MyCoRe

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MyCoRe
MyCoRe-Logo.png
Entwickler MyCoRe Community
Aktuelle Version 2014.06 (LTS)
(20. Juni 2014)
Betriebssystem Unix, Linux, Windows, Mac OS X
Programmier­sprache Java, JavaScript, XSLT
Kategorie Content-Management-System
Lizenz GPL (Freie Software)
Deutschsprachig ja
www.mycore.de

MyCoRe ['maikɔːr] ist eine freie Software, mit deren Hilfe Institutionen eigene Dokumenten- und Publikationsserver oder Archivlösungen (oder allgemeiner „Content Repositorien“ → CoRe) entwickeln können. In der MyCoRe Community arbeiten Entwickler aus mehreren deutschen Universitäten an einem gemeinsamen Software-Kern („core“) für derartige Anwendungen.

MyCoRe ist mit Java- und XML-Technologien implementiert und als freie Software unter GNU General Public License (GPL) verfügbar. Neben Datenbank-Systemen aus dem kommerziellen oder dem Open-Source-Bereich wird als Backend insbesondere Apache Lucene verwendet, mit dessen Hilfe sich auch sehr große digitale Bestände verwalten lassen. Die Beteiligung von Rechenzentren und Bibliotheken soll die Nachhaltigkeit der entstehenden Lösung gewährleisten.

Funktionalität[Bearbeiten]

Alle Grundfunktionen einer digitalen Bibliothek stellt MyCoRe bereit, so dass einfache Anwendungen primär durch Konfiguration statt Programmierung realisiert werden können. Damit ist MyCoRe ein Framework zum Erstellen von Dokumentenservern. Auch komplexe Anwendungen, wie z. B. Online-Verlage können mit MyCoRe realisiert werden. Onlinelexika wie das Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit können ebenfalls realisiert werden.

Benutzerschnittstelle[Bearbeiten]

  • Webschnittstelle für Benutzer auf Basis von Java Servlets plus XSL, oder Java Server Pages (JSP)
  • Erstellen, Verwalten und Bearbeiten aller Inhalte über Online-Eingabeformulare und Datei-Uploadfunktionen
  • Mehrsprachige Oberfläche (I18N): Textabschnitte und Bezeichnungen sind über Konfigurationsdateien anpassbar
  • Kommandozeilen-Interface (CLI) für administrative Aufgaben und Batch-Import/-Export auf dem Server

Konfigurierbares Metadatenmodell[Bearbeiten]

  • Frei konfigurierbares Metadatenmodell
  • Vordefinierte Basisdatentypen für Textfelder, Datumswerte, Zahlen, Wahr-/Falschwerte, Verweise und Kategorien
  • Eigene Datentypen können zusätzlich über Java-Schnittstellen implementiert werden
  • Definition von Objekttypen wie „Dokument“ oder „Person“ als Menge von Feldern wiederholbarer Basisdatentypen
  • Querverweise und Beziehungen zwischen Objekttypen
  • Hierarchien von Objekttypen mit Vererbung von Metadaten an untergeordnete Typen, z. B. Hierarchie Zeitschrift, Heft, Artikel
  • Versionierbare Metadaten (Versionshistorie)

Klassifikationen[Bearbeiten]

  • Unterstützung beliebiger hierarchischer Klassifikationssysteme (Bäume von Kategorien)
  • Geeignet für hierarchische Fachklassifikationen wie Dewey-Dezimalklassifikation, PACS, MSC, oder Organisationsstruktur Ihrer Einrichtung
  • Zuordnung von Objekten (Dokumenten) zu ein oder mehreren Kategorien in beliebigen Klassifikationen
  • Online-Klassifikationseditor zur Bearbeitung von Kategorien
  • Import/Export eigener Klassifikationen über XML-Dateien

Internes Dateisystem (IFS)[Bearbeiten]

  • Unterstützung beliebiger Dateitypen und Verwaltung komplexer Verzeichnishierarchien (Dateibäume)
  • Speicherung auf lokalen oder entfernten Dateisystemen via SFTP, FTP, Samba/CIFS
  • Upload auch sehr großer Dateien über Java-Applet
  • Dynamische Generierung von ZIP-Archiven
  • Automatische Generierung und Prüfung von MD5-Prüfsummen

Audio-/Video-Streaming[Bearbeiten]

  • Transparente Integration eines Audio-/Video-Streaming-Servers
  • Helix Universal Server oder IBM VideoCharger Server
  • Streaming von AVI, MPEG1, MPEG2, Quicktime, Real, Windows Media, AVI, MP3, WAV
  • Gezielte Ansteuerung einzelner Stellen im Audio/Video-Stream über URL mit Timecode
  • Unterstützung von SMIL-Präsentationen
  • Anzeige von und Suche in technischen Metadaten, z. B. Bitrate, Framerate, Dauer des Videos

Suchfunktionen[Bearbeiten]

  • Kombinierte Suche in beschreibenden Metadaten, in Volltexten oder in extrahierten Daten
  • Suche in Volltexten von PDF-, Word-, OpenOffice-, HTML- und XML-Dateien
  • Suche in extrahierten Metadaten, z. B. ID3-Tags von MP3-Dateien, Exif-Daten in JPEG-Dateien, Dateityp und -größe
  • Frei konfigurierbare Suchmasken: einfache Suche, komplexe Suche, Expertensuche
  • Sortierung der Trefferliste nach mehreren Kriterien, auf- oder absteigend
  • Verteilte Suche über mehrere Server via WebServices
  • Integration von Legacy-Systemen über eigene Implementierungen einer Java-Schnittstelle
  • Treffer einer Suche auch als RSS-Feed darstellbar

Benutzer- und Rechteverwaltung[Bearbeiten]

  • Benutzer- und Gruppenverwaltung
  • Privilegien definieren Rechte eines Benutzers, z. B. Anlegen eines neuen Dokumentes
  • Access Control Listen (ACLs) definieren Zugriffs- und Bearbeitungsrechte auf ein Objekt
  • Autorisierung anhand der Benutzerkennung und/oder der IP-Adresse des Browsers

URNs: Persistent Identifier[Bearbeiten]

  • Unterstützung von URNs im Namensraum urn:nbn:de als Persistent Identifier
  • Generierung von URNs über konfigurierbaren Algorithmus, z. B. Zeitstempel, Zähler oder beliebiges eigenes Schema
  • Speicherung der URN, Berechnung und Test der Prüfsumme
  • Lokaler Resolver mit Weiterleitung an die Deutsche Nationalbibliothek
  • Registrierung von URNs bei der Deutschen Nationalbibliothek über OAI (Epicur) oder E-Mail

Systemschnittstellen[Bearbeiten]

  • OAI-PMH 2.0 Data Provider (Open Archives Initiative)
  • Unterstützung verschiedener Metadatenformate, z. B. MODS, Dublin Core, XMetaDiss, Epicur
  • SOAP-Schnittstelle für Web Services zur Suche im Repository
  • Z39.50 Server Schnittstelle: Suchanfragen im Z39.50 Prefix Query Format (PQF)
  • Unterstützung des Google Sitemap Protokolls, spezieller Zugang für Suchmaschinen-Robots
  • Import von Daten aus Pica-Katalogen über die SRU-Schnittstelle
  • Mets-Editor zum Strukturieren von Digitalen Dokumenten
  • Schnittstelle für Simple Web-service Offering Repository Deposit (SWORD)

Web Content Management Modul (WCMS)[Bearbeiten]

  • WYSIWYG-Editor für statische Webseiten der Anwendung
  • Pflege der Navigationsstruktur der Website
  • Übersetzungsfunktion für mehrsprachige Websites
  • Änderungshistorie
  • Generierte Sitemap
  • Upload von Dateien und anderen Dokumenten
  • Templates für Layout und CSS

Image Viewer Modul[Bearbeiten]

  • Bildbetrachter im Browser, z. B. für hochauflösende Digitalisate
  • Serverseitige Transformation der Dateien über Java Advanced Imaging
  • Skalieren von Bildern und Bereitstellen von Ausschnitten
  • Automatisches Generieren von Miniatur-Vorschaubildern (Thumbnails)
  • Caching generierter Bilder, Neuberechnung nur bei Bedarf on-the-fly

Beispiele[Bearbeiten]

Das MyCoRe-Framework wird als Software für verschiedene Anwendungen eingesetzt.

  • LexM: das Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit.
  • DuEPublico: der Dokumenten- und Publikationsserver der Universität Duisburg-Essen.
  • journals@UrMEL: der Zeitschriftenserver der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek ThULB in Jena.

Weitere Anwendungsbeispiele sind in der Liste mit MyCoRe-Installationen[1] aufgeführt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Susanne Dobratz: Open-Source-Software zur Realisierung von Institutionellen Repositories – Überblick. In: ZfBB 54 (4-5) 2007, S. 199–206, urn:nbn:de:kobv:11-10081380 (PDF)
  • Frank Lützenkirchen: MyCoRe – Ein Open-Source-System zum Aufbau digitaler Bibliotheken. In: Datenbank Spektrum 2(4), November 2002, S. 23–27, (PDF)
  • Wiebke Oeltjen: Virtuelle Bibliotheken flexibel gestalten. In: Bernhard Mittermaier (Eds.): eLibrary - den Wandel gestalten, Proceedings of the WissKom 2010, Schriften des Forschungszentrums Jülich / Reihe Bibliothek/Library, Vol. 20, Zentralbibliothek, Verlag, 2010, S. 259-266, ISBN 9783893366682 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.mycore.de/applications/list.html