Muslimbrüder (Syrien)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Emblem der Muslimbrüder

Die Muslimbrüder in Syrien (arabisch ‏الإخوان المسلمون في سوريا‎ al-Ichwan al-Muslimun fi Suriya, französisch Frères musulmans à la Syrie) sind der syrische Zweig der sunnitisch-islamistischen Muslimbruderschaft.[1] Der derzeitige Führer der Bruderschaft ist Mohammad Riad al-Sahqeh, sein langjähriger Vorgänger war Ali Sadreddin al-Bajanuni.

Die Muslimbrüder in Syrien sind Mitglied des Syrischen Nationalrats. Sie kooperieren mit anderen Oppositionsgruppen und auch mit säkular ausgerichteten Kritikern des Regimes unter Baschar al Assads, wie dem Dissidenten Abd al-Halim Chaddam.[2][3] Den Dschihad als Mittel zur Erreichung ihrer Ziele lehnt die Gruppierung ab.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Während der französischen Mandatsherrschaft gründeten ägyptische Muslimbrüder um Mustafa as-Siba'i 1937 die Muslimbruderschaft in der Syrischen Republik. Nach der Unabhängigkeit Syriens war die Bruderschaft zunächst Oppositionspartei und gewann 1961 bei der letzten freien Parlamentswahl 10 Sitze (5,8 %). Nach dem Staatsstreich 1963 durch Mitglieder der säkularen und panarabischen Baath-Partei wurde die Bruderschaft verboten.[5]

In der Folge spielten die Muslimbrüder eine Hauptrolle im Widerstand, der sich dem Regime der Baath-Partei entgegenstellte. Dieser Konflikt entwickelte sich zu einem bewaffneten Kampf gegen die säkulare Regierung. Nach dem Massaker von Hama 1982 kamen die Aktivitäten der Muslimbrüder in Syrien aber nahezu völlig zum Erliegen.

Nachdem ein Attentat auf Hafiz al-Assad missglückte, woraufhin ein Massaker an gefangenen Muslimbrüdern im Gefängnis von Palmyra verübt wurde, steht in Syrien sowohl auf die Mitgliedschaft als auch auf die bloße Unterstützung der Muslimbrüder die Todesstrafe. Im Regelfall wird diese jedoch in eine 12-jährige Haftstrafe umgewandelt. Trotzdem befand sich der Hauptsitz des palästinensischen Zweigs der Muslimbruderschaft, der Hamas, bis zum Syrischen Bürgerkrieg in Damaskus, wo sie auch Unterstützung durch die syrische Regierung erhielt.[6]

In einem im April 2012 veröffentlichten Manifest bekannte sich die Muslimbruderschaft Syriens zu einem demokratischen Mehrparteiensystem, einer im Konsens geschaffenen neuen Verfassung und zur angemessenen Vertretung aller ethnischen und religiösen Gruppen.[7][8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Olivier Carré und Gérard Michaud: Les Frères musulmans – Egypte et Syrie (1928–1982). Gallimard, Paris 1983

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Muslimbruderschaft. Auf: verfassungsschutz.niedersachsen.de
  2. The Muslim Brotherhood in Syria. Auf: carnegie-mec.org
  3. Robert S. Leiken, Steve Brook: The Moderate Muslim Brotherhood. In: Foreign Affairs, 2007 Nr. 2, S. 107–121
  4. Robert S. Leiken, Steve Brook: The Moderate Muslim Brotherhood. In: Foreign Affairs, 2007 Nr. 2, S. 108
  5. Robin Wright: Dreams and Shadows – The Future of the Middle East. Penguin Press, 2008, S. 241
  6. Robin Wright: Dreams and Shadows – The Future of the Middle East. Penguin Press, 2008, S. 248
  7. Khaled Yacoub Oweis: Syria's Muslim Brotherhood rise from the ashes. Auf: reuters.com am 6. Mai 2012
  8. Syria Muslim Brotherhood Issues Post-Assad State-for-All Commitment Charter. Auf: ikhwanweb.com am 7. April 2012