Mrs. Robinson

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Mrs. Robinson
Simon & Garfunkel
Veröffentlichung April 1968
Länge 4:00
Genre(s) Folk-Rock
Autor(en) Paul Simon
Verlag(e) Columbia Records
Auszeichnung(en) zwei Grammy Awards
Album Bookends
Coverversionen
1969 Frank Sinatra
1992 The Lemonheads

Mrs. Robinson ist ein Lied des US-amerikanischen Folk-Rock-Duos Simon & Garfunkel. Im April 1968 als Single veröffentlicht, war es nach The Sounds of Silence von 1965 der zweite Nummer-eins-Hit von Simon & Garfunkel in deren Heimatland. Eine frühe Version des von Paul Simon geschriebenen Liedes war im Film Die Reifeprüfung von 1967 zu hören und erschien im Januar 1968 auf dem zugehörigen Soundtrack. Die endgültige Fassung erschien im April 1968 auf dem Album Bookends. Das Lied wurde mit zwei Grammy Awards ausgezeichnet.

Entstehung[Bearbeiten]

Mrs. Robinson[Bearbeiten]

Der Film Die Reifeprüfung handelt von der Affäre eines frischgebackenen College-Absolventen mit einer älteren, verheirateten Frau, Mrs. Robinson. Während der Dreharbeiten entwickelte Regisseur Mike Nichols eine Zuneigung zu den Liedern von Simon & Garfunkel, fand jedoch keine Möglichkeit, die Musik des Duos für den Film zu verwenden. Lawrence Turman, der Produzent des Films, konnte letztlich mit Paul Simon aushandeln, dass dieser drei neue Lieder für den Film schreiben sollte. Als sich die Arbeiten am Filmschnitt ihrem Ende näherten, waren nicht genug Lieder fertig. Simon hatte Nichols zwar Punky’s Dilemma und Overs vorgestellt, aber beide sagten Nichols nicht für den Film zu. Bei einem Treffen mit Simon und Garfunkel fragte der Regisseur, ob sie ihm nicht etwas anderes anbieten könnten. Sie spielten ihm ein paar Noten eines Songs vor, an dem sie gerade arbeiteten. Dieser war jedoch nicht für den Film bestimmt, sondern handelte von vergangenen Zeiten, von Joe DiMaggio und Mrs. Roosevelt. Über den genauen Verlauf des Gesprächs gibt es abweichende Schilderungen von Nichols und Garfunkel. Letztlich kam man jedoch überein, den Text so anzupassen, dass Mrs. Robinson anstelle von Mrs. Roosevelt besungen werden konnte.[1][2]

Im Film sind nur zwei Zeilen aus dem Refrain des Liedes zu hören.[3] Der Liedtext unterscheidet sich von dem der Single, dort heißt es: “Stand up tall, Mrs. Robinson, God in heaven smiles on those who pray.” (etwa: „Stehen Sie aufrecht, Mrs. Robinson, Gott im Himmel lächelt über die, die beten.“) In der Singleversion beginnt der Refrain dagegen mit den Worten: “And here’s to you, Mrs. Robinson, Jesus loves you more than you will know.” („Auf Ihr Wohl, Mrs. Robinson! Jesus liebt Sie mehr, als Ihnen klar ist.“)

Joe DiMaggio[Bearbeiten]

Bei seiner letzten Wiederholung ändert sich der Text des Refrains, die ersten Zeilen lauten dann: “Where have you gone, Joe DiMaggio? A nation turns its lonely eyes to you.” („Wo bist Du hin, Joe DiMaggio? Eine Nation wendet Dir ihre einsamen Augen zu.“). Paul Simon sah in dem Baseballstar DiMaggio einen amerikanischen Helden und eine kulturelle Ikone der USA seiner Zeit. Mit der Frage, wohin DiMaggio gegangen sei, wollte er eine Leerstelle zum Ausdruck bringen, da nach seiner Auffassung derartige Heldenfiguren rar geworden waren.[4]

DiMaggio fühlte sich von der Frage nach seinem Weggang beleidigt und soll in Betracht gezogen haben, Simon zu verklagen. Ein paar Jahre nach der Veröffentlichung von Mrs. Robinson trafen die beiden zufällig in einem italienischen Restaurant aufeinander, und Simon stellte sich ihm als der Verfasser des Liedes vor. Sie sprachen über den Text, und DiMaggio erläuterte ihm sein Unbehagen. Er habe gerade eine Werbung für Kaffeeautomaten gemacht und sei Sprecher einer Bank, er sei noch immer da: “I haven’t gone anywhere.” (deutsch: „Ich bin nirgendwo hingegangen.“) Simon erklärte ihm, wie er die Frage gemeint hatte. DiMaggio akzeptierte die Erklärung und dankte ihm.[4][5]

Erfolg in den Hitparaden[Bearbeiten]

A-Seite der britischen EP-Version von 1968 (das CBS-Logo wurde entfernt)

Das Lied wurde im April 1968 von Columbia Records als 7″-Single veröffentlicht. Als B-Seite diente Old Friends, ein weiteres Stück aus dem Album Bookends. Am 1. Juni 1968 erreichte Mrs. Robinson die Spitze der US-amerikanischen Singlecharts Billboard Hot 100. Dort war es insgesamt dreizehn Wochen vertreten, davon drei Wochen auf Platz eins.[6]

Auf den europäischen Musikmärkten wurde die Single unterschiedlich aufgenommen. In den britischen UK Top 40 hielt sie sich zwölf Wochen und erreichte zwischenzeitlich Platz 4.[7] In den deutschen Media-Control-Charts war sie dagegen nur eine Woche, und zwar auf Platz 39.[8] Für neun Wochen war sie in der Schweizer Hitparade, beste Position hier war der 9. Rang.[9] In Österreich erreichte sie keine Chartposition.[10]

In Großbritannien erschien Mrs. Robinson 1968 außerdem als EP. Weitere Titel auf der Platte waren auf der A-Seite April Come She Will, auf der B-Seite Scarborough Fair/Canticle und The Sound of Silence.[11] Die EP war für fünf Wochen in den britischen Charts vertreten und erreichte als beste Position den neunten Rang.[12]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Bei den Grammy Awards 1969 wurden zwei der Preise für Mrs. Robinson vergeben. Mit der Ehrung als Single des Jahres (Record of the Year) gewann das Lied eine der Hauptkategorien; vergeben wurde der Preis an die Interpreten Simon & Garfunkel sowie an Roy Halee als Produzent des Liedes. Daneben wurden Simon & Garfunkel für Mrs. Robinson als beste Gesangsdarbietung eines Duos oder einer Gruppe, zeitgenössischer Pop (Best Contemporary-Pop Performance, Vocal Duo Or Group) ausgezeichnet. Weiterhin erhielten Paul Simon und Dave Grusin für die Filmmusik für Die Reifeprüfung den Grammy Award für die beste Originalmusik geschrieben für einen Film oder ein Fernsehspecial (Best Original Score Written For A Motion Picture Or A Television Special).[13]

Coverversionen[Bearbeiten]

Das Lied wurde mehrfach von anderen bekannten Musikern gecovert. Eine der frühesten bekannten Coverversionen befindet sich auf Frank Sinatras Album My Way von 1969. Sinatra änderte mehrere Zeilen des Liedtextes, unter anderem ersetzte er das Wort „Jesus“ im Refrain durch „Jilly“. Ein weiteres Cover stammt von der Independent-Band The Lemonheads, die das Lied 1992 in eine Punknummer verwandelte und damit eine ihrer kommerziell erfolgreichsten Singles hatten.[14] Eine Version von Eläkeläiset trägt den Titel Herra Kekkonen.[15] Auch die Rockband Bon Jovi nahm eine Cover-Version des Songs bei einem ihrer Live-Auftritte auf und veröffentlichte diese Aufnahme auf der limitierten Edition ihres 1995er Albums "These Days".

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Peter Bart: The perfect pic alignment. In: Variety. 15. Mai 2005 (Artikel online auf variety.com, abgerufen am 24. Februar 2012).
  2.  Marc Eliot: Paul Simon: A Life. 2010, ISBN 978-0-470-43363-8, S. 89 ff..
  3.  Marc Eliot: Paul Simon: A Life. 2010, ISBN 978-0-470-43363-8, S. 91.
  4. a b  Paul Simon: The Silent Superstar. In: New York Times. 9. März 1999 (Nachruf auf Joe DiMaggio, Artikel online, abgerufen am 24. Februar 2012).
  5.  Mark Kriegel: DiMaggio Was Perfect Fit For My Song, Simon Says. In: New York Daily News. 27. November 1998 (Artikel online, abgerufen am 24. Februar 2012).
  6. Simon & Garfunkel in den Billboard Charts. In: billboard.com. Billboard Magazine, abgerufen am 12. Dezember 2011 (englisch).
  7. Mrs. Robinson. In: chartstats.com. Abgerufen am 24. Februar 2012 (englisch).
  8. Simon & Garfunkel – Mrs. Robinson. In: charts.de. Abgerufen am 24. Februar 2012.
  9. Simon & Garfunkel – Mrs. Robinson. In: hitparade.ch. Abgerufen am 24. Februar 2012.
  10. Simon & Garfunkel – Mrs. Robinson. In: austriancharts.at. Abgerufen am 24. Februar 2012.
  11. Mrs. Robinson (EP) bei Allmusic (englisch). Abgerufen am 10. April 2012.
  12. Simon & Garfunkel. Official Charts Company, abgerufen am 10. April 2012 (englisch).
  13. Ergebnisse der 11. Grammy Awards in der Grammy-Award-Datenbank. National Academy of Recording Arts and Sciences, abgerufen am 24. Februar 2012 (englisch).
  14.  Chris Charlesworth: The Complete Guide to the Music of Paul Simon and Simon & Garfunkel. Omnibus Press, 1997, ISBN 978-0-7119-5597-4, S. 42 f..
  15. Tribute to Eläkeläiset. In: porotal.org. Abgerufen am 10. Oktober 2012 (finnisch).