Musik in Königsberg

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Stadttheater Königsberg
Komische Oper
Programm eines Konzerts mit Hans Pfitzner, 1920

Dieser Artikel behandelt die Musik in Königsberg im Herzogtum Preußen, Königreich Preußen und Freistaat Preußen vom 16. Jahrhundert bis 1945. „Eine umfassende Theatergeschichte der Stadt Königsberg liegt nicht vor, und heute wäre das Unterfangen, dem abzuhelfen, kaum noch zu realisieren“.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

In Königsberg i. Pr. wurde die Musik schon am Hof des Herzogs von Preußen gepflegt. Hofkapellmeister waren Johann Eccard und sein Schüler Johann Stobäus. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wirkte Hans Kugelmann als Komponist und Hoftrompeter. 1659 erschien die Musikalische Kürbislaube von Heinrich Albert (siehe Kürbishütte). Georg Riedel, langjähriger Kantor der Altstadt, leitete 30 Jahre das Musikamt der Stadt. Über 300 Jahre spielten die Königsberger Stadtmusikanten.

Siehe auch: Schlossturm-Blasen in Königsberg

Oper und Konzert[Bearbeiten]

Wie überall wurde Hausmusik zunächst nur in den Häusern des Adels praktiziert. Öffentliche Aufführungen von Opern und Konzerten kamen im 19. Jahrhundert zustande. Caroline Unger und Franz Xaver Wolfgang Mozart gastierten am Pregel. Franz Liszt erhielt die Ehrendoktorwürde der Albertus-Universität. An der Königsberger Oper war Richard Wagner kurze Zeit Kapellmeister. Die deutsche Erstaufführung von Georges Bizets Carmen unter Max Staegemann (1879) brachte der Oper den weltweiten Durchbruch. Die von Max Brode initiierten Königsberger Symphoniekonzerte gewannen unter Wilhelm Sieben, Ernst Kunwald, Hermann Scherchen, Bruno Vondenhoff und Wilhelm Franz Reuss hohes Ansehen.[2] Vor allem dank Gustav Dömpke wurde Königsberg zur „Brahmsstadt“.

Der Königsberger Musikverein engagierte sich mit Ernst Wendel und Paul Scheinpflug erfolgreich für die Neue Musik.[3] Im 20. Jahrhundert waren Hans Knappertsbusch, Wilhelm Furtwängler und Karl Böhm Gastdirigenten in Ostpreußens Provinzialhauptstadt. Der Königsberger Komponist Otto Besch erklärte dazu: „Das Königsberger Konzertpublikum fühlte sich mehr und mehr wie eine Schicksalsgemeinschaft im Zeichen der Kunst. Es ging ein Fluidum von ihm aus, das auch die Künstler auf dem Podium nicht unberührt ließ.“[2]

Mit der Komischen Oper hatte Königsberg von 1923 bis 1925 noch ein zweites Opernhaus. Geleitet wurde es von dem Mäzen Bruno Dumont du Voitel.[2]

Chöre[Bearbeiten]

Ninke-Trio: (Karl Ninke (m), Schiffmann (l), Kirchberger (r)) 1931. Das Trio spielt Live-Musik im Königsberger Rundfunk. Ninke war außerdem Leiter mehrerer Chöre und wirkte in Königsberg von 1913 bis 1945, danach in Hamburg bis 1954.[4]:102-103

Eine große Rolle spielten die Chöre, der Bachverein unter Walter Eschenbach und Traugott Fedtke, der Schubertchor unter Heinz von Schumann und der Domchor unter Herbert Wilhelmi.[5] Unter den vielen Männerchören ragten der Königsberger Sängerverein (Karl Ninke)[4]:102-103 und die Melodia hervor. Die Musikalische Akademie und die populäre Singakademie vereinigten sich unter Hugo Hartung. In der Musikerziehung wirkten die Professoren Hans Engel und Joseph Müller-Blattau am neuen Institut für Schul- und Kirchenmusik der Albertus-Universität und die Lehrkräfte des Konservatorium Königsberg und des Fiebach-Konservatoriums.[2]

Rundfunk[Bearbeiten]

Die Ostmarken Rundfunk AG und der Reichssender Königsberg waren große Förderer des Musiklebens in Ostpreußen. Hermann Scherchen, ein Förderer der modernen Musik, war die dominierende Persönlichkeit des Königsberger Musiklebens. Er leitete auch die Konzerte beim 60. Tonkünstlerfest des Allgemeinen deutschen Musikvereins in Königsberg.[6][7]

Ostpreußisches Musikfest[Bearbeiten]

1837 fand ein Ostpreußisches Musikfest statt.[8][9] 1908, 1913 und 1924 wurden größere Musikfeste veranstaltet.[10][11]

Personen[Bearbeiten]

Dirigenten und Chorleiter[Bearbeiten]

Max Staegemann
Gustav Sabac el Cher

Komponisten[Bearbeiten]

Instrumentalisten[Bearbeiten]

Sänger[Bearbeiten]

Musikkritiker[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Erwin Kroll: Musikstadt Königsberg (1966)

Theater- und Konzertprogramme aus Königsberg haben archiviert

Neuanfang[Bearbeiten]

Als erstes deutsches Orchester gastierte 2010 das MDR-Orchester in Kaliningrad.[12] Zu Ehren ihres Gründers Otto Nicolai konzertierten im selben Jahr die Wiener Philharmoniker im Königsberger Dom.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Dieter Meyer (2010)
  2. a b c d Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002, ISBN 3-88189-441-1 (nach Berichten von Otto Besch)
  3. Königsberger Musikverein (Kultur in Ospreußen)
  4. a b Erwin Kroll: Musikstadt Königsberg. Geschichte und Erinnerung. Atlantis Verlag, Freiburg i. Br. und Zürich.
  5. Bach-Verein Königsberg
  6. Gerhard von Glinski, Peter Wörster: Königsberg. Die ostpreußische Hauptstadt in Geschichte und Gegenwart. Westkreuz-Verlag, Berlin Bonn 1992, ISBN 3-922131-68-9, S. 96
  7. 60. Tonkünstlerfest (GoogleBooks)
  8. 1837
  9. Hans Joachim Marx (GoogleBooks)
  10. 1. Ostpreußisches Musikfest 1908 (GoogleBooks)
  11. 3. Ostpreußisches Musikfest 1913 (GoogleBooks)
  12. MDR-Sinfonieorchester in Kaliningrad
  13. Freunde Kants und Königsbergs

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Küsel: Beiträge zur Musikgeschichte der Stadt Königsberg in Preußen. Königsberger Studien zur Musikwissenschaft, II. Königsberg 1923.
  • Hermann Güttler: Königsbergs Musikkultur im 18. Jahrhundert. Königsberg 1925.
  • Ernst August Hagen: Geschichte des Theaters in Preussen, vornämlich der Bühnen in Königsberg und Danzig von ihren ersten Anfängen bis zu den Gastspielen J. Fischer’s und E. Devrient’s. Königsberg 1854 (Digitalisat)
  • Erwin Kroll: Musikstadt Königsberg. Freiburg im Breisgau 1966.
  • Joseph Müller-Blattau: Geschichte der Musik in Ost- und Westpreußen, 2. Auflage. Wolfenbüttel 1968, S. 149.
  • (Deutscher) Bühnenspielplan (1896–1944).
  • Werner Schwarz: Musikgeschichte Pommerns, Westpreussens, Ostpreussens und der baltischen Lande. Dülmen 1990. ISBN 978-3899600704.

Weblinks[Bearbeiten]