Moses und Aron
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| Werkdaten | |
|---|---|
| Originaltitel: | Moses und Aron |
| Originalsprache: | Deutsch |
| Musik: | Arnold Schönberg |
| Libretto: | Arnold Schönberg |
| Uraufführung: | 12. März 1954 (konzertant)
6. Juni 1957 (szenisch) |
| Ort der Uraufführung: | Hamburg (konzertant)
Zürich (szenisch) |
| Spieldauer: | ca. 96 Minuten |
| Ort und Zeit der Handlung: | Ägypten und Sinai
um 1200 v. Chr. |
| Personen | |
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Moses und Aron ist eine Oper von Arnold Schönberg in zwei Akten; der dritte Akt blieb unvollendet. Das Werk wurde in Dodekaphonie komponiert und basiert auf einer einzigen Zwölftonreihe.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Komposition und Aufführungspraxis
Schönberg beschäftigte sich seit dem Jahre 1923 mit dem Mose-Stoff. 1925 griff er in seinen Vier Stücken für gemischten Chor, op. 27 in dem zweiten Stück Du sollst nicht, du mußterstmals das Grundthema der Oper, das Zweite Gebot „Du sollst dir kein Bild machen“, auf einen eigenen Text auf:[1]
- Du sollst dir kein Bild machen!
- Denn ein Bild schränkt ein,
- begrenzt, faßt
- Was unbegrenzt und unvorstellbar bleiben soll.[2]
1928 begann Schönberg mit den Vorarbeiten zum Libretto. Zunächst hatte Schönberg das Werk als Oratorium geplant. Da aber der Verlag Bote & Bock kein Oratorium verlegen wollte, entschloss sich Schönberg, das Werk als Oper auszuarbeiten. In der Zeit von Mai 1930 bis zum 10. März 1932 komponierte er den 1. und 2. Akt. Nach seiner Emigration in die USA, im Jahre 1937, griff er den Stoff zwar noch einmal auf und notierte einige musikalische Ideen für den 3. Akt, gab aber danach das Projekt auf.
Moses und Aron wurde 1951, wenige Wochen vor Schönbergs Tod, erstmals in Teilen der Öffentlichkeit präsentiert. Schönberg erklärte sich einverstanden, dass der nicht mehr komponierte dritte Akt, von dem nur eine Szene vorliegt, bloß gesprochen aufgeführt wird, falls ich [die] Komposition nicht vollenden kann.
Die konzertante Uraufführung des gesamten Fragments erfolgte am 12. März 1954 in Hamburg, die szenische am 6. Juni 1957 im Stadttheater Zürich. Obwohl die Oper zunächst als unaufführbar galt, konnte sich das Werk in der zweiaktigen Form auf der Opernbühne und im Konzertsaal durchsetzen. Mit der dramatischen Gegenüberstellung von Prophet und Priester, dem theologischen „Konflikt zwischen Gedanken und Bild“, schuf Schönberg eines seiner ausdrucksstärksten Werke.
[Bearbeiten] Handlung
[Bearbeiten] Vorgeschichte, Hintergrund
Die Handlung lehnt sich frei an das 2. Buch Mose (Exodus) an. Das Volk Israel, das in der Zeit Josephs in Ägypten eingewandert war, musste nach biblischen Angaben seit Ramses II. Zwangsarbeit leisten, vor allem beim Ausbau der Stadt Pi-Ramesse im östlichen Nildelta. Nachdem Moses im Zorn einen Ägypter erschlagen hatte, floh er in die Wüste, um der Strafe zu entgehen. Dort hütete er Schafe.
[Bearbeiten] Erster Akt
In der ersten Szene, der Berufung, verehrt Moses den Gott der Väter.
- „Einziger, ewiger, allgegenwärtiger,
- unsichtbarer und unvorstellbarer Gott!“
Da vernimmt er die Stimme Gottes aus dem brennenden Dornbusch, die ihn auffordert, sein Volk von dem Polytheismus und aus der Knechtschaft zu befreien. Als äußeres Zeichen soll Moses Wunder tun. Moses lehnt zunächst ab, da er der Stimme nicht mächtig sei. „Meine Zunge ist ungelenk, ich kann denken, aber nicht reden.“ Daraufhin stellt ihm die Stimme aus dem Dornbusch seinen Bruder Aron zur Seite. Dieser soll der „Mund“ des Moses sein.
Das sprachliche Unvermögen des Moses wird dadurch stilisiert, dass er während der gesamten Oper nicht singt, sondern im Sprechgesang deklamiert. Mit diesem Sprechgesang werden der Kontrast zu den anderen Personen der Oper und die Einzigartigkeit des Propheten herausgestellt.
In der zweiten Szene begegnen sich Moses und Aron in der Wüste. Hier kommt erstmals der Gegensatz der beiden Brüder zum Ausdruck. Während Moses die Berufung durch Gott betont, sieht Aron eher den konkreten, elitären Charakter der Erwählung. Dies ist die einzige Szene der Oper, in der Moses kurzfristig in Gesang verfällt.
Die dritte Szene steht unter dem Motto: Moses und Aron verkünden dem Volk die Botschaft Gottes. Tatsächlich ist die 3. Szene eine Volksszene. Das Volk Israel, das in den ägyptischen Polytheismus zurückgefallen ist, vermutet, dass Moses und Aron einen neuen Gott verkünden wollen, der Blutopfer verlangt. Die Szene endet damit, dass Moses und Aron zu ihrem Volk zurückkehren.
In der vierten Szene deklamiert Moses vor dem Volk
- „Der Einzige, Ewige, Allmächtige, Unsichtbare, Unvorstellbare....“.
Während Moses einen abstrakten Gott verkündet, vereinfacht Aron die Botschaft und betont die Auserwählung Israels vor allen Völkern. Es kommt zur Auseinandersetzung mit dem Volk, das keinen abstrakten unsichtbaren Gott will, sondern ein konkretes Götterbild zur Anbetung. Daraufhin entreißt Aron dem Moses den Stab, wirft ihn zu Boden, und der Stab wird zur Schlange. Nach diesem Wunder beginnt das Volk zu glauben, dass sie der neue Gott aus der Knechtschaft befreien könne. Mit zwei weiteren Wundern kann Aron das Volk endgültig von der Allmächtigkeit des neuen Gottes überzeugen. Die Menschen haben nur noch einen Wunsch:
- „Alles für die Freiheit! ... Auf in die Wüste!“
Während Moses auf eine Reinigung der Gedanken anspielt, vereinfacht Aron noch einmal die Botschaft:
- „Er hat euch auserwählt vor allen Völkern, das Volk des einzigen Gottes zu sein.“
Er verheißt ihnen ein Land, in dem Milch und Honig fließen, und prophezeit den Untergang des Pharao. Die Szene endet mit einer Chorhymne an den Allmächtigen, in der die Hoffnung auf die Befreiung zum Ausdruck kommt. Mit dieser im Marschtempo komponierten Hymne nimmt Schönberg den Exodus musikalisch vorweg.
[Bearbeiten] Zweiter Akt
Nach den zehn ägyptischen Plagen konnte das Volk Israel aus Ägypten ausziehen und den Nachstellungen des Pharao beim Zug durch das Schilfmeer entkommen, was Schönberg als bekannt voraussetzt.
Schauplatz des 2. Aktes ist die Gegend rund um den Berg der Offenbarung im Sinai. Im Zwischenspiel vor dem Einsetzen des Aktes fragt ein sechsstimmiger Flüsterchor nach dem Verbleib von Moses, der sich bereits seit 40 Tagen auf dem Berg aufhält.
Erste Szene: Aron und die siebzig Ältesten vor dem Berg der Offenbarung.
Die Ältesten murren, dass sie bereits seit 40 Tagen vergeblich auf Moses warten müssen. Das Volk sei aufgebracht. Aron versucht vergeblich, die Ältesten zu beschwichtigen.
In der zweiten Szene dringt das aufgebrachte Volk vor. Es will sich nicht länger hinhalten lassen, sondern verlangt die ägyptischen Götter zurück. Aron zweifelt an dem Auftrag, gibt schließlich nach und befiehlt, ein Bildnis aus Gold anzufertigen. Das Volk ist begeistert.
Dritte Szene: Das goldene Kalb und der Altar.
Nach der Anfertigung des Goldenen Kalbes verweist Aron ironisch auf das Götzenbild:
- „Dieses Bild bezeugt, dass in allem, was ist, ein Gott lebt. ... Verehrt euch selbst in diesem Sinnbild!“
Anschließend beginnt ein orgiastischer Opfertanz mit einer Orgie der Trunkenheit und des Tanzes, sowie einer Orgie der Vernichtung und des Selbstmords, wobei es zu Blutopfern kommt. Nach weiteren Exzessen, wie einer erotischen Orgie sinken alle ermattet nieder. Schönbergs Musik zu den Ausschweifungen besteht aus orgiastischen Liedern und Tänzen, die in pentatonischen Ostinati mit Betonung des Schlagzeugs enden.
In der vierten Szene kehrt Moses mit den Gesetzestafeln zurück. Auf die Worte des Moses „Vergeh, du Abbild des Unvermögens, das Grenzenlose in ein Bild zu fassen!“ vergeht das Goldene Kalb. Das Volk weicht zurück und bedauert im Abgehen, dass nun alle Freude und Hoffnung vergangen sei. „Unser Gott ist wieder unsichtbar.“
In der fünften Szene kommt es zur Auseinandersetzung zwischen Moses und Aron. Aron rechtfertigt sich damit, aus Liebe zum Volk gehandelt zu haben.
Seine Thesen lauten:
- „Ein Volk kann nur fühlen.“
- „Kein Volk kann glauben, was es nicht fühlt.“
- „So mache dich dem Volk verständlich, auf ihm angemeßne Art.“
Moses widerspricht:
- „Ich soll den Gedanken verfälschen?“
Er zertrümmert die Gesetzestafeln. Im Hintergrund zieht das Volk hinter einer Feuer- und Wolkensäule her. Wieder ein Zeichen. Moses sieht sein Gottesbild erschüttert. Aron dagegen jubelt:
- „Der Allmächtige gibt dem Volk durch mich ein Zeichen.“
Im Gegensatz zur biblischen Überlieferung scheint die Feuer- und Wolkensäule ein weiteres Trugbild des Aron zu sein. Moses verzweifelt an seiner Gottesvorstellung. Der Akt endet mit den Worten des Moses: „O Wort, o Wort, das mir fehlt!“
[Bearbeiten] Dritter Akt
Der dritte Akt, der nicht mehr von Schönberg komponiert wurde, besteht aus einer einzigen Szene. Moses hat sein Selbstvertrauen zurückgewonnen. Als Aron gefesselt vor Moses geführt wird, kommt es zu einer erneuten Auseinandersetzung, wobei ihm Moses den Rückfall in den Polytheismus vorwirft. Er erklärt ihm noch einmal seine Vorstellung von einem einzigen Gott, der nicht in Bildern verehrt werden darf, und erneuert seine Vorwürfe:
- „Verraten hast du Gott an die Götter, den Gedanken an die Bilder...“
Als einige Krieger Aron ergreifen und töten wollen, bittet Moses um dessen Freilassung. Aron fällt, von Gott getroffen, tot um.
[Bearbeiten] Diskografie (Auswahl)
- Dirigent: Georg Solti, mit Franz Mazura (Moses) und Philip Langridge (Aron)
- Dirigent: Michael Gielen, mit Günther Reich und Louis Devos
- Dirigent: Pierre Boulez (zweite Aufnahme 1995), mit David Pittman-Jennings und Chris Merritt
[Bearbeiten] Filmaufnahmen
- DVD: Live - Aufnahme aus der Wiener Staatsoper. Dirigent: Daniele Gatti, Regie: Reto Nickler, Moses: Franz Grundheber, Aron: Thomas Moser
[Bearbeiten] Literatur
- Paul Griffith, Gerd Uekermann: Analyse im Beiheft der Aufnahme unter Solti, 1985
- Klaus Schulz (Hrsg.): Moses und Aron, Oper von Arnold Schönber. Programmheft zur Neuinszenierung, München, 1982
- Karl H. Wörner: Gotteswort und Magie, Die Oper "Moses und Aron" von Arnold Schönberg. Verlag Lambert Schneider, Heidelberg 1959
[Bearbeiten] Weblinks
- Autographer Text- und Verlaufsentwurf zum III. Akt von »Moses und Aron«
- Werkanalyse
- Literatur über Moses und Aron in der Deutschen Nationalbibliothek

