Moschuskrautgewächse

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Moschuskrautgewächse
Japanischer Holunder (Sambucus racemosa subsp. sieboldiana)

Japanischer Holunder (Sambucus racemosa subsp. sieboldiana)

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Moschuskrautgewächse
Wissenschaftlicher Name
Adoxaceae
E.Mey.

Die Moschuskrautgewächse (Adoxaceae) sind eine Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Kardenartigen (Dipsacales). Sie enthält seit 2011 vier Gattungen mit etwa 220 Pflanzenarten hauptsächlich auf der Nordhalbkugel.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration von Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus)
Illustration von Moschuskraut (Adoxa moschatellina)

Da diese Familie nach molekulargenetischen Erkenntnissen zusammengeordnet wurde, sind nur wenige Merkmale allen Gattungen gemeinsam.

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Bis auf die wenigen Gattungen Adoxa und Sinadoxa, die als kleine ausdauernde krautige Pflanzen wachsen, sind die meisten Arten verholzende Pflanzen, die meist als Sträucher, seltener als kleine Bäume wachsen.

Alle Arten der Adoxaceae besitzen gegenständige Laubblätter. Die Blattspreiten sind einfach (Viburnum) oder zusammengesetzt (Sambucus, Adoxa und Sinadoxa).

Moschuskraut (Adoxa moschatellina)
Attich (Sambucus ebulus)
Früchte des Wolligen Schneeballs (Viburnum lantana)

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die endständigen, ährigen, rispigen, doldigen oder kopfigen, meist zymösen Blütenstände enthalten wenige bis zahlreiche Blüten.

Die oft relativ kleinen Blüten sind zwittrig, radiärsymmetrisch und meist fünfzählig, seltener drei- bis vierzählig. Die meist fünf Kelchblätter sind verwachsen und der Kelch ist während der Entwicklung offen. Die meist fünf Kronblätter sind verwachsen und die Kronlappen sind oft flach radförmig angeordnet. Es ist mit dem äußeren nur ein Kreis mit freien, fertilen und in der Kronröhre inserierten Staubblättern vorhanden. Die Staubblattzahl variiert von fünf bei Sambucus und Viburnum bis zu fünf, vier oder drei Staubblättern bei Adoxa und Sinadoxa. Bei Adoxa und Sinadoxa sind die Staubfäden bis fast zum Grund gespalten, sodass der Eindruck entsteht, es handle sich um doppelt soviele Staubblätter. Die Staubbeutel öffnen sich mit einem Längsschlitz. Es ist mit dem inneren Staubblattkreis ein Kreis mit fünf, vier oder drei Staminodien vorhanden. Drei, vier oder fünf Fruchtblätter sind zu einem halbunterständigen bis unterständigen, ein- oder drei- bis fünfkammerigen Fruchtknoten verwachsen. Es sind ein, drei, vier oder fünf meist kurze Griffel vorhanden oder er fehlt. Die Narben sind kopfig oder zwei- bis dreiteilig.

Die Steinfrucht enthält einen oder drei bis fünf Samen.

Systematik[Bearbeiten]

Die Familie Adoxaceae wurde 1839 durch Ernst Heinrich Friedrich Meyer in Preussens Pflanzengattungen, Seite 198 aufgestellt. Typusgattung ist Adoxa L. [1] Synonyme für Adoxaceae E.Mey. sind Sambucaceae Batsch ex Borkh. und Viburnaceae Raf. [2]

Gensequenz-Analysen zeigen, dass die Gattungen Adoxa und Sinadoxa zusammen mit den früher zu den Geißblattgewächsen (Caprifoliaceae) gestellten Sambucus und Viburnum eine gemeinsame Abstammung aufweisen, daher in eine Familie zu stellen sind und so nach der Systematik der Bedecktsamer nach APG III eine monophyletische Familie ergeben [3].

Die Familie Adoxaceae enthält seit 2011 vier Gattungen mit etwa 220 Arten:[4]

  • Adoxa L. (Syn.: Moscatella Adans., Moschatellina Mill., Tetradoxa C.Y.Wu): Sie drei oder vier Arten in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel verbreitet:
  • Sinadoxa C.Y.Wu, Z.L.Wu et R.F.Huang: Sie enthält nur eine Art:
    • Sinadoxa corydalifolia C.Y.Wu, Z.L.Wu et R.F.Huang: Es ist ein Endemit nur in Nangqên und Yushu im südlichen Qinghai, der in Höhenlagen zwischen 3900 und 4800 Metern an Felsüberhängen, in feuchten Schluchten und alpinen Felsschutthängen gedeiht.[4]
  • Holunder (Sambucus L.): Sie enthält nur noch etwa zehn (früher bis zu 40) Arten in gemäßigten bis subtropischen Gebieten und tropischen Gebirgen.
  • Schneeball (Viburnum L., Syn.: Actinotinus Oliv.): Sie enthält etwa 200 Arten hauptsächlich in gemäßigten bis subtropischen Gebieten Asiens und Südamerikas; davon 73 Arten in China.[4]

Quellen[Bearbeiten]

  • Adoxaceae E. Meyen, nom. cons. In: Angiosperm Phylogeny Website - Online. Abgerufen am Januar 2012 (englisch). (Abschnitt Systematik und Beschreibung)
  •  Deyuan Hong, Qiner Yang, Valéry Malécot & David E. Boufford: Adoxaceae. In: Flora of China Editorial Committee: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven & Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Cucurbitaceae through Valerianaceae, with Annonaceae and Berberidaceae. 19, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 28. Februar 2011, ISBN 978-1-935641-04-9, S. 570-616 (- textgleich online wie gedrucktes Werk.). (Abschnitt Beschreibung, Verbreitung und Systematik)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adoxaceae bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 28. Januar 2012.
  2. Adoxaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 28. Januar 2012.
  3. ADOXACEAE E. Meyen, nom. cons. In: Angiosperm Phylogeny Website - Online. Abgerufen am Mai 2014 (englisch).
  4. a b c d e  Deyuan Hong, Qiner Yang, Valéry Malécot & David E. Boufford: Adoxaceae. In: Flora of China Editorial Committee: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven & Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Cucurbitaceae through Valerianaceae, with Annonaceae and Berberidaceae. 19, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 28. Februar 2011, ISBN 978-1-935641-04-9, S. 570-616 (- textgleich online wie gedrucktes Werk.).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Moschuskrautgewächse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien