Myanmar

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Burma ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum bengalischen Schauspieler und Filmregisseur dieses Namens siehe Phani Burma.
Staatsbezeichnung in birmanischer Schrift
Pyidaunzu Thanmăda Myăma Nainngandaw
Republik der Union Myanmar
Flagge Myanmars
Siegel Myanmars
Flagge Siegel
Amtssprache Birmanisch
Hauptstadt Naypyidaw
Staatsform Republik
Regierungssystem Semipräsidentielles System
Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef Staatspräsident Thein Sein
Fläche 676.578[1] km²
Einwohnerzahl 51.400.000 (Volkszählung 2014)
Bevölkerungsdichte 75,97 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2011[2]
  • $ 51,925 Milliarden (74.)
  • $ 82,679 Milliarden (74.)
  • $ 832 (154.)
  • $ 1.325 (161.)
Human Development Index 0,524 (150.)[3]
Währung Kyat (MMK)
Unabhängigkeit 4. Januar 1948
(vom Vereinigten Königreich)
Nationalhymne Gba Majay Bma
Zeitzone UTC+6:30
Kfz-Kennzeichen MYA
ISO 3166 MM, MMR, 104
Internet-TLD .mm
Telefonvorwahl +95
Japan Guam Osttimor Vanuatu Indonesien Hawaii Papua-Neuguinea Salomonen Norfolkinseln Neuseeland Australien Fidschi Neukaledonien Antarktika Frankreich (Kergulen) Philippinen Volksrepublik China Singapur Malaysia Brunei Vietnam Nepal Bhutan Laos Thailand Kambodscha Myanmar Bangladesch Mongolei Nordkorea Südkorea Indien Pakistan Sri Lanka Russland Republik China Malediven Kasachstan Afghanistan Iran Oman Jemen Saudi-Arabien Vereinigte Arabische Emirate Katar Kuwait Irak Georgien Armenien Aserbaidschan Türkei Eritrea Dschibuti Somalia Äthiopien Kenien Sudan Madagskar Komoren Mayotte Réunion Mauritius Tansania Mosambik Turkmenistan Usbekistan Tadschikistan Kirgistan Japan Vereinigte Staaten (Nördliche Mariannen) Föderierte Staaten von Mikronesien Palau Japan Vereinigte Staaten (Wake) Marshallinseln KiribiatiMyanmar on the globe (Southeast Asia centered).svg
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Myanmar, amtlich Republik der Union Myanmar (birmanisch ပြည်ထောင်​စု သမ္မတ မြန်မာနိုင်ငံတော်, Pyidaunzu Thanmăda Myăma Nainngandaw, [pjìdàʊɴzṵ θàɴməda̰ mjəmà nàɪɴŋàɴdɔ]), auch Birma oder Burma, ist ein Staat in Südostasien und grenzt an Thailand, Laos, die Volksrepublik China, Indien, Bangladesch und den Golf von Bengalen. Das Land stand seit 1962 unter einer Militärherrschaft, bis diese am 4. Februar 2011 einen zivilen Präsidenten als Staatsoberhaupt einsetzte.

Landesname[Bearbeiten]

Myanmar ['mijanmaːɐ][4] ist im deutschen Sprachraum, im Vereinigten Königreich,[5] in Australien und den USA nach wie vor unter der früheren Schreibweise Birma beziehungsweise Burma bekannt.

Eigentlich handelt es sich bei Burma und Myanmar nicht um zwei unterschiedliche Bezeichnungen. Bama ['bɐma] mit verhältnismäßig dumpfem „a“ als erstem Vokal, von dem sich die englisch ausgesprochene Schreibweise Burma (und davon in Deutschland wiederum Birma) herleitet, und Myanma sind seit jeher die Bezeichnungen für die größte Bevölkerungsgruppe der Bamar in ihrer eigenen Sprache und für ihr Land. Dazu kommen Unterschiede in der Aussprache durch die Dialekte, denn je nachdem, wie stark man die Lippen schließt und wie viel Druck beim ersten Konsonanten entsteht, ist der Übergang von „B“ zu „M“ fließend. Der Begriff Myanma soll bis ins ausgehende 11. Jahrhundert zurückgehen und von König Kyanzittha geprägt worden sein.[6][7] Er entstammt der Schriftsprache und findet sich daher eher in historischen Dokumenten, während Bama umgangssprachlich verwendet wird. Seit den 1920er-Jahren gab es Bestrebungen, einen einheitlichen Begriff für alle im jetzigen Myanmar beheimateten Volksgruppen zu finden. So wurde mehrmals Bama durch Myanma ersetzt und umgekehrt.

Die offizielle Umbenennung des Landes in „Republik der Union Myanmar“ (Pyidaunzu Thanmăda Myăma Nainngandaw) durch das Militär war daher in erster Linie ein Vorhaben mit Außenwirkung. Das Land sollte sich als selbstbewusster Staat präsentieren, der die Kolonialzeit endgültig überwunden hat.

Die Umbenennung erfolgte durch das Gesetz Nr. 15/89 vom 18. Juni 1989, das auch die offizielle Schreibweise vieler Ortschaften neu bestimmte. Hierfür wurden die Namen in ihrer ursprünglichen Form, also ohne Veränderungen durch kolonialen Einfluss, und nach ihrer aktuellen Aussprache ins lateinische Alphabet verschriftlicht.

