Mstislaw Wsewolodowitsch Keldysch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Keldysch-Denkmal in Moskau

Mstislaw Wsewolodowitsch Keldysch (lettisch Mstislavs Keldišs, russisch Мстислав Всеволодович Келдыш, wiss. Transliteration Mstislav Vsevolodovič Keldyš; * 28. Januarjul./ 10. Februar 1911greg. in Riga; † 24. Juni 1978 in Moskau) war ein sowjetisch-lettischer Mathematiker, der sowohl durch seine wissenschaftlichen Beiträge zur Aerodynamik und Raumfahrt als auch als Organisator eine führende Stellung in der Forschung der ehemaligen UdSSR hatte.

Leben[Bearbeiten]

Keldysch stammte aus einer adligen Familie, sowohl sein Großvater mütterlicherseits (A. N. Skworzow) als auch der väterlicherseits (M. F. Keldysch) waren Generale. 1931 schloss er sein Studium der Mathematik und Physik an der Moskauer Staatsuniversität ab und trat auf Empfehlung seines Lehrers Michail Lawrentjew in das Zentralinstitut für Aero-und Hydromechanik ein, in dem neben Lawrentjew auch Tschaplygin wirkte (für die Modellierung der aerodynamischen Strömungen erwiesen sich Methoden der konformen Abbildung als nützlich). Hier trug Keldysch wesentlich zur Lösung des damals akuten Problem des Flügel-Flatterns von Flugzeugen bei, wofür er 1942 seinen ersten Staatspreis erhielt. Nebenbei erwarb er 1938 am Steklow-Institut seinen Doktor in Mathematik mit einer Arbeit über Funktionentheorie (auf Einladung seines Direktors Winogradow). Für die Lösung von Oszillationsproblemen bei Fronträdern von Flugzeugen erhielt er 1946 seinen zweiten Staatspreis. 1944 bis 1953 leitete er das Institut für Mechanik der Akademie der Wissenschaften und danach das Institut für Angewandte Mathematik der Akademie, das speziell zur Bewältigung der umfangreichungen numerischen Rechnungen in Zusammenhang mit der Atombombenentwicklung gegründet wurde, die von Keldysch organisiert wurden (Entwicklung von Algorithmen usw.). Auf seinem alten mechanischen Gebiet widmete er sich nach Kriegsende den Problemen, die sich aus Überschallflügen und in Zusammenhang mit dem einsetzenden Raketen- und Raumfahrtprogramm ergaben. 1954 verfasste er mit Sergei Koroljow und Wladimir Tichomirow einen Brief an die Staatsführung, der den Start eines Satellitenprogramms empfahl. 1955 wurde Keldysch Vorsitzender eines entsprechenden ad hoc gebildeten Komitees der Akademie der Wissenschaften (woraus 1959 ein offizielles Komitee der Akademie wurde) und entwickelte optimierte ballistische Flugbahnen um Satelliten ins All zu schießen. 1961 bis 1975 war er Vorsitzender der Akademie der Wissenschaften - einen Tag vor ihrer 250-Jahr-Feier trat der stets pflichtbewusste und hart arbeitende Keldysch aus Gesundheitsgründen zurück.

Er ist der Bruder der Mathematikerin Ljudmila Wsewolodowna Keldysch.

Ehrungen[Bearbeiten]

Nach dem Tod Keldyschs wurde seine Urne an der Kremlmauer am Roten Platz in Moskau beigesetzt. Nach ihm wurden ein Platz in Moskau, ein Forschungsschiff „Akademik Mstislaw Keldysch“ (bekannt als Mutterschiff für Tauchfahrten zum Wrack der Titanic ab den 1990er Jahren), ein Asteroid und der Mondkrater Keldysh benannt (sowie sein ehemaliges Institut).

Keldysch wurde 1956, 1961 und 1971 zum Held der sozialistischen Arbeit ernannt, war Deputierter des Obersten Sowjet und sechsfacher Träger des Leninordens. 1957 erhielt er den Leninpreis, 1969 den Orden Bernardo O'Higgins und 1975 die Lomonossow-Goldmedaille.

Das Institut für Angewandte Mathematik der Russischen Akademie der Wissenschaften (IAM RAS) - vorher die Abteilung Angewandte Mathematik am Steklow-Institut - ist nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mstislav V. Keldysch, Renate Helle: Repetitorium der elementaren Funktionentheorie. VEB Verlag der Wissenschaften, Berlin 1959

Weblinks[Bearbeiten]