Museu da Electricidade (Lissabon)

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Das Museu da Electricidade (deutsch: Elektrizitätsmuseum), ein wesentliches Beispiel portugiesischer Industriebauten in Lissabon, versteht sich als Kulturzentrum und Museum der Wissenschaft für jedermann. In seinen Ausstellungsräumen sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Energie dargestellt, während neben thematischen und experimentellen Ausstellungen verschiedenartigste kulturelle und kommerzielle Veranstaltungen stattfinden. Das Museum behauptet sich so als fester Bestandteil des kulturellen Geschehens der Stadt.

Central Tejo, heute Museu da Electricidade, Blick aus dem Tejo (Tagus).

Lage[Bearbeiten]

Das Museum befindet sich im Stadtteil Belém, auf Terrain, welches Lissabon Ende des 19. Jahrhunderts dem Tejo abgewinnen konnte. In nächster Nähe sind wichtige historische Sehenswürdigkeiten, unter anderem das Hieronymus-Kloster (Mosteiro de Jerónimos), das Kulturzentrum Belém (Centro Cultural de Belém), den Turm von Belém (Torre de Belém), das Entdeckerdenkmal (Padrão dos Descobrimentos), den Palast und das Museum des Präsidenten der Republik Portugals, das Kutschenmuseum (Museu Nacional dos Coches) und die ehemalige Nationalseilerei (Cordoaria Nacional).

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebäudekomplex des Museums ist als „Immobilie des öffentlichen Interesses“ denkmalgeschützt und erstreckt sich auf dem Gelände des früheren thermo-elektrischen Kraftwerks – Central Tejo, welches über vier Jahrzehnte für die Beleuchtung Lissabons sorgte. Seine Eröffnung als Museum erfolgte 1990. Zehn Jahre später wurden die Gebäude und Ausstattung des „Museu da Electricidade“ einer weiteren Renovierungsphase unterworfen, um dann 2006 komplett überholt, mit neuer Gestaltung und museologischen Konzepten wieder seine Tore zu öffnen. Aufgrund seiner kulturellen und multidisziplinären Auslegung werden dem Besucher die unterschiedlichsten Veranstaltungen geboten; von der Hauptausstellung des Museums, die anhand der Originalmaschinerie der ehemaligen „Central Tejo“ den Betrieb und die Arbeitsbedingungen der Kraftwerk-Fabrik erklärt, bis zu verschiedenstartigen Zeitausstellungen (Gemälde, Skulpturen, Fotografie …) neben didaktischen Nischen mit lehrreichen Spielen zum Thema Energie, oder auch Vorführungen von Solarenergie im Freien, Theateraufführungen, Konzerte, Konferenzen usw.

Träger[Bearbeiten]

Das Museum ist besitz- und strukturmäßig an die Stiftung EDP gegliedert, welche ihrerseits zum Konzern EDP - Energias de Portugal, SA. gehört.

Architektur[Bearbeiten]

Kohlelagerplatz, Empfang und Ausgangspunkt des Museumbesuchs
Kesselraum

Der Gesamtkomplex der “Central Tejo” besteht aus einem ehemaligen thermo-elektrischen Kraftwerk, das Lissabon und seine Umgebung mit Strom versorgte. Es handelt sich um ein Gebäude ohnesgleichen im architektonischen Lissabonner Stadtbild, und eines der schönsten Beispiele der industriellen Bauweise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Portugal; deshalb wurde es 1986 durch Regierungsbeschluss zu einem „Gebäude öffentlichen Interesses“ erklärt.

Die Errichtung der „Central Tejo“ dauerte von 1908 bis 1951. Während dieses Zeitraums wurden viele verschieden Erweiterungen vorgenommen. Von der Struktur her folgt sie der westeuropäischen Bauweise mit Eisen und Ziegelstein, der in verschiedenen Kunststilen die Außenfassaden ziert und gestaltet, von Art Nouveau der älteren Gebäude (Tiefdruckkesselräume) bis zum Klassizismus der zeitgenössischen Bauten (Hochdruckkesselräume). Für den Ausbau des Werks wurden angrenzende Grundstücke sowie benachbarte Strukturen integriert. So entstand, immer vor dem Hintergrund des Flusses Tejo, nach dem er benannt wurde, der heutige große Industriekomplex, Bühne für die vielseitigsten kulturellen Veranstaltungszwecke.

Aufgrund seines renovierungsbedürftigen Zustandes wurden zwischen 2001 und 2005 Bauarbeiten durchgeführt, um die Struktur zu festigen, die Mauern, aber auch die Maschinerie im Innern zu überholen, und mit einem neuen museologischen Konzept wurde daraus das, was heute zu sehen ist.

Virtueller Rundgang[Bearbeiten]

Alles startet am sogenannten Kohleplatz (Praça do Carvão), wo die Besucher empfangen werden, aber auch Ausstellungen und Vorführungen stattfinden; früher wurde hier tonnenweise, auf dem Tejo transportierte Kohle für die Dampfkessel entladen. An dieser Stelle kann man ebenfalls das Sieb, die Silos und Schaufelräder besichtigen, welche die Kohle mischten und hinauf zu dem Hochdruckkesselkohlezufuhrteppich auf der oberen Etage schafften.

Der Zugang zum Innern des Industriekomplexes führt durch die Ausstellungshalle, das ehemalige Gebäude der Tiefdruckkessel. Gegenwärtig ist hier ein freier Platz, wo Zeitausstellungen stattfinden. Noch heute sind hier die Dampfrohre und Kohlesilos der nicht mehr vorhandenen alten Kessel zu sehen.

Von hier gelangt man in den Kesselraum, wo früher die Hochdruckkessel standen. Vier imponente, etwa 30 Meter hohe Kessel, sowie die entsprechenden Schaltarmaturen, Luft- und Treibstoffzufuhrrohre, Ventilatoren usw. beeindrucken den Besucher. Besonders auffallend der Kessel Nummer 15, der museumsmäßig angepasst wurde, indem man hineingehen kann, um Struktur und Zubehör (Sprossenroste, Innenverkleidung (Bailey), Teerbrenner, Wasserheizrohre usw.) erforschen zu können. Neben den Kesseln ist in dieser Halle auch die Geschichte der Errichtung der „Central Tejo“ beschrieben mit Hinweisen auf die harten damaligen Arbeitsbedingungen.

Aschebunker der Hochdruckdampfkessel

Im Untergeschoss befindet sich die „Sala dos Cinzeiros“ (Aschenraum), wo die Asche der verbrannten oder noch zu verbrennenden Kohle abgefangen wurde. Nachdrücklich hervorgehoben werden die schwierigen damals herrschenden Arbeitsbedingungen infolge der Hitze und Einatmung der durch Kohleverbrennung entstandenen Aschepartikel. Darüber hinaus sind hier noch Beispiele vom Schmiede- und Schreinerhandwerk ausgestellt, sowie Ausführungen bezüglich Transport, Beschaffenheit und Ursprung der Kohle.

Danach kommt man in die „Sala do Experimentar“ (Experimentierraum), aufgeteilt in drei Abschnitte: während sich einer den Energiequellen (erneuerbar wie auch fossil) widmet, lenkt der nächste die Aufmerksamkeit auf jene Wissenschaftler, die im Laufe der Geschichte zu den Fortschritten der elektrischen Stromerzeugung beigetragen haben, wobei sich die dritte Sektion „spielend lernen“ aus verschiedenen pädagogischen Modulen zusammenstellt mit Spielen zum Thema Elektrizität. Die Führungen enden an diesem Ort des Lernens und Vergnügens, damit jeder seine Energie und erworbenen Kenntnisse gleich umsetzen kann.

Nach dem Experimentieren betritt man die „Sala da Água“ (Wassersaal). In diesem Saal sowie in der nächsten, der „Sala das Máquinas“, (Maschinenraum), führt uns die museologische Folge zurück zu den Kesseln, wo die verschiedenfarbigen Rohre zwischen den Maschinen, an Wänden und der Decke auffallen. Jede Farbe entspricht seinem speziellen Inhalt: trockener Dampf, feuchter Dampf, Wasser usw. In der „Sala da Água“ wird die Aufbereitung des Wassers demonstriert, um dieses anschließend in den Kesseln verwenden zu können. Dort stehen Maschinen wie Elektropumpen, Reinigungsanlagen, Filter oder Destillierapparate aus den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Daran anschließend ist die „Sala dos Condensadores“ (Kondensatorenraum), wo die Kondensatoren zur Dampfabkühlung zu sehen sind, wie auch die Pumpen für die Dränage des Flusswassers, die für das Funktionieren des Kraftwerks erforderliche Kältequelle. Am Ende des Raums, wo die Schalter der Hauptgeneratoren der Zentrale besichtigt werden können, ist zu Ehren der Arbeiter, unter dem Titel „Rostos da Central Tejo“ (Gesichter des Kraftwerks), eine Sammlung von Fotografien und audiovisuellen Aufnahmen, die die Tätigkeit und damaligen Arbeitsbedingungen illustrieren, ausgestellt.

Auf der Etage über den Kondensatoren liegt die „Sala dos Geradores“ (Generatorenraum), wo zwei der fünf Wechselstromgeneratoren der Zentrale stehen. Die Struktur eines der beiden wurde offengelegt, um die inneren Bauteile zu zeigen und dem Besucher ein besseres Verständnis der Stromerzeugung zu ermöglichen.

Abschließend, auf einer erhöhten Plattform, die „Sala de Comando“ (Schaltraum), von wo aus die Generatoren, die Zwischenstation und die Verteilung der Elektrizität auf das von der Zentrale versorgte Netz geleitet wurde. Hier ist eine weitere Experimentierecke, wo die Museumsführer anhand von praktischen und alltäglichen Beispielen wie die „Zitronenbatterie“, die Geschichte der Erzeugung elektrischer Energie erklären, das Funktionsprinzip der erneuerbaren Energien oder, vereinfacht, den Produktionsvorgang des Stromwerks anhand einer Gasflasche und einem Schnellkochtopf, immer in einer dem Besucher angepassten pädagogischen Darstellungsform.

Anlagen und technische Bestände[Bearbeiten]

Die Sammlung des Elektrizitätsmuseums besteht nicht nur aus seiner Ausstellung, sondern aus seinem großen technischen Gesamtbestand. Bei der Restaurierung sowie auch beim Ankauf und der Aufnahme neuer Gegenstände aus anderen Institutionen oder auch von privat gespendeten, wird jenen Objekten Vorrang gegeben, die sich nach entsprechender Wiederherstellung für die Integration in die Ausstellung eignen.

Gegenwärtig beherbergt das Museum ein große Anzahl von Ausstellungselementen wie Kessel, Wechselstromgeneratoren und Kondensatoren aus den Jahrzehnten 1930-50, und lagert Museumsstücke wie Teile und Anlagen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Besondere Bedeutung gilt der Sammlung von Haushaltsgeräten, elektrische Maschinen, Gegenstände und Gussformen aus Holz und Eisen für die Straßen- und Zimmerbeleuchtung, Laboreinrichtungen, Glühröhren, Modelle usw.

Archiv[Bearbeiten]

Teilansicht des Maschinensaals mit dem Museumstück eines Turbosatzes.

Das Archiv des Elektrizitätsmuseums versteht sich als Facharchiv auf dem Gebiet Wissen und Forschung für Energie, insbesondere elektrischer Energie. Es besteht aus etwa 60 000 Bänden mit Dokumenten verschiedensten Formats (Urkunden, Pläne, Bücher, Videos usw.), die eine Zeitspanne von 1848 bis zum heutigen Tag umfassen. Über 90 000 Fotografien, ungefähr 15 000 Bücher, hauptsächlich aus dem Fachgebiet der Elektrizität (unter allen Aspekten: technisch, wirtschaftlich, geschichtlich oder sozial), aber auch Monographien über Industriegut und industrielle Archäologie, Museumskunde, Themen der Allgemeinbildung, Enzyklopädien und Zeitungen.

Die im Archiv katalogisierten und integrierten Dokumente können übers Internet oder presentiell im Lesesaal eingesehen werden, wie auch seine Veröffentlichungen von Monografien über die Geschichte der Elektrizität in Portugal.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Im Laufe des Jahres findet im Museu da Electricidade ein Vielzahl von Veranstaltungen statt, im Innern wie auch draußen, wie Wanderausstellungen, der „Monat der Wissenschaft“, Konzerte, Konferenzen usw. Daher ist die „Praça do Carvão“ nicht nur die Empfangshalle für die Besucher, sondern verwandelt sich in eine Bühne unter freiem Himmel für eine ganze Reihe von Veranstaltungen.

Monat der Wissenschaft[Bearbeiten]

Im Mai findet auf der „Praça do Carvão“ der Monat der Wissenschaft statt, Tagesprogramme mit verschiedenen Aktivitäten. Obwohl die meisten schon in der Vergangenheit abgehalten wurden, war 2009 die erste Ausgabe in Form eines jährlichen Tagungsevents. Zu den Veranstaltungen des Monats der Wissenschaft gehören die Olympiade der Physik (Wettbewerb für junge Studenten), eine landesweite Präsentation der Wissenschaften, das Kinderfest, das Solarfestival und die Solar Rallye. Mit Ausnahme der Olympiade der Physik, ausgetragen von der Portugiesischen Gesellschaft für Physik (Sociedade Portuguesa de Física), wird alles vom Museum selbst organisiert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Museu da Electricidade – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

38.695805-9.195041Koordinaten: 38° 41′ 44,9″ N, 9° 11′ 42,1″ W