Multilayer Insulation

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MLI-Folie

Multilayer Insulation (MLI) ist ein Wärmedämmmaterial (engl. insulation), das vorwiegend in der Raumfahrt eingesetzt wird. Es besteht aus wenigen bis mehreren Dutzend Lagen (engl. multilayer) metallbedampfter Kunststofffolien. MLI-Folien schützen gegen Wärmeabstrahlung, nicht jedoch gegen Wärmeverlust durch Konvektion, die es im relativen Vakuum fast nicht gibt.

Prinzip[Bearbeiten]

Ein warmer Körper gibt Wärme in Form von Wärmestrahlung an eine kältere Umgebung ab. Eine zusätzliche undurchlässige Schicht als Hindernis verringert den Wärmetransport durch Strahlung nach dem Stefan-Boltzmann-Gesetz. Dabei wärmt sie sich auf, bis im thermischen Gleichgewicht die Hälfte der Strahlung zum Körper zurückgestrahlt wird. Die andere Hälfte gibt er an die Umgebung ab. Bei n Schichten reduziert sich der Strahlungsverlust im Idealfall (ebene Geometrie und gleicher Emissionsgrad) um den Faktor n+1.

Bei spiegelnden Schichten bekommt man zusätzlich eine Reduktion durch den geringen Emissionsgrad. Der Faktor kommt nur einmal dazu, nicht etwa potenziert mit der Zahl der Schichten.

Ausführung[Bearbeiten]

Im einfachsten Fall besteht eine MLI aus metallbedampften Kunststofffolien. Die Einzellagen ähneln einer Rettungsdecke. Die Metallisierung besteht aus Silber, das bei einer Dicke von wenigen Atomlagen eine goldene Farbe annimmt. Bei kritischen Anwendungen greift man auf Gold zurück, das im Infraroten einen Reflexionsgrad von mehr als 99 % aufweist.

Die Metallschicht fungiert als Spiegel, die Kunststoffschicht als mechanischer Träger. Die Wärmeisolation zwischen den Spiegelschichten verbessert sich deutlich, wenn man die Folien auf Abstand hält. Ein grobmaschiges Netz aus Seide oder Kunststoff zwischen den Folien reduziert die Wärmebrücken auf die wenigen Verbindungsstege. Bei einer Doppelschicht erreicht man für ε* Werte von 0,1 bis 0,05. Zehn Schichten senken sie auf 0,01. Auch bei mehr als 30 Schichten liegt die untere Grenze in der Praxis um 0,003.

Einsatzgebiet[Bearbeiten]

Raumsonde MRO, eingewickelt in goldglänzender MLI-Folie.

Ohne besondere Maßnahmen sind Raumflugkörper großen Temperaturgefällen ausgesetzt. Es fehlt die Atmosphäre, die durch Konvektion einen Temperaturausgleich herbeiführen könnte. Die Wärmeleitung beschränkt sich auf Körper, die fest miteinander verbunden sind. Im Vakuum des Weltraums wird Wärme fast ausschließlich über Strahlung übertragen.

Da elektronische Geräte eine Einsatztemperatur um 20 °C benötigen, wickelt man Raumflugkörper häufig in MLI-Folie ein. Sie schützt den Raumflugkörper durch Rückstrahlung vor Auskühlung und unterstützt die gleichmäßige Wärmeverteilung. Im gleichen Maße schützt sie vor einem Aufheizen durch Strahlung von außen.