Mostgewicht

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Das Mostgewicht beschreibt die Dichte von Traubenmost, also die Masse des Mostes im Verhältnis zu seinem Volumen. Es stellt einen Indikator für den zu erwartenden Alkoholgehalt von Wein bei vollständiger Vergärung des Zuckers dar. Daher wird das Mostgewicht umgangssprachlich auch oft als Gradation oder alkoholische Potenz bezeichnet.

Das Mostgewicht ist somit ein Maß für den Anteil aller gelösten Stoffe im Traubenmost. Diese werden auch als Extrakt bezeichnet. Hauptsächlich besteht dieses Extrakt aus Zucker (Traubenzucker und Fruchtzucker), Säuren, Glycerin und in kleinen Mengen auch aus Phenolen, Pektinen, Proteinen und Mineralien. Aufgrund des hohen Zuckeranteils ist die Dichte von Most immer höher als die des Wassers, also größer als ein Kilogramm je Liter.

Messung des Mostgewichts mit dem Refraktometer

Die Dichte des Mostes kann mit verschiedenen physikalischen Verfahren ermittelt werden. Dazu gehören:

Neben den verschiedenen Messverfahren werden in unterschiedlichen Ländern auch noch verschiedene Messskalen und damit verschiedene Einheiten verwendet. So wird das Mostgewicht in Deutschland, Luxemburg und der Schweiz in Grad Oechsle gemessen. In Italien, Österreich, Ungarn, der Slowakei und den Staaten des ehemaligen Jugoslawien wird in KMW, bzw. Grad Babo gemessen. Grad Baumé werden in Frankreich[1] und Spanien verwendet. Brix, bzw. die fast identische Einheit Balling, werden hauptsächlich in den englischsprachigen Ländern eingesetzt.

Diese Einheiten können nur über recht komplizierte Formeln ineinander umgerechnet werden, da deren Verhältnisse zueinander nicht linear sind. Aus diesem Grund werden meist Tabellen herangezogen, aus denen die Werte hinreichend genau abgelesen werden können.

Als Daumenregel kann man auch sagen, dass 10 Gramm Zucker pro 1000 Gramm Most durch Gärung 0,66 % vol. Alkohol ergeben.

Das Mostgewicht ist ein wichtiger Faktor zur Festlegung des Lesezeitpunkts. In Deutschland, Österreich und der Schweiz bildet das Mostgewicht über das Weingesetz die Grundlage zur Einteilung der Weine in Qualitätsklassen. Für jede dieser Klassen wird ein so genanntes Mindestmostgewicht, welches es zu überschreiten gilt, vorausgesetzt.

Speziell in warmen Weinbauregionen ist das Mostgewicht allein aber nur wenig aussagekräftig. Nur auf das Mostgewicht bezogen wären einfache französische Landweine in Deutschland schon Auslesen. Italienischer Amarone aus Valpolicella wäre dann schon eine Beerenauslese. Daher werden in warmen Weinbauregionen auch noch die Säure, der pH-Wert und die physiologische Reife zur Einteilung in Qualitätsklassen herangezogen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seit den Ausschluss Grad Baumé rechtlichen Einheiten in Frankreich durch Dekret Nr. 61-501 von Mai 1961 über Maßeinheiten und Kontrolle von Messgeräten bezieht sich die französische Regelung auf Zucker-Inhalt, ausgedrückt in Gramm je Liter.

Literatur[Bearbeiten]