Mumpf

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Mumpf
Wappen von Mumpf
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Rheinfeldenw
BFS-Nr.: 4255i1f3f4
Postleitzahl: 4322
UN/LOCODE: CH MPF
Koordinaten: 636366 / 26618347.545367.921674287Koordinaten: 47° 32′ 43″ N, 7° 55′ 18″ O; CH1903: 636366 / 266183
Höhe: 287 m ü. M.
Fläche: 3.13 km²
Einwohner: 1328 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 424 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 27,4 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.mumpf.ch
Karte
Deutschland Kanton Basel-Landschaft Kanton Solothurn Kanton Solothurn Kanton Basel-Stadt Bezirk Aarau Bezirk Laufenburg Hellikon Kaiseraugst Magden Möhlin Mumpf Obermumpf Olsberg AG Olsberg AG Rheinfelden AG Schupfart Stein AG Wallbach AG Wegenstetten Zeiningen ZuzgenKarte von Mumpf
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Mumpf (schweizerdeutsch: mʊmpf[3], bis 1803 Niedermumpf genannt) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Rheinfelden des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Westen der Region Fricktal am Hochrhein, an der Grenze zu Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf erstreckt sich über eine Länge von fast zwei Kilometern in einem maximal 200 Meter breiten Engpass zwischen dem Rhein und den steil abfallenden Hängen des Tafeljuras. Der alte Dorfkern bildet den östlichsten Teil des Siedlungsbandes und liegt am Ausgang des Fischingertals. Das Tal wird vom Fischingerbach durchflossen und bildet eine tief eingeschnittene Schlucht zwischen der Mumpferfluh (511 m ü. M.) im Osten und dem Chriesiberg (558 m ü. M.) im Südwesten. Der ganz im Westen gelegene Spitzgraben trennt den Chriesiberg vom Zeiningerberg. Das Siedlungsgebiet ist im Nordwesten fast mit demjenigen von Wallbach zusammengewachsen. An dieser Stelle weitet sich auch die Flussebene etwas aus, da der Rhein hier seine Fliessrichtung von West auf Nord ändert.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 313 Hektaren, davon sind 133 Hektaren bewaldet und 69 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 500 Metern am Rand der Chriesiberg-Hochebene, der tiefste auf 280 Metern am Rhein.

Nachbargemeinden in der Schweiz sind Wallbach im Nordwesten, Zeiningen im Westen, Zuzgen im Süden, Obermumpf im Südosten und Stein im Osten. Im Norden grenzt Mumpf an die deutsche Gemeinde Bad Säckingen.

Geschichte[Bearbeiten]

Verschiedene Funde weisen darauf hin, dass die Gegend bereits vor rund 4000 Jahren besiedelt war. 1991 gruben Archäologen auf dem Kapf eine mittel- bis spätneolithische befestigte Siedlung aus, die von Gräben und Palisaden umgeben war. Auch fanden sich grosse Mengen an Keramik und Steinwerkzeugen. Aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts stammen ein Kastell der Römer und ein Soldatengrab. Die Mumpferfluh war zu jener Zeit ein wichtiger Beobachtungspunkt an der Nordgrenze des Imperiums. Auf dem Weg nach Stein kam das Fragment eines Meilensteins aus dem Jahr 139 zum Vorschein.[5]

Die erste urkundliche Erwähnung von Mumpher erfolgte im Jahr 1218. Der Ortsname stammt vom lateinischen ad montem ferri, was «beim Eisenberg» bedeutet.[3] Landesherren waren die Grafen von Homberg-Tierstein, ab 1232 die Habsburger, die nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund verpfändeten. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Mumpf 1477 wieder unter österreichische Herrschaft. Als Folge der Reichsreform des Kaisers Maximilian I. gehörte Mumpf ab 1491 zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Möhlinbach, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden im Oberamt Breisgau. Die niedere Gerichtsbarkeit gelangte 1463 ebenfalls in den Besitz der Landesherren.[6]

Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Im März 1612 fand in Mumpf eine Abgeordnetenversammlung von Untertanen statt, um gegen eine Erhöhung der Umsatzsteuer auf Wein zu protestieren. In der Folge brach der Rappenkrieg aus. Dieser Bauernaufstand, der das Fricktal und angrenzende Gebiete am Hochrhein erschütterte, wurde im September 1614 nach Vermittlung der Eidgenossen beendet. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. 1634 brannte es bis auf wenige Gebäude ab.[7] Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreich. Am 20. Februar 1802 wurde Mumpf eine Gemeinde im Distrikt Rheinfelden des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Seit dem 19. Februar 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

Jahrhundertelang lebten die Dorfbewohner von der Landwirtschaft und vor allem vom Fischfang und der Flösserei auf dem Rhein. Die Eröffnung der Bözbergeisenbahn am 1. August 1875 verursachte eine erste Verlagerung der Verkehrsströme. Nach dem Bau des Wasserkraftwerks Ryburg-Schwörstadt und dem Aufstauen des Rheins mussten die letzten Fischer und Flösser ihre Tätigkeit aufgeben. Der Schwerpunkt verlagerte sich auf Gewerbe und Dienstleistungen. Zwischen 1970 und 1990 nahm die Bevölkerungszahl um über zehn Prozent ab, seither ist jedoch ein kontinuierliches Wachstum zu verzeichnen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die 1302 erstmals erwähnte katholische Pfarrkirche St. Martin wurde 1957 umgebaut und vergrössert. Eine Pfarrei entstand in Mumpf noch vor der Jahrtausendwende als Gründung des Stiftes Säckingen. Sie umfasste die beiden Dörfer Wallbach und Mumpf. 1938 trennten sich die Gemeinden kirchlich und bilden seither eigene Kirchgemeinden.[8] Dem Ausbau der Verkehrsweg im 19. und 20. Jahrhundert fielen zahlreiche historische Bauwerk zum Opfer. Von den erhalten gebliebenen Bauwerken sind insbesondere das ehemalige Pfarrhaus von 1820 und der Säckingerhof (16. bis 18. Jahrhundert) erwähnenswert.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Grün weisser Schrägfluss, begleitet von gelber Speerspitze und gelbem Ruder, beide schräg gestellt.» Auf den Gemeindesiegeln von 1811 und 1872 war ein Gebilde zu sehen, das um 1890 als Bienenkorb interpretiert wurde. Dieses Wappen blieb bis 1952 in Gebrauch. Ein Jahr später wurde das heute noch verwendete und historisch begründete Wappen eingeführt. Der Fluss und das Ruder symbolisieren den Rhein und die Schifffahrt. Die Speerspitze erinnert an die Wehrhaftigkeit der Bauern während des Rappenkriegs.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[10]

Jahr 1768 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 319 448 492 513 598 765 903 816 807 1084 1310

Am 31. Dezember 2013 lebten 1328 Menschen in Mumpf, der Ausländeranteil betrug 27,4 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 49,4 % römisch-katholisch, 22,9 % reformiert und 10,0 % moslemisch; 3,8 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 87,3 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,5 % Albanisch, 2,9 % Serbokroatisch, 2,0 % Italienisch, 1,1 % Englisch.[12]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Rheinfelden zuständig. Mumpf gehört zum Friedensrichterkreis Wegenstetten.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Mumpf gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 130 Arbeitsplätze, davon 11 % in der Landwirtschaft, 25 % in der Industrie und 64 % im Dienstleistungssektor.[13] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden des Fricktals und in der Agglomeration der Stadt Basel.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Mumpf

Die wichtige Hauptstrasse 3 zwischen Basel und Zürich verläuft mitten durch das Dorf. Der nächstgelegenen Anschlüsse der Autobahn A3 befinden sich bei Rheinfelden und Eiken. Am Bahnhof Mumpf, der etwa einen Kilometer westlich des Dorfzentrums liegt, hält die Linie S1 der Regio S-Bahn Basel von Mülhausen über Basel nach Frick und Laufenburg. Für die Feinverteilung sorgt eine Postautolinie vom Bahnhof Möhlin durch das Fischingertal nach Wegenstetten.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschuleunterrichtet wird. Bis 2005 waren auch die Oberstufenklassen der Realschule und der Sekundarschule in diesem Schulhaus. Danach zogen die Oberstufenklassen in das neu erbaute Oberstufenzentrum OSZ Fischingertal um. Die Bezirksschule kann in Möhlin besucht werden. Aufgrund einer interkantonalen Vereinbarung können Jugendliche aus Teilen des Fricktals das Gymnasium in Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) absolvieren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Mumpf ist der Geburtsort von Rachel, der berühmtesten französischen Schauspielerin des 19. Jahrhunderts.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mumpf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 454–456.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1048 und 1068, Swisstopo
  5.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 185–186.
  6. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 359.
  7. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 360.
  8. Ortsporträt Mumpf. Abgerufen am 6. Januar 2012.
  9.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 222.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  13. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.