Die Vereinten Nationen übernahmen den neuen Namen des Staates wenige Tage nach der Verkündung durch das Militär. Dem sind mittlerweile viele Staaten gefolgt. Die Vereinigten Staaten, Australien sowie weitere Staaten und nichtstaatliche Organisationen halten als Zeichen ihrer Missbilligung des Regimes am Namen Burma fest. Auch die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi sprach sich 1996 in einem Interview für das Magazin Marie Claire für die Beibehaltung von Burma aus, zum einen wegen der fehlenden Mitwirkung des Volkes, zum anderen, da der Begriff Myanmar eben nicht die Vielfalt der Volksgruppen im Lande widerspiegele.[8]

Die deutschschweizerischen und österreichischen Zeitungen verwenden vorwiegend Burma, während sich die deutschsprachigen Agenturen auf die Bezeichnung Birma geeinigt haben.[9] Mehrere deutsche Medien, darunter Spiegel und FAZ, verwenden dennoch die Variante Burma. Auch in der DDR wurde nur die Namensform Burma verwendet. In den Tagesthemen wird stattdessen Myanmar (früheres Birma) verwendet.

Im Birmanischen bedeutet die Silbe Myan „fest zusammenhaltend“, die Silbe Mar „hart“, „stark“ oder auch „mächtig“.[10] Neben der offiziellen Bezeichnung nennen die Einwohner den Staat auch kurz Myanma Naingngan („Myanmarischer Staat“).

Eine Person aus Myanmar wird in Deutschland laut StAGN Myanmare genannt.[11][12]

Geographie[Bearbeiten]

Myanmar grenzt im Norden und Osten an die Volksrepublik China, Laos und Thailand und im Süden an den Indischen Ozean. Das Andamanische Meer trennt Myanmar von den südwestlich gelegenen indischen Inseln der Andamanen und Nikobaren. Im Westen grenzt Myanmar an Bangladesch und die indischen Bundesstaaten Mizoram, Manipur, Nagaland und Arunachal Pradesh. Im Süden liegt die letzte unberührte Inselgruppe, der Mergui-Archipel, vor der Malaiischen Halbinsel. Im Osten des Landes liegt das Shan-Hochland mit Erhebungen von bis zu 2500 m.

Entlang der Südwestküste erstrecken sich Sumpfgebiete, dahinter liegt das Arakan-Joma-Gebirge mit bis zu 3000 m hohen Bergen. Das Kachin-Bergland, ein südlicher Ausläufer des Himalaya, liegt im Norden, und an der Grenze Myanmar–Indien–China liegt der Hkakabo Razi. Mit seinen 5881 m ist er der höchste Berg Südostasiens. In der Mitte des Landes, entlang dem Irrawaddy, liegt Zentralmyanmar mit seinen fruchtbaren Böden. Die bedeutendsten Flüsse neben dem Irrawaddy sind Thanlwin, Sittaung, Chindwin und Mekong. Vor der Küste bildet eine abgesunkene Gebirgslandschaft rund 800 Inseln. 40 % der Fläche werden von Primärwald bedeckt, wobei die Waldfläche jährlich um 1,2 % abnimmt.

Klima

Myanmar befindet sich – mit Ausnahme des äußersten Nordens – im Einflussbereich des Indischen Monsuns. Durch das Relief bedingt sind die Ausprägungen des Monsuns in den einzelnen Landesteilen unterschiedlich.

Im Wesentlichen lassen sich drei Jahreszeiten unterscheiden:

  • Regenzeit von Ende Mai bis Mitte Oktober,
  • kühle Jahreszeit von Ende November bis Ende Februar und
  • heiße Jahreszeit in den Monaten März bis Mai

Bevölkerung[Bearbeiten]

Demographische Daten[Bearbeiten]

  • Bevölkerungswachstum: 1,5 % (1998); 1,2 % (2002); 1,1 % (2006); 1,1 % (2011)
  • letzte Zählung (1983): 35.306.189 Einw.
  • ethnische Gruppierungen: Bamar (69 %), Shan (8,5 %), Karen (Christen) (6,2 %), Rohingya (Muslime) (4,5 %), Mon (2,4 %), Chin (2,2 %), Kachin (1,4 %) u. a. ethnische Minderheiten: Inder (1 %), Chinesen (1–2 %)
  • Lebenserwartung: 57,2 Jahre (2002); 64,9 Jahre (2011)
  • Säuglingssterblichkeit: 77 pro Tausend (2002); 49 pro Tausend (2011)
  • Etwa 0,6–2 % der Bevölkerung werden als HIV-positiv geschätzt
  • Alphabetisierung: 85,3 % (2002); 89,9 % (2006)
  • Umgesiedelte im eigenen Land: 1.000.000
  • Anteil am BIP (2010): Landwirtschaft (43 %), Industrie (20 %), Dienstleistung (37 %)

Völker und Sprachen[Bearbeiten]

Myanmar ist ein Vielvölkerstaat mit rund 55 Millionen Einwohnern, die 135 verschiedenