Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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Das Logo des MKG
Museum für Kunst und Gewerbe (2004)

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) gilt als eines der führenden Museen für angewandte Kunst in Europa und ist eines der großen Museen in Hamburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Museum für Kunst und Gewerbe wurde 1874 gegründet. Der Gründung vorausgegangen war die Initiative der Patriotischen Gesellschaft von 1765 in Hamburg. Diese hatte das Gewerbeschulwesen aufgebaut, das um 1860 als staatliche Einrichtung weitergeführt wurde, und sie betrieb als neues Projekt die Museumsgründung. Im Wesentlichen ist die Gründung dem Juristen und Kunstkritiker Justus Brinckmann zu verdanken. Vorbilder waren das South Kensington Museum (gegr. 1852, heute Victoria and Albert Museum, London), das Österreichische Museum für Kunst und Industrie (gegr. 1863, heute Museum für angewandte Kunst Wien) und das Deutsche Gewerbemuseum (gegr. 1867, heute Kunstgewerbemuseum Berlin). Brinckmann wollte den „Geschmack bilden und das künstlerische Niveau des Handwerks steigern”. Er wurde der erste Direktor des Hauses, das 1877 am Steintorplatz als Staatliches Technikum und Museum für Kunst und Gewerbe“ eröffnet wurde. Das Gebäude wurde 1873–1875 nach den Plänen von Carl Johann Christian Zimmermann erbaut. Das Museum nutzte zunächst nur Teile des Erdgeschosses. Bereits 1876 war die "Allgemeine Gewerbeschule" in Teilen der Obergeschosse eingezogen, zu der auch die "Staatliche Baugewerkschule" gehörte.[1]

Eingang zum Museum

Nach dem Tod Brinckmanns 1915 wurde Max Sauerlandt 1919 neuer Direktor. Unter seiner Leitung wurde ein namhafter Bestand an Werken des Expressionismus aufgebaut. Im April 1933 wurde Sauerlandt auf Grund der Nürnberger Gesetze wegen seines Eintretens für die „Entartete Kunst“ als Museumsleiter entlassen. Durch die Aktion Entartete Kunst der Nationalsozialisten gingen dem Museum zahlreiche zeitgenössische Werke verloren. 1943 wurde das Gebäude von Bomben teilweise zerstört. Der Wiederaufbau war 1959 beendet. Am 16. September 2000 wurde der nach Hans-Otto Schümann benannte Erweiterungsbau eingeweiht.[2] Es verfügt über etwa 700.000 Objekte und gehört zu den großen europäischen Museen für Kunst, Kunsthandwerk und Design. Das Museum liegt in der Hamburger Innenstadt direkt am Hauptbahnhof.

Direktoren[Bearbeiten]

Sammlungen[Bearbeiten]

Erdgeschoss[Bearbeiten]

  • Historische Tasteninstrumente: In der Ausstellung von Cembali, Spinetten, Virginalen und Clavichorden sowie von Hammerflügeln und Tafelklavieren werden die Größenverhältnisse der Instrumente, die Anordnung der Klaviatur und die Klangtechnik (Zupfen, Schlagen) deutlich. An einigen Montagabenden werden Konzerte auf historischen Instrumenten gegeben.
  • Barock: Diese Sammlung umfasst Darstellungen und Figuren aus dem Barock, die nur aus Barockkirchen und -palästen stammen können.
  • Europäische Sammlung Byzanz bis Historismus
  • Fayence und Porzellan: Im erhöhten Zwischengeschoss befindet sich eine umfangreiche Fayence- und Porzellansammlung der meisten großen Manufakturen des 17. und 18. Jahrhunderts, die nach Herstellungsorten gruppiert sind. [3]

1. Etage[Bearbeiten]

  • Ostasien
  • Japanisches Teehaus
  • Islam: Das Prunkstück der Sammlung sind 71 Fliesenfragmente mit Ornamenten im magischen blau aus der usbekischen Stadt Buchara. Sie stammen vom Mausoleum des Buyan Kuli Chans (1348-1368), das beim schweren Erdbeben von 1894 stark beschädigt wurde. Die herunter gefallenen Fliesen wurden zur Finanzierung der Instandsetzung des Grabmals zur Hälfte an das Victoria and Albert Museum in London und an das Museum für Kunst und Gewerbe verkauft. Weiter fällt auf eine Standartenbekrönung, die geometrische Muster und eventuell Schriftzeichen in filigraner Arbeit aus Kupfer und Messing zeigt und aus dem Iran um 1700 stammt. Weiter gibt es Gefäße, Teppiche und Bücher.
  • Antike: Die Errungenschaften der Antike werden durch Vasen, Rüstungen und Statuen dokumentiert.
  • Art Nouveau/Jugendstil/Sezession: Im Westflügel sind aus der Jugendstilzeit viele Möbel und Exponate zu dem Gesamtkunstwerk "Pariser Zimmer" kombiniert worden, die auf der Weltausstellung 1900 in Paris erworben wurden. [4] Zu den Wohnzimmereinrichtungen gehören zwei überlebensgroße weiße Skulpturen von 1907, die Mädchendarstellungen in Fayence von Richard Luksch und der Schwanenteppich (1897) von Otto Eckmann.
  • Moderne 1914-1945: Bestandteil der Ausstellung im Nordflügel sind Werke expressionistischer Künstler, u. a. Tierplastiken von Richard Haizmann, die Frauen-Skulptur aus Ahornholz von Ernst Heckel (Stehende mit aufgestütztem Kinn von 1912), Werke von Karl Schmidt-Rottluff und Ewald Mataré sowie Gebrauchsgegenstände im Bauhausstil.
  • Mode

2. Etage[Bearbeiten]

  • Grafik und Plakate
  • Design
  • Buchkunst
  • Fotografie

Osterteppich aus dem Kloster Lüne[Bearbeiten]

Zur Finanzierung dringender Reparaturarbeiten verkaufte das Kloster Lüne nach der Währungsreform von 1948 seinen Osterteppich, der aus den Jahren 1504/1505 stammt. Diese Handarbeiten werden sowohl im Kloster Lüne wie auch im Museum für Kunst und Gewerbe nur einmal pro Jahr an wenigen Tagen zwischen Ostern und Pfingsten gezeigt. [5]

Spiegelsaal aus dem Budge-Palais[Bearbeiten]

Der Spiegelsaal wurde 1909 in den Budge-Palais (heutige Hochschule für Musik und Theater, kurz Musikhochschule) im Neorokoko-Stil eingebaut. Während des Nationalsozialismus wurde der Budge-Palais den jüdischen Erben entschädigungslos vorenthalten. Ende der 1970er-Jahre wurde der Spiegelsaal anlässlich des Umbaus der Musikhochschule vor dem Abriss gerettet. Er wurde vom Museum für Kunst und Gewerbe in den nördlichen Innenhof übernommen. Das Deckengemälde des Spiegelsaals stammt aus dem Jahr 2005 vom Maler Klaus Fußmann. Im Spiegelsaal finden jetzt Musikaufführungen statt. [6]

Galerieraum der Sammlung Hamburger Sparkasse[Bearbeiten]

In einem eigenen Galerieraum werden aus der Dauerleihgabe von 350 Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen der Hamburger Sparkasse Ausstellungen in unterschiedlicher Thematik präsentiert. Es handelt sich um Werke von Künstlern der Hamburger Sezession. [7]

Justus Brinckmann Gesellschaft[Bearbeiten]

Das Logo der Justus-Brinckmann-Gesellschaft
  • 1886 - Gründung des Kunstgewerbe-Vereins durch Justus Brinckmann (1843-1915)
  • 1921 - Gründung der ersten Justus Brinckmann Gesellschaft durch Max Sauerlandt (1880-1934)
  • 1933 - Auflösung der Justus Brinckmann Gesellschaft und Gleichschaltung des Kunstgewerbe-Vereins unter nationalsozialistischer Herrschaft
  • 1945 - Neuwahl des Vorstandes und Wiederaufnahme der Tätigkeit des Kunstgewerbe-Vereins
  • 1969 - Umbenennung des Kunstgewerbe-Vereins in Justus Brinckmann Gesellschaft
  • 1996 bis heute - Museumserweiterung: Neubau des Schümann-Flügels und Neustrukturierung der JBG

Die Justus Brinckmann Gesellschaft unterstützt die Arbeit des Museums. Sie ist der älteste und mit zur Zeit 5.500 Mitgliedern der größte Förderkreis seiner Art in Deutschland.

Der Verein unterstützt das Museum sowohl ideell wie substantiell. Erwerbungen, Ausstellungsprojekte, Umbaumaßnahmen, die Herausgabe von Publikationen oder die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Der Support der Freunde ist vielfältig – und nachhaltig. Ein besonderes Anliegen der Gesellschaft ist die Förderung zeitgenössischen Kunsthandwerks. Die jährlich organisierte Kunst und Handwerk Messe genießt überregionales Ansehen; der vom Verein vergebene Justus Brinckmann Preis ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für das gestaltende Handwerk in Deutschland.

1995: Museumschef Axel von Saldern (rechts) und Oberkustos Bernhard Heitmann begleiteten eine Rom-Reise

Persönliches Engagement als Ausdruck einer lebendigen Verbundenheit mit dem Museum ist kennzeichnend für die Freunde des Hauses. Begegnung, Austausch und aktive Teilnahme – als Impulsgeber, Mitgestalter und Botschafter des Museums für Kunst und Gewerbe begleitet die Justus Brinckmann Gesellschaft auch Sie zur Kunst."[8]

Besonderen Anklang finden traditionelle Bildungsreisen für Mitglieder. Das Spektrum reicht von Stadtrundgängen und Werkstattbesuchen bis hin zu ausgedehnten Touren in ferne Kontinente. Kustoden des Museums und weitere Experten begleiten die Museumsfreunde.

Der Vorstand der Gesellschaft wird alle drei Jahre von der Mitgliederversammlung gewählt. Der Vorstand besteht aus dem Präsidenten, seinem Stellvertreter und drei bis fünf weiteren Vorstandsmitgliedern. Dabei gehören der Vorstand der Stiftung öffentlichen Rechts sowie der Kustos der modernen und Jugendstil Abteilung dem Vorstand der Gesellschaft kraft Amtes an. Der aktuelle Vorstand besteht aus:[9]
Antonia Aschendorf (Rechtsanwältin) Präsidentin der JBG,
Gert Hinnerk Behlmer (Staatsrat a.D.),
Wolf Mandt-Merck (Direktor a.D. der Bank MM Warburg & Co.), Schatzmeister,
Sabine Schulze (Direktorin des MKG),
Claudia Banz, (Leiterin der Abt. Jugendstil und Moderne im MKG),
Peter Rawert (Rechtsanwalt).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daniel Schreiber: Höger als Erzieher in: Claudia Turtenwald (Hrsg.): Fritz Höger (1877–1949). Moderne Monumente. – Katalog zur Ausstellung „Fritz Höger – Architekt des Chilehauses. Moderne Monumente.“ Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-935549-56-3
  2. Eröffnung des Schümann-Flügels im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg
  3. Siehe Faience im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg unter dem Weblink Commons (Collections)
  4. Matthias Gretzschel: Als der Senat noch shoppen ging. Das Pariser Zimmer in Hamburg. In: Hamburger Abendblatt vom 31. Oktober 2009, S. 18
  5. Anne Bahrs: Kostbare Textilien erhalten. In: Preußische Allgemeine Zeitung vom 15. Mai 2010, S. 21
  6. Matthias Gretzschel: Die zweite Schuld. In: Hamburger Abendblatt vom 19. Januar 2011, S. 17
  7. Blicke auf Watt und Meer. In: Hamburger Abendblatt vom 24. Mai 2011, Beilage Museumswelt, Sommer 2011, S. 5
  8. Justus Brinckmann Gesellschaft
  9. Justus Brinckmann Gesellschaft

Literatur[Bearbeiten]

  • Prestel-Museumsführer Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Prestel-Verlag, München 2000, ISBN 3-7913-2206-0
  • David Klemm: Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Bd. 1: Von den Anfängen bis 1945. Wilhelm Hornbostel (Hg.). Hamburg: Museum für Kunst und Gewerbe, 2004, ISBN 3-923859-60-0
  • Museum für Kunst und Gewerbe (Hrsg.): Historische Tasteninstrumente, Hamburg, 2. Auflage, ca. 2007. (Faltblatt mit Abbildungen).
  • Museum für Kunst und Gewerbe (Hrsg.): Information. Hamburg, ca. 2007. (Faltblatt mit Lageplänen der Abteilungen).
  • Justus Brinckman: Führer des Hamburgischen Museum für Kunst und Gewerbe. Hamburg 1894

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Museum für Kunst und Gewerbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


53.55111111111110.009444444444Koordinaten: 53° 33′ 4″ N, 10° 0′ 34″ O