Museum Koenig

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Hauptgebäude des Museum Koenig
Museum Koenig, Luftaufnahme (2010)

Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn ist ein auf rezente Wirbeltiere und Gliederfüßer spezialisiertes Naturkundemuseum des Landes Nordrhein-Westfalen. Es ist als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft gleichzeitig Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere und wird von Bund und Ländern gemeinsam finanziert. Die Forschungseinrichtung entstand aus dem Privatmuseum des Bonner Ornithologen und Universitätsprofessors Alexander Koenig, der dieses 1929 dem preußischen Staat übereignete. Das Museum befindet sich direkt an der Bundesstraße 9 am Rande des Bundesviertels, steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz[1] und ist Teil des Wegs der Demokratie.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründungsgeschichte[Bearbeiten]

Alexander Koenig, Gründer des Museums
Gedenktafel Parlamentarischer Rat

1873 erwarb Leopold Koenig in der Nähe seiner eigenen, heute als Villa Hammerschmidt bekannten Residenz in Bonn eine 1860 errichtete Villa an der Coblenzer Straße, die er 1884 seinem Sohn Alexander aus Anlass dessen Promotion in Zoologie und seiner Hochzeit schenkte. Das obere Geschoss nutzte Alexander Koenig ausschließlich für seine zoologische Sammlung. 1898 bis 1900 ließ er nördlich der Villa nach dem Vorbild des Museums von Walter Rothschild und nach Plänen des Bonner Architekten Otto Penner ein „Ornithologisches Museum“ anbauen, das seine umfangreiche ornithologische Sammlung aufnahm.[2] Koenig unternahm mehrere Forschungsreisen, unter anderem in die Arktis und nach Nordafrika, und vergrößerte seine Sammlung weiter.

Mit dem Erbe seines 1903 verstorbenen Vaters plante Alexander Koenig ein größeres naturkundliches Museum nach dem Vorbild des Berliner Museums für Naturkunde. Am 3. September 1912 wurde der Grundstein des heutigen Hauptgebäudes des Museums Alexander Koenig gelegt, das sich direkt an das Privatmuseum anschließt und für das einige Bestandsbauten (Koblenzer Straße 212–220) abgerissen werden mussten. Nach der Fertigstellung des Rohbaus im Sommer 1914 wurde das Gebäude wegen des Ersten Weltkrieges beschlagnahmt und als Lazarett, nach Kriegsende bis 1926 von Besatzungstruppen genutzt. Aufgrund seiner Vermögensverluste durch die Inflation von 1923 konnte Koenig das Projekt nicht wie beabsichtigt weiterführen und übereignete 1929 nach langwierigen Verhandlungen um die Weiterführung des Museums- und Forschungsbetriebs das Museum dem preußischen Staat. Am 13. Mai 1934 wurde es eröffnet.

Nutzung in den frühen Jahren der Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Die beiden Giraffen im Museum Koenig. Aufnahme vom Mai 1962

Im Zweiten Weltkrieg blieb das Museum Koenig weitgehend unbeschädigt, war jedoch ab 1943 für den Publikumsverkehr geschlossen. Ausnahme war lediglich die ausgebrannte Villa (Südflügel), die 1949 aus Mitteln des Landes NRW vereinfacht wiedererrichtet wurde. Da sonst in Bonn keine repräsentativen Gebäude verfügbar waren, fand in der großen Halle („Lichthof“) des Museums am 1. September 1948 der Festakt zum Zusammentritt des Parlamentarischen Rates statt. Die sich dort befindenden präparierten Giraffen wurden verhüllt, da sie nicht entfernt werden konnten. Unter der Leitung von Adolf von Jordans (1947–1957) wurde das am 15. Juni 1950 wiedereröffnete Museum weiter ausgebaut.

Kurzzeitig war das Museum Sitz des Bundeskanzleramts: Konrad Adenauer nutzte das Museum nach seiner Wahl im September 1949 zwei Monate als Dienstsitz – sein Arbeitszimmer war die ornithologische Bibliothek, Kabinettssitzungen wurden im Hörsaal abgehalten. Außerdem beherbergte das Museum in den zur Adenauerallee hin gelegenen Räumen bis 1957 Büros mehrerer Bundesministerien, darunter das Bundesministerium für Angelegenheiten des Marshallplanes, nach wie vor Teile des Bundeskanzleramts (bis 1955) und anschließend des Auswärtigen Amts. Zusätzlich entstand an der Rückseite des Museums Koenig 1950 ein behelfsmäßiger Bau in Holzskelettbauweise, der 24 Büroräume umfasste[3] und in dem die erste Dienststelle des Amtes Blank unterkam.[4][5]. Aus diesem Grund ist das Museum heute eine der 18 Stationen auf dem „Weg der Demokratie“, mit dem in Bonn das ehemalige Regierungs- und heutige Bundesviertel historisch-touristisch erschlossen wird.

Seit dem 1. Oktober 1953 – der Übereignung durch die Bundesrepublik Deutschland – befindet sich das Museum Koenig im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen.[6] Aufgrund der Funktion Bonns als Regierungssitz und der Anwesenheit zahlreicher Botschaften präsentierten sich einige Länder in eigenen Ausstellungen im Museum Koenig. Bei den Bauarbeiten zum Stadtbahntunnel in den 1970er-Jahren bildeten sich Risse am Museum Koenig, bei einem Erdbeben erlitt es weitere Schäden. Die Eintragung des Museums in die Denkmalliste der Stadt Bonn erfolgte 1985.[7] In den 1990er-Jahren wurden das Lazarett im Keller und der Luftschutzbunker aus der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg abgebrochen. Von 2003 bis 2006 entstand ein rückwärtiger Erweiterungsbau, von 1999 bis 2012 erfolgte eine umfangreiche Sanierung des Museums.

Das heutige Museum[Bearbeiten]

Zwergwalskelett im Museum Koenig

Mit etwa sieben Millionen Präparaten gehört die naturkundliche Sammlung des Museum Koenig zu den größten Deutschlands. Das Museum gliedert sich in vier Abteilungen, davon drei Forschungsabteilungen:

  • Abteilung Wirbeltiere
  • Abteilung Arthropoden (Gliedertiere)
  • Abteilung Molekulare Biodiversitätsforschung
  • Abteilung Ausstellungs- und Öffentlichkeitsarbeit

Sowohl die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Systematik als auch die Tätigkeit auf dem Gebiet der Volksbildung erfüllen wichtige gesellschaftsrelevante Aufgaben.

Das Museum beschäftigte 2010 49 feste (davon 14 wissenschaftliche) und 130 weitere Mitarbeiter. Von diesen waren 15 Wissenschaftler in Drittmittelprojekten, 100 Diplomanden, Doktoranden und Staatsexamenskandidaten sowie 15 ehrenamtliche Mitarbeiter. Seit 1949 gehört das Museum Koenig zu den von den Ländern gemeinschaftlich finanzierten Forschungseinrichtungen überregionaler Bedeutung, aus denen sich die Leibniz-Gemeinschaft entwickelt hat. Seit dem 24. September 2009 ist es Gründungsmitglied des Humboldt-Rings.

Seit dem Jahr 2004 (Neueröffnung im Oktober 2003) spiegelt auch die Dauerausstellung unter dem Titel „Unser blauer Planet – Leben im Netzwerk“ die Verlagerung des Forschungsschwerpunkts zur Biodiversitätsforschung wider. Ziel der Dauerausstellung ist, Einblick in die Funktionsweisen von Großlebensräumen zu bieten. Dazu werden überwiegend Großdioramen und inszenierte, naturalistische Landschaftsdarstellungen verwendet. Die Ausstellung gliedert sich in die Teile:

Zu den ausgestellten Exponaten gehört auch der seltene Kakapo
  • Savanne – Das wechselvolle Paradies
  • Regenwald – Schatzkammer des Lebens
  • Arktis/Antarktis – Leben in der polaren Eiswelt
  • Mitteleuropa – Heimat entdecken
  • Vogelwelt – Federführende Faszination
  • Vivarium – Lebendige Vielfalt

Besonders beeindruckend ist die Inszenierung einer afrikanischen Savanne im Lichthof des Hauses. In der naturalistischen Darstellung dieses Lebensraums mit zahllosen Präparaten ist das Zusammenspiel der unterschiedlichen Lebewesen vor allem für junge Besucher nachvollziehbar.

Das Museum vermarktet seine Ausstellung seit 1995 gemeinsam mit benachbarten Institutionen als Teil der Bonner Museumsmeile.

Förderverein[Bearbeiten]

Modell eines Schädel-Skeletts eines Orcas

Die Alexander Koenig Gesellschaft e. V. (AKG) hat das Ziel, das Museum in seinen Arbeiten zu unterstützen sowie das Interesse und Verständnis für die Bedeutung der zoologischen Wissenschaft und Forschung und die Sammlungen des Museums zu wecken. Der Verein unterstützt Forschungsvorhaben zu Themen der Biodiversität, Taxonomie, Systematik, Evolution und Biogeographie sowie Projekte auf dem Gebiet des Naturschutzes. Die AKG ist Herausgeber der Zeitschrift „Koenigiana“ und begleitet die Öffentlichkeitsarbeit des Museums.

Direktoren[Bearbeiten]

Argentinosaurus, Juni 2010

Die Position des Direktors des Zoologischen Forschungsmuseums ist seit 1989 an den Lehrstuhl für Spezielle Zoologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn gekoppelt. Derzeitiger Direktor des Museum Koenig ist seit Oktober 2004 J. Wolfgang Wägele. Stellvertretende Direktoren sind derzeit für den wissenschaftlichen Bereich Bernhard Misof, für den administrativen Bereich Frau Angelika Hünerbein.

Vorgänger im Direktorenamt waren:[8]

  • Alexander Koenig 1934–1940
  • Adolf von Jordans 1948–1957
  • Martin Eisentraut 1957–1967, kommissarisch bis 1969
  • E. G. Franz Sauer 1969–1971
  • Martin Eisentraut, kommissarisch 1971–1977
  • Günter Nobis 1977–1988
  • Hubert Roer, 1988–1989
  • Clas Michael Naumann zu Königsbrück 1989–2004, nach dem der 2006 eröffnete Erweiterungsbau benannt wurde
  • Wolfgang Böhme, kommissarisch Februar 2004 bis Oktober 2004
  • Wolfgang Wägele, seit 2004; stellvertretende Direktorin Angelika Hünerbein

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2013 erhielt das Forschungsmuseum für sein Projekt German Barcode of Life Projekt (GBOL), der Erstellung der ersten umfassenden genetischen Nationalbibliothek der Artenvielfalt Deutschlands von der Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Svenja Schulze, die Auszeichnung Ort des Fortschritts in NRW. Mit dem Preis werden Institutionen gewürdigt, die „Ökonomie, Ökologie und Soziales innovativ verbinden und damit Fortschritt für die Gesellschaft ermöglichen“.[9]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Museum Koenig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 3, Nummer A 873
  2. Das Ornithologische Museum, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
  3. Stadt Bonn, Stadtarchiv (Hrsg.); Helmut Vogt: „Der Herr Minister wohnt in einem Dienstwagen auf Gleis 4“. Die Anfänge des Bundes in Bonn 1949/50, Bonn 1999, ISBN 3-922832-21-0, S. 164/65, 167.
  4. 100 Jahre Grundsteinlegung - Jubiläumsfest, Museum Koenig.
  5. Reiner Pommerin: Von Berlin nach Bonn. Die Alliierten, die Deutschen und die Hauptstadtfrage nach 1945, Böhlau Verlag, Köln 1989, ISBN 3-412-12188-6, S. 182.
  6. Stadt Bonn (Hrsg.); Helmut Vogt: „Der Herr Minister wohnt in einem Dienstwagen auf Gleis 4“. Die Anfänge des Bundes in Bonn 1949/50, Bonn 1999, ISBN 3-922832-21-0, S. 249.
  7. General-Anzeiger, 10. August 1985, Stadtausgabe Bonn, S. 4.
  8. W. Böhme, In memoriam Günther Nobis (1921–2002), in: Tier und Museum. Mitteilungen der Gesellsch. der Freunde und Förderer des Museums Alex. Koenig, Bd. 8, Heft 1/2, Bonn 2002.
  9. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen Presse vom 9. Juli 2013: Ministerin Schulze benennt 19 „Orte des Fortschritts“ in Nordrhein-Westfalen/ Landesregierung würdigt innovative Ideen aus NRW, abgerufen am 25. Januar 2014

50.7220555555567.1135Koordinaten: 50° 43′ 19,4″ N, 7° 6′ 48,6″ O