Muettersproch-Gsellschaft

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Die Muettersproch-Gsellschaft (MSG) ist ein Sprachverein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die alemannische Mundart zu pflegen und zu erhalten. [1]

Organisation[Bearbeiten]

Mitglieder[Bearbeiten]

Der 1966 in Freiburg im Breisgau gegründete Verein hat 3.500 Mitglieder aus dem alemannischen Sprachraum, im Elsass, der Schweiz, Vorarlberg, vor allem aber aus Südbaden. Mitglieder sind außerdem „verstreute“ Alemannen in Europa und Übersee. Neben den „normalen“ Mitgliedern sind die meisten Autoren und Liedermacher, die alemannisch schreiben, dabei. Im Jahr 1975 hatte der Verein 350 Mitglieder, 1977 1.000 Mitglieder.[2]

Regionalgruppen[Bearbeiten]

Die Gsellschaft hat seit November 2010 ihren Sitz in Freiburg im Breisgau [3] und ist in 20 Regionalgruppen gegliedert. Die Gruppen sind beheimatet am Rhein vom Geroldecker Land im Norden über das Dreiländereck im Süden und bis zu den Seealemannen im Osten. Weitere Gruppen sind im Schwarzwald angesiedelt von der nördlichsten Gruppe Offenburg bis zur südöstlichen Gruppe A Brige und Breg. [4]

Mitgliederversammlung[Bearbeiten]

Die Mitgliederversammlig findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Der offizielle Teil umfasst den Rechenschaftsbericht und die Entlastung, wenn notwendig gibt es auch Neuwahlen des Vorstands, danach Ausblick und Anträge. Im unterhaltsamen Teil wird ein kulturelles Programm geboten.[5]

Präsident[Bearbeiten]

  • Walter Füsslin, Freiburg: 1967–1972
  • Klaus Poppen, Freiburg (1972–2002). Der Verein erhielt in seiner Zeit einen starken Mitgliederzuwachs.
  • Walter Möll, Singen (2002–2007)
  • Franz-Josef Winterhalter, der Bürgermeister von Oberried seit 2007

Aktivitäten[Bearbeiten]

Sie gibt Anthologien heraus, hat (1982) mehrere zehntausend Unterschriften für mehr Mundart im Rundfunk und Fernsehen gesammelt, einen populären Aufkleber produziert („Bi uns cha mer au alemannisch schwätze“), organisiert verschiedene Dialekt-Wettbewerbe, veranstaltet Seminare und verleiht in unregelmäßiger Folge die Auszeichnung Alemanne-Antenne an Personen aus Rundfunk und Fernsehen, die sich für die alemannische Mundart einsetzen.

Dichter und Musiker[Bearbeiten]

Rund 100 Dichter der alemannischen Mundart sind Mitglied in der Muettersproch-Gsellschaft. Musiker, die in Alemannisch singen, sind ebenfalls in der Muettersproch-Gsellschaft. Die Muettersproch-Gsellschaft und der Landesverein Badische Heimat haben ein Alemannisches Wörterbuch und en Alemannisches Liederbuch herausgegeben.[6] [7]

Vereinszeitschrift[Bearbeiten]

Der Verein gibt halbjährlich die alemannischsprachige Zeitschrift „Alemannisch dunkt üs guet“ (Alemannisch finden wir gut) als Information und Plattform für seine Mitglieder heraus. Seit 1967 sind mehr als hundert Ausgaben erschienen. Die größten Rubriken sind: Us de Gruppe (Aus den Gruppen) und Des un sell (Vermischtes). Ferner werden neue Mitglieder, Ausflugsziele und Bücher/CDs vorgestellt sowie Gratulationen und Nachrufe veröffentlicht.[8]

Informationen auf der Internetseite[Bearbeiten]

Auf der Internetseite werden Informationen über die nächste Regionalgruppe, die alten Vereinshefte von Alemannisch dunkt üs guet und Veranstaltungen rund ums Alemannische veröffentlicht. Im Gedichtarchiv sind alemannische Gedichte von über hundert verschiedenen Autoren gespeichert. Auf der Seite Dichte und musiziere sind die Biographien und Veröffentlichungen, Preise und Textproben von Dichtern und Musikgruppen aufgeführt.[9]

Die Bibliothek[Bearbeiten]

Die Bibliothek umfasst rund 900 alemannischsprachige Bücher mit Schwerpunkt aus der Badischen Region. Aber auch aus den alemannischsprachigen Gebieten Schweiz, Elsass und Vorarlberg sind Bücher vorhanden. Ein Großteil des Fundus sind Bücher, die von Alemannischen Autoren zur Besprechung eingeliefert wurden.[10]

Gemeinschafts-Projekt Mundart in der Schule[Bearbeiten]

Durch das Projekt Mundart in der Schule sollen den Schülern in Baden-Württemberg die Dialekte Fränkisch, Schwäbisch und Alemannisch vermittelt werden. Etwa 60 Literaten, Kabarettisten und Musiker können von Schulklassen und Arbeitsgemeinschaften zu einer Doppelstunde in Mundart eingeladen werden. Die Themenschwerpunkte der Künstler sind in der Broschüre „Mundart in der Schule“ beschrieben. So werden die unterschiedlichen Färbungen der Mundart und der Umgangssprache als kulturelle Bereicherung des Hochdeutschen erlebt.[11] Die organisatorische Abwicklung erfolgt über die Muettersproch-Gsellschaft e. V., Mitveranstalter ist der Verein „schwäbische mund.art“ e. V. in Herrenberg.[12]

Johann-Peter-Hebel-Medaille[Bearbeiten]

Seit 1991 zeichnet die Regionalgruppe Hegau, mit 600 Mitgliedern die stärkste Regionalgruppe der Muettersproch-Gsellschaft, alljährlich Persönlichkeiten, die sich besonders um die alemannische Mundart verdient gemacht haben, mit der Johann-Peter-Hebel-Medaille aus. [13]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Motivation für den Gebrauch der Alemannischen Mundart
  2. Muettersproch-Gsellschaft: Wer mir sin. Was mir welle. Warum mir s welle. Wie mir s mache. Gutenbergdruckerei Benedikt Oberkirch, Freiburg 2009, S. 10
  3. Geschäftsstelle der Muettersproch-Gsellschaft in Freiburg im Breisgau
  4. Die Regionalgruppen der Muettersproch-Gsellschaft
  5. Quelle: Iiladig zue de Mitgliederversammlung 2014 vu de Muettersproch-Gsellschaft. Am Samschdig, 5. April 2014, nommidags um Zwei in de Mensa vu de HTWG.
  6. Rudolf Post und Friedel Scheer-Nahor: Alemannisches Wörterbuch für Baden. G. Braun Buchverlag, Karlsruhe, 2. Auflage 2010. ISBN 978-3-7650-8534-5.
  7. Uli Führe und Stefan Pflaum: Woni sing un stand. Ein grenzüberschreitendes Liederbuch. G. Braun Buchverlag, Karlsruhe, Auflage 2012. ISBN 978-3-7650-8620-5.
  8. Muettersproch-Gsellschaft: Wer mir sin. Was mir welle. Warum mir s welle. Wie mir s mache. Gutenbergdruckerei Benedikt Oberkirch, Freiburg 2009, S. 21
  9. Offizielle Internetseite der Muettersproch-Gsellschaft
  10. Muettersproch-Gsellschaft: Wer mir sin. Was mir welle. Warum mir s welle. Wie mir s mache. Gutenbergdruckerei Benedikt Oberkirch, Freiburg 2009, S. 21
  11. Internetseite des Arbeitskreises Mundart in der Schule
  12. Internetseite schwäbische mund.art e.V.
  13. Regionalgruppe Hegau der Muettersproch-Gsellschaft

Literatur[Bearbeiten]

  • Alemannisch dunkt üs guet, Heft I/II 2002 (zur Gschichte des Vereins).
  • Welewäg selleweg. Eine Anthologie mit Texten von 33 zeitgenössischen Mundartautoren aus Baden. Herausgeber: Muettersproch-Gsellschaft. Gutach 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

47.987097.87608Koordinaten: 47° 59′ 14″ N, 7° 52′ 34″ O