Multipler Substanzgebrauch

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Klassifikation nach ICD-10
F19.- Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen
F19.0 Akute Intoxikation (akuter Rausch)
F19.1 Schädlicher Gebrauch
F19.2 Abhängigkeitssyndrom
F19.3 Entzugssyndrom
F19.4 Entzugssyndrom mit Delir
F19.5 Psychotische Störung
F19.6 Amnestisches Syndrom
F19.7 Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung
F19.8 Sonstige psychotische und Verhaltungsstörungen
F19.9 Nicht näher bezeichnet psychotische und Verhaltungsstörung
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Multipler Substanzgebrauch ist laut ICD-10 eine Form des Drogenkonsums, bei welcher zwei oder mehr psychotrope Substanzen zu sich genommen werden und keine Substanz für sich allein den Konsum dominiert bzw. nur eine oder keine der Substanzen bekannt ist. Gleichzeitig wird damit noch keine Aussage über das Vorhandensein oder das Ausmaß gesundheitlicher Störungen bzw. ein spezifisches klinisches Erscheinungsbild getroffen. Bezüglich Klassifizierung der möglichen Störungen nach ICD-10, siehe Infobox.

"Multipler Substanzgebrauch liegt dann vor, wenn die Substanzaufnahme chaotisch und wahllos erfolgt , ohne dass ein bestimmter Stoff oder eine bestimmte Substanzgruppe vorherrscht."[1]

Mit negativer Konnotation und stigmatisierend wird mitunter von Polytoxikomanie (v. griech.: μανία manía = die Raserei) und auch multiplem Substanzmissbrauch gesprochen. Demgegenüber wird mit Mehrfachabhängigkeit ein bestehendes Abhängigkeitssyndrom bei Einnahme mehrerer psychotroper Substanzen bezeichnet. Das DSM-IV fordert hier (für die Diagnose polysubstance dependence) den wiederholten Gebrauch von Substanzen aus mindestens drei Substanzgruppen (unter Ausschluss von Koffein und Nikotin) über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten, wobei die Abhängigkeitskriterien für die Gesamtheit der Substanzen, nicht aber für eine spezifische Gruppe, erfüllt sein müssen. Eine Umbenennung in Polysubstance Use-Disorder wird derzeit diskutiert.[2]

Gefahren des multiplen Substanzgebrauches für das Kind im Mutterleib[Bearbeiten]

Nehmen polytoxikoman abhängige Mütter auch während der Schwangerschaft multiple Substanzen zu sich, so besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Kind mit körperlichen oder/und geistigen Behinderungen auf die Welt kommt. In Deutschland sind drei von 1000 geborenen Kindern Kinder von polytoxikoman abhängigen Frauen. Durch den Konsum von Heroin, Kokain und Alkohol entstehen beispielsweise folgende Störungen beim Kind: verzögertes Krabbelalter, verzögertes Lauflernalter, verzögerte Sprachentwicklung, ADS/ADHS, Dyskalkulie, Legasthenie. Außerdem wurde bei multiplem Substanzgebrauch während der Schwangerschaft folgendes beobachtet: angeborene Fehlbildungen, erhöhte Infektanfälligkeit, Entwicklungsverzögerung, Lernstörungen, plötzlicher Kindstod und Folgen der geburtshilflichen Komplikationen.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berger, Mathias (Hrsg): Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie, S. 382; Elsevier, 3. Aufl. 2009
  2. American Psychiatric Association, DSM-5 Development, 2010: Polysubstance-Use Disorder
  3. Ruthard Stachowske. Abgerufen am 29. Mai 2014