Moshe Zuckermann

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Moshe Zuckermann (2009)

Moshe Zuckermann (hebräisch ‏משה צוקרמן‎, geboren 1949 in Tel Aviv) ist ein israelischer Soziologe und Professor für Geschichte und Philosophie an der Universität Tel Aviv. Seit 2010 ist er wissenschaftlicher Leiter der Sigmund Freud Privatstiftung in Wien.

Leben[Bearbeiten]

Zuckermann wurde als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Israel geboren und wuchs in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Deutschland (Frankfurt am Main), wo Zuckermann auch studierte. Mit 21 Jahren kehrte er von Frankfurt nach Israel zurück. Dort lehrte er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas der Universität Tel Aviv.[1] Von Februar 2000 bis 2005 leitete er das Institut für Deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv. 2006/2007 war er Gastprofessor am Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) der Universität Luzern.[2]

Politische Position[Bearbeiten]

Zuckermann gilt als Kritiker der israelischen Politik und Gesellschaft. Er steht politisch links und strebt langfristig eine Konföderation zwischen Israel und einem unabhängigen Staat Palästina an.

„Es muss eine zumindest symbolische Anerkennung des Rückkehrrechts geben, was de facto heißt, dass man zwischen 250.000 und 400.000 Palästinenser im Zuge der Vereinigung von Familien ins Kernland von Israel zurückkehren lässt. Die anderen werden im neuen palästinensischen Staat oder in den Ländern, in denen sie sich heute befinden, repatriiert. Und zwar unter Verwendung der Gelder, die dann wirklich aus dem Westen fließen müssen. Aus meiner Perspektive kann dies nur eine Zwischenlösung sein, schließlich bin ich weder Nationalist noch Etatist. Ich bin der Meinung, dass Israel und der palästinensische Staat langfristig nur in konföderativen Strukturen existenzfähig sind, die übrigens zunächst nur unter kapitalistischen Bedingungen denkbar sind.“[3]

Zuckermann ist Anhänger der Kritischen Theorie und referiert regelmäßig zu entsprechenden Themen. Er unterstützt die Tierrechtsbewegung und lehnt im Sinne der „Versöhnung von Mensch und Natur“ den Speziesismus ab.[4]

Werk[Bearbeiten]

als Autor

  • „Antisemit!“. Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument. Promedia, Wien 2010, ISBN 978-3-85371-318-1.
  • Sechzig Jahre Israel. Die Genesis einer politischen Krise des Zionismus. Pahl-Rugenstein, Bonn 2009, ISBN 978-3-89144-413-9.
  • Zeit der Lemminge. Aphorismen. Passagen, Wien 2007, ISBN 978-3-85165-801-9.
  • Israel – Deutschland – Israel. Reflexionen eines Heimatlosen. Passagen, Wien 2006, ISBN 978-3-85165-775-3.
  • Zweierlei Israel? Auskünfte eines marxistischen Juden an Thomas Ebermann, Hermann L. Gremliza und Volker Weiß. Konkret Texte, 34. Hamburg 2003 ISBN 3-930786-39-7.
  • Kunst und Publikum. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner gesellschaftlichen Hintergehbarkeit. Wallstein, Göttingen 2002.
  • Gedenken und Kulturindustrie. Ein Essay zur neuen deutschen Normalität. Philo, Berlin 1999, ISBN 3-8257-0135-2.
  • Zweierlei Holocaust. Der Holocaust in den politischen Kulturen Israels und Deutschlands. Wallstein, Göttingen 1998.
  • Wider den Zeitgeist, Bd. 1: Aufsätze und Gespräche über Juden, Deutsche, den Nahostkonflikt und den Antisemitismus. Laika-Verlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3942281-35-5.
  • Wider den Zeitgeist, Bd. 2: Zur Aktualität der Kritischen Theorie. Laika-Verlag, Hamburg 2013, ISBN 978-3942281-39-3.

als Herausgeber

  • Geschichte und Psychoanalyse. Wallstein, Göttingen 2004.
  • Theodor W. Adorno – Philosoph des beschädigten Lebens. Wallstein, Göttingen 2004.
  • Geschichte denken: Philosophie, Theorie, Methode. Universität Tel Aviv, Forschungszentrum für Geschichte. Hrsg. im Auftrag des Instituts für Deutsche Geschichte. Gerlingen 2000.

Artikel und Beiträge

  • 2006: Aufschrei der Utopie als radikale Kritik von zweierlei Barbarei. In: Marcus Hawel, Gregor Kritidis (Hg.): Aufschrei der Utopie. Möglichkeiten einer anderen Welt. Hannover 2006, ISBN 3-930345-51-X.
  • 2006: Kants Religionsschrift. Überlegungen zu Vernunft und Religion auf dem kurzen Weg missglückter Säkularisierung. In: Margarete Jäger, Jürgen Link Hgg.: Macht – Religion – Politik. Zur Renaissance religiöser Praktiken und Mentalitäten. Münster 2006, ISBN 3-89771-740-9.
  • 2005: Die Ideologie der israelischen Rechten. In: Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn, Jobst Paul (Hrsg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt. Analysen rechter Ideologie. Unrast, Münster, ISBN 3-89771-737-9.
  • 2004: Was heißt: Solidarität mit Israel? In: Gerhard Hanloser (Hrsg.): „Sie waren die Antideutschesten der deutschen Linken. Zu Geschichte, Kritik und Zukunft antideutscher Politik.
  • 2001: Die Lösung des Unlösbaren. Historische Chance des Friedens in Palästina. In: ak – analyse + kritik – Zeitung für linke Debatte und Praxis. #447, 22. Februar.
  • 2000: Faschismus, autoritärer Charakter und Kulturindustrie. In: jour fixe initiative berlin (Hrsg.): Theorie des Faschismus – Kritik der Gesellschaft.

Auszeichnungen

  • Sigmund-Freud-Vorlesung 2010: Freuds Weltsicht und die Theorie vom „autoritären Charakter“. Zur Aktualität der Freudschen Kategorien für die gegenwärtige Gesellschaftsanalyse

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview in Wiener Zeitung, 10. Februar 2007
  2. Universität Luzern: Gastprofessur Moshe Zuckermann
  3. Interview mit Moshe Zuckermann in: Sozialistische Positionen, abgerufen 2. April 2010
  4. vgl. Matthias Rude: Leiderfahrung und Solidarität: Die Tiere Rosa Luxemburgs (Artikel in der Wochenendausgabe der sozialistischen Tageszeitung „Neues Deutschland“, 21./22. Mai 2011; PDF; 213 kB); Mitschnitt des Vortrags „Rosa Luxemburg – erlebtes Leid, Mitgefühl und gesellschaftliche Revolution“ und Aphorismus von Zuckermann auf der Website vom Internationalen Repressionskongress „New Roads of Solidarity“, Oktober 2010.