Museum Georg Schäfer

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Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, Blick Richtung Stadtmitte

Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt beherbergt die aus der Privatsammlung des Industriellen Georg Schäfer hervorgegangege Sammlung-Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung zur deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts, mit Schwerpunkten vom späten Rokoko über den Klassizismus und die Romantik bis zum Impressionismus.

Geschichte der Sammlung[Bearbeiten]

Museum Georg Schäfer, Innenräume
Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865): Belauschte Liebesleute (1858); Öl auf Holz, 73,5 × 58,5 cm
Max Slevogt (1868–1932): Totentanz/Maskentanz (1896); Öl auf Leinwand, 102 × 123 cm

Schäfer hatte bereits von seinem 1925 verstorbenen gleichnamigen Vater einige Gemälde altdeutscher Malerei geerbt. Seit den 1950er Jahren investierte er einen Großteil seines mit Wälzlagern erworbenen Vermögens in die Sammlung, die eine Heimstatt in seinem Schloss Obbach fand. Den Kernbestand mit Gemälden und Graphiken des 19. Jahrhunderts erhielt das Schweinfurter Museum. 1988 einigten sich die Stadt Schweinfurt und die Familie Schäfer auf die Errichtung eines Museums. Doch mussten die Pläne auf Eis gelegt werden, als FAG Kugelfischer 1993 in eine existenzgefährdende Krise geriet und die Sammlung an Banken verpfändet wurde.

Der ursprüngliche Bestand der Sammlung Schäfer ist nicht völlig identisch mit den Gemälden der heutigen „Sammlung-Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung“, die seit dem Jahr 2000 in Schweinfurt ausgestellt sind. Von den nicht in die Stiftung überführten Teilen wurden 42 altdeutsche Gemälde der Dürerzeit 2003 vom Freistaat Bayern für die Kunstsammlungen auf der Veste Coburg erworben. Weitere Gemälde aus Randbereichen der Sammlung wurden bei Neumeister in München (1999 und 2005) und Christie’s in Düsseldorf (2000) versteigert; der Erlös dieser Gemälde lag bei über 12 Millionen Euro.[1] 2005 erfolgte durch die Familie Schäfer eine bemerkenswerte Zustiftung an Gemälden, die in jüngerer Zeit auf dem Kunstmarkt erworben worden waren. Kurator der Sammlung war bis 2005 der Kieler Kunsthistoriker Jens Christian Jensen. Museumsleiterin war von 2000 bis 2014 Sigrid Bertuleit.

Geschichte des Museums[Bearbeiten]

Bereits Ende der 1950er Jahre legte der Karlsruher Architekt Erich Schelling Pläne für ein Schäfer-Museum vor. Ein Entwurf von Ludwig Mies van der Rohe aus dem Jahr 1964 wurde nicht verwirklicht, weil der Stadtrat die Unterhaltskosten für das Museum nicht übernehmen wollte. Dieser Plan wurde schließlich als Neue Nationalgalerie in Berlin umgesetzt.

Anfang der 1990er Jahre legte der Münchner Architekt Alexander von Branca einen neuen Entwurf vor. Dieser sah den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Ebracher Hof als Museumsstandort vor. Nachdem es der Schweinfurter Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser 1996 gelungen war, Mittel aus den Privatisierungserlösen des Freistaates Bayern für das Projekt zu sichern, und die Erben nach Überwindung der Firmenkrise den zentralen Teil der Sammlung Georg Schäfers am 29. Dezember 1997 in eine Stiftung eingebracht hatten, konnte das Projekt realisiert werden. Aus einem neuen Architektenwettbewerb ging Volker Staab am 1. Februar 1997 als Sieger hervor. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Museum am 23. September 2000 eröffnet. Es liegt am südlichen Eingang zur Innenstadt, in unmittelbarer Nähe zum Rathaus.

Architektur[Bearbeiten]

Das Gebäude zählt zu den wichtigen Museumsneubauten der Gegenwart und ist eines der Hauptwerke des Berliner Architekten Volker Staab, der dafür mit dem BDA-Preis Bayern 2001 und dem Architekturpreis Beton 2001 ausgezeichnet wurde. Staab konzipierte eine „Schatztruhe“, die so Oliver Herwig, „durch gewaltige Einschnitte, Ecken und Kanten, Rampen und Stufen“ gekennzeichnet ist. „Neben den großartigen Gemälden trägt die Architektur die Atmosphäre des Hauses“. „Introviertiert und geschlossen, dann wieder offen für die Umgebung, die sich in sorgfältig ausgesparten Einblicken und Perspektiven […] in die Sammlung Georg Schäfer einfügt“. „Wollte man einen Katalog des idealen Ausstellungshauses erstellen, das Museum Schäfer in Schweinfurt erfüllte ihn: Oberlichtsäle, in denen die Sammlung zum Strahlen gebracht wird, wetteifern mit inszenierten Raumfluchten, Treppenanlagen und klaren Materialien, die den Schätzen des 19. Jahrhunderts einen würdigen Rahmen geben. Von außen zeigt sich das Museum als Monolith am Main. Auf einem mächtigen Podest thront das Haus, und erst ein Schnitt durch das Gebäude enthüllt […] die profane Basis, auf der der schöngeistige Überbau ruht.“[2]

Die Sammlung[Bearbeiten]

Die Sammlung umfasst eine umfangreiche Spitzweg-Kollektion mit 160 Gemälden und 110 Zeichnungen, darüber hinaus unter anderem Werke von Caspar David Friedrich, Ferdinand Georg Waldmüller, Carl Rottmann, Domenico Quaglio, Albrecht Adam, Wilhelm von Kobell, Fritz von Uhde, Wilhelm Leibl, Adolph Menzel, Franz von Lenbach, Hans Thoma, Heinrich von Zügel bis hin zu Lovis Corinth, Max Liebermann, Max Slevogt und Max Beckmann.

Neben wechselnden Ausstellungen liegt der Schwerpunkt der ständigen Bestandspräsentation vor allem auf der im deutschsprachigen Raum entstandenen Malerei des 19. Jahrhunderts, vom späten Rokoko über den Klassizismus und die Romantik bis zum deutschen Impressionismus.

Raubkunst[Bearbeiten]

Die Provinienzforscherin Monika Tatzkow wies nach, dass mindestens 25 Stücke der Sammlung als Raubkunst zu klassifizieren sind, deren Eigentümer im Dritten Reich enteignet wurden. Darunter befindet sich Max Liebermanns Gemälde "Martha Liebermann im Lehnstuhl". [3] 1998 verpflichteten sich 44 Staaten und zahlreiche Organisationen in der Washingtoner Erklärung zur aktiven Klärung und Restitution derartiger Fälle. Die Leitung des Georg Schäfer-Museums hingegen betonte, Privatsammlungen seien nicht von der Washingtoner Erklärung betroffen und verweigerte sich wiederholt einer Rückgabe der betroffenen Stücke. [3] Bereits 2007 machte ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung auf die Problematik in Schweinfurt aufmerksam. [4]. Eine neuerliche Diskussion entwickelte sich 2013/2014, befeuert durch den Fall Gurlitt. [3].

Ausstellungsobjekte[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bruno Bushart, Matthias Eberle und Jens Christian Jensen: Museum Georg Schäfer Schweinfurt. Zweite Auflage, Schweinfurt 2002.
  • Sigrid Bertuleit; Museum Georg Schäfer, Schweinfurt (Hrsg.): Meisterwerke der Portraitkunst: 10 Jahre Museum Georg Schäfer. Sandstein Verlag, Dresden 2010, ISBN 978-3-942422-03-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Museum Georg Schäfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Olga Kronsteiner: „Sammlung Schäfer versteigert“, auf: artmagazine.cc, 3. März 2005 (abgerufen 9. Mai 2013)
  2. Oliver Herwig: Museum Georg Schäfer (Die Neuen Architekturführer Nr. 67). Stadtwandel, Berlin 2005, S. 7, 16, 19.
  3. a b c [ http://www.focus.de/kultur/medien/kultur-neuer-kampf-um-grosse-bilder_id_3784154.html], auf: focus.de, 19. April 2014 (abgerufen 24. Mai 2014)
  4. [ http://www.nazi-looted-art.de/pdf/lootedart.pdf], abgerufen 24. Mai 2014

50.04388888888910.236111111111Koordinaten: 50° 2′ 38″ N, 10° 14′ 10″ O