Multiple independently targetable reentry vehicle

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Gefechtsköpfe vom Typ W78 als Mehrfachsprengköpfe (MIRV) Wiedereintrittskörper Mk12A für eine LGM-30G Minuteman III
Wiedereintrittsspuren von acht MIRVs einer LG-118A Peacekeeper auf Kwajalein

Der Begriff Multiple Independently Targetable Reentry Vehicle (kurz MIRV; englisch für ‚unabhängig zielbarer Mehrfach-Wiedereintrittskörper‘), deutsch auch Mehrfachgefechtskopf, Mehrfachsprengkopf oder Kassettensprengkopf, steht für eine Art von Sprengköpfen für Interkontinentalraketen und U-Boot-gestützte ballistische Raketen (SLBM). MIRVs ermöglichen es, mit einer einzigen Trägerrakete mehrere Ziele gleichzeitig anzugreifen und Abwehrmaßnahmen durch das gleichzeitige Eindringen vieler Sprengköpfe zu erschweren. Die ersten mit MIRV ausgestatteten Raketen wurden Anfang der 1970er-Jahre von den Vereinigten Staaten stationiert.

MIRV ist der Nachfolger des Multiple Reentry Vehicle (MRV), bei dem die Sprengköpfe nicht voneinander unabhängig lenkbar waren.

Allgemeines[Bearbeiten]

Die letzte Entwicklung heißt Maneuverable Reentry Vehicle (MARV). Der Sprengkopf ist manövrierfähig, also hängt seine Flugbahn nicht nur von den Gesetzen der Ballistik ab. Dadurch wird die Raketenabwehr weniger wirksam. Sie war für die MGM-31C Pershing II und UGM-113B Trident II D5 vorgesehen, wurde aber nur bei der Pershing umgesetzt. Die russische Topol-M besitzt einen MARV-Mehrfach-Sprengkopf.[1][2]

Eine Interkontinentalrakete vom Typ UGM-113B Trident II D5 kann zwischen drei und sechzehn Atomsprengköpfe tragen, die sich nach dem Brennschluss von der Trägerrakete trennen und unabhängig auf einzelne Ziele gelenkt werden können. Gegenmaßnahmen werden dadurch wesentlich erschwert, da die große Zahl von anfliegenden Sprengköpfen Verteidigungssysteme überfordern kann. Aufgrund der MIRV-Technik kann ein wirksames Raketenabwehrsystem gegen nukleare Angriffe kostspieliger werden, als ein anderes Land mit Nuklearwaffen in Schach zu halten. Das von den USA 1996 und Russland 2000 ratifizierte START-II-Abkommen verbietet den Einsatz von landgestützten MIRVs. Die weitere Entwicklung ist jedoch unklar, da das START-II-Abkommen vom SORT-Abkommen abgelöst wurde, in dem Mehrfachsprengköpfe nicht mehr verboten sind.

Sprengköpfe einer LGM-118A Peacekeeper
Startverlauf bei einer LGM-30G Minuteman III

Das stärkste von den Vereinigten Staaten entwickelte MIRV-System war die LGM-118A Peacekeeper, die bis zu zehn Sprengköpfe mit einer Sprengkraft von jeweils bis zu 300 kt TNT-Äquivalent tragen konnte. Die letzten dieser Systeme wurden im Jahr 2005 außer Dienst gestellt.

Die Sowjetunion führte ab Anfang der 1970er-Jahre mehrere Raketen mit Mehrfachsprengköpfen ein. Zuerst waren dies die R-36- und UR-100K-Raketen, welche jeweils drei nicht einzeln steuerbare MRV-Sprengköpfe trugen. Gefolgt wurden diese Raketen von den R-36M (acht bis zehn MIRV), MR UR-100 (vier MIRV), UR-100N (sechs MIRV) und der RT-23 (zehn MIRV). Zwei Versionen dieser Raketen, die R-36M2 und UR-100NUTTH, stehen noch heute bei den russischen Raketentruppen in Dienst. Sie sollen in den kommenden Jahren durch die MIRV-Variante der Topol M (RS-24, SS-27 Mod2) sowie eine bei Mekejew in Entwicklung befindliche neue mittelschwere Interkontinalrakete mit MIRV abgelöst werden.

Bei der sowjetischen Marine wurden ebenfalls Mitte der 1970er-Jahre Raketen mit MIRV eingeführt, dies waren die R-29R, die R-29RM und die R-39. Derzeit befinden sich in Russland zwei seegestützte Raketen mit MIRV in Produktion, die R-29RMU (in den Versionen Sinewa und Liner mit bis zu zehn MIRV) sowie die R-30 Bulawa (mit bis zu sechs MIRV).

Daneben standen in der Sowjetunion von 1976 bis 1989 Mittelstreckenraketen mit MIRV in Dienst, die RSD-10 mit bis zu drei MIRV.

Daneben verfügen Großbritannien und Frankreich über seegestützte Raketen mit MIRV. Großbritannien hat Trident II D5 von Lockheed-Martin aus den Vereinigten Staaten im Dienst (allerdings nur mit maximal drei MIRV), in Frankreich sind es die M-45 und M-51 von EADS mit bis zu sechs MIRV.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: MIRV – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://de.rian.ru/safety/20071219/93112823.html Zusätzliche Hilfs- und Steuertriebwerke bei der Topol-M
  2. http://russland.ru/rupol0010/morenews.php?iditem=9276 Der Topol-M-Sprengkopf kann während des Überschallfluges komplizierte Manöver durchführen