Museum für Asiatische Kunst (Berlin)

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Das Museum für Asiatische Kunst im Museumszentrum Dahlem (rot bzw. safrangelb eingefärbt)

Das Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin wurde am 4. Dezember 2006 aus dem Museum für Indische Kunst und dem Museum für Ostasiatische Kunst gebildet.[1] Es gehört zu den Staatlichen Museen zu Berlin, die von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz getragen werden. Standort des Museums ist das Museumszentrum Berlin-Dahlem. Direktor ist seit Anfang 2010 Klaas Ruitenbeek.

Die Sammlungen sind weiterhin als Kunstsammlung Süd-, Südost- und Zentralasien (ehemals Museum für Indische Kunst) und Ostasiatische Kunstsammlung (ehemals Museum für Ostasiatische Kunst) getrennt ausgestellt.

Kunstsammlung Süd-, Südost- und Zentralasien[Bearbeiten]

Museum für Asiatische Kunst, Berlin-Dahlem
Wandmalerei aus Höhle 9 in Bezeklik, Xinjiang

Die Sammlung der nach wie vor in eigenen separaten Räumen präsentierten Kunstwerke umfasst den gesamten süd-, südost- und zentralasiatischen Raum, mit besonderen Schwerpunkten in den Kunstgattungen Skulptur (Süd- und Südostasien) und Wandmalerei (Zentralasien). Die Objekte datieren aus dem Zeitraum vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis in die Gegenwart.

Die ständige Ausstellung zeigt Stein-, Bronze-, Stuck- und Keramik-Skulpturen und Stein-Reliefs mit hinduistischen, buddhistischen und jinistischen Themen sowie Wandmalereien, Lehmplastiken und Textilien aus buddhistischen Kultanlagen an der Nördlichen Seidenstraße (heute Xinjiang, VR China), indische Miniaturmalerei und kostbares Kunsthandwerk aus der islamisch geprägten Mogulzeit. Stein-, Bronze- und Holzskulpturen sowie Kultgerät aus Nepal, Tibet und Südostasien vervollständigen den Überblick über das Kunstschaffen des indo-asiatischen Kulturraums. Besondere Höhepunkte bilden die bedeutende Gandhara-Sammlung (Pakistan und Afghanistan, 1.-5. Jahrhundert) und die Nachbildung einer zentralasiatischen buddhistischen Kulthöhle unter Verwendung großer Teile der Originaloberfläche. Ein interaktives Computerprogramm und wechselnde Kurzfilme ergänzen die Präsentation. Vom Untergeschoss des Gebäudes aus besteht ein Zugang zum Innenhof, in dem sich eine Kunststeinkopie des Osttores des berühmten Stupa I von Sanchi/Zentralindien befindet.

Die Sammlung gehörte ursprünglich dem 1873 gegründeten Museum für Völkerkunde (heute: Ethnologisches Museum) an, ab 1904 als „Indische Abteilung“. Durch die vier so genannten „Turfan-Expeditionen“ wurde in den Jahren 1902 bis 1914 der Sammlungsbestand zu Zentralasien begründet und ständig erweitert. Der Zweite Weltkrieg führte allerdings zu schmerzlichen Bestandsverlusten, teils durch die Zerstörung des Museumsgebäudes, teils durch den Abtransport einer großen Anzahl von Kunstobjekten nach Russland. Nach Kriegsende wurden die zuvor ausgelagerten Sammlungen 1956/57 in Dahlem zusammengeführt und einige Jahre später auf Betreiben des ersten Direktors Herbert Härtel im Rahmen einer selbstständigen „Indischen Kunstabteilung“ – später „Museum für Indische Kunst“ – präsentiert (1. Januar 1963 bis 4. Dezember 2006).

Der Verein der Freunde der Abteilung, die Gesellschaft für indo-asiatische Kunst Berlin e.V., besteht seit dem Jahr 1993. Er gibt einmal jährlich die „Indo-Asiatische Zeitschrift“ heraus.

Ostasiatische Kunstsammlung[Bearbeiten]

Ostasiatische Kunstsammlung
Japanisches Teehaus
Reisethron-Ensemble des Kangxi-Kaisers
Porzellanschale aus der Ming-Dynastie

Der Sammlungsschwerpunkt liegt auf Kunstgegenständen und Kunsthandwerk aus Ostasien.

Geschichte[Bearbeiten]

Wilhelm von Bode, Generaldirektor der Königlichen Museen zu Berlin, gründete 1906 die Sammlung des Museums für Ostasiatische Kunst in Berlin. Damit ist es in Deutschland das älteste Museum seiner Art. Zunächst hatte es seinen Standort auf der Museumsinsel. Die Ausstellung zog 1924 in das Gebäude des Kunstgewerbe-Museums, welches zum damaligen Zeitpunkt auch das Museum für Vor- und Frühgeschichte beherbergte (das Haus ist seit 1981 als Martin-Gropius-Bau bekannt). Durch die 1926 gegründete Gesellschaft für Ostasiatische Kunst erhielt das Museum in seiner Arbeit wesentliche Unterstützung. Dank seines konsequenten Ausbaus gehörten die Sammlungen bis zum Zweiten Weltkrieg zu den international bedeutendsten.

Nach Kriegsende transportierte die Rote Armee etwa 90 Prozent der ausgelagerten Bestände als Beutekunst in die Sowjetunion. Dort wurden sie in die Eremitage nach Sankt Petersburg verbracht, wo sie sich bis heute befinden. Lediglich einige wenige Stücke kehrten nach Berlin zurück. Der fast vollständige Verlust bedeutete einen tiefen Einschnitt und machte einen Neuaufbau der Sammlung notwendig, der nur allmählich vollzogen werden konnte. Ab 1952 diente das Pergamonmuseum als Ausstellungsort für ostasiatische Kunst. Weil im geteilten Berlin das Pergamonmuseum in der sowjetischen Besatzungszone (bzw. in Ost-Berlin) lag, entschloss man sich nach dem Bau der Berliner Mauer in West-Berlin ab 1970 einen eigenen Ausstellungsort im Bezirk Zehlendorf aufzubauen.

Nach dem Fall der Berliner Mauer begann mit der Deutschen Wiedervereinigung eine Neuordnung der Berliner Museumslandschaft. Die beiden getrennten Sammlungen wurden 1992 am Standort Dahlem zusammengeführt, im Jahr 2000 erweitert und bildeten bis Ende 2006 das Museum für Ostasiatische Kunst, das nun als Ostasiatische Kunstsammlung im Museum für Asiatische Kunst fortbesteht.

Nach der Fertigstellung des Humboldt-Forums wird das Museum für Asiatische Kunst zusammen mit den anderen Sammlungen des Museumszentrums Dahlem in die Räume des rekonstruierten Stadtschlosses auf die Museumsinsel umziehen.

Sammlung[Bearbeiten]

Die Ostasiatische Kunstsammlung beherbergt die umfangreichste und bedeutendste Sammlung chinesischer, koreanischer und japanischer Kunst in Deutschland. Der Bestand umfasst mit seinen etwa 13.000 Exponaten sämtliche kulturellen Epochen von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart.

Zunächst werden die drei Länder der asiatischen Subregion in eigenen Abteilungen getrennt präsentiert. Ein zentraler Raum, der die Kunst des Buddhismus zeigt, vereinigt die Galerien, da der Buddhismus als ein gemeinsames Element in allen drei Kulturen anzutreffen ist.

Die chinesische Abteilung zeigt unter anderem ihren umfangreichen Bestand an Porzellanarbeiten, der durch die Sammlung Georg Weishaupt wesentlich bereichert ist, und Lackkunst. Über 3.000 Jahre alte Bronzen, Jadeobjekte und Keramiken zeugen von der frühen Zivilisation und Hochkultur des Landes. Auch ein Porzellankelch aus der späteren Ära des Kaisers Wanli (1573-1620) aus der Ming-Dynastie ist von herausragender kulturhistorischer Bedeutung. Ferner wird in einem eigenen Raum ein Reisethron des chinesischen Kaisers Kangxi aus dem 17. Jahrhundert ausgestellt. Zu ihm gehört ein einzigartiger Paravent aus Palisanderholz, er ist reichhaltig mit Perlmutteinlagen in Lack- und Goldgrund verziert.

Durch ausgewählte Beispiele stellt das Museum in seiner China-Japan-Galerie die Bild- und Schreibkunst, das ursprünglich zentrale Sammelgebiet der ostasiatischen Kunst, vor. Da viele Werke der chinesischen Schrift und der japanischen Schrift sowie einige alte Bilder besonders lichtempfindlich sind, werden sie in Wechselausstellungen gezeigt und nach drei Monaten ausgetauscht. Gleiches gilt auch für viele Ausstellungsgegenstände der Lack- und Textilkunst. Allerdings ergeben sich durch die Verknüpfung mit den japanischen Holzschnitten und der bedeutenden Grafiksammlung des Museums stets neue inhaltliche Zusammenhänge und Schwerpunkte.

In der japanischen Abteilung erschließt sich dem Besucher in der Ausstellung ein japanischer Teeraum (Bôki). Dort kann er nach Voranmeldung zu bestimmten Zeiten auch die japanische Teezeremonie (Sadō) mitvollziehen.

Eine Studiensammlung bietet interessierten Museumsbesuchern die Möglichkeit des vertiefenden Einblicks in die Sammlung, eine angeschlossene Präsenzbibliothek ist nur Fachbesuchern zugänglich.

Derzeit in Planung befindet sich ein Zentraldepot für die Sammlungen in Berlin-Friedrichshagen.

Kooperationen[Bearbeiten]

Eine traditionell enge Zusammenarbeit besteht mit der Deutschen Gesellschaft für Ostasiatische Kunst, sie ist zugleich auch einer der beiden Fördervereine des Museums. Auf internationaler Ebene wird mit zahlreichen Museen außereuropäischer Kunst kooperiert, u.a. mit dem Museum Rietberg in Zürich sowie dem Musée Guimet in Paris. Im wissenschaftlichen Bereich sind die Kunstsammlung Süd-, Südost- und Zentralasien und die Ostasiatische Kunstsammlung eng mit der benachbarten Freien Universität Berlin verbunden. So war beispielsweise Museumsdirektor Willibald Veit gleichzeitig auch Professor für Ostasiatische Kunstgeschichte an der Universität.

Literatur[Bearbeiten]

  • Butz, Herbert: Museum für Ostasiatische Kunst Berlin. Prestel-Museumsführer, Prestel-Verlag, München 2000, ISBN 3-7913-2457-8
  • Gadebusch, Raffael Dedo et al.: Museum of Indian Art Berlin. Prestel Museum Guide, Prestel-Verlag, München 2000, ISBN 3-7913-2461-6
  • Gadebusch, Raffael Dedo et al.: Treasures of Indian Art. Germany's Tribute to India's Cultural Heritage. New Delhi 1998, ISBN 81-85832-06-4
  • Yaldiz, Marianne /Gadebusch, Raffael D /Hickmann, Regina /Weis, Friederike /Ghose, Rajeshwari /Sandmair, Kurt: Magische Götterwelten. Werke aus dem Museum für Indische Kunst, Berlin. Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Museum für Indische Kunst, Potsdam 2000, ISBN 3-9806239-4-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Museum für Asiatische Kunst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Internetseiten der Staatlichen Museen zu Berlin: Bildung des Museums für Asiatische Kunst

52.45583333333313.2925Koordinaten: 52° 27′ 21″ N, 13° 17′ 33″ O