Muschelgeld

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Tabu-Muschelgeldketten von der Insel Neuirland in Papua-Neuguinea, noch heute gebräuchlich

Muschelgeld ist die traditionelle Bezeichnung indigener Völker für eine Komplementärwährung, die vor allem in Asien, Afrika, Amerika und im Südpazifik vorkommt. Meist wird auch Mollusken- und Kaurigeld als Muschelgeld bezeichnet, obwohl diese aus den Gehäusen von Schnecken hergestellt werden. Eine echte Muschel, die als Muschelgeld genutzt wird, ist Macoma nasuta.

Auch heute wird diese Art von Zahlungsmitteln noch verwendet, vor allem rituell, beispielsweise zur Zahlung eines Brautpreises vor der Heirat. In manchen Kulturen werden oder wurden die Muschelscheiben nicht als Zahlungsmittel aus der Hand gegeben, sondern die Bänder dienten als eine Art Konto, bei der jede Muschel einen Vertrag repräsentierte und bei Bezahlung vom Band entfernt wurde. Es gibt Varianten des Muschelgeldes, bei denen die Muschelscheiben mit anderen wertvollen Gegenständen, unter anderem Knochen, kombiniert werden. Außer kleinen Muschelscheiben konnten auch Armringe eine Geldfunktion haben.

Vorkommen[Bearbeiten]

Herstellung[Bearbeiten]

Die küstennahen Bewohner zerbrachen die Muscheln, durchbohrten die Scheiben mit Hilfe angespitzter Stöcke (heute: Drillbohrer) und reihten sie an einem Band auf. Die fertigen Bänder wurden anschließend mit Steinen abgeschliffen. Bei der Herstellung gab es eine Arbeitsteilung: Die Frauen sammelten und sortierten die Muscheln, während es den Männern vorbehalten war, die Bänder anzufertigen und die Muscheln abzuschleifen.

Aufgrund der knappen Verfügbarkeit und der schwierigen Herstellung des Muschelgeldes wurde der Wert des Muschelgeldes natürlich reguliert. Die Muscheln wurden nicht wie Münzen einzeln, sondern im Verbund, als Geldschnüre, genutzt. Anstatt die einzelnen Scheiben zu zählen, wurde oft die Länge der bepackten Bänder als Wertmaß angenommen.

Literatur[Bearbeiten]

Neueste zuerst:

  • Alexander Solyga: Tabu – das Muschelgeld der Tolai. Eine Ethnologie des Geldes in Papua-Neuguinea. Reimer, Berlin 2013, ISBN 978-3496028512 (wirtschaftsethnologische Untersuchung, erhielt 2011 den Preis der Stadt und der Universität Bayreuth).
  • Sigrun Preissing: Tabu – Das Muschelgeld der Tolai in Papua Neuguinea. In: Zeitschrift für Sozialökonomie. Jahrgang 46, Nr. 160–161, Gauke Verlag für Sozialökonomie, Kiel 2009, S. 38–40 (PDF-Datei; 233 kB; 4 Seiten).
  • William Taufa, Heinrich Fellmann: Über das Muschelgeld (a tabu) auf Neupommern, Bismarckarchipel (Deutsch-Neuguinea). In: Mitteilungen des Seminars für Orientalische Sprachen an der Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin, Abt. 1: Ostasiatische Studien. Jahrgang 5, 1902, S. 92–102.
  • Richard Parkinson: Über das Durchbohren von Muschelplatten, behufs Herstellung von Armringen etc. etc. In: Internationales Archiv für Ethnographie. Band 7, 1894, S. 89 (mit Zeichnung einer Drillbohrvorrichtung aus Neuguinea).
  • Wilhelm Ludwig Volz: Geschichte des Muschelgeldes. In: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft / Journal of Institutional and Theoretical Economics. Band 10, Heft 1, Mohr Siebeck, 1854, S. 83–122 (online bei JSTOR).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Muschelgeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien