Mostviertel

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Mostviertel (Österreich)
Mostviertel
Mostviertel
Viertel und Bezirke Niederösterreichs
Karte Aut Noe Bezirke.png

Das Mostviertel ist das südwestliche der vier Viertel Niederösterreichs mit einer Fläche von ungefähr 5.500 km². Im Norden wird es von der Donau begrenzt, im Süden und Westen von der Landesgrenze zur Steiermark und zu Oberösterreich. Im Osten bildet der Wienerwald die natürliche Grenze, daher auch der alternative Name Viertel ober dem Wienerwald. Sonst spricht man auch von allgemein von Südwestliches Niederösterreich.

Gliederung[Bearbeiten]

Kernregion Mostviertel, Eisenwurzen, Ostarrichi, Strudengau, Nibelungengau

Das Mostviertel umfasst, politisch gesehen, die Bezirke:

Die naturräumlichen Umgrenzungen weichen davon etwas ab.

In der Landesplanung Niederösterreichs wird das Mostviertel durch die Hauptregionen NÖ-Mitte und Mostviertel abgedeckt, wobei zu letzterer nur die Bezirke Amstetten, Melk (teilw.) und Scheibbs und die Stadt Waidhofen/Ybbs gehören.[1]

Baumblüte zwischen Steinakirchen und Blindenmarkt
Hügellandschaft um Scheibbs
Eisenwurzen, Hochalm Hochbärneck bei St. Anton an der Jessnitz

Zusätzlich zu dieser politischen Gliederung gibt es eine geografisch-kulturelle Gliederung:

  • Mostviertel, der Kernraum, umfasst Gebiete des Ybbsfeldes um Amstetten, das Urltal, hügelig-welliges Gebiet und Hauptanbaugebiet der Mostbäume
  • Eisenwurzen, der niederösterreichische Teil der Eisenwurzen, grenzt südlich an das Mostviertel entlang der ungefähren Grenze Waidhofen an der Ybbs - Scheibbs und umfasst das südliche Ybbstal sowie Kleines und Großes Erlauftal bis an die steiermärkische Grenze.
  • Strudengau
  • Nibelungengau
  • Wachau

Letztere drei sind Abschnitte des Donautals und grenzübergreifend je Ufer zur Hälfte Mostviertel, zur Hälfte niederösterreichisches Waldviertel bzw. oberösterreichisches Mühlviertel. Geologisch betrachtet gehört der südliche Teil der Wachau (Hiesberg und Dunkelsteinerwald) zur Böhmischen Masse und ist daher eher dem Waldviertel zuzurechnen.

In der amtlichen Statistik teilt man die Region in Mostviertel-Eisenwurzen (NUTS:AT121, Waidhofen, Amstetten, Melk, Scheibbs) und St. Pölten (AT123, Sankt Pölten Stadt und Land).

Kerngebiet[Bearbeiten]

Mostviertel - Eisenwurzen

Das Kerngebiet des Mostviertels zwischen Ybbs und Enns im Bezirk Amstetten lässt sich laut Volksmund als die Region eingrenzen, in der man die Basilika am Sonntagberg sieht. Laut dieser Definition deckt sich das Mostviertel zu einem Teil mit der als Ostarrichi bezeichneten Region rund um Neuhofen an der Ybbs (Bezirk Amstetten), die durch ihre Nennung in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III auch als Ursprung Österreichs bezeichnet wird. Neben diesem Kerngebiet gibt es noch den Begriff der Eisenwurzen, der für die Bezirke Scheibbs, Waidhofen an der Ybbs, Lilienfeld (westlicher Teil) und Melk (Erlauftal bis Pöchlarn) verwendet wird.

Den Namen Mostviertel verdankt es dem Apfel- und Birnenmost. Die Landschaft zwischen den Flüssen Ybbs und Enns weist sehr gute Voraussetzungen für den Anbau der nötigen Obstbäume auf und gilt als Kerngebiet für die Mostwirtschaft.

Typisch für das Mostviertel sind die ausgedehnten Streuobstwiesen rund um die Gehöfte, sowie die leicht hügelige Landschaft des Alpenvorlandes. Die „heimliche“ Hauptstadt des Mostviertels ist die Bezirkshauptstadt Amstetten.

Geografie und Natur[Bearbeiten]

Das Mostviertel ist gekennzeichnet durch seine kontrastreiche Landschaft und Vegetation. Im Norden überwiegen sanft gewellte Hügel zwischen 300 und 400 m Höhe, die sich allmählich in die Donauniederung herabsenken. Im Süden steigen die letzten Ausläufer der Nördlichen Kalkalpen bis auf knapp 1.900 m Höhe an.[2] 1.650 Höhenmeter liegen zwischen dem tiefsten Punkt in Ardagger (246 m) und dem Ötscher, der mit 1.893 m den höchsten Gipfel darstellt. Der Dürrenstein (1.878 m), das Hochkar (1.808 m), der Göller (1.766 m) und der Gippel (1.669 m) sind weitere hohe Berge der Region.

Die Enns, die Ybbs, die Erlauf, die Pielach und die Traisen zählen zu den größten Flüssen des Mostviertels, die alle in die Donau münden. Traisen- und Ybbstal gliedern das Mostviertel in Nord-Süd-Richtung.[3]

Klimatisch ist das Mostviertel sowohl von atlantischen als auch von pannonischen Einflüssen geprägt. Durch das milde Klima gedeihen Obst, Wein und Gemüse im sanften Hügelland südlich der Donau besonders gut.[4]

Naturpark Ötscher-Tormäuer[Bearbeiten]

Die Erlauf in der Vorderen Tormäuer
Naturpark Eisenwurzen

Der Naturpark Ötscher-Tormäuer ist mit 170 km² der größte Naturpark Niederösterreichs. Das Zentrum bildet der Ötscher mit seinen markanten Schluchten und den weiten Almen. Zwischen den Felsen wachsen einige seltene Pflanzen wie der Seidelbast, Flaum-Steinröserl, Clusius-Primeln und verschiedene Enziane. Zudem bietet der Naturpark vielen Wildtieren wie Gämsen, Rotwild, Waldohreulen und auch Greifvögeln wie Steinadlern und Turmfalken ein Zuhause.[5]

Naturpark Buchenberg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Naturpark Buchenberg

Im südwestlichen Mostviertel befindet sich der Natur- und Erlebnispark Buchenberg. Das Mischwaldgebiet beherbergt heimische Wild- und Haustiere. Für den Tiergehegebereich ist eine Gebühr zu entrichten, während der restliche Teil des Naturparks frei zugänglich ist.[6]

Naturpark NÖ Eisenwurzen[Bearbeiten]

Inmitten der nördlichen Kalkalpen, im Dreiländereck Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark, liegt der Naturpark Eisenwurzen. Der Gamsstein mit einer Seehöhe von 1.774 m bildet den höchsten Punkt. Der Park grenzt direkt an den Naturpark Steirische Eisenwurzen an und zeichnet sich durch eine vielseitige Landschaft aus. Durch die zum Teil schwerzugänglichen Gebiete und die vielen Schluchten, sind hier viele Urwaldreste erhalten geblieben. Der Naturpark ist reich an kleinen Bächen und Wasserfällen. Auf einigen Anhöhen sind noch bewirtschaftete Almen zu finden.[7]

Mostkultur[Bearbeiten]

Seit einigen Jahren wird dem Most ein gesteigerter kultureller Wert beigemessen. Er wird heute sogar als identitätsstiftendes Merkmal gesehen. Eine Vielzahl von Mostheurigen lädt zu hausgemachter Jause mit regionalen Spezialitäten, Mehlspeisen, Edelbränden und verschiedenen Mostsorten ein, deren Vielfalt groß ist. Grundsätzlich wird zwischen reinem Apfel- und Birnenmost unterschieden, eine häufige Form stellt der Mischmost dar.

Moststraße[Bearbeiten]

Mostviertler Idylle
Birnbaum Lucas Alexander
Hauptartikel: Moststraße

Zur Ankurbelung des Tourismus und besseren Vermarktung der Region wurde die 200 km lange „Moststraße“ im westlichen Teil des Mostviertels eingerichtet, wo hauptsächlich sortenreine Birnenmoste produziert werden. Diese gut ausgeschilderte Erlebnisstraße besonders für den Fremdenverkehr eingerichtet wurde und an zahlreichen Mostwirtshäusern, Moststraßenheurigen und bäuerlichen „Ab-Hof“-Betrieben sowie Aussichtspunkten und Lehrpfaden vorbei, die zu einem Besuch einladen.

Eine weitere Besonderheit der Mostkultur im Mostviertel sind die Mostbarone. Derzeit gibt es 20 Mostviertler Mostproduzenten, Edelbrenner, Gastronomen und Hoteliers, die diesen Titel tragen. Sie haben einen Schwur abgelegt, die Kultur um den Birnenmost zu pflegen, zu fördern und weiterzuentwickeln.[8]

Ausflugsziele an der Moststraße[Bearbeiten]

In Ardagger Stift steht das MostBirnHaus, das Wissen über das Mostviertel, Birnen und Most vermittelt. In diesem "Erlebnis- und Genusszentrum" wird der Produktionsprozess des Mostes dargestellt. Der Museumsshop beherbergt außerdem die größte Mostsammlung des Mostviertels.

In Stadt Haag findet man das Mostviertelmuseum, das 1968 gegründet wurde. Es beherbergt die umfangreichste Sammlung von Geräten und Gegenständen aus der bäuerlichen Kultur- und Arbeitswelt im westlichen Niederösterreich. Ein Einblick in die bäuerliche Wohnkultur und Hauswirtschaft runden das Gesamtbild des Museums ab. Das Freilichtmuseum nebenan bietet 20 ländliche, kulturhistorisch interessante Gebäude aus dem NÖ Mostviertel und der Buckligen Welt. Holzblockbauten (Hausmühle mit Wasserradantrieb, Köhlerhütte, Ausnehmerhaus mit Rauchküche, Troadkästen, Dörrhäusl mit Brechelstube, Bienenhütte, Schwanzhammerwerk mit Schaufelwasserrad, Geräteschuppen) samt Inventar und Geräten, Maschinen und Traktoren und einen Heilzpflanzengarten.

Ein weiteres Ausflugsziel ist die Mostelleria in Öhling. Eine interaktive Erlebnisshow erzählt die Geschichte des Mostellos, einem Dessertwein aus Birnen. Zudem können die Besucher die Reife- und Ruhekammern des Birnenweins und Destillats erkunden und diesen anschließend verkosten.[9]

Mostviertler Spezialitäten[Bearbeiten]

Birnbaum im Mostviertel

Neben Most werden aus den Früchten der Region auch verschiedene Säfte und Obstbrände hergestellt. Die Weinregion Traisental ist bekannt für Grünen Veltliner und Riesling.

Die Initiative „Genuss Region Österreich“ zeichnet gemeinsam mit dem Lebensmittelministerium und dem Agrarmarkt Austria typische Produkte österreichischer Regionen aus. Im Mostviertel werden mehrere Genussregionen beworben: Mostviertler Mostbirn, Mostviertler Schofkas, Mostviertler Biohanf, Pielachtaler Dirndln, Traisentaler Hofkas, Traisentaler Wein, Traisentaler Fruchtsäfte, Dunkelsteiner Hagebutte, Lilienfelder-Voralpen Wild, Ybbstal Forelle sowie die Genussregion Wiesenwienerwald Elsbeere.[10]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Das ganze Jahr über finden im Mostviertel Feste rund um den Most statt. Am Tag des Mostheiligen Sebastian, dem 20. Jänner, finden jährlich die Mosttaufen statt. Am 20. März, dem Josefitag, wird während der traditionellen Mostwallfahrt der Baronmost „gesegnet“ und zuvor der neue „Primus“ gewählt. Dieser ist im Folgejahr als Sprecher der Mostbarone tätig.[11]

Im Frühling wird die Blütezeit der Birnenbäume mit dem „Mostfrühling“ gefeiert, gefolgt von der Erntezeit im Herbst. Im November werden die Jungmoste und die besten Edelbrände während einer Feier rund um den Most verkostet.[12]

Sport und Freizeit[Bearbeiten]

Wanderwege[Bearbeiten]

Der Schleierfall am Beginn des Ötschergrabens.
Triftrechen an der Mendling.
Blick vom Gipfel des Ötschers.

Das Mostviertel bietet ein weitläufiges, vielfältiges Wanderwegenetz von über 3.000 km Länge. Die alpine Bergwelt im Süden bietet Gelegenheit für Alm- und Hüttenwanderungen sowie Berg-, Schluchten- und Gipfeltouren. Besondere Aussichten in die sanfthügelige und alpine Landschaft des Mostviertels bieten der Panoramahöhenweg mit dem Sonntagberg und der Pielachtaler Rundwanderweg. Mehr als 100 Wanderwege liegen direkt an der Moststraße und verlaufen durch das sanfte Hügelland im Norden. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Themen- und Pilgerwege.

  • Die Ötschergräben: Der Wanderweg hat eine Länge von 9,66 km und dauert in etwa drei Stunden. Die Ötschergräben werden auch als Grand Canyon Österreichs bezeichnet und wurden 2011 vom Österreichischen Alpenverein und Österreichs Wanderdörfern zum schönsten Wanderweg Österreichs gewählt. Ausgangspunkt der Wanderung ist das Naturparkzentrum Ötscher-Basis in Wienerbruck. Im Verlauf der Strecke gelangt man über den Lassingfall zum historischen Kraftwerk Stierwaschboden. Vor dort führt der Weg zur Jausenstation Ötscherhias und weiter zum Schutzhaus Vorderötscher. Die Wanderung passiert drei imposante Wasserfälle: Lassingfall, Mirafall und Schleierfall.[13][14]
  • Erlebniswelt Mendlingtal: Der Wanderweg in Göstling an der Ybbs weist eine Länge von 3 km auf und verläuft entlang von Stegen und Waldwegen vorbei an einer Mühle, einem Brotbackhaus und endet in der Jausenstation Herrenhaus. Im Mendlingtal befindet sich die letzte funktionstüchtige Holztriftanlage Mitteleuropas. Schautafeln informieren die Besucher über die Wegstrecke, die die Holzstämme damals zurücklegten.[15][16]
  • Mostviertler Alpintour: Die Alpintour führt in rund 20 Stunden vom Hochkar auf den Dürrenstein zum Ötscher. Alle drei Berge erreichen eine Höhe von etwa 1.800 m und befinden sich im südlichsten Teil Niederösterreichs. Ötscher und Dürrenstein sind durch das Oistal unterbrochen, die Strecke zwischen Dürrenstein und Hochkar ist hingegen durch einen Bergkamm miteinander verbunden. Die Tour ist anspruchsvoll und erfordert Ausdauer und außerordentliche Trittsicherheit.[17][18]
  • Die Bergwanderung zum Dürrenstein in den Ybbstaler Alpen beginnt im Steinbachtal und endet nach einer Strecke von 21 km am Lunzer See. Der Höchste Punkt beträgt 1.873 m. Entlang der Strecke bietet sich die Möglichkeit, in der Ybbstalerhütte eine Rast einzulegen. Die Route ist relativ anspruchsvoll und verlangt eine gute Kondition.[19]
  • Das Hochkar hat eine Höhe von 1.808 m und befindet sich inmitten der Göstlinger Alpen. Insgesamt stehen einem 157 km markierte Wanderwege zur Verfügung. Zu den bekanntesten Wanderrouten am Hochkar zählen: der Gipfelweg (20 Minuten), die Bergseewanderung (30 Minuten), die Rundwanderungen (zwischen 2 bis 4 Stunden) und der Alpinweg Hochkar-Dürrenstein-Ötscher (20 Stunden).[20]
  • Von Lackenhof auf den Ötschergipfel: Der Ötscher ist 1.893 m hoch und gehört zu den Ybbstaler Alpen. Mit dem Sessellift gelangt man von Lackenhof zum Ötschergipfel und retour in rund drei Stunden. Für geübte Wanderer bietet die Route über den Rauhen Kamm auf den Ötschergipfel eine der anspruchsvollsten Wanderungen im Mostviertel.[21]
  • Die Gemeindealpe hat eine Höhe von 1.626 m und liegt inmitten der Ybbstaler Alpen. Mithilfe moderner Sesselbahnen gelangt man in wenigen Minuten von 800 m auf 1.626 m. Ein Wanderweg führt über den Erlaufursprung und den alten Marmorsteinbruch am Brunnstein von der Westseite auf den Gipfel der Gemeindealpe zum Terzerhaus. Der Gipfelrundweg bietet eindrucksvolle Ausblicke auf den Ötscher und Berglandschaft des Mariazellerlandes.[22]

Pilgerwege[Bearbeiten]

Via Sacra[Bearbeiten]

Die Via Sacra in Niederösterreich.

Die Via Sacra (Heilige Straße) gilt als ältester Pilgerweg Österreichs und führt von Hinterbrühl bei Wien über Kaumberg und Lilienfeld bis nach Mariazell. Die Strecke kann in vier bis fünf Tagesetappen zurückgelegt werden und hat eine Länge von ca. 125 km. Der Pilgerweg kann in Teilstrecken auch mit dem Mariazeller Autobus befahren werden. Kulturelle Sehenswürdigkeiten entlang der Heiligen Straße sind die Stifte Heiligenkreuz, Klein-Mariazell und Lilienfeld sowie die Wallfahrtskirche Annaberg auf dem ersten „Heiligen Berg“ des Ötscherlandes.[23][24]

Der Wiener Wallfahrerweg 06[Bearbeiten]

Der Wiener Wallfahrerweg 06 entstand 1975 durch die Weitwander-Organisation des Alpenvereins als Alternative zur traditionellen Via Sacra. Die Strecke führt von Perchtoldsdorf durch Kaumberg im Wienerwald über Rohr im Gebirge und St. Aegyd am Neuwalde bis nach Mariazell und hat eine Länge von ca. 112 km. Weitere Varianten gibt es zwischen Maria Raisenmarkt und dem Unterberg über Weissenbach, Furth und Muggendorf. Diese Routen berühren landschaftliche Höhepunkte und vermeiden den anstrengenden Aufstieg zwischen Araburg und Kieneck. Der Pilgerweg ist durch gelbe Schilder gekennzeichnet und kann in knapp vier bis fünf Tagesetappen zurückgelegt werden.[25][26]

Weitere Pilgerwege[Bearbeiten]

  • Der Pielachtaler Pilgerweg führt von der Landeshauptstadt St. Pölten über Kirchberg und Annaberg nach Mariazell. Die Strecke beträgt 90 km und ist durch rot-gelbe Tafeln markiert. Der Wallfahrerweg kann auch über weite Strecken mit der Mariazellerbahn zurückgelegt werden.[27]
  • Der Manker Wallfahrerweg beginnt in St. Pölten und führt über die Gemeinden Ober-Grafendorf, St. Margarethen und Hürm nach Mank. Der Pilgerweg entstand zur Zeit der Pestepidemie im Jahre 1645 und hat eine Gesamtlänge von 31 km.[28]

Kultur[Bearbeiten]

Das Kulturangebot des Mostviertels reicht von Musikveranstaltungen und Theater bis hin zu Museen und Handwerkskunst. Viele Veranstaltungen finden an besonderen Schauplätzen in der Natur oder in historischen Gebäuden wie Schmieden, Schlössern oder Klöstern statt.

Museen und Ausstellungen[Bearbeiten]

  • Ostarrichi Kulturhof: Die Ausstellung beginnt 996 mit der Ostarrichi-Urkunde und bietet mit Hilfe von Karten und Bildern einen Überblick der österreichischen Geschichte. Das Museum befindet sich in Neuhofen/Ybbs.[29]
  • Landesmuseum Niederösterreich: Das sich in St. Pölten befindende Museum besteht aus einem Geschichte-, einem Natur- sowie einem Kunstbereich. Jeder dieser Bereiche hat Niederösterreich zum Schwerpunkt.[30]
  • Mostviertler Bauernmuseum: Das Museum befindet sich in Amstetten und beinhaltet eine private volkstümliche Sammlung mit über 18.000 Exponaten.[31]
  • Geschirr-Museum Wilhelmsburg: Im ehemaligen Fabrikgebäude findet sich das Geschirr-Museum, welches über eine vollständige Sammlung des „Lilien-Porzellan“ Tafelgeschirrs verfügt.[32]
  • Familienmuseum 5e (5 Elemente): Die Ausstellung im Rotschildschloss in Waidhofen an der Ybbs widmet sich den fünf Elementen Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall.[33]
  • FeRRUM: Angefangen bei der Ur- und Frühgeschichte bis hin zur Gegenwart wird die Geschichte der Eisenwurzen erzählt. Zudem gibt es im zehn Meter hohen, barocken Dachstuhl Installationen, welche die Themen Eisen und Metall aufgreifen.[34]
  • Urzeitmuseum: Das Museum in Nußdorf ob der Traisen beschäftigt sich mit den verschiedenen Epochen der Urzeit, von der Steinzeit bis zur Eisenzeit. Museumsbesucher können in einem Quiz ihr archäologisches Wissen testen.[35]
  • Museum Historischer Bierkrüge: Das Museum in Hainfeld beherbergt rund 350 Krüge, aus der Zeit von 1500 bis 1950.[36]

Handwerk und Brauchtum[Bearbeiten]

Ybbstalbahn Wetterbachbrücke 1996

Mehrere Initiativen im Mostviertel haben das Ziel, kulturelles Gut und Traditionen zu erhalten:

  • Ötscherland-Express: Um die Schmalspurbahnen zu erhalten, betreibt ein privater Verein den Ötscherland-Express. Die ÖBB stellte 1987 den regelmäßigen Personenverkehr ein. Seit 1989 wird die Bahn als Museumsbahn zwischen Kienberg-Gaming und Lunz am See geführt. Mit der Verlängerung 2013 bis nach Göstling an der Ybbs ist der Ötscherland-Express auch die längste Museumsbahn Österreichs.[37]
  • Die Schmiedemeile Ybbsitz erzählt anhand von acht Meilensteinen den Alltag in der Schmiede. Der 3 km lange Erlebnisweg führt zu den Hammerwerken der Region. Dazu gehören der Fahrngruber Hammer, das Hammerwerk Eybl mit Künstlerwerkstatt, der Strunz-Hammer und der Einöd-Hammer.[38]
  • In der Backerlebniswelt Haubiversum in Petzenkirchen können Besucher hinter die Kulissen eines Bäckereibetriebes schauen.[39]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die niederösterreichische Landeshauptstadt St. Pölten ist regelmäßig Schauplatz von klassischen und modernen Festivals. Zu den wichtigsten Kultureinrichtungen zählen das moderne Festspielhaus und das Landesmuseum Niederösterreich.

Um die Weihnachtszeit locken vor allem die Christkindlmärkte Besucher ins Mostviertel, aber auch unter dem Jahr finden zahlreiche Veranstaltungen statt.[40]

Im Traisentaler Kultur- und Weinherbst steht der Wein im Mittelpunkt. Ebenfalls ein kulinarisches Highlight sind die Dirndln aus dem Pielachtal, welche besonders im September beim Dirndlkirtag gefeiert werden.[41]

Weitere kulturelle Highlight sind das wellenklaenge Festival in Lunz am See, der Theatersommer in Haag, die Gipfelklaenge, das Chopinfest in der Kartause Gaming und das Barockfestival in St. Pölten.

Architektur[Bearbeiten]

Vierkanter im westlichen Mostviertel

Die Architektur im Mostviertel wird im Wesentlichen durch ländliche Bauformen bestimmt, deren wichtigstes Merkmal der Vierkanter ist. Dazu kommt ein relativ steiles Dach, meistens Walm- oder Krüppelwalmdach, in der Eisenwurzen auch Satteldach. Durch die steile Dachform entsteht ein Verhältnis von Dachhöhe zu ein- oder zweigeschoßigen Wandhöhen von meistens annähernd 1:1, d. h. das Dach ist meistens fast so hoch wie die darunter liegenden Geschosse. Dadurch entsteht der Eindruck von Behäbigkeit, aber auch Schutz und Wärme. Steildächer sind normalerweise durch schneereiche Winter bedingt, da eine zu große Schneelast auf den Dächern diese zum Einstürzen bringen würde.

Besonders in der Richtung Eisenwurzen (Bezirk Scheibbs, Waidhofen an der Ybbs, südlicher Teil Bezirk Amstetten) wird der Vierkanter von so genannten Doppel-T-Höfen abgelöst. Neben dem Vierkant- und Vierseithof gibt es immer auch noch in der Region um Ybbsitz den Doppel-T-Hof sowie, in den Gebieten der alpin geprägten Eisenwurzen, die althergebrachten Haufen- und Paarhöfe.

Stift Seitenstetten, der „Vierkanter Gottes“

Stifte und Klöster[Bearbeiten]

Burgen und Schlösser[Bearbeiten]

Kirchenbau[Bearbeiten]

Das Mostviertel ist eine in sich geschlossene Kernzone des österreichischen Barock, Mostviertler Kirchen sind überwiegend spätgotisch errichtet und barockisiert, die Bauform der dreischiffigen Hallenkirche oder seltener die Basilika sind typisch. Die Wallfahrtskirche und Basilika Sonntagberg ist ein Glanzstück des Barocks und geistliches Zentrum des Mostviertel. In manchen Fällen ist der Chor, in Form einer einfachen Apsis, erhöhter als der Kirchenraum, wie in Amstetten, Eisenreichdornach (Gemeinde Amstetten), Krenstetten (Gemeinde Aschbach-Markt). Sie weisen dieselbe Charakteristik wie die Vierkanter auf, Steildach und trutziger Kirchturm, typischerweise mit barocker Zwiebelhaube und Laterne. Manchmal weisen sie neben der mechanischen Uhr auch eine Sonnenuhr auf.

Viele Kirchen im Mostviertel weisen ein gotisches Netz- bzw. Kreuzrippengewölbe auf. Das Innenmobiliar sowie die Altäre sind meist barock, in manchen Fällen wie Aschbach-Markt, Krenstetten und St. Stephan in Amstetten sind die Altäre neogotisch.

In der Eisenwurzen besonders in der Gegend um das ehemalige Kartäuserkloster Gaming finden sich zahlreiche Saalkirchen, wie Puchenstuben, Josefsberg, Sankt Anton an der Jeßnitz.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Traditionell ist das Mostviertel landwirtschaftlich geprägt, die wirtschaftliche Stärke besonders in der Eisenwurzen liegt noch immer in der eisen-, stahl sowie der holzverarbeitenden Industrie. Waren es früher die Hammerherren, die das Erz vom Erzberg bezogen, so sind es heute Walzwerke, die Halbfertigprodukte von den Hochöfen Linz und Donawitz beziehen und unter anderem zu Messern für Maschinen verarbeiten.

Auch gibt es einige große und viele kleine Sägewerke, die das Holz der Wälder ringsum verarbeiten, sowie Papierfabriken an Ybbs und Erlauf. Den Hauptanteil ab der Wirtschaft haben aber klein- und mittelständische Betriebe. Die größten Arbeitgeber im Kernland sind Böhler-Uddeholm (Stahl), Mondi (früher: Neusiedler) (Papier), Umdasch/Doka (Holz/Stahl), Stora Enso Timber (Holz), Welser (Stahl), Mosser (Holz), Bene Büromöbel (Holz/Stahl), Miller Messer (Stahl), Busatis (Stahl) und Riess (Stahl).

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Bis zum Jahr 1867 war das Mostviertel unter der Bezeichnung Viertel ober dem Wienerwald auch Verwaltungseinheit,[42] bis es auf die Bezirke aufgeteilt wurde.

Politisch war es sogar bis zum Jahr 1992 ein eigener Wahlkreis, bis es auf die einzelnen Bezirke heruntergebrochen wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gunnar Strunz: Niederösterreich. Mit Wachau, Waldviertel, Weinviertel und Mostviertel. Trescher Verlag, Berlin 2011, ISBN 9783897941700.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mostviertel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karte der Hauptregionen Niederösterreichs (PDF; 726 kB)
  2. Siehe Strunz 2011, S. 27
  3. Ebda.
  4. Mostviertel, Niederösterreich. In: www.geomix.at. Abgerufen am 15. September 2014.
  5. Herzlich Willkommen im Naturpark Ötscher-Tormäuer. Abgerufen am 14. September 2014.
  6. Buchenberg – Waldkauz Ossi’s grünes Wohnzimmer. Abgerufen am 12. September 2014.
  7. Willkommen im Naturpark NÖ Eisenwurzen! Abgerufen am 14. September 2014.
  8. Moststrasse – Gastgeber. Abgerufen am 22. September 2014.
  9. Mostelleria – Die geheimnisvolle Welt der Mostbirne. Abgerufen am 26. September 2014.
  10. GenussRegionen – Niederösterreich. Abgerufen am 22. September 2014.
  11. Moststraße – Kulinarisch-Sportlich. Abgerufen am 26. September 2014.
  12. Treffpunkte für Genießer und Kenner. Abgerufen am 26. September 2014.
  13. Die Ötschergräben: Wanderung durchs „Zauberland“. Abgerufen am 30. September 2014.
  14. Ötschergräben. Abgerufen am 30. September 2014.
  15. Top Ausflugsziel Erlebniswelt Mendlingtal. Abgerufen am 28. September 2014.
  16. Erlebniswelt Mendlingtal. Abgerufen am 28. September 2014.
  17. Alpintour: Hochkar-Dürrenstein-Ötscher. Abgerufen am 29. September 2014.
  18. Alpintour Hochkar-Dürrenstein-Ötscher. Abgerufen am 30. September 2014.
  19. Dürrenstein: Vom Steinbachtal über den Gipfel und hinab zum Lunzer See. Abgerufen am 30. September 2014.
  20. Alpines Wander Resort Hochkar. Abgerufen am 25. September 2014.
  21. Der Ötscher. Abgerufen am 25. September 2014.
  22. Erlebnis am Berg. Abgerufen am 30. September 2014.
  23. Die Via Sacra. Abgerufen am 25. September 2014.
  24. Pilgern in und um Wien. Abgerufen am 25. September 2014.
  25. Der Wiener Wallfahrerweg 06. Abgerufen am 25. September 2014.
  26. Wiener Wallfahrerweg. Abgerufen am 24. September 2014.
  27. Pilachtaler Pilgerweg. Abgerufen am 30. September 2014.
  28. Manker Wallfahrerweg. Abgerufen am 28. September 2014.
  29. Osterrichi: „Entdecke Österreich“. Abgerufen am 17. September 2014.
  30. Willkommen im Landesmuseum Niederösterreich. Abgerufen am 17. September 2014.
  31. Mostviertler Bauernmuseum. Abgerufen am 16. September 2014.
  32. Besucherinfo. Abgerufen am 17. September 2014.
  33. 5 Elemente, 50 Experimente, 500 Exponate. Abgerufen am 16. September 2014.
  34. FeRRUM - welt des eisens! Abgerufen am 16. September 2014.
  35. Urzeitmuseum. Abgerufen am 16. September 2014.
  36. Museum Historischer Bierkrüge. Abgerufen am 17. September 2014.
  37. Unterwegs mit dem Ötscherlandexpress. Abgerufen am 24. September 2014.
  38. Entdeckungen & Museen. Abgerufen am 24. September 2014.
  39. Mostviertler Schienenradl & Haubiversum. Abgerufen am 24. September 2014.
  40. Veranstaltungen. Abgerufen am 26. September 2014.
  41. Treffpunkte für Genießer und Kenner. Abgerufen am 26. September 2014.
  42. Niederösterreich abgerufen am 11. Februar 2011