Muschelgeld

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Tabu-Muschelgeldketten von der Insel Neuirland in Papua-Neuguinea, noch heute gebräuchlich

Muschelgeld bezeichnet verschiedene vormünzliche Formen von einfachem Geld (Primitivgeld), die bei indigenen Völkern vor allem in Afrika, Amerika, Asien und im Südpazifik verwendet wurden. Bei einigen Völkern dient Muschelgeld heute als eine Komplementärwährung neben der offiziellen Geldwährung. Auch das Kaurigeld und anderes Molluskengeld werden als Muschelgeld bezeichnet, wiewohl diese aus den Gehäusen von Schnecken hergestellt werden. Eine echte Muschel, deren Schalen als Muschelgeld genutzt werden, ist die Macoma nasuta.

Teilweise wird diese Art von Zahlungsmittel noch heute verwendet, vor allem in rituellen Zusammenhängen, beispielsweise zur Zahlung eines Brautpreises vor der Heirat oder bei Begräbnissen. In manchen Kulturen werden oder wurden die Muschelscheiben nicht als Zahlungsmittel aus der Hand gegeben, sondern die Bänder dienten als eine Art Konto, bei der jede Muschel einen Vertrag repräsentierte und bei Bezahlung vom Band entfernt wurde. Es gibt Varianten des Muschelgeldes, bei denen die Muschelscheiben mit anderen wertvollen Gegenständen, unter anderem Knochen, kombiniert werden. Außer kleinen Muschelscheiben konnten auch Armringe eine Geldfunktion haben.

Vorkommen[Bearbeiten]

Die verbreitetste Form von Muschelgeld war das Kaurigeld aus den Gehäusen von Kaurischnecken, das in Afrika, Asien und Ozeanien in Gebrauch war und heute nur noch traditionelle Bedeutung hat.

Asien und Ozeanien
  • Das Tabu-Muschelgeld des Tolai-Volkes auf Neubritannien in Papua-Neuguinea hat neben seiner Bedeutung als Komplementärwährung auch tiefgreifende kultische, religiöse und spirituelle Bedeutungen.
  • Das Aaht-Muschelgeld wurde als Währung vorwiegend im Bereich der Marshall-Inseln im westlichen Pazifik benutzt.
  • Das Kula-Ritual ist ein Gabentausch-System von Muschel-Halsketten und -Armreifen zwischen den verschiedenen Trobriand-Inseln im Pazifik.
Afrika
  • Dongo, Achatina-Geld oder Achatschneckengeld wurde in Westafrika auf Schnüre aufgezogen und um den Hals oder die Hüften getragen.
Nordamerika
  • Wampum-Perlen aus Meeresschnecken und Muscheln dienten Indianer-Stämmen an der Ostküste als Tauschmittel.

Herstellung[Bearbeiten]

Die küstennahen Bewohner zerbrachen die Muscheln, durchbohrten die Scheiben mit Hilfe angespitzter Stöcke (heute: Drillbohrer) und reihten sie an einem Band auf. Die fertigen Bänder wurden anschließend mit Steinen abgeschliffen. Bei der Herstellung gab es eine Arbeitsteilung: Die Frauen sammelten und sortierten die Muscheln, während es den Männern vorbehalten war, die Bänder anzufertigen und die Muscheln abzuschleifen.

Aufgrund der knappen Verfügbarkeit und der schwierigen Herstellung des Muschelgeldes wurde der Wert des Muschelgeldes natürlich reguliert. Die Muscheln wurden nicht wie Münzen einzeln, sondern im Verbund, als Geldschnüre, genutzt. Anstatt die einzelnen Scheiben zu zählen, wurde oft die Länge der bepackten Bänder als Wertmaß angenommen.

Literatur[Bearbeiten]

Neueste zuerst:

  • Alexander Solyga: Tabu – das Muschelgeld der Tolai. Eine Ethnologie des Geldes in Papua-Neuguinea. Reimer, Berlin 2013, ISBN 978-3496028512 (wirtschaftsethnologische Untersuchung, erhielt 2011 den Preis der Stadt und der Universität Bayreuth).
  • Sigrun Preissing: Tabu – Das Muschelgeld der Tolai in Papua Neuguinea. In: Zeitschrift für Sozialökonomie. Jahrgang 46, Nr. 160–161, Kiel 2009, S. 38–40 (PDF-Datei; 233 kB; 4 Seiten auf zfsoe-online.de).
  • Pei-yi Guo: From Currency to Agency: Shell Money in Contemporary Langalanga, Solomon Islands. In: Asia-Pacific Forum. Band 31, 2006, S. 17–38 (englisch; online auf academia.edu).
  • William Taufa, Heinrich Fellmann: Über das Muschelgeld (a tabu) auf Neupommern, Bismarckarchipel (Deutsch-Neuguinea). In: Mitteilungen des Seminars für Orientalische Sprachen an der Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin, Abt. 1: Ostasiatische Studien. Jahrgang 5, 1902, S. 92–102.
  • Richard Parkinson: Über das Durchbohren von Muschelplatten, behufs Herstellung von Armringen etc. etc. In: Internationales Archiv für Ethnographie. Band 7, 1894, S. 89 (mit Zeichnung einer Drillbohrvorrichtung aus Neuguinea).
  • Wilhelm Ludwig Volz: Geschichte des Muschelgeldes. In: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft / Journal of Institutional and Theoretical Economics. Band 10, Heft 1, Mohr Siebeck, 1854, S. 83–122 (online bei JSTOR).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Muschelgeld – Bilder und Mediendateien
  • Eintrag: Muschelgeld. In: Lexikon der Biologie. Spektrum Akademischer Verlag, 1999, abgerufen am 14. August 2014.
  • Enzyklopädischer Eintrag: Salomonen: Herstellung von Muschelgeld. In: Moneypedia.de. Internationaler Banknoten-Sammlerverein banknotesworld e. V., München, April 2011, abgerufen am 14. August 2014.