Moses von Choren

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Moses von Choren (links) auf einem Manuskript aus dem 14. Jahrhundert

Moses von Choren (armenisch Մովսէս Խորենացի, Movses Chorenazi, in wissenschaftlicher Transliteration Movsēs Xorenac‘i; 5. Jahrhundert n. Chr.) war ein spätantiker armenischer Historiker. Er gilt als einer der bedeutendsten armenischen Geschichtsschreiber und als Vater der armenischen Historiographie.

Leben[Bearbeiten]

Nach eigenen Angaben war Moses ein Jünger des heiligen Mesrop und verfasste das Werk seines Meisters auf Wunsch des bagratunidischen Prinzen Isaac (Sahak), der im Jahr 482 im Krieg fiel.

Manche Forscher vermuten, dass Moses nicht der Autor des Werkes „Die Geschichte Armeniens“ sei. Die historische Persönlichkeit des Moses von Choren, der einer der ehrwürdigsten Väter der armenischen Kirche war, wird jedoch nicht angezweifelt. Lazarus von Pharp bezeugt die Existenz eines armenischen Bischofs namens Moses im 5. Jahrhundert, der ein brillanter Autor war.

Moses von Choren ist auch als Poet oder Hymnenschreiber bekannt. Er war ferner ein bedeutender Grammatiker. Es ist von einem Bewohner von Khoren die Rede, der von Mesrop, dem Gründer der armenischen Literatur, zu Studienzwecken nach Edessa, Konstantinopel, Alexandria, Athen und Rom geschickt wurde. Nach seiner Rückkehr half er Mesrop bei der Bibelübersetzung ins Armenische. Sein Geburtsdatum ist unbekannt. Doch die obengenannten Daten deuten darauf hin, dass seine Geburt in die Zeit gegen Ende des 4. Jahrhunderts fiel. Sein Tod wird an das Ende des 5. Jahrhunderts datiert.

Geschichte Armeniens[Bearbeiten]

Moses von Chorens Werk „Geschichte Armeniens“ umfasst die Zeit von der Bildung des armenischen Volks bis zu seiner Gegenwart, in der das Oströmische Reich und das Sassanidenreich um den Einfluss auf Armenien stritten. Es enthält reiches und einzigartiges Material, mit antiken armenischen Legenden, die vorchristliche Religion, das alltägliche Leben im Land und dessen Beziehungen mit der übrigen Welt. Es beinhaltet auch viele Informationen über die Geschichte und Kultur der benachbarten Länder.

Der Autor steht anderen Informationsquellen kritisch gegenüber. Charakteristisch sind seine außergewöhnlichen literarischen Verdienste in der anschaulichen Beschreibung des Volkes und der Geschehnisse, der Zusammenklang der Struktur im Ganzen und vor allem die malerisch-lakonische Sprache. Das Buch hatte eine enorme Auswirkung auf die armenische Historiografie.

Das Buch besteht aus drei Teilen:

  • Genealogie Großarmeniens“ behandelt die Geschichte von Armenien von Anbeginn bis zur Gründung der arsakidischen Dynastie 149 v. Chr und ist weitgehend sagenhaft.
  • „Die Geschichte unserer Vorfahren in der mittleren Periode“ erstreckt sich von 149 v. Chr. bis zum Tod des hl. Gregor des Erleuchters und der Herrschaft des Königs Trdat III. zwischen 149 und 332 n. Chr.
  • Im dritten Teil wird die Geschichte bis zum Sturz der arsakidischen Dynastie 428 n. Chr. behandelt.

Der erste Teil ist als Geschichtsquelle weitgehend unbrauchbar[1]. Es gibt auch einen vierten Teil, der die Geschichtserzählung bis zum oströmischen Kaiser Zeno (474-491) fortschrieb. Dieser wurde später von einem anderen Autor dem Werk hinzugefügt. Die ersten drei Teile beinhalten auch manche zeitlich falsch eingeordnete Daten, die im Widerspruch mit anderen armenischen Schriften, wie denen von Koriun und Lazarus von Pharp stehen, die ebenfalls im fünften Jahrhundert n. Chr. gelebt haben. Aufgrund dieser Widersprüche und falschen Einordnungen vermuteten einige Forscher (Bardenhewer, Carrière), dass die „Geschichte von Armenien“ nicht von Moses von Khorene stammt.

Wir wissen nicht, was das Motiv des Autors des vierten Buch war, der im achten oder neunten Jahrhundert das Buch im Namen von Moses von Choren editiert hat. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass er die bagratunische Dynastie, die vom Ende des siebten Jahrhunderts an alle anderen Dynastien an Glanz übertraf, glorifizieren wollte.

Obwohl dieser Autor erst später gelebt hat, werden seine Datierungen als zuverlässig angesehen. Er verwendete eine blumige Erzählweise über die damaligen Staatsmänner, wobei seine Figuren in den Erzählungen gelegentlich, je nach Laune des Autors, umgewandelt und die Ideen den Figuren adaptiert werden; trotzdem kann man nicht behaupten, dass die behandelten Figuren fiktiv waren. Seine Angaben über die frühe Geschichte Armeniens stammen prinzipiell aus Legenden und Volksgesängen

Die erste Auflage «Geschichte Armeniens» wurde 1695 in Amsterdam, die zweite 1736 in London und die dritte Ausgabe 1752 in Venedig gedruckt. Die dritte Ausgabe wurde ins Französische und Italienische übersetzt. Die beste Übersetzung stammt von Langlois mit dem Titel «Historiens Anciens de l'Arménie» (Paris, 1867). Die Venediger Mechitharisten haben 1827 und zwischen 1843 und 1864 ebenfalls mehrere Auflagen des Werks herausgegeben. Deutsche Übersetzung: Des Moses von Chorene Geschichte Gross-Armeniens. Aus dem Armenischen übersetzt von M. Lauer. Manz, Regensburg 1869. Englisch: R. W. Thomson: Moses Khorenats'i, History of the Armenians. Translation and Commentary on the Literary Sources. Revised Edition. Caravan Books, Ann Arbor 2003. ISBN 2-87754-141-X

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert H. Hewson, The Primary History of Armenia": An examination of the validity of an immemorially transmitted historical tradition. History in Africa 2, 1975, 91-100

Werk[Bearbeiten]

Folgende Werke werden ihm zugeschrieben:

  • «Geschichte Armeniens» Das berühmteste Werk. Praktisch das einzige Werk, welches die frühe Geschichte und Traditionen vom vorchristlichem Armenien aufbewahrt und an die nächsten Generationen weitervermittelt hat.
  • «Die Abhandlung über Rhetorik»,
  • «Die Abhandlung über Geographie»,
  • «Ein Brief über die These von B. V. M.»,
  • «Die Predigt über Messias’ Umwandlung»,
  • «Eine Ansprache für Hripsime, die armenische Jungfrau und Märtyrerin»,
  • «Im Gottesdienst der armenischen Kirche gebräuchlichen Hymnen»,
  • «Kommentare über die armenischen Grammatiker» und
  • «Erklärungen der armenischen Kirchenvertreter».

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]