Museum Angewandte Kunst (Frankfurt am Main)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Villa und Museum im Winter

Das Museum Angewandte Kunst (bis 2012 Museum für Angewandte Kunst Frankfurt) ist ein Museum für Kunsthandwerk und Design am Museumsufer in Frankfurt am Main.

Geschichte[Bearbeiten]

1877 legte der Mitteldeutsche Kunstgewerbeverein den Grundstock der Museumssammlung. Die Stadt Frankfurt übernahm die Sammlung des Vereins 1921 und schuf einige Jahre später daraus das Museum für Kunsthandwerk. Aufgrund der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Räumlichkeiten musste die Sammlung zwischengelagert werden. Sie fand 1966 wieder zu ihrer Sichtbarkeit in der Villa Metzler, bevor sie 1985 in den Neubau des Museums einzog.

Im Januar 2000 wurde das Museum in Museum für Angewandte Kunst Frankfurt umbenannt. Seit der Wiedereröffnung nach einer Innensanierung von Dezember 2012 bis April 2013 trägt es den Namen Museum Angewandte Kunst.[1][2]

Sammlung[Bearbeiten]

Eines der thematischen Räume in der Villa Metzler
Blick in den Bereich Design (2011)

Die Sammlung des Museums umfasst etwa 65.000 Werke aus fünf Jahrtausenden. Ihr Schwerpunkt liegt im europäischen Kunsthandwerk und Design vom 12. bis zum 21. Jahrhundert. Weitere Schwerpunkte sind Buchkunst und Graphik, islamische und ostasiatische Kunst.

Die neue Präsentation setzt auf thematische Raummodule. Das Vorhandene und Leihgaben können so auf verschiedene Weisen präsentiert und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Darüber hinaus richtet das Museum seinen Fokus verstärkt auf Fragestellungen der Gegenwart und rückt die Themen Mode, Körper, Performatives und Design stärker in den Blickpunkt der Betrachtung.

2013 wurde das Frankfurter Zimmer vorgestellt, ein Saal der sich ausschlichlich dem Design mit Bezug zu Frankfurt widmet. Beginnend mit der Moderne und dem Neuen Frankfurt, bis hin zum Funktionalismus der Nachkriegszeit (etwa mit der Firma Braun und Entwürfen von Ferdinand Kramer) wird ein Überblick über alle Schaffensperioden geboten.

Architektur[Bearbeiten]

Hauptgebäude[Bearbeiten]

Das Museumsgebäude (2011)

Das Museumsgebäude entwarf der amerikanische Architekt Richard Meier, dabei handelt es sich um einen der ersten Museumsbauten[3] des Architekten und sein erstes Projekt in Deutschland. Ein wichtiges Kriterium für die Wahl des Entwurfs von Meier war der schonende Umgang mit dem Baumbestand des Parks und die Integration der Proportionen der Villa Metzler in das Gesamtkonzept. Die drei miteinander verbundenen weißen Kuben des Neubaus sind den Proportionen der klassizistischen Villa des Museums nachempfunden. Ein verglaster Übergang in der ersten Etage verbindet den Neubau rückseitig mit der Villa.[4]

Villa und der heutige Metzlerpark bilden eine Einheit mit dem Museum.

Renovierung des Gebäudes 2013[Bearbeiten]

Die Räumlichkeiten des Richard Meier-Baus waren durch statische Vitrineneinbauten verstellt. Ganze Fenster- und Terrassenfronten waren zum Schutz der Sammlungsobjekte geschlossen. Allgemein war das Bauwerk sehr kleinteilig und intransparent.

2013 wurde der Richard-Meier-Bau des Museums Angewandte Kunst in seinen Originalzustand versetzt, 27 Jahre nach seiner Errichtung. Sämtliche Verbauungen wurden entfernt, Sichtachsen und Ausblicke wieder geöffnet, die Transparenz des Gebäudes wiederhergestellt. Im veränderten Foyer befindet sich ein Museumsshop und auf der zweiten Etage ein Bistro.

Die Historische Villa Metzler[Bearbeiten]

Hauptartikel: Villa Metzler
Villa Metzler, der Altbau

Die 2008 sanierte und wieder eingerichtete Historische Villa Metzler ist Bestandteil des Museum Angewandte Kunst und diente Richard Meier als Ausgangspunkt für Proportionen und Maßstab des 1985 entstandenen Neubaus. Mit den Stilräumen. Aus den Sammlungen zeigen sich in ihr Beispiele historischer Wohnkultur, vom Barock bis zum Jugendstil.

Museumspark[Bearbeiten]

Der Museumspark wurde ebenfalls von Meier entworfen. Er befindet sich zwischen Schaumainkai und Metzlerstraße (Nord-Süd). Der Park reicht, mit seiner Grünfläche, vom Museum der Weltkulturen bis zum Museum Angewandte Kunst (West-Ost). Sein besonderes Merkmal ist ein rechtwinkliger, kreuzförmiger Fußweg zur Verbindung der beiden Straßen und beider Museen, sowie ein weißer Brunnen in seiner Kreuzungsachse. 2013 wurde der Park in "Metzlerpark" umbenannt.[5]

Ikonenmuseum Frankfurt[Bearbeiten]

Als Dependance betreut das Museum Angewandte Kunst auch das 1990 gegründete Ikonenmuseum Frankfurt im ehemaligen Refektorium des Deutschordenshauses.

Auswahl an Ausstellungen[Bearbeiten]

Franz Bette Schmuck-Ausstellung, 2013
  • 1962: Meisterwerke koreanischer Kunst.
  • 1985: Türkische Kunst und Kultur aus osmanischer Zeit
  • 2006: DER Souvenir. Erinnerung in Dingen von der Reliquie zum Andenken
  • 2007: Ornament ohne Ornament. Franz Bette – Schmuck
  • 2007: Kveta Pacovska – Maximum Contrast
  • 2008: Mangamania. Comic-Kultur in Japan 1800–2008
  • 2008: FRAGILE Die Tafel der Zaren und das Porzellan der Revolutionäre
  • 2008: Tulpen, Kaftane und Levni. Höfische Mode aus dem Topkapi Palast Istanbul
  • 2009: RAYS OF LIGHT Rita Grosse-Ruyken
  • 2009: Sit in China. Ein Streifzug durch 500 Jahre Kultur des Sitzens
  • 2009: André Charles Boulle (1642–1732). Ein neuer Stil für Europa
  • 2010: Less and More. Das Design Ethos von Dieter Rams
  • 2010: Tobias Rehberger – flach. Plakate, Plakatkonzepte und Wandmalereien
  • 2010: Tradición Argentina – Argentinische Silberschmiedekunst von präkolumbianischer Zeit bis heute und Visión Argentina – Argentinisches Produktdesign
  • 2011: Der i-Kosmos. Macht, Mythos und Magie einer Marke.
  • 2011: Lack – Meisterwerke aus dem China des 12. bis 18. Jahrhunderts
  • 2011: Randscharf – Design in Island
  • 2012: Tokyo Art Directors Club 2011
  • 2013: Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode
  • 2013: Korea Power. Design und Identität
  • 2013: 1607 - Aus den frühen Tagen der Globalisierung
  • 2013: Das pralle Leben. Ukiyoe aus den Sammlungen J. G. Geyger und O. Riese
  • 2013: Design in Frankfurt von 1925 bis 1985. Das Frankfurter Zimmer
  • 2013: Alexandre Wollner. Grafikdesign aus Brasilien
  • 2014: Das Prinzip Kramer. Design für den variablen Gebrauch
  • 2014: The Weather Diaries. 3rd Nordic Fashion Biennale
  • 2014: Elementarteile. Aus den Sammlungen
  • 2014: Tokyo Art Directors Club 2013

Corporate Design[Bearbeiten]

Das von 2005 bis 2012 gültige Logo und graphische Erscheinungsbild des Museums für Angewandte Kunst Frankfurt entwickelte das Pariser Designbüro Vier5, hinter dem die Künstler Marco Fiedler und Achim Reichert stehen.

Das seit dem Jahr 2013 gültige graphische Erscheinungsbild entwickelte Jasmin Kress.

Unterstützung durch den Kunstgewerbeverein in Frankfurt am Main e.V.[Bearbeiten]

Der Kunstgewerbeverein in Frankfurt am Main e.V. ist ein Tochterverein des ältesten Vereins Frankfurts, der im Jahr 1816 gegründeten Polytechnischen Gesellschaft, in der sich Frankfurter Bürger „zur Beförderung der nützlichen Künste und der sie veredelnden Wissenschaften“ zusammenschlossen. Sie unterstützen das Museum Angewandte Kunst bei Neuerwerbungen, Publikationsvorhaben, Ausstellungen und Sondervorhaben wie der Restaurierung der Historischen Villa Metzler. Unter anderem werden die Mitglieder über aktuelle Projekte und Neuerwerbungen informiert und erhalten freien Eintritt in die Ausstellungen des Museums sowie spezielle Führungen und Vorführungen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Museum Angewandte Kunst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Hierholzer: Museum für Angewandte Kunst: Frankfurter Zimmer, koreanisches Design, das pralle Leben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 24. April 2013
  2. Sylvia Staude: Museum Angewandte Kunst: In Rekordgeschwindigkeit fertig. In: Frankfurter Rundschau. 25. April 2013
  3. arcspace.com: The Undiscovered Richard Meier: The Architect as Designer and Artist. (Ausstellungsbericht vom 3. März 2003, englisch)
  4. Richard Meier: Museum für Kunsthandwerk Frankfurt am Main. Einführung von Norbert Huse. Ernst, Berlin 1985, ISBN 3-433-02245-3
  5. journal-frankfurt.de: Bericht über die Umbenennung des Museumsparks (deutsch, abgerufen am 23. August 2013)

50.1063888888898.6813888888889Koordinaten: 50° 6′ 23″ N, 8° 40′ 53″ O