Motorsportjahr 1898

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Weitere Sportereignisse

Im Motorsportjahr 1898 fanden neben einigen kleineren Rennen zwei international bedeutende Motorsportanläße statt, die beide Paris zumindest als Ausgangspunkt hatten. In Italien wurde am 17. Juli das erste Rennen mit internationaler Beteiligung durchgeführt. Die Rundfahrt über 119 Meilen (ca. 190 km) führte von Turin über Asti und Alessandria zurück nach Turin.[1]

Zu den dominierenden Fahrern gehörten Fernand Charron und Leonce Girardot, die 1901 Panhard & Levassor verließen um gemeinsam mit ihrem Teamkollegen Carl Voigt die Marke C.G.V. zu gründen.[2]

1898 nahmen erstmals weibliche Fahrerinnen am Motorsport teil: Eine Mme. Laumaillé fuhr im lokalen Rennen Marseille-Nizza mit[3] und Hélène van Zuylen (1863-1947), die Gattin des A.C.F.-Präsidenten Baron Étienne van Zuylen van Nyevelt (1860–1934), bestritt das Rennen Paris–Amsterdam–Paris und gilt damit als erste internationale Automobilrennfahrerin.

Rennergebnisse[Bearbeiten]

Marseille-Nizza[Bearbeiten]

Platz Fahrer Team Zeit
1 FrankreichFrankreich Fernand Charron Panhard & Levassor 6:53,45
2 FrankreichFrankreich Gilles Hourgières Panhard & Levassor + 7,24
3 FrankreichFrankreich René de Knyff Panhard & Levassor + 4,31

Das Rennen fand vom 6.-7. März statt und wurde in zwei Tagesetappen ausgetragen. Die erste führte über 82 km von Marseille nach Hyères; Sieger auf diesem Abschnitt wurde der Baron de Knyff mit einer Zeit von 2:08,09 und einem Schnitt von 38,44 km/h. Die zweite und mit 145 km deutlich längere Etappe von Hyères nach Nizza absolvierte ein anderer Panhard-Werksfahrer, Fernand Charron, mit 4:42,43 und einem Schnitt von 30.73 km/h als Schnellster. Es ist anzunehmen, dass die Ankunft mit der ebenfalls im März stattfindenden Geschwindigkeitswoche von Nizza zusammenfiel.

Erstmals wurde ein Rennen nach Fahrzeugklassen ausgetragen:

  • Klasse 1: Gewicht über 400 kg ("schwere" Klasse)
  • Klasse 2: Gewicht 200-400 kg ("leichte" Klasse)
  • Klasse 3: Gewicht 100-200 kg (Voiturettes)
  • Klasse 4: Gewicht weniger als 100 kg (Motordreiräder)

Die erwähnte Mme. Laumaillé fuhr auf De Dion-Bouton Tricycle und erreichte den 27. Rang im Gesamtklassement.

Paris–Bordeaux[Bearbeiten]

Platz Fahrer Team Zeit
1 FrankreichFrankreich René de Knyff Panhard & Levassor 15:15,31
2 FrankreichFrankreich Fernand Charron Panhard & Levassor + 2:27,53
3 FrankreichFrankreich Breuil Panhard & Levassor + 3:04,30

In zwei Tagesetappen führte das Rennen Paris–Bordeaux vom 11. bis 12. Mai 1898 von Versailles über Tours nach Bordeaux.

577 km waren zu bewältigen, der Schnitt des Siegers betrug rund 38 km/h. Das Rennen wurde zum Triumph für die Wagen der Marke Panhard & Levassor, die die ersten drei Plätze erreichte.

Paris–Amsterdam–Paris[Bearbeiten]

Platz Fahrer Team Zeit
1 FrankreichFrankreich Fernand Charron Panhard & Levassor 33:04,34
2 FrankreichFrankreich Leonce Girardot Panhard & Levassor + 20,44
3 FrankreichFrankreich Etienne Giraud Amédée Bollée + 1:04,20

Beim Rennen Paris–Amsterdam–Paris überquerte erstmals ein Autorennen eine Staatsgrenze und führte in sechs Tagesetappen mit einem Ruhetag in Amsterdam vom 7. bis zum 13. Juli 1898 von Paris über Nimwegen nach Amsterdam und über Lüttich und Verdun zurück.

Das erste Mal erschienen auch Fahrzeuge, die speziell zu Rennzwecken gebaut worden waren, die stromlinienförmigen Amédée Bollées, die immerhin die Plätze drei und fünf errangen.

Nach hartem Kampf besiegte Fernand Charron seinen Teamkollegen Leonce Girardot um 20 Minuten bei einer Renndauer von insgesamt 33 Stunden. Der Schnitt auf der 1430 km langen Strecke betrug rund 43 km/h.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Borgeson: Bugatti by Borgeson, S. 31
  2. VEA; C.G.V. CHARRON (France) 1901-1930.
  3. teamdan.com: 1898 Grand Prix and Paris Races

Literatur[Bearbeiten]

  • Griffith Borgeson: Bugatti by Borgeson (1981), Osprey Publishing Limited, London ISBN 0-85045-414-X (Englisch)
  • Richard v. Frankenberg / Marco Matteucci: Geschichte des Automobils (1973), Sigloch Service Edition / STIG Torino; ohne ISBN

Weblink[Bearbeiten]