Musik in Deutschland

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Deutsche Musiker
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Hans Zimmer, Komponist
Chorakademie Dortmund, Weihnachtslied O du fröhliche
Rammstein, 2012
Kraftwerk, 2009
Die Ärzte, 2007 in Moskau
Boney M, 1981
Lena, 2010

Deutsche Musik ist ein weltweit prägender Kulturbereich, der sich über Jahrtausende entwickelte. Aus ökonomischer Sicht war Deutschland 2013 der drittgrößte Musikmarkt der Welt.[1]

Dieser Artikel soll zunächst einen ersten Überblick über die prägnantesten Musikgenres bieten, die sich seit der Vorklassik im deutschen Raum etabliert haben.

Klassische Musik[Bearbeiten]

Die Geschichte der europäischen klassischen Musik wird über weite Strecken von deutschen Komponisten geprägt. Aufgrund der zentralen Lage Deutschlands konnten hier unterschiedliche Musiktraditionen aus ganz Europa zusammenfließen. In der Barockzeit erlebten die Kirchenmusik und der Orgelbau eine große Blüte. Wichtige Barockkomponisten waren u. a. Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude, Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach. Stilbildend für die Wiener Klassik waren aus Deutschland die Komponisten der Mannheimer Schule, Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart, der auch als österreichischer Komponist gilt. Beginnend zur Zeit des Vormärz wurde der begleitete Liedgesang durch Komponisten wie Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy zu einer eigenen Kunstgattung entwickelt. Weitere wichtige deutsche romantische Komponisten waren Carl Maria von Weber, Johannes Brahms, Richard Wagner, Hans Pfitzner, Max Reger und Richard Strauss.

Im 20. Jahrhundert erlangten u. a. die Komponisten Carl Orff, Hanns Eisler und Werner Henze (Neue Musik) Popularität. Nach 1950, mitgeprägt durch die Darmstädter Ferienkurse war in Westdeutschland die Entwicklung der seriellen und elektronischen Musik durch Komponisten wie Karlheinz Stockhausen bedeutend. Wichtige zeitgenössische deutsche Komponisten sind z. B. Wolfgang Rihm sowie der weltweit sehr erfolgreiche Filmmusikkomponist Hans Zimmer.

Die Entwicklung des Chorgesanges in Deutschland wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen und auch in der Folgezeit stark gebremst. Erst seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts findet in dieser Richtung wieder ein Aufschwung von internationaler Bedeutung statt.

Populäre Musik[Bearbeiten]

Schlager und Volksmusik[Bearbeiten]

Die Populäre Musik in Deutschland wurde über große Teile des 20. Jahrhunderts von Schlager und volkstümlicher Musik mitgeprägt. Zu den Pionieren dieser Richtung werden um 1900 die Operettenhäuser im deutschen Sprachraum gezählt, etwa mit dem Berliner Komponisten Paul Lincke. Durch die Verbreitung von Tonträgern wie Schallplatten und die Aufnahme des Rundfunks kam in der Ära der „Goldenen Zwanziger“ zunehmend schlagerartige Unterhaltungsmusik auf. Bekannte Vertreter sind die Comedian Harmonists, Marlene Dietrich, Erwin Hartung, Fritzi Massary, Max Pallenberg, Otto Reutter, Liane Haid, Paul Preil und Lilian Harvey.

Erfolgreiche Interpreten des modernen Schlager-Genres sind und waren u. a. Helene Fischer, Udo Jürgens, Wolfgang Petry, Matthias Reim, Roberto Blanco, Andrea Berg, Roy Black, DJ Ötzi, Höhner, Frank Zander und Max Raabe. Im Bereich der Volkstümlichen Musik sind u. a. Florian Silbereisen, Heino, Stefanie Hertel, Hansi Hinterseer und die Wildecker Herzbuben erfolgreich, wobei die Grenzen zum Schlager fließend sind.

Rock und Metal[Bearbeiten]

Krautrock[Bearbeiten]

Der Ende der 1960er-Jahre entstehende Krautrock hatte Einfluss auf die Entstehung verschiedener Formen der Rockmusik und der elektronischen Musik. Dies v.a. auch aufgrund der frühen Verwendung der Synthesizer-Technik. Einflussreiche Vertreter dieser Epoche sind u.a. Faust, Neu!, Ton Steine Scherben, Amon Düül, Kraan, sowie Tangerine Dream und Kraftwerk in ihrer Frühphase (siehe Elektronische Musik).

Ostrock[Bearbeiten]

Bekannte Vertreter des Ostrock sind City, Karat, Silly, Keimzeit, Karussell, electra und die Puhdys. Viele der DDR-Bands wurden wegen ihrer Freiheit und Veränderung herbeisehnenden Texte zensiert oder gar verboten, dennoch gelang ihnen dank geheimer Konzerte Ende der 1980er Jahre erfolgreich der politische Protest gegen das Regime und es kam u. a. zur Resolution von Rockmusikern und Liedermachern.

Punkrock[Bearbeiten]

Seit der Entstehung in den 1980er-Jahren ist deutschsprachiger Punkrock verbreitet. Zu den erfolgreichsten Vertretern gehören Die Ärzte, Nina Hagen und Die Toten Hosen.

Mainstream Rock[Bearbeiten]

International populär sind und waren z.B. die deutschen Rockbands Scorpions, Beatsteaks, The Rattles und The Lords.

Metal und Alternative[Bearbeiten]

Die Metal-Bands Blind Guardian, Helloween, Gamma Ray und die Hard-Rock-Band Böhse Onkelz sind über die deutschen Grenzen hinaus populär. Die Band Rammstein ist der bekannteste Vertreter der sogenannten Neuen Deutschen Härte, zu der auch Oomph! und Unheilig gezählt werden.

Im Bereich Alternative Rock/Crossover waren und sind bspw. die Guano Apes, H-Blockx, Liquido, Law, Die Krupps, Such A Surge und Thumb wichtige Interpreten.

Indierock[Bearbeiten]

Populären Indie-Rock und -Pop produzieren die Sportfreunde Stiller, Tocotronic, Blumfeld, Selig und Jennifer Rostock. The BossHoss sind für ihren Country-Rock bekannt.

Elektronische Musik[Bearbeiten]

Im Bereich elektronische Musik gehören die deutschen Vertreter Kraftwerk, Tangerine Dream, Karlheinz Stockhausen und Klaus Schulze zu den weltweiten Pionieren.

Auch in der gegenwärtigen Electro- bzw. Technomusik spielen deutsche Produzenten eine wichtige Rolle, wie z. B. Mousse T., Paul van Dyk, Scooter, Robin Schulz, 2raumwohnung, Zedd, Tomcraft, Moguai, Snap!, The Disco Boys, Lexy & K-Paul, Boys Noize, Kai Tracid, Tiefschwarz, SONO, Northern Lite, Blank & Jones und Paul Kalkbrenner.

Pop[Bearbeiten]

Neue Deutsche Welle[Bearbeiten]

Die als „Neue Deutsche Welle“ bezeichnete Etablierung einer eigenständigen, auch international erfolgreichen deutschen Pop- und Rockmusik fand Anfang der 1980er-Jahre durch Interpreten wie Nena, Hubert Kah und Peter Schilling ihren kommerziellen Höhepunkt. Weitere erfolgreiche Interpreten dieser Zeit sind Trio, Extrabreit, Joachim Witt, DAF, Ideal, Münchener Freiheit und die Spider Murphy Gang.

Internationale Pop-Produktionen[Bearbeiten]

Deutsche Produzenten prägen seit Jahrzehnten den globalen Musikmarkt. International erfolgreich waren von den 1970ern bis in die 90er Jahre die Produktionen von Frank Farian, u.a. mit Boney M.. Von 1985 bis zur Auflösung 2003 waren die Stücke von Dieter Bohlen mit Modern Talking ein Erfolgsgarant, daneben auch seine anderen Produktionen, u.a. für die Castingshow DSDS. Alex Christensen ist ein weiterer erfolgreicher Produzent im Popbereich. Die Synthpopgruppe Alphaville ist seit 1983 weltweit erfolgreich.

Die 90er und frühen 2000er Jahre waren geprägt von Pop und Eurodance, die durch deutsche Musikprojekte beeinflusst wurden, z.B. Jasmin Wagner („Blümchen“), Culture Beat, U96, Captain Jack, Lou Bega, Dune, ATC, E-Rotic, Fun Factory und Mr. President. In den 2000ern feierten zudem u.a. die Castingbands No Angels, Bro’Sis und Monrose, die Sängerin Sarah Connor, der Pop-Violinist David Garrett und die vor allem bei weiblichen Teenagern beliebte Band Tokio Hotel weltweite Erfolge. Die englischsprachige Band Reamonn war bis zu ihrer Auflösung 2010 europaweit populär.

Pop(rock) der Gegenwart[Bearbeiten]

Zu den bekanntesten deutschsprachigen Pop- und Poprockmusikern der Gegenwart gehören Udo Lindenberg, Peter Maffay, Herbert Grönemeyer, Wolfsheim, Wir sind Helden, Silbermond, Juli, Ich + Ich und Frida Gold. 2010 gewann Lena für Deutschland den Eurovision Song Contest.

Jazz und Blues[Bearbeiten]

Hauptartikel: Jazz in Deutschland

R&B und Soul[Bearbeiten]

Seit 1995 ist der Sänger Xavier Naidoo einer der bekanntesten deutschsprachigen Interpreten des R&B und Soul, anfangs mit seiner Band Söhne Mannheims. Daneben zählen Tim Bendzko, Cassandra Steen (Glashaus), Max Herre, Joy Denalane, Andreas Bourani, Moses Pelham, Sabrina Setlur, Ayman, Edo Zanki, Max Mutzke und auch Jan Delay zu den populären Künstlern dieser Musikrichtungen.

Hip-Hop[Bearbeiten]

Hauptartikel: Deutscher Hip-Hop

Die 1989 gegründete Band Die Fantastischen Vier bereitete 1992 mit ihrem Titel Die da!? den Weg für populären Deutschrap. Neben ihnen konnte vor allem die Band Fettes Brot seit 1995 große Erfolge feiern. Weitere kommerziell erfolgreiche deutschsprachige Hip-Hop-Künstler sind und waren u. a. Marteria, Samy Deluxe, Beginner (Jan Delay, Dennis Lisk), Bushido, Fünf Sterne deluxe (u. a. Das Bo), Blumentopf, K.I.Z., Die Atzen, Kool Savas, Creutzfeld & Jakob, Miss Platnum, Casper, Cro, Sido, Kollegah und Deichkind.

Reggae und Dancehall[Bearbeiten]

Erste Reggae-Experimente gab es in Deutschland bereits Ende der 1970er Jahre von Spliff, kommerziell erfolgreich wurde in den 80ern Hans Söllner. Im Bereich Reggae und Dancehall sind heute u. a. die Gruppe Seeed und deren Sänger Peter Fox, Boundzound und Dellé, der Musiker Gentleman, Mellow Mark, sowie die Gruppe Culcha Candela erfolgreich.

Festivals[Bearbeiten]

Bis 2010 war die Loveparade eine der weltweit größten Musikveranstaltungen. Deutsche Musikfestivals von überragender Bedeutung sind heute Rock am Ring und Rock im Park, das Wacken Open Air, die Berlin Music Week, Hurricane Festival, Southside, Fusion Festival, SonneMondSterne, Deichbrand, Melt!, Immergut Festival, Schlossgrabenfest, Summerjam, Nature One, Mayday, Airbeat One, With Full Force und das Wave-Gotik-Treffen.

Hinzu kommen viele kleinere Festivals, die bestimmte Musikstile, Regionen oder Themen bedienen, z.B. Holi- und Spring-Break-Festivals. Ein Festival-Guide im Internet zeigt für die Saison 2011 über 350 Festivals in Deutschland an.[2]

Preise, Wettbewerbe und Sendungen[Bearbeiten]

Preise[Bearbeiten]

Der wichtigste Musikpreis im deutschsprachigen Raum ist der Echo. Bis 2011 wurde der Comet durch VIVA verliehen. Die EMAs von MTV sind europaweit bedeutsam und beinhalten jeweils Kategorien für deutsche Künstler. Daneben sind die Gold- und Platin-Schallplatten für Single- und Albenverkäufe angesehene Auszeichnungen für erfolgreiche Musiker.

Zudem gibt es in Deutschland spezifische Preise z. B. für Newcomer (New Music Award), elektronische Musik (Schallwelle), Jazzmusik (Deutscher Jazzpreis) und für Nachwuchsmusiker der Musikhochschulen (Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Preis). In vielen Städten und Regionen werden auch eigene Musikpreise vergeben, etwa in Hamburg der HANS, in Bayern der Kunstförderpreis und in Berlin der Kunstpreis.

Musikwettbewerbe[Bearbeiten]

Deutschland konnte beim europäischen Musikwettbewerb, dem Eurovision Song Contest, zwei mal den ersten Platz belegen — 1982 (mit Nicole) und 2010 (mit Lena).

Als Möglichkeit zum Musikerwettkampf innerhalb Deutschlands hat sich seit 2005 der von Stefan Raab initiierte Bundesvision Song Contest etabliert.

Musiksendungen[Bearbeiten]

Musikfernsehen ist in verschiedener Form in Deutschland etabliert. Es gibt sowohl eigene Spartensender als auch einzelne teils mehrstündige Sendungen auf Sendern wie Einsfestival, ZDFneo und ZDFkultur. Durch die Verbreitung von Online-Kanälen wie YouTube und MyVideo und Musikstreamingdiensten wie Spotify und Soundcloud ist das klassische Musikfernsehen weitgehend durch individuelle und dynamische Inhalte abgelöst worden. Für redaktionell gepflegte Inhalte und Themensendungen bleibt es dennoch ein wichtiger Bestandteil der Medienlandschaft.

Musikfernsehsender in Deutschland sind z.B.:

Zu den bekannten Sendeformaten gehören:

Daneben sind Auftritte von Musikern bei vielen verschiedenen Sendungsformaten ein fester bzw. immer wiederkehrender Bestandteil. Dies ist insbesondere bei Late-Night-Shows der Fall, z.B. bei TV Total, Circus Halligalli, Inas Nacht, Zimmer frei!, Krömer – Late Night Show und Neo Magazin.

Castingshows[Bearbeiten]

Seit der Erstausstrahlung von Popstars im Jahr 2000 sind Castingshows ein kontrovers diskutiertes Mittel der Talentfindung der deutschen Musikindustrie. Aufwändig produzierte Castingsendungen der letzten Jahre mit Darstellungsmöglichkeiten für Musiker sind und waren z.B. The Voice of Germany (The Voice Kids), Deutschland sucht den Superstar, Das Supertalent, SSDSGPS, Star Search, Keep Your Light Shining, Rising Star und X Factor.

Durch diese Sendungen hervorgebrachte Gewinner konnten in Deutschland bislang selten größere Erfolge verbuchen, meist blieb es bei nur einem Hitlistenerfolg. Viele der Teilnehmer erreichten auch gar keine Verkaufserfolge und klagten in späteren Interviews über die stark einschränkenden Vertragsbedingungen bei den involvierten Plattenfirmen bzw. Managern.[3][4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutschland drittgrößter Musikmarkt weltweit, Bundesverband Musikindustrie, 13. April 2011. Abgerufen am 3. Januar 2013.
  2. http://www.festivalhopper.de/festivals-2011.php
  3. Knebelverträge für Superstars, Münchner Abendzeitung, 19. Februar 2010
  4. Das Supertalent: Die dunklen Seiten der RTL-Glitzer-Show, Handelsblatt, 22. Dezember 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Musik in Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien