Judenburg

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Judenburg
Wappen von Judenburg
Judenburg (Österreich)
Judenburg
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Murtal
Kfz-Kennzeichen: MT (ab 1.7.2012; alt JU)
Fläche: 13,22 km²
Koordinaten: 47° 10′ N, 14° 40′ O47.172514.660277777778737Koordinaten: 47° 10′ 21″ N, 14° 39′ 37″ O
Höhe: 737 m ü. A.
Einwohner: 9.191 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 695 Einw. pro km²
Postleitzahl: 8750
Vorwahl: 03572
Gemeindekennziffer: 6 20 11
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 1
8750 Judenburg
Website: www.judenburg.at
Politik
Bürgermeister Hannes Dolleschall (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(25 Mitglieder)
16
5
2
2
16 
Von 25 Sitzen entfallen auf:
Lage der Stadt Judenburg im Bezirk Murtal
Amering Apfelberg Bretstein Eppenstein Feistritz bei Knittelfeld Flatschach Fohnsdorf Gaal Großlobming Hohentauern Judenburg Kleinlobming Knittelfeld Kobenz Maria Buch-Feistritz Obdach Oberkurzheim Oberweg Oberzeiring Pöls Pusterwald Rachau Reifling Reisstraße Sankt Anna am Lavantegg Sankt Georgen ob Judenburg Sankt Johann am Tauern Sankt Lorenzen bei Knittelfeld Sankt Marein bei Knittelfeld Sankt Margarethen bei Knittelfeld Sankt Oswald-Möderbrugg Sankt Peter ob Judenburg Sankt Wolfgang-Kienberg Seckau Spielberg bei Knittelfeld Unzmarkt-Frauenburg Weißkirchen in Steiermark Zeltweg SteiermarkLage der Gemeinde Judenburg im Bezirk Murtal (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Judenburg vom Liechtensteinberg
Judenburg von Süden
Judenburg von Südwesten (Grünhübl)

Judenburg ist die Bezirkshauptstadt des im österreichischen Bundesland Steiermark gelegenen Bezirks Murtal und ist mit 9191[1] Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) die Stadt mit der achtgrößten Bevölkerungszahl in der Steiermark.

Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Judenburg.

Ab 1. Jänner 2015 wird die Gemeinde Judenburg im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform mit den Gemeinden Oberweg und Reifling zusammengeschlossen, die neue Gemeinde wird den Namen „Judenburg“ beibehalten.[2]

Geographie[Bearbeiten]

Judenburg hat eine Fläche von 13,21 km² und liegt auf einer Seehöhe von 737 m[1] am südlichen Rand des Aichfeldes, einem weiträumigen Becken der Alpen gegenüber von Fohnsdorf.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende fünf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[3]):

  • Gasselsdorf (38)
  • Judenburg (8691)
  • Ritzersdorf (14)
  • Strettweg (425)
  • Waltersdorf (144)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Judenburg, Tiefenbach und Waltersdorf.

Nachbargemeinden:

Pöls
Sankt Peter ob Judenburg Nachbargemeinden
Oberweg
Reifling
Maria Buch-Feistritz


Gewässer:

Durch die Stadt fließt der längste Fluss der Steiermark, die Mur. In der Nähe mündet der Granitzenbach dorthin.

Berge:

Südlich der Stadt liegen die Seetaler Alpen mit ihrem höchstem Berg, dem Zirbitzkogel, westlich liegt der Falkenberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Judenburg wurde in der Nähe der Burg Eppenstein gegründet.[4] Die erste urkundliche Erwähnung dieser Burg als mercatum Judinburch stammt aus dem Jahr 1074 – jüdische Händler spielten zu dieser Zeit eine wichtige Rolle im transalpinen Handel und gründeten Handelsposten in der Region (→ Geschichte der Juden in Österreich). Die Ersterwähnung ist auch das älteste Stapelrecht Österreichs, die Eppensteiner sind zu dieser Zeit schon mit weitreichenden Zollrechten ausgestattet. Wichtig war Judenburg insbesondere für den Handel obersteirischen Eisens (Erzberg). Die besondere Bedeutung dieser Niederlassung liegt sicherlich auch im Speik-Handel (Valeriana celtica, „Alpenbaldrian“ oder Maria Magdalenen-Blume), einem im Orient begehrten Parfum, das über Vendig gehandelt wurde – ein Handelsweg, der im frühen Hochmittelalter den Christen nicht offenstand.[5]

