Mosasaurier

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Mosasaurier
Hainosaurus in einer Lebendrekonstruktion. Dieser Tylosaurine aus der Oberkreide wurde bis zu 17 Meter lang.

Hainosaurus in einer Lebendrekonstruktion. Dieser Tylosaurine aus der Oberkreide wurde bis zu 17 Meter lang.

Zeitliches Auftreten
Oberkreide (Cenomanium bis Maastrichtium)
100,5 bis 66 Mio. Jahre
Fundorte
  • Europa (Niederlande, Schweden)
  • Nordamerika
  • Afrika
  • Australien, Neuseeland, Antarktis
Systematik
Reptilien (Reptilia)
Diapsida
Lepidosauromorpha
Schuppenechsen (Lepidosauria)
Schuppenkriechtiere (Squamata)
Mosasaurier
Wissenschaftlicher Name
Mosasauridae
Gervais, 1853

Die Mosasaurier (Mosasauridae, „Maasechsen“) waren in der gesamten Oberkreide eine weltweit verbreitete Gruppe meeresbewohnender Reptilien.

Sie gehören wie die heute lebenden Schlangen, Echsen und Doppelschleichen zu den Schuppenkriechtieren (Squamata) und erreichten bis zu 17 Meter Länge. Georges Cuvier erkannte am Fossil von Mosasaurus hoffmannii erstmals in der Wissenschaftsgeschichte, dass die Möglichkeit des Aussterbens von Lebewesen besteht.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Extremitäten der Mosasaurier hatten sich als Anpassung an die aquatile Lebensweise zu Flossen ausgebildet, welche ähnlich einigen anderen fossilen Meeresreptilien die Kennzeichen des Phänomens der Hyperphalangie aufwiesen (überzählige Fingerglieder). Der lange Schwanz hatte am Ende eine hypocerke Flosse[1][2], d. h. das Ende der Wirbelsäule biegt sich nach unten und stützt den unteren, größeren Teil der Schwanzflosse. Der langgestreckte Schädel war mit einem sehr kräftigen Kiefer ausgestattet. Im Kiefer von Mosasauriern befanden sich hauptsächlich spitze, meist sehr gleichartige Zähne, doch gab es Ausnahmen wie die Gattung Globidens mit kugelförmigen Brechzähnen. Im mittleren Unterkiefer befand sich ein Gelenk, welches das Öffnen des Maules begünstigte. Mosasaurier hatten viele Wirbel, die sieben Halswirbel stützen zusammen mit den meist 22 Rückenwirbeln und den oft mehr als 100 Schwanzwirbeln den Körper der Mosasaurier. Der Augapfel wird durch einen Ring aus dünnen Knochenplatten um diesen geschützt (Skleralring). Dunkle Spuren (Eumelanin) im fossil erhaltenen Weichgewebe von Mosasaurierfossilien zeigen, das sie dunkel gefärbt waren und eine helle Bauchseite hatten.[3]

Wie die Ichthyosaurier und Plesiosaurier sollen die Mosasaurier in der Lage gewesen sein ihre Körpertemperatur auf einem konstant hohen, gleichwarmen Niveau von 35 bis 39 °C zu halten (Endothermie).[4]

Lebensweise[Bearbeiten]

Ernährung[Bearbeiten]

Mosasaurus hoffmannii

Das Gebiss der Mosasaurier lässt darauf schließen, dass sich Mosasaurier speziell von großem Nekton wie größeren Fischen ernährten. Fossilfunde, Körperbau und Ausmaße von Mosasauriern lassen darauf schließen, dass Seevögel (damals etwa Hesperornis) und tieffliegende Flugsaurier gefressen wurden, ebenso dürften diverse Meeresreptilien von Mosasauriern gejagt worden sein (wohl hauptsächlich Jungtiere), außerdem Ammoniten. Nach heutigen Erkenntnissen stellten sie der Beute nicht hetzend nach, sondern erlegten sie in schnellem Überraschungsangriff. Einige Mosasaurier wendeten andere Strategien an, um an andere Nahrung zu kommen. So brachen die Vertreter der Gattung Globidens auf Muschelbänken die Muscheln ab und verzehrten sie, ähnlich den sehr viel früher existenten und zu dieser Zeit nur noch fossil erhaltene Placodontiden.

Die Mosasaurier konnten mit den spitzen Zähnen zwar heftige Attacken starten, doch konnte mit diesen Zähnen die Nahrung nicht zerkleinert werden, daher musste die Beute komplett heruntergeschluckt werden. Durch das Gelenk im Unterkiefer konnte der Kiefer sehr weit geöffnet werden und große Nahrung aufnehmen. Gaumenzähne taten ein weiteres.

Schädel von Plioplatecarpus primaevus
Unterkiefer von Mosasaurus hoffmannii, historische Zeichnung aus dem „Album der natuur“ von 1866

Fortbewegung[Bearbeiten]

Die großen Extremitäten und die Körperproportionen von Mosasauriern lassen vermuten, dass Mosasaurier ziemlich wendig schwammen. Der Hauptantrieb kam dabei vom kräftigen Ruderschwanz. Bei einer Ausgrabung in Jordanien wurde das Fossil eines Prognathodon gefunden, das eine Schwanzflosse hat, deren länger Teil nach unten ragt anstatt nach oben wie bei den meisten Haien. Mosasaurier könnten mit dieser Schwanzflosse schneller geschwommen sein als bisher gedacht.[1][2]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Seit den Funden von Mosasauriaembryos innerhalb der Körper von ausgewachsenen Tieren gilt es als sicher, das Mosasaurier, wie die Ichthyosaurier, lebendgebärend waren. 1996 beschrieb Gorden Bell die fragmentierten Überreste eines Plioplatecarpus, gefunden in South Dakota, die die Knochen von zwei Embryos bargen. 2001 folgte die Beschreibung des Aigialosauriers Carsosaurus, in dessen hinterem Körperteil vier weit entwickelte Embryos lagen. Die Agialosaurier gelten als Vorfahren der Mosasauria bzw. als deren Schwestergruppe. Die Lage der Embryos zeigte, dass sie wie Wale und Ichthyosaurier mit dem Schwanz voran geboren wurden. Mosasauriaembryos waren bei der Geburt ein bis zwei Meter lang. In der Niobrara-Formation in Kansas wurde eine Ansammlung von sehr jungen Mosasauriern gefunden, deren fossile Überreste in einem Gebiet abgelagert wurden, das zu ihrer Zeit (Campanium bis unteres Coniacium) mehr als 300 km von der nächsten Küste des Western Interior Seaway entfernt lag. Die Tiere sind also wahrscheinlich auf dem offenen Ozean geboren worden.[5][6]

Forschungsgeschichte und Fossilfunde[Bearbeiten]

Fossile Nachweise von Mosasaurieren sind interkontinental in großer Vielfalt bekannt. Der erste Fund war 1770 in einem Kalksteinbau bei Maastricht. Durch Truppen während der französischen Revolution kam das Fundstück nach Paris, wo Georges Cuvier es als Echse identifizierte.

Systematik[Bearbeiten]

Die nächsten Verwandten der Mosasaurier sind die kleinen und noch nicht so sehr an ein marines Leben angepassten Aigialosaurier, mit denen sie zusammen das Taxon Mosasauroidea bilden. Die Mosasauroidea stehen wahrscheinlich den rezenten Waranen sehr nahe und waren ein erfolgreicher, doch verhältnismäßig kurzlebiger Seitenzweig der Stammlinie der Warane, welcher sich der marinen Lebensweise anpasste. Eine Minderheit von Wissenschaftlern glaubt, dass die Mosasaurier näher mit Schlangen (Serpentes) als mit Waranen verwandt sind, und nennt das Taxon, das Schlangen und Mosasaurier vereint, Pythonomorpha [7].

Innerhalb der Mosasaurier werden die primitiveren Halisaurinae und die fortschrittlicheren Natania unterschieden. Innerhalb der Unterfamilie Mosasaurinae finden sich stark abgewandelte Formen, die z.B. ein Brechgebiss entwickelten und, wie Globidens zu Molluskenfressern wurden oder spezialisierte Ichthyosaurierähnliche Fischfresser, wie Plotosaurus. Der krokodilähnliche Goronyosaurus steht isoliert. [8] [9]

Etymologie[Bearbeiten]

Der französisch-belgisch-niederländische Fluss Maas wird im Lateinischen „Mosa“ genannt. Die ersten Fossilien wurden nahe diesem Fluss gefunden, daher der wissenschaftliche Name Mosasauridae, dies bedeutet also „Maasechse“.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Sander: †Mosasauria, Maasechsen. In: Wilfried Westheide & Reinhard Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie Teil 2: Wirbel- oder Schädeltiere, Gustav Fischer, S. 380, ISBN 3-8274-0900-4
  • O. Kuhn: Reptilien der Urzeit. In: Bernhard Grzimek (Hrsg.): Grzimeks Tierleben, Bechtermünz Verlag, Augsburg 2000 (unveränderter Nachdruck der dtv-Ausgabe von 1979/80), S. 70 f, ISBN 3-8289-1603-1
  • Jasper James: Die Kreide. In: Nigel Marven & Jasper James: Monster der Tiefe, S. 104–125, ISBN 3-8025-1573-0 (Übersetzung der englischen Originalausgabe von 2003)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Johan Lindgren, Hani F. Kaddumi & Michael J. Polcyn: Soft tissue preservation in a fossil marine lizard with a bilobed tail fin. Nature Communications 4, Article number: 2423, September 2013, doi:10.1038/ncomms3423
  2. a b Nature, 11. September 2013 - MVI/NP:Meeressaurier mit Haifisch-Flosse, Mosasaurier waren wendiger als gedacht - dank haiähnlicher Schwanzflossen in scinexx.de, Datum: 11. September 2013, Abgerufen: 11. September 2013
  3. Johan Lindgren, Peter Sjövall, Ryan M. Carney, Per Uvdal, Johan A. Gren, Gareth Dyke, Bo Pagh Schultz, Matthew D. Shawkey, Kenneth R. Barnes, Michael J. Polcyn. Skin pigmentation provides evidence of convergent melanism in extinct marine reptiles. Nature, 2014; DOI: 10.1038/nature12899
  4. A. Bernard, C. Lecuyer, P. Vincent, R. Amiot, N. Bardet, E. Buffetaut, G. Cuny, F. Fourel, F. Martineau, J.-M. Mazin, A. Prieur. Regulation of Body Temperature by Some Mesozoic Marine Reptiles. Science, 2010; 328 (5984): 1379 doi:10.1126/science.1187443
  5. Richard Ellis: Sea Dragons: Predators of the Prehistoric Oceans. S. 217–218, University Press of Kansas, 2003, ISBN 0-7006-1269-6
  6. Everhart, M. J. 2005: Rapid evolution, diversification and distribution of mosasaurs (Reptilia; Squamata) prior to the K-T Boundary. Tate 2005 11th Annual Symposium in Paleontology and Geology, Casper, WY, p. 16–27 online
  7. M. S. Y. Lee: The phylogeny of varanoid lizards and the affinities of snakes. Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci. 1997 January 29; 352(1349): 53–91.doi:10.1098/rstb.1997.0005
  8. Kladogramm bei Oceans of Kansas
  9. Kladogramm bei Mikko’s Phylogeny Archive
  10. Johan Lindgren, Michael J. Everhart, Michael W. Caldwell: Three-Dimensionally Preserved Integument Reveals Hydrodynamic Adaptations in the Extinct Marine Lizard Ectenosaurus (Reptilia, Mosasauridae). PLoS ONE, 2011, doi:10.1371/journal.pone.0027343

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mosasaurier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien