Mosteiro da Batalha

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Außenansicht des Klosters
Blick vom Claustro Real zur Kirche
Mosteiro de Santa Maria da Vitória
Mosteiro da Batalha

Das Mosteiro da Batalha, auch Kloster von Batalha (portugiesisch: Schlacht; mit vollem Namen heißt das Kloster Mosteiro de Santa Maria da Vitória, Kloster der heiligen Maria vom Siege) ist ein Dominikaner-Kloster in der portugiesischen Stadt Batalha und stammt aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Es wurde zum Dank für den Sieg Portugals über das Königreich Kastilien in der Schlacht von Aljubarrota im Laufe von circa 150 Jahren errichtet und 1983 als Weltkulturerbe in die Liste der UNESCO aufgenommen.

Der Überlieferung folgend, hatte João I.(Johann I.) vor der Schlacht am 14. August 1385 versprochen, der Jungfrau Maria ein Kloster zu errichten, wenn sie der portugiesischen Streitmacht im Kampf gegen das zahlenmäßig überlegene kastilische Heer beistehen würde. Für 1388 ist die Übergabe des Klosters an den Dominikanerorden urkundlich gesichert. Die Errichtung erfolgte wahrscheinlich unter ausschließlicher Maßgabe und Finanzierung des Königshauses, wodurch sich die für eine Bettelordenskirche überaus anspruchsvolle Architektur erklären lässt. Das Kloster ist als Demonstration der durch João I. neu begründeten Königsdynastie Avis zu verstehen. Eine Reiterstatue des siegreichen Feldherrn Nuno Álvares Pereira steht vor dem Kloster.

Mosteiro da Batalha Portal

Architektur[Bearbeiten]

Als erster Baumeister gilt der wahrscheinlich aus Portugal stammende Afonso Domingues, der den Bau bis zu seinem Tod 1401/1402 leitete. Auf seinen Entwurf gehen der Grundriss der Kirche, die Sakristei und Teile des Königlichen Kreuzgangs ("Claustro Real") zurück. Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika mit einschiffigem Querhaus. Im Osten wird sie durch eine komplexe Apsisanlage abgeschlossen. Diese besteht aus einer zweizonigen Hauptapsis in der Breite des Mittelschiffes und jeweils zwei einzonigen Nebenapsiden, die im Norden und Süden anschließen. Die Kirche wurde nicht wie sonst häufig üblich im Osten mit der Apsis begonnen sondern in nahezu gleichmäßigen Schichten über den gesamten Grundriss hinweg aufgeführt. Daraus erklärt sich der stilistische Formenwandel bei den oberen Bauabschnitten der Kirche, die auf den zweiten Baumeister Huguet, dessen Herkunft nicht gesichert ist, jedoch in Katalonien vermutet werden kann, zurückgehen. Dieser führte den Bau des Klosters bis 1437 fort. Er vollendete die Kirche und den "Claustro Real" weitgehend im Sinne seines Vorgängers, modifizierte aber den bauplastischen Schmuck, was sich besonders in der reich verzierten Westfassade der Kirche zeigt. Insgesamt sind die von ihm entworfenen Abschnitte durch feinere Profile der Gewölberippen und Fenster- sowie Portalgewände gekennzeichnet.

Der an der Nordseite des Kirchenschiffes liegende quadratische Kreuzgang wurde ebenfalls zu großen Teilen unter Huguet errichtet. Er war jedoch durch die bereits vorhandenen Wandpfeiler und Gewölbeansätze festgelegt. Dennoch lassen sich verschiedene Modifikationen feststellen. Das feingliedrige Maßwerk in den Arkadenbögen entstammt erst der Epoche um 1500 und zeigt Formen der nach König Manuel I. benannten Manuelinik, einer portugiesischen Sonderform der Spätgotik.

Den an der Ostseite des Kreuzgangs gelegenen Kapitelsaal überwölbte Huguet entgegen der ursprünglichen Planung mit einem stützenlosen Sternkuppelgewölbe. Mit einer Seitenlänge von circa 20 Metern stellt es einen der größten stützenlos überwölbten Räume des Mittelalters und der frühen Neuzeit auf der Iberischen Halbinsel dar.

Zentrales Gewölbe der Capela do Fundador

In ihm befindet sich heute die nationale Gedenkstätte des unbekannten Soldaten für die portugiesischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges. In der Nordwestecke des Kreuzgangs befindet sich das quadratische Brunnenhaus, an der Nordseite das weitgehend schmucklose Dormitorium und an der Westseite das Refektorium

Nördlich dieses zum ursprünglichen Plan gehörenden Areals wurde um 1470 ein weiterer, etwas kleinerer Kreuzgang errichtet. Dieser zeigt im Unterschied zu nahezu allen anderen Teilen des Klosters eine sehr schlichte Formensprache, die dem formalen Armutsideal der Dominikaner entsprach. Daran schließen sich weiter Gebäude an, die heute unter anderem eine Ausbildungsstätte für Steinbildhauer beherbergen. Im Laufe des 16. bis 18. Jahrhunderts war das Kloster im Nordosten um zahlreiche weitere Bauten ergänzt worden. Diese wurden jedoch im Laufe der umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts abgebrochen.

Mosteiro da Batalha / Kreuzgang

Grabkapellen[Bearbeiten]

Kurz vor 1426 begann man mit der Errichtung der "Capela do Fundador" als Grabkapelle für den Stifter, dessen Gattin und die königlichen Nachkommen. Diese Kapelle war 1434 vollendet, so dass João und seine bereits 1415 verstorbene Gattin Filipa de Lencastre dort beigesetzt werden konnten. Der Bau besteht aus einen einzonigen quadratischen Unterbau und einer eingestellten oktogonalen Laterne, die sich über den Umbau erhebt. Der Doppelsarkophag des Gründerpaares steht in der Mitte des Raumes, während sich die Grabmäler ihrer Nachkommen in den Wandnischen des Umbaus befinden. Ihr bekanntester Sohn ist Dom Henrique o Navegador (Heinrich der Seefahrer).

Der älteste Sohn und Nachfolger Joãos, Duarte, begann mit dem Bau einer gewaltigen Kapellenanlage im Osten der Klosterkirche, die jedoch nie vollendet wurde. Daher ist sie heute unter dem Namen "Capelas Imperfeitas", d.h. Unvollendete Kapellen, bekannt. Der bauplastische Schmuck erlebt an dem Hauptportal seinen Höhepunkt. Mit ihrer Lage unmittelbar östlich an die Apsis anschließend und durch ihren Grundriss als Zentralbau nimmt die Kapelle direkten Bezug auf die Grabeskirche Christi in Jerusalem. Sie steht damit in einer Tradition, die sich in Spanien und Portugal das gesamte Mittelalter hindurch nachweisen lässt und die ihren baulichen Höhepunkt in der Kathedrale von Granada findet. Auch die "Capela do Fundador" gehört in diese Entwicklungslinie. Der Bau von zwei Grabkapellen diesen Ausmaßes innerhalb so kurzer Zeit, entworfen vom selben Baumeister, dürfte einmalig in der mittelalterlichen Architekturgeschichte sein.

Im Kloster beigesetzte Mitglieder der portugiesischen Herrscherfamilie
  1. Philippa von Lancaster, Königin von Portugal (1360–1415) – (Gemahlin von König Johann I.)
  2. Infant João (* 15. Oktober 1429; † 1433) – (Sohn von König Eduard I.)
  3. Infant Fernão, der Heilige (1402–1433) – (Sohn von König Johann I.)
  4. Johann I., König von Portugal (1358–1433)
  5. Infantin Maria (* 7. Dezember 1432; † 8. Dezember 1432) – (Tochter von König Eduard I.)
  6. Eduard I., König von Portugal (1391–1438)
  7. Infantin Filippa (* 27. November 1430; † 24. März 1439) – (Tochter von König Eduard I.)
  8. Infant João (1400–1442) – (Sohn von König Johann I.)
  9. Eleonore von Aragonien, Königin von Portugal (1400–1445) – (Gemahlin von König Eduard I.)
  10. Infant João (* 29. Januar 1451; † 1455) – (Sohn von König Alfons V.)
  11. Prinz Heinrich der Seefahrer (1394–1460) – (Sohn von König Johann I.)
  12. Pedro, Herzog von Coimbra (1392–1449) – (Sohn von König Johann I.)
  13. Isabel von Portugal, Königin von Portugal (1432–1455) – (erste Gemahlin von König Alfons V.)
  14. Alfons V., König von Portugal (1432–1481)
  15. Infant Afonso (* 18. Mai 1475; † 13. Juli 1491) – (Sohn von König Johann II.)
  16. Johann II., König von Portugal (1455–1495)

Restaurierungen[Bearbeiten]

Das Kloster wurde infolge der napoleonischen Besatzung aufgelöst und ging in Staatsbesitz über. Bereits vor der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit umfangreichen Restaurierungsarbeiten begonnen, die teilweise den Charakter eines Neubaus annahmen. So wurden alle Maßwerke erneuert, ebenso die Strebebögen der Kirche und die Attiken der Dachzonen. Die gesamte Kirchenausstattung wurde entfernt. Das Kloster wurde im Sinne einer strengen Gotik purifiziert und weite Bauteile des 16. bis 18. Jahrhunderts abgerissen. Der in der Nähe von Porto de Mós, circa 8 Kilometer südlich von Batalha gebrochene Kalkstein verwittert unter den heutigen Umweltbedingungen zunehmend rasch. So müssen unablässige Restaurierungen an dem Gebäudekomplex durchgeführt werden, um den Erhalt des UNESCO-Weltkulturerbes zu sichern.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Monastery of Batalha - English guide; July 2005 (on sale in the museum)
  • Turner, J. - Grove Dictionary of Art - MacMillan Publishers Ltd., 1996; ISBN 0-19-517068-7
  • The Rough Guide to Portugal - 11th edition March 2005 - ISBN 1-84353-438-X
  • Rentes de Carvalho J. - Portugal, um guia para amigos - In Dutch translation : Portugal - De Arbeiderspers, Amsterdam; ninth edition August 1999 ISBN 90-295-3466-4
  • Neto, Maria João Baptista - James Murphy e o restauro de mosteiro de Santa Maria da Vitória no século XIX. Editorial Estampa 1997; ISBN 972-33-1331-6
  • Neto, Maria João Baptista - James Murphy. Arquitectura Gótica: Desenhos do Mosteiro da Batalha. Reedição do Álbum de 1795 / James Murphy: Gothic Architecture: Designs of the Monastery of Batalha. 1795 album reprint. Alêtheia Ed. 2008; ISBN 978-989-622-152-2
  • Gottschlich, Ralf - Das Kloster Santa Maria da Vitória in Batalha und seine Stellung in der iberischen Sakralarchitektur des Spätmittelalters, Olms-Verlag 2012; ISBN 978-3-487-14786-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mosteiro da Batalha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

39.659166666667-8.8261111111111Koordinaten: 39° 39′ 33″ N, 8° 49′ 34″ W