Im frühen 12. Jahrhundert ging Judenburg in den Besitz der Traungauer und dann der Babenberger über. 1224 erhielt Judenburg die Stadtrechte. In der Nähe von Judenburg kam es 1292 zu den letzten Kämpfen des Landsberger Bundes gegen Herzog Albrecht I., die mit einem Sieg des Herzogs endeten. Die Stadt Judenburg wuchs im 13. und 14. Jahrhundert zu einem überregional bedeutenden Handelszentrum heran, das Handel unter anderem mit Venedig trieb. So galt der Judenburger Gulden als die erste, lange auch als die wichtigste Goldmünze Österreichs. 1460 verlieh Friedrich III. der Stadt Judenburg das Monopol für den weltweiten Handel mit dem Speik. Die Stadt behielt das Monopol über 100 Jahre.[5] Nach mehreren Pogromen im 14  und 15. Jahrhundert[6] wurden 1496 alle steirischen Juden des Landes verwiesen.

Die politische Gemeinde Judenburg wurde 1849/50 errichtet.[7] Von 1910 bis 1914 verkehrte in der Stadt die Gleislose Bahn Judenburg, einer der ersten Oberleitungsbus-Betriebe Österreichs. Bis zum Ersten Weltkrieg war Judenburg eine Garnison der k.u.k. Armee. 1914 befand sich hier das Mährische Feldjäger Bataillon Nr. 17.

Während der Herrschaft des Nationalsozialismus gab es Bestrebungen, den Namen der Stadt, der aufgrund des Worts Jude/Juden als untragbar angesehen wurde, auf Zirbenstadt zu ändern. Die Diskussion darüber wurde allerdings auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verschoben, sodass eine Änderung nicht zustande kam.[8] Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde in Judenburg ein DP-Lager für jüdische Displaced Persons eingerichtet. Außenlager existierten in den Ortsteilen Dietersdorf, Liechtenstein, Kobenz und Murdorf.[9]

Heute ist Judenburg eine Industrie- und Handelsstadt und verfügt im schulischen Bereich unter anderem über ein Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium sowie eine Handelsakademie und eine Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik. Judenburg ist Bezirkshauptstadt des am 1. Jänner 2012 neu gegründeten Bezirks Murtal und war bereits zuvor Bezirkshauptstadt des im Bezirk Murtal aufgegangenen Bezirks Judenburg.

Politik[Bearbeiten]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

1940 wurde ein Teil der Gemeinde Murdorf eingemeindet, 1963 die Gemeinde Waltersdorf.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen Judenburg.jpg

Das Stadtwappen wurde verliehen mit Wirkung vom 1. Juni 1959 durch Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 9. Februar 1959. Beschreibung des Wappens (Blasonierung): „Im roten Schild ein linksgekehrter weißer, mit Judenhut bedeckter Judenkopf.“

Judenburg mit Murdorf, der Magdalenavorstadt, Bahnhof und „Stahl Judenburg“ (Ansicht von Nordwest)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Laut Arbeitsstättenzählung 2001 gibt es 578 Arbeitsstätten mit 6.060 Beschäftigten in der Gemeinde sowie 1.799 Auspendler und 3.840 Einpendler. Es gibt 41 land- und forstwirtschaftliche Betriebe (davon 16 im Haupterwerb), die zusammen 3.791 ha bewirtschaften (Stand 1999).

Seit einigen Jahren hat Judenburg, so wie die meisten ehemaligen Industriezentren der Mur-Mürz-Furche, mit der kontinuierlichen Abwanderung von Betrieben und Einwohnern zu kämpfen. Die Errichtung des Einkaufszentrums „Arena am Waldfeld“, in der Nachbargemeinde Fohnsdorf hat diese Tendenz noch verschärft und führte zu einer starken Ausdünnung des Handels. Die Stadt reagierte auf diese Problematik mit der Erstellung eines Marketingkonzepts, auf das beispielsweise der Bau des Judenburger Sternenturms zurückgeht. Eine Trendumkehr ist bis jetzt aber noch nicht gelungen.

Verkehr[Bearbeiten]

In der Stadt verkehren die Linien 1 (nach Knittelfeld) und 2 (nach Fohnsdorf) des Regionalbusses Aichfeld.[10] Außerdem besitzt die Stadt einen Bahnhof.

Stadtturm

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Judenburg
  • Historische Altstadt: Aus der Zeit der frühen Hochblüte als „Hauptstadt“ der Obersteiermark stammt auch die heute noch gut erhaltene historische Altstadt.
  • Stadtturm: Wahrzeichen von Judenburg ist der knapp 76 Meter hohe Stadtturm, der einen wunderbaren Rundblick über das Aichfeld bietet. Mit dem Bau wurde im 15. Jahrhundert begonnen. Ursprünglich wurde er als Glockenturm für die benachbarte Stadtpfarrkirche St. Nikolaus gebaut, die keinen eigenen Kirchturm besitzt. Er diente aber auch als Wachturm in Bezug auf Brände, die bis ins 19. Jahrhundert hinein sowohl die Stadt als auch den Turm selbst heimsuchten. Sein heutiges Aussehen erhielt der Stadtturm nach dem letzten Großbrand im Jahr 1840. Heute befindet sich im Turm in 50 m Höhe eines der modernsten Planetarien Europas.[11]
Judenburger Talbrücke, Fertigstellung 1939, fotografiert aus der Luft von Luftbilder Murtal 2013

Die Stadt Judenburg ist Mitglied im Verband Kleine historische Städte.

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

In Judenburg befindet sich einer der Standorte des Landeskrankenhauses Judenburg-Knittelfeld. Am Standort Judenburg befindet sich die chirurgische, unfallchirurgische und gynäkologische Abteilung des Krankenhausverbundes. Der Rettungsdienst wird - wie im Rest der Steiermark - vom Österreichischen Roten Kreuz betrieben. Dieses betreibt gemeinsam mit der Rot-Kreuz-Bezirksstelle Knittelfeld ein Notarzteinsatzfahrzeug welches in der Ortsstelle Zeltweg stationiert ist und beide Bezirke (Judenburg und Knittelfeld) notärztlich versorgt. Weiters werden ein Rettungstransportwagen und zahlreiche Notfall-Krankentransportwagen, sowie Krankentransportwagen und Behelfskrankentransportwagen betrieben um im gesamten Bezirk den Rettungs- und Krankentransportdienst abzudecken. Um die schnellstmögliche Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen werden zusätzlich zur Bezirksstelle Judenburg und dem Notarzt-Stützpunkt Zeltweg noch die Ortsstellen in Fohnsdorf, Hohentauern und Obdach unterhalten.

Sport[Bearbeiten]

Die Bezirkshauptstadt Judenburg verfügt über zahlreiche Sportanlagen zur Ausübung verschiedenster Sportarten.

Das Sportstadion Judenburg-Murdorf (seit 1970) ist mit einer Leichtathletikanlage für Wettkämpfe internationalen Formats ausgestattet. Der örtliche Fußballklub FC Judenburg trägt hier seine Heimspiele im Rahmen der Fußballmeisterschaft des steirischen Fußballverbandes aus. Ein Kunstrasenspielfeld (errichtet 2008) mit einer Flutlichtanlage steht ebenfalls zur Verfügung. Judenburg ist auch einer von fünf Standorten eines Leistungsausbildungszentrums des steirischen Fußballverbandes. Weiters ist im Stadion Judenburg auch ein Skaterpark eingerichtet.

Die Sporthalle Lindfeld (seit 1974) beherbergt die Sektionen Badminton, Judo und Tischtennis des ATUS Judenburg. In den Wintermonaten werden dort auch Hallenfußballturniere ausgetragen, ebenso Meisterschaftsspiele der österreichischen Futsal-Bundesliga. Die Schulturnhalle der Volksschule Judenburg-Stadt bietet neben den schulischen Aktivitäten auch die Möglichkeit für Mitglieder Judenburger Vereine, ihren sportlichen Interessen nachzugehen.

Das Judenburger Erlebnisbad (seit 1990) bietet Familien Spaß- und Kinderbecken, Kleinkinderbereich, Mutter-Kind-Bereich, Spielbach, Strömungs-Schwimmkanal und eine 70 Meter lange Wasserrutsche, aber auch ein Sportbecken (25 mx15 m), Erlebnisbecken und ein Nichtschwimmerbecken. Liegewiesen, ein Naturrasen-Fußballplatz, ein Beachvolleyballplatz, ein Restaurant und ein Saunabereich (mit finnischen Kabinen, Dampfkabine, Biosauna mit Helarium, Infrarot-Wärmekabine, einer Kneippstraße, Massage und Solarium) runden das Angebot ab. Ebenso steht ein Hallenbad mit einem 20-Meter-Sportbecken und ein Kleinkinderbereich mit Rutsche zur Verfügung.

Die Tennishalle in Judenburg-Strettweg bietet drei Teppich-Granulat-Plätze an, und die angeschlossene Kletterhalle Judenburg ist mit 820 m² Kletterfläche und einer Wandhöhe von bis zu 17 Metern eine der modernsten Indoor-Kletteranlagen in Österreich und Sportkletter-Stützpunkt des Landes Steiermark mit einer Schulungs- und Genusskletterwand, einer Vorstiegswand und dem Boulderbereich.[12]

Auf den Judenburger Sternenturm findet seit 2007 alljährlich ein internationaler Stiegenlauf statt. Die 256 Stufen bewältigte der Österreicher Wolfgang Miesbacher Im Jahr 2011 mit 37,67 Sekunden bisher am schnellsten.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Judenburg ist seit 1999 das österreichische Mitglied der Douzelage. In dieser Städtepartnerschaft ist jeweils eine Stadt aus einem Land der Europäischen Union vertreten. Die Städte pflegen einen kulturellen, schulischen und sportlichen Austausch.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter:

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Andritsch: Stadtchronik Judenburg. Judenburg 1989

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.j/j711538.htm
  2. Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 10. Oktober 2013 über die Vereinigung der Stadtgemeinde Judenburg und der Gemeinden Oberweg und Reifling, alle politischer Bezirk Murtal. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 15. November 2013. Nr. 117, 32. Stück. ZDB-ID 705127-x. S. 630.
  3. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  4. Ingrid Schubert: Judenburg. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3044-9.
  5. a b Der heimliche Star der Nockberge, kleinezeitung.at, 17.09.2011
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatIsidore Singer: Styria. Indications of Early Jewish Settlements. Riots at Fürstenfeld and Judenburg. In: JewishEncyclopedia. Abgerufen am 13. Jänner 2008 (engl.).
  7. Allgemeines Landesgesetz- und Regierungsblatt für das Kronland Steiermark, 21. Stück, 7. Oktober 1850, Nr. 378.
  8. Vgl. Michael Schiestl: „Zirbitz-“, „Adolf-“ oder „Jubelburg“. Dokumente des „gesunden Volksempfindens“. In: Berichte des Museumsvereines Judenburg 33 (2000), 23–32.
  9. DP-Lager Judenburg
  10. http://www.regionalbus-aichfeld.at/index.php?id=3
  11. sternenturm.at
  12. Archiv der Stadtgemeinde Judenburg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Judenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien