Musikinstrumentenkunde

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Léon Theremin, 1924
Quadrangularus Reversum, Harry Partch ±1960
Aerophone (Piccolotrompete, "Standard" B-Trompete u. Basstrompete)

Instrumentenkunde, auch Organologie, ist ein Fachbereich der Musikwissenschaft, welches mittels natur- und geisteswissenschaftlicher Methoden der Erforschung, der Dokumentation und der Lehre über Musikinstrumente dient. Als akademisch eingerichtetes Fach bezeichnet Kunde u. a. die Sammlung von Beschreibungen von Instrumenten, deren Spielweisen, deren Entwicklung im Laufe der Zeit sowie alle Versuche zur Klassifikation.[1]

Instrumentenkunde schließt alle historischen und modernen (d. h. rezente) Musikinstrumente ein, sowohl jene der europäisch geprägten Kunstmusiktradition, der Volks- und Popularmusik als auch alle modernen und alten klangerzeugenden Instrumente außereuropäischer Musiktraditionen. Letzteres wird auch als Ethno-Organologie bezeichnet.[2][3]

Der Fokus und die Forschungsmethoden sind vielfältig. Die Lehre vom Einsatz der Instrumente in Kompositionen und Arrangements (die Instrumentation) nennt man Instrumentationslehre oder Instrumentationskunde. In Überschneidung mit der musikalischen Akustik werden in der technischen Instrumentenkunde der Aufbau und die daraus resultierenden Klangeigenschaften untersucht. Organologen sind überwiegend an Musikinstrumentenmuseen, Musikhochschulen und Universitäten aktiv. Auch viele Hersteller von Musikinstrumenten betreiben Forschungen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Instrumentenkunde ist beinahe so alt wie die der Instrumente selbst. Bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. klassifizierten die Chinesen die Instrumente nach dem verwendeten Material. (Stein, Bambus, Seide, etc.). Im europäischen Mittelalter gab es eine Einteilung nach der Art des Musikgenres (mit/ohne Gesang, zum Tanz, etc.). In der Neuzeit wurde bereits nach der Art der Tonerzeugung unterteilt, jedoch systematisch inkonsequent. (Blasinstrumente, Streichinstrumente, Zupfinstrumente, ...) siehe auch Instrumentenfamilien.

Die bis heute weltweit verwendete Hornbostel-Sachs-Systematik stammt vom Wiener Erich Moritz von Hornbostel und dem Berliner Curt Sachs, die an der "Sammlung alter Musikinstrumente bei der Staatlichen Hochschule für Musik zu Berlin" arbeiteten. Sie selbst bezeichneten es als einen Versuch, die weltweit existierenden Musikinstrumente in ein System zu bringen. Veröffentlicht wurde sie 1914 in der Zeitschrift für Ethnologie. Sie basiert grundlegend auf dem System von Victor-Charles Mahillon, dem Kurator des Brüsseler Konservationsmuseums, aus dem Jahr 1888. [4] 1948 wurde sie von Hans-Heinz Dräger um die Gruppe der Elektrophone ergänzt. Die Hauptgruppen der Hornbostel-Sachs-Systematik basieren überwiegend auf der Art der Tonerzeugung, dem Tonerzeuger (Oszillator), bei der Gruppe der Chordophone jedoch auf der Form des Resonanzkörpers und der Anordnung der Saiten.

1.) Idiophone

  1. Schlagidiophone
  2. Zupf-Idiophone
  3. Reib-Idiophone
  4. Blas-Idiophone
  5. Gemeinsame Schlussteilung

2.) Membranophone

  1. Schlagtrommeln
  2. Zupftrommeln
  3. Reibtrommeln
  4. Ansingtrommeln (Mirlitone)
  5. Gemeinsame Schlussteilung

3.) Chordophone

  1. Einfache Chordophone oder Zithern
  2. Zusammengesetzte Chordophone
  3. Gemeinsame Schlussteilung

4.) Aerophone

  1. Freie Aerophone
  2. (Eigentliche) Blasinstrumente
  3. Gemeinsame Schlussteilung

5.) Elektrophone

  1. Elektromechanische Musikinstrumente
  2. Elektronische Musikinstrumente
  3. Digitale Musikinstrumente

Besonders für die Musikethnologie sind die Ansätze für ein natürliches System der Musikinstrumente von Herbert Heyde von großer Bedeutung. Seit der Digitalisierung sind auch virtuelle Musikinstrumente Teil der Forschung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Valentin: Handbuch der Musikinstrumentenkunde. Bosse, Regensburg 2004
  • Curt Sachs: Handbuch der Musikinstrumente. Breitkopf und Härtel, Wiesbaden 1930

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John Meer, Henry van der Meer: Instrumentenkunde. In: Bärenreiter/Metzler (Hrsg.): Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). 4,, Kassel/Basel, 1996, S. Sp 951-970.
  2. Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Musical Instruments. Macmillan, London 1984
  3. Hans Fischer: Schallgeräte in Ozeanien. Bau und Spieltechnik – Verbreitung und Funktion. (Sammlung Musikwissenschaftlicher Abhandlungen, Band 36). Heitz, Strasburg 1958
  4. Zeitschrift für Ethnologie 46, 1914 (4-5), Seiten 553-590