Musikverein für Steiermark

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Der Musikverein für Steiermark, früher Steiermärkischer Musikverein genannt, war der erste Verein, der in Graz 1815 als Akademischer Musikverein gegründet wurde[1]. Er ist nach dem Wiener Musikverein und der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich einer der ältesten Musikvereine der Welt und arbeitet ohne Unterbrechung seit seiner Gründung 1815.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Steiermärkische Musikverein entstand ab 1815 auf Anregung des Historikers Julius Franz Borgias Schneller (1777–1833) und einer Gruppe von Grazer Akademikern unter dem Protektorat von Erzherzog Johann.[2] Die erste Veranstaltung des auf Mildtätigkeit gerichteten Musikvereins fand am 6. Juni 1815 im großen Rittersaal des Grazer Landhauses statt, und der Besuch bedurfte einer Einladungskarte.[3] 1816 wurden erstmals für hoffnungsvolle Knaben und auch Erwachsene die Kosten für Gesangsausbildung übernommen.[4] Im Frühsommer 1817 wurde der Musikverein von der höchsten Behörde als Musikverein für Steyermark förmlich anerkannt.[5]

Der Steiermärkische Musikverein unterhielt vor allem durch den Mittelsmann Johann Baptist Jenger intensive Beziehungen nach Wien und zu den dort lebenden Komponisten. Johannes Brahms empfahl 1870 seinen Jugendfreund Ferdinand Thieriot als Dirigent des Vereins und als Direktor der Musikschule. Das musikalische Leben von Graz nahm unter ihm einen neuen Aufschwung; [...] 1885 legte Musikdirektor Thieriot alle seine Grazer Ämter nieder, [...] schmerzlich vermisst von allen Musikfreunden [...]. (Ferdinand Pfohl, Hamburg 1902)

Bereits in der Gründungsphase des Grazer Musikvereins, der rasch überregionale Beachtung fand, wurde eine Reihe berühmter Musiker zu Ehrenmitgliedern ernannt, unter anderen Ludwig van Beethoven und Franz Schubert. Zu den Ehrenmitgliedern jüngerer Zeit zählen Frank Martin, Ernst Krenek, György Ligeti, Alfred Brendel und Ernst Märzendorfer.

Bereits ein Jahr nach der Gründung erfolgte die Einrichtung einer Singschule, die 1929 zum Konservatorium erhoben wurde. Die Schule des Musikvereins entsprach mit ihrem allgemeinen Drang der damaligen Gesellschaft nach Bildung, Erziehung und Aufklärung einem Bedürfnis der Zeit. Komponisten wie Ferruccio Busoni, Nikolaus von Reznicek und Wilhelm Kienzl und Dirigenten wie Felix Weingartner, und die gebürtigen Grazer Ernst Schuch, Richard Sahla und Karl Böhm gingen aus ihr hervor.

Durch die Kulturpolitik des Jahres 1939 erfolgte die Abtrennung der Vereinsschule, die als Konservatorium verstaatlicht wurde (ab 1963 Akademie, heute Universität für Musik und darstellende Kunst). Nach der Erhebung des Konservatoriums zur Akademie wurde das Institut in der Griesgasse als Landesmusikschule und später als Konservatorium fortgeführt (heute: Johann-Joseph-Fux-Konservatorium des Landes Steiermark in Graz).

Nach seiner Reorganisation als privater Verein behielt der Musikverein nach dem Zweiten Weltkrieg seine Position als Konzertunternehmen, das seine Öffnung zum internationalen Markt mit Konsequenz betrieb. Seit den 1960er-Jahren konnte internationale Prominenz nach Graz gebracht werden, darunter Erich Kleiber, John Barbirolli, Hans Knappertsbusch, Sergiu Celibidache, Herbert von Karajan, Clemens Krauss, Dimitri Mitropoulos, Eugene Ormandy und Karl Böhm. Zu einer Spezialität für Graz kristallisierte sich in den vergangenen fünfzig Jahren die Veranstaltung von Liederabenden: In mehr als 300 Konzerten gastierte hier die Weltelite des Liedgesangs.

Was 1815 mit „musikalischen Übungen“ begann, hat sich in modifizierter Form bis heute erhalten. Die musikalischen Übungen sind begehrten Abonnementkonzerten gewichen. Aus ursprünglich aktiver Musikausübung ist anspruchsvoller Bildungskonsum geworden. Im Stephaniensaal (auch: Stefaniensaal) des Congress Graz von Architekt Leopold Theyer, der zu den akustisch besten Konzertsälen der Welt gehört, werden hochkarätig besetzte Orchester-, Kammer- und Solistenkonzerte organisiert. Die seit 1955 veranstalteten Liederabende bilden eine „Spezialität“ des Grazer Konzertlebens. Seit der Saison 2008/09 wird im Rahmen der Präsentationskonzertreihe „Amabile“ auch der Kammermusiksaal als Podium für junge Musiktalente und Heimstätte von Kammeropernproduktionen wieder belebt.[6]

Musikdirektoren/Capellmeister[Bearbeiten]

Ehrenmitglieder[Bearbeiten]

Direktorium/Vereinsleitung[Bearbeiten]

  • 1877 Siegfried v. Haussegger, Ritter Moritz von Kaiserfeld (Prorektor), Ferdinand Bischoff, Carl Friesach, Hoffer, Hofmann, Karajan, Koberwein, Moritz v. Kaiserfeld Jun., Graf Pappenheim, Ernst Schuch, Streintz, Tunner, Hans von Zwiedinck.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ferdinand Bischoff: Chronik des Steiermärkischen Musikvereins. Festschrift zur Feier des fünfundsiebzigjährigen Bestandes des Vereines. Leykam, Graz 1890, OBV.
  • Harald Kaufmann: Eine bürgerliche Musikgesellschaft. 150 Jahre Musikverein für Steiermark. Festschrift zum Jubiläum des 150jährigen Vereinsbestandes am 1. Juni 1965 (…) aufgelegt. Musikverein für Steiermark, Graz 1965, OBV.
  • Hannes Lambauer: Die Anfänge des Musikvereins für Steiermark. In: Erzherzog Johann von Österreich. Beiträge zur Geschichte seiner Zeit. Band 2. Graz 1982, OBV, S. 269–279.
  • Erika Kaufmann (Hrsg.): 175 Jahre Musikverein für Steiermark, Graz. 1815–1990. S.n., Graz 1990, OBV.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Walter Brunner im Auftrag der Stadt Graz, Kulturamt (Hrsg.): Geschichte der Stadt Graz. (in 4 Bänden), Eigenverlag der Stadt Graz 2003, ISBN 3-902234-02-4.
  2. Hans Magenschab: Erzherzog Johann. 3. Aufl. Styria, Graz 1982, ISBN 3-222-11360-2, S. 310.
  3. Akademischer Musikverein in Grätz. In: Der Aufmerksame, Nr. 72/1815, 17. Juni 1815, S. 3 (unpaginiert). (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/gra.
  4. Ankündigung. In: Der Aufmerksame, Nr. 71/1816, 18. Juni 1816, S. 4 (unpaginiert). (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/gra.
  5. Fortwährende edelmenschliche Thätigkeit des Musikvereins für Steyermark. In: Der Aufmerksame, Nr. 71/1817, 14. Juni 1817, S. 4 (unpaginiert). (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/gra.
  6. Webseite des „Musikvereins für Steiermark“.
  7. Schuberts nachweislich von Hüttenbrenner gefälschtes "Dankschreiben" bei aeiou
  8. Joseph Marx Biografie