Munster (Örtze)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Munster
Munster (Örtze)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Munster hervorgehoben
52.98861111111110.09111111111173Koordinaten: 52° 59′ N, 10° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Heidekreis
Höhe: 73 m ü. NHN
Fläche: 193,42 km²
Einwohner: 15.139 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner je km²
Postleitzahl: 29633
Vorwahl: 05192
Kfz-Kennzeichen: HK
Gemeindeschlüssel: 03 3 58 016
Adresse der
Stadtverwaltung:
Wilh.-Bockelmannstr. 32
29633 Munster
Webpräsenz: www.munster.de
Bürgermeister: Christina Fleckenstein (SPD)
Lage der Stadt Munster im Landkreis Heidekreis
Landkreis Heidekreis Niedersachsen Landkreis Nienburg/Weser Region Hannover Landkreis Verden Landkreis Rotenburg (Wümme) Landkreis Harburg Landkreis Lüneburg Landkreis Uelzen Landkreis Celle Lindwedel Buchholz Schwarmstedt Essel Hademstorf Gilten Grethem Eickeloh Hodenhagen Böhme Häuslingen Ahlden Frankenfeld Rethem Walsrode Neuenkirchen Bomlitz Schneverdingen Osterheide Bad Fallingbostel Wietzendorf Soltau Munster BispingenKarte
Über dieses Bild

Munster ist eine Kleinstadt im Landkreis Heidekreis in Niedersachsen, fast genau zwischen Hamburg und Hannover. Bezogen auf die Zahl der dort stationierten Soldaten ist Munster der größte Standort des deutschen Heeres und der viertgrößte Standort der Bundeswehr. Die Stadt liegt zwischen den Truppenübungsplätzen Munster-Süd und Munster-Nord. Diese der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Gebiete der Bundeswehr sowie die große Zahl von Soldaten und Zivilbediensteten der Bundeswehr sind Bestandteil des öffentlichen Lebens in der Stadt. Die Übungsplätze beschränken das Wachstum zum Teil und sind ein Grund dafür, dass sich Munster trotz seiner mit der ehemaligen Kreisstadt Soltau vergleichbaren Einwohnerzahl seinen ländlichen Charakter bewahrt hat.

Geographie[Bearbeiten]

Munster liegt in der zentralen Lüneburger Heide am Fluss Örtze zwischen Soltau und Uelzen.

Munster ist die größte Garnison des deutschen Heeres (s. u.). Dies ist bedingt durch die in den 1890er bzw. 1930er Jahren eingerichteten Truppenübungsplätze Munster-Nord und -Süd. Auf dem Truppenübungsplatz Munster-Nord befindet sich das aufgelassene Dorf Lopau.

Das Betretungsverbot der Plätze für die Bevölkerung hat dazu geführt, dass sich dort - besonders auf dem Übungsplatz Munster-Süd- zum Teil in Deutschland einzigartige Lebensräume erhalten haben und einige Tierarten finden, die man in Deutschland kaum noch antrifft. 2011 wurde auf dem Platz Munster-Nord der erste Wolf in Niedersachsen nachgewiesen. 2013 brachte hier ein Wolfspaar sieben Welpen zur Welt [2]

Geschichte[Bearbeiten]

1252 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung in einem Verzeichnis bischöflicher Tafelgüter sowie einzelner weiterer Einkünfte des Bischofs von Verden. Das einzige hierzu erhaltene Dokument ist eine Abschrift von Christoph G. Pfannkuchen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das in der Historischen Bibliothek des Domgymnasiums zu Verden aufbewahrt wird. 1893 wurde der Truppenübungsplatz Munster Süd erstmals mit Truppen belegt. 1956 wurde Munster Garnison der Bundeswehr und entwickelte sich ab 1990 zur größten Garnison im vereinigten Deutschland.

Die Stadtrechte wurden am 20. Oktober 1967 verliehen. Bis zum 31. Juli 1977 gehörte das Stadtgebiet zum Landkreis Soltau (SOL) und danach zum Landkreis Soltau-Fallingbostel (SFA); dieser heißt seit dem 1. August 2011 Landkreis Heidekreis (HK).

Im Zuge der 1. Landesausstellung Natur im Städtebau 1988 wurde die Innenstadt neu gestaltet. 1994 war Munster Ausrichter des Tages der Niedersachsen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Februar 1971 wurden die selbstständigen Gemeinden Alvern, Ilster, Oerrel, Töpingen und Trauen eingegliedert. Am 1. Juli 1972 folgten Breloh und das bis dahin im Landkreis Uelzen gelegene Lopau.[3]

Religionen[Bearbeiten]

St. Urbani-Kirche
Schafstallkirche St. Martin

Die St. Urbani-Kirche, eine in ihren Ursprüngen aus dem 13. Jahrhundert stammende Heidekirche, befindet sich am Kirchgarten. Die 1989 eröffnete Schafstallkirche St. Martin, am Ende der Marienburger Straße gelegen, wurde aus einem ehemaligen Schafstall erbaut. Im Ortsteil Breloh befindet sich die 1970/71 erbaute Friedenskirche, zu der auch ein Kindergarten gehört. Die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden St. Martin, St. Urbani und Breloh in Munster haben sich zum 1. Januar 2012 zur Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Munster zusammengeschlossen.[4] Die 1961 geweihte Militärkirche St. Stephanus, an der Straße Zum Schützenwald gelegen, ist durch ihren 65 Meter hohen spitzen Turm weithin sichtbar. Zu dieser Personalkirchengemeinde, die auch über eine Kindertagesstätte verfügt, gehören alle im Standort Munster stationierten evangelischen Soldaten sowie die Personen, die im Einsatzfall der Truppe folgen und deren Familienangehörige. Alle evangelischen Kirchen in Munster gehören zum Kirchenkreis Soltau.

Bereits seit den 1930er Jahren fanden in verschiedenen Lagerkirchen katholische Gottesdienste statt. 1959/60 wurde die von Josef Fehlig entworfene St. Michael-Kirche erbaut. Die mit einem 37 Meter hohen freistehenden Turm ausgestattete Kirche ist nach dem Erzengel Michael benannt. Sie wird sowohl von der Militär- als auch von der Zivilgemeinde genutzt und gehört zum Dekanat Celle. Zur Kirchengemeinde gehört auch ein Kindergarten am Klappgarten und die Kirche Heilig Geist in Faßberg.

Eine neuapostolische Kirche befindet sich am Worthweg, ihre Gemeinde gehört zum Bezirk Lüneburg der Neuapostolischen Kirche in Norddeutschland.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Rat der Stadt Munster besteht aus 26 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 10.001 und 11.000 Einwohnern.[5] Die 26 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011 und endet am 31. Oktober 2016.

Stimmberechtigt im Stadtrat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Christina Fleckenstein (SPD).

Die letzte Kommunalwahl am 11. September 2011 ergab das folgende Ergebnis:[6]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Hauptamtliche Bürgermeisterin der Stadt Munster ist Christina Fleckenstein (SPD).[7] Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 wurde sie mit 54,7 % der Stimmen gewählt. Ihr Gegenkandidat Mark Söhnholz erhielt 45,3 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 50,6 %.[8] Fleckenstein trat ihr Amt am 1. November 2014 an und löste den bisherigen Amtsinhaber Adolf Köthe (parteilos) ab, der nicht mehr kandidiert hatte.

Wappen[Bearbeiten]

Der Oberpräsident der Provinz Hannover verlieh der damaligen Gemeinde Munster, mit Erlass vom 4. März 1937, ein Wappen. Das Wappen zeigte auf Gold unter blauem Schildhaupt, das mit einem liegenden, goldgereiften silbernen Schwert belegt ist, einen nach rechts gewendeten, feuerspeienden rotbewehrten blauen Drachen. Auf Antrag des Rates der Gemeinde Munster vom 18. April 1967 verfügte der Regierungspräsident in Lüneburg am 17. Mai 1967, den Schildergrund des 1937 verliehenen Wappens von Gold auf Silber zu ändern und eine Ortsflagge in den Farben Blau-Weiß zu genehmigen.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wilhelm-Bockelmann-Straße, die Haupteinkaufsstraße
Mühlenteich der Örtze in der Nähe des Ortszentrums
Wassermühle Munster
Haupthaus des Ollershofes
  • Deutsches Panzermuseum
  • St.-Urbani-Kirche (13. Jahrhundert)
  • Der Ollershof ist ein frei zugängliches Freilichtmuseum.
  • Die Schafstallkirche St. Martin ist ein alter Schafstall, der in eine Kirche umgebaut wurde.
  • Stadtbücherei
  • St.-Stephanus-Militärkirche: die einzige, nur einer Militärkirchengemeinde zugeordnete Kirche Deutschlands und das höchste Gebäude Munsters
  • Niedersachsenbrunnen mit acht Pferden, die die ehemals selbständigen Gemeinden der Stadt symbolisieren, von Jos Pirkner (1991)
  • Allwetterbad Munster
  • Erholungsgebiet Flüggenhofsee
  • 9-Loch-Golfplatz Munster-Kohlenbissen, Anfang der 1960er Jahre auf einem ehemaligen Flugfeld angelegt, in typischer Heidevegetation.
  • Modellautorennbahn „Hollmoorring“

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Größter Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber in Munster ist die Bundeswehr. Von überregionaler Bedeutung sind die Firmen Meyer Breloh (Baustoffe, Fenster) und die 60 Mitarbeiter zählende Entwicklungs- und Anlagenbaufirma Abels Consulting und Technology GmbH.

Bundeswehr[Bearbeiten]

Munster ist größter Standort des deutschen Heeres und viertgrößter Standort der Bundeswehr. Im Zuge der Transformation der Bundeswehr sind seit 2007 in Munster 6.675 Soldaten mit ihren Familienangehörigen stationiert. Zusammen mit Lehrgangsteilnehmern der Ausbildungszentren ergibt sich eine Anzahl von ca. 10.000 Soldaten. Wegen der Ausbildungszentren, vieler teils öffentlicher Lehrvorführungen und der Erprobung neuen Gerätes und neuer Taktiken wird Munster das „Schaufenster des deutschen Heeres“ genannt.

Seit 2006 untersteht dem Ausbildungszentrum Munster eines von zwei Offizieranwärterbataillonen. Im Zuge der Transformation der Bundeswehr wurde auch die Grundlagenausbildung aller Offizieranwärter zentralisiert, so dass etwa ein Drittel in Munster ausgebildet wird.

Altlasten[Bearbeiten]

Bereits während des Ersten Weltkriegs erprobte das deutsche Militär am „Gasplatz Breloh“ chemische Kampfstoffe, die 1915 an der Westfront erstmals zum Einsatz kamen. Bei Abrüstungsarbeiten nach Kriegsende explodierte im Oktober 1919 in Breloh ein mit Kampfmitteln beladener Güterzug. Mit der Einrichtung der Heeresversuchsstelle Raubkammer im Truppenübungsplatz Munster-Nord nahm die Wehrmacht die Kampfstofferprobung ab 1935 wieder auf und betrieb eine Pilotanlage für die Produktion von Tabun und Sarin. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Anlagen durch britische Truppen gesprengt, was aber zu Kontaminationen führte.[9] Nach Übernahme des Truppenübungsplatzes Munster-Nord richtete die Bundeswehr eine Erprobungsstelle für ABC-Schutz ein, aus der die Wehrwissenschaftliche Dienststelle für ABC-Schutz und später das Wehrwissenschaftliche Institut für Schutztechnologien – ABC-Schutz (WIS) hervorging. Die WWD betrieb seit Dezember 1982 eine Verbrennungsanlage zur Entsorgung der zahlreichen aus den Arbeiten mit Kampfstoffen resultierenden Altlasten. Seit dem 17. Dezember 1997 sind der Betrieb dieser und einer zweiten Verbrennungsanlage auf die „Gesellschaft zur Entsorgung chemischer Kampfstoffe und Rüstungs-Altlasten (GEKA mbH)“, eine privatrechtlich organisierte, zu 100 Prozent im Bundesbesitz befindliche Gesellschaft, übergegangen. Diese Anlagen sind durch internationale Rüstungskontrollverträge zertifiziert.

Bildung[Bearbeiten]

Munster beherbergt seit dem Schuljahr 2008/2009 zwei Grundschulen, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernhilfe, je eine Haupt- und Realschule sowie ein Gymnasium. Die vorher noch bestehende Grundschule Breloh (Ortsteil der Stadt Munster) wurde wegen der Entwicklung der Schülerzahlen mit der Grundschule Am Süllberg zur Grundschule im Örtzetal zusammengefasst und besteht nun nur noch als Außenstelle weiter.

Verkehr[Bearbeiten]

Munster liegt an der Bundesstraße 71 zwischen Soltau und Uelzen in der Nähe der BAB 7. Wichtigste öffentliche Verkehrsanbindung nach Bremen, Hamburg oder Hannover ist der Bahnhof Munster an der alten Bahnstrecke Uelzen–Langwedel, die ursprünglich als Amerikalinie von Berlin über Uelzen nach Bremen und Bremerhaven führte. Heute verkehren hier die Erixx-Triebwagen der Relation BremenSoltauUelzen. Auf der Bahnstrecke Beckedorf–Munster findet kein regulärer Personenverkehr statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Clemens Neuhaus (1927–1991), auf Motive der Lüneburger Heide spezialisierter Maler
  • Lars Klingbeil (* 1978), Politiker (SPD), MdB
  • Marcus Wedau (* 1975), Bundesliga-Fußballspieler u.a. bei KFC Uerdingen 05 und MSV Duisburg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Munster (Örtze) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. Chronologie der Wölfe auf dem TrpÜbPl Munster
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 235.
  4. Kirchliches Amtsblatt für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers 6/2011, S. 236-238
  5. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 28. November 2014
  6. Ergebnisse der Kommunalwahl 2011, abgerufen am 28. November 2014
  7. Grußwort auf der Seite der Stadt Munster
  8. Einzelergebnisse der Direktwahlen am 25. Mai 2014 in Niedersachsen, abgerufen am 28. November 2014
  9. Günther W. Gellermann: Der Krieg, der nicht stattfand. Möglichkeiten, Überlegungen und Entscheidungen der deutschen Obersten Führung zur Verwendung chemischer Kampfstoffe im Zweiten Weltkrieg. Koblenz: Bernard und Graefe 1986