Muskelfaserriss

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Klassifikation nach ICD-10
T14.6 Verletzung von Muskeln und Sehnen an einer nicht näher bezeichneten Körperregion
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Doppelter Muskelfaserriss am Oberschenkel

Der Muskelfaserriss ist eine Sportverletzung, bei der es nach einer stärkeren Belastung zum Zerreißen von Muskelgewebe kommt. Im Gegensatz zur Muskelzerrung lässt sich eine Strukturveränderung mit Zerstörung von Muskelzellen und eine Einblutung erkennen. Meistens sind Waden- und Oberschenkelmuskulatur betroffen.

Muskelzerrung, Muskelfaserriss und Muskelriss beruhen auf demselben Mechanismus und unterscheiden sich nur durch das Ausmaß der Muskelschädigung. Bei einem Muskelfaserriss sind viele Muskelfasern gerissen, meist ein ganzes Muskelfaserbündel. Kleine Risse wirken sich nicht spürbar auf die Leistungsfähigkeit aus und sind bei jedem Training üblich.

Verletzungsmechanismus[Bearbeiten]

Beim Muskelfaserriss kommt es zum Einreißen der retikulären Fasern, die mit dem Costamer der Basalmembran der Muskulatur verbunden sind. Es kommt zu lokalen Entzündungserscheinungen in der Muskulatur. Gleichzeitig kommt es zur lokalen Tonusminderung im verletzten Gebiet. Ein Muskelfaserriss kann nur mit einer mikroskopischen Untersuchung diagnostiziert werden.

Ein kompletter Muskelabriss führt zu einer starken Blutung in das Gewebe mit teilweise einem Totalausfall der Muskelkontraktion. Die Muskelenden ziehen sich in Richtung der jeweiligen Sehne zurück. Diagnostik ist hier mit Muskelfunktionstests, Ultraschall und Kernspin relativ eindeutig, wobei die Bilder oft durch große Einblutungen schwer zu interpretieren sind.

Symptome[Bearbeiten]

Ein plötzlich einschießender Schmerz ist ein sehr häufiges Symptom. Nach dem Schmerzeintritt bleibt die Funktion des betroffenen Muskels meist über längere Zeit schmerzhaft eingeschränkt. Beim Riss großer Muskeln zeigen sich teilweise Einbuchtungen oder zusammengezogene Muskelanteile. Genauer kann man den Muskelfaserriss mittels Sonografie oder Magnetresonanztomographie eingrenzen.

Diagnose[Bearbeiten]

Umschriebener Bluterguss

Bei der Abtastung des Muskels findet sich im Bereich der Muskelverletzung ein umschriebener Schmerz. Liegt der Riss oberflächlich, kann man einen umschriebenen oder abgesackten Bluterguss erkennen.

Einige Krankheiten und Verletzungen zeigen ein ähnliches Erscheinungsbild, erfordern jedoch eine andere Behandlung. Beispiele für Verletzungen sind ein Sehnenriss, eine rupturierte Baker-Zyste, eine Muskelprellung oder selten ein Ermüdungsbruch. Beispiele für Krankheiten mit Symptomen, die einem Muskelfaserriss ähnlich sehen, sind einige Formen der Myositis, Thrombophlebitis oder Thrombosen.

Therapie[Bearbeiten]

Als Sofortmaßnahme wird mit Bewegung aufgehört und die PECH-Regel angewendet. Am wichtigsten ist die Schonung und falls nötig die Schmerztherapie. Ruhigstellung ist nach einer operativen Rekonstruktion nötig. An der Wade ist eine Hochlagerung des Beines sinnvoll, da die Schwellung in der Umgebung des Einrisses weniger auftritt und weniger Schmerzen bereitet.

Die Wirksamkeit von Maßnahmen wie Reizstrom, Wärmebehandlung und Salben ist umstritten. Die Spontanheilungsrate ist beim Muskelfaserriss hoch. Ein chirurgischer Eingriff findet bei Verletzungen mit Funktionseinschränkung statt und ist bei Sportlern notwendig, da sich der Muskel nicht rekonstruieren kann. Es kommt zu Deformationen und Funktionsstörungen. Nach einer Operation erfolgt eine sechswöchige Ruhigstellung des betroffenen Muskels, um ein erneutes Zerreißen zu verhindern.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Muskelriss – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Muskelfaserriss – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!