit Ecuadors (1830) bestehen. 1860 entstand erstmals anstelle des Kantons Sangay der Kanton Morona. Im Jahr 1921 wurden durch Verfeinerung der Territorialgesetzgebung im Amazonastiefland die Provinzen Napo-Pastaza und Santiago-Zamora geschaffen. Hauptstadt von Santiago-Zamora wurde Macas.

1925 wurde der Kanton Morona in die Kantone Macas und Morona unterteilt. Als 1953 die Provinz Morona Santiago durch Trennung von der neuen Provinz Zamora Chinchipe entstand, gehörte neben den nach 1925 neu eingerichteten Kantonen Gualaquiza, Santiago und Limón-Indanza zunächst nur der Kanton Macas zu selbiger, der Kanton Morona nicht. In der Folgezeit wurde 1955 der Kanton Macas aufgelöst und 1959 der Kanton Morona der Provinz angegliedert.

Die Cordillera del Cóndor[Bearbeiten]

Um das Gebiet der Cordillera del Cóndor, das sich auf ecuadorianischer Seite die Provinzen Morona Santiago und Zamora Chinchipe teilen, fanden 1941 (Peruanisch-Ecuadorianischer Krieg), 1981 (Peruanisch-Ecuadorianischer Grenzkrieg) und 1995 (Cenepa-Krieg) Grenzkriege bzw. Scharmützel zwischen ecuadorianischen und peruanischen Truppen statt. Grund ist die Tatsache, dass die Grenzverläufe, die 1936 und 1942 (im Protokoll von Rio de Janeiro) festgelegt wurden, an einigen Stellen den Verlauf der Gebirgsfalten nicht eindeutig berücksichtigten und daher mehrfach zu unterschiedlichen Interpretationen des Grenzverlaufs durch beide Länder führten. In den Grenzkriegen kämpften auf ecuadorianischer Seite auch Soldaten aus den indigenen Gruppen der Shuar und Achuar, die aufgrund ihrer Ortskenntnis dem ecuadorianischen Militär in verschiedenen Situationen Vorteile verschafften und damit hohes Ansehen in der nationalen Öffentlichkeit erwarben. 1998 unterzeichneten die Präsidenten Jamil Mahuad (Ecuador) und Alberto Fujimori (Peru) schließliche einen Friedensvertrag, in dessen Verlauf die Grenze eindeutig festgelegt wurde. In der Folge wurde in der Region der Cordillera del Condor ein binationales Naturschutzgebiet eingerichtet, um die dortige Artenvielfalt zu schützen.

Im Naturschutzgebiet Los Tayos in der Cordillera del Condor befindet sich eine Reihe von sehr tiefen Höhlen, die nach lokalen Überlieferungen inmense Schätze enthalten sollen. Erich von Däniken greift diese Legenden in seinem Buch Aussaat und Kosmos auf und bringt sie mit Außerirdischen in Verbindung.

Politik[Bearbeiten]

Präfekt der Provinz ist Marcelino Chumí vom Pachakutik, der Partei der Indígena-Bewegung in Ecuador. Der Bürgermeister der Hauptstadt Macas, Hipólito Entza gehoert ebenfalls Pachakutik an. Der vom Präsidenten Ecuadors eingesetzte Provinzgouverneur heißt Luis Valencia.

Kantone[Bearbeiten]

Die Provinz Morona Santiago ist derzeit in zwölf Kantone unterteilt. Diese sind (in der Reihenfolge ihrer Einrichtung):

  1. Morona (1824 wurde der Vorgängerkanton Sangay eingerichtet; Hauptstadt: Macas)
  2. Santiago (eingerichtet 1942, Hauptstadt: Santiago de Méndez)
  3. Gualaquiza (eingerichtet 1944; Hauptstadt: Gualaquiza)
  4. Limón-Indanza (eingerichtet 1950, Hauptstadt: General Leonidas Plaza Gutiérrez; Leonidas Plaza Gutiérrez war 1901-1905 und 1912-1916 Präsident von Ecuador)
  5. Sucúa (eingerichtet 1962, Hauptstadt: Sucúa)
  6. Palora (eingerichtet 1972, Hauptstadt: Palora, früher Metiera)
  7. San Juan Bosco (eingerichtet 1992, Hauptstadt: San Juan Bosco; benannt nach Johannes Bosco, dem Gründer des Salesianer-Ordens, der in der Provinz sehr aktiv ist)
  8. Huamboya (eingerichtet 1992, Hauptstadt: Huamboya)
  9. Taisha (eingerichtet 1996, Hauptstadt: Taisha)
  10. Logroño (eingerichtet 1997, Hauptstadt: Logroño; der Name stammt von der 1599 zerstörten Siedlung Logroño de los Caballeros, die sich in dieser Gegend befand; das heutige Logroño wurde von Missionaren in den 1930er Jahren gegründet)
  11. Pablo Sexto (eingerichtet 2001, Hauptstadt: Pablo Sexto, benannt nach Papst Paul VI.)
  12. Tiwinza (eingerichtet 2002, auch Tiwintsa; Hauptstadt: Tiwinza)

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. INEC, Población total y tasas brutas de natalidad, mortalidad general, mortalidad infantil y materna según regiones y provincias de residencia habitual, año 2005, abgerufen am 13. Oktober 2007.

-2.62-78Koordinaten: 3° S, 78° W