Multihalle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Westlicher Eingang bei der ehemaligen Hochbahn

Die Multihalle ist ein Gebäude im Mannheimer Herzogenriedpark, das zur Bundesgartenschau 1975 errichtet wurde.

Architektur[Bearbeiten]

Deckenkonstruktion der Multihalle

Die Multihalle ist eine Halle mit einem mehrfach gekrümmten Gitter aus Holzleisten, die von den Architekten Carlfried Mutschler, Joachim Langner und Frei Otto geplant und im Jahr 1975 fertigstellt wurde. Die Planung des Tragwerks und die Nachweise der Standsicherheit wurden durch das Büro Ove Arup & Partners aus London erbracht (heute Arup Group Ltd.).

Allgemeine Daten:

  • Tragkonstruktion: Holzlatten, kreuzweise in zwei bzw. vier Latten übereinander verlegt. Abstand voneinander 50/50 cm. Lattenquerschnitt 5/5 cm (Holz: Hemlock Pine)
  • Dachfläche: 9.500 m²
  • Bohrlöcher an den Kreuzungspunkten: 144.000, 34.000 Bolzen
  • Randumfang: 685 m (seilgestützter Rand: 35 m, Bögen: 135 m)
  • Seilnetz: 7.150 m
  • Bedachung: Trevira-Gewebe, geschwärzt, PVC-beschichtet, Bahnenware, an den Stößen überlappt und geschweißt, auf Nagellatten mit Bukamaklammern
  • Hallengröße: 10.500 m³
  • Gesamtlänge: 160 m
  • Gesamtbreite: 115 m
  • Kuppelhöhe: 20 m
  • Größte Querspannweite: 60 m

Geschichte[Bearbeiten]

innerhalb der Multihalle
Leisten

Zwei Vorgängerbauten wurden von der Stuttgarter Baufirma Wolff & Müller in Montreal gebaut. Maßgeblich beteiligt war das Institut für leichte Flächentragwerke der Universität Stuttgart, das auch mit den japanischen Architekten Takeshi Hasegawa und Kenzō Tange zusammenarbeitete.

Als im Januar 1970 die Entscheidung für die Bundesgartenschau des Jahres 1975 in Mannheim fiel, wurden zwei Wettbewerbe ausgeschrieben, bei denen Architekten und Landschaftsarchitekten ihre Vorstellungen über die beiden Gartenschaugelände vorstellen sollten.

Preisträger für den Bereich des Herzogenriedparks war das Architekturbüro Carlfried Mutschler + Partner, Mannheim. Der Wettbewerbsplan sah als zentralen Bereich einen großen, überdachten Treffpunkt für verschiedene Aktivitäten und ein Café mit Sitzterrasse am Wasser vor. Für das Cafe war eine luftige Holzkonstruktion vorgesehen. Der Treffpunkt sollte mit großen Schirmen überdacht werden, die an Gasballons aufgehängt werden sollten. Dies war zwar technisch möglich, doch baurechtliche Einwände ließen dieses Projekt scheitern. Außerdem hätten die Ballons ab angemeldeter Windstärke 7 eingezogen werden müssen.

Es wurden die verschiedensten Arten von pneumatischen Konstruktionen untersucht, die aber alle hohen Material- und Zuschnittskosten zur Folge gehabt hätten. Luftdicht abgeschlossene Traglufthallen kamen ebenfalls nicht in Frage, so dass die verschiedenartigen Zeltkonstruktionen diskutiert wurden.

Künstliche Hügel aus Leimbinderkuppeln stellten nicht so recht zufrieden, da kam die Idee der Gitterschalen des Stuttgarter Professors Frei Otto ins Gespräch. Gleichzeitig mit der Wahl der Konstruktion wurden die Standorte der verschiedenen Funktionen festgelegt. Die Besucher sollten in zwei Ebenen - einerseits vom Aerobusbahnhof und andererseits von der Parkebene her - in die Halle geführt werden.

Ausgangsbasis für die Gitterschale war das Drahtmodell des Vorentwurfs. In diesem Modell 1:500 konnte die endgültige Form allerdings nur grob vorgegeben werden. Mit Hilfe von Zwirnsfaden konnte immerhin die Länge und Breite der Fläche annähernd abgewickelt werden. Dieses hängende Netz simulierte die Gittermaschen des späteren Gitterrostes aus Holz.

Bevor das Knüpfen des Netzes begann, musste die Richtung, in der das Netz liegen sollte, festgelegt werden, und dann wurden mit Hilfe von Stecknadeln und einer weichen Unterlage die Glieder und Ringe aneinander gereiht. Im hängenden Netzmodell stand die Schale auf dem Kopf, so dass die Ebene des späteren Fußbodens nicht dargestellt wurde.

Aktueller Zustand[Bearbeiten]

Stützen am Dachrand

Eigentlich sollte die Multihalle als temporäres Bauwerk nur für die Dauer der Bundesgartenschau 1975 Bestand haben. Die bis heute größte Holzgitterschalenkonstruktion der Welt wurde jedoch nicht abgerissen, sondern im Jahr 1998 aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz gestellt.

Das Foliendach bestand ursprünglich aus einer PVC-Folie mit Gewebe-Einlage. 1981 war es notwendig, die Halle mit einer neu entwickelten Kunststoffdichtungsbahn zu beziehen. Mittlerweile ist diese teilweise porös, so dass eindringendes Wasser das Holz der Dachkonstruktion beschädigt und die Tragfähigkeit beeinträchtigt. Zudem verschiebt sich die tragende Holzkonstruktion, wenn auch nur minimal. Um dies möglichst zu verhindern, wurde 2008 ein großes Stützgerüst in der Mitte der Halle errichtet. Seit 2011 ist diese komplett gesperrt. Der Weg unter der Bedachung ist weiterhin begehbar.

Auch die Dachkonstruktion außerhalb der eigentlichen Halle wurde bereits mit Stützen stabilisiert. Dennoch verschlechtert sich der bauliche Zustand weiterhin. Die Sanierung ist bereits seit einigen Jahren ein Thema. Man geht inzwischen von mehr als 5 Millionen Euro für die Sanierung des Tragwerks und der Dachhaut aus. Hinzu kommen Planungskosten in Höhe von 500.000 Euro.[1] Aufgrund der hohen Kosten stagnieren die Planungen zu Sanierung und künftiger Nutzung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Institut für leichte Flächentragwerke (IL): IL 13 Multihalle Mannheim. Stuttgart 1978, ISBN 3782820134

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Multihalle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.mannheim.de: Verwaltung für Erhalt der Multihalle. 3. Dezember 2012, abgerufen am 19. November 2014.

49.5044388888898.4797638888889Koordinaten: 49° 30′ 16″ N, 8° 28′ 47″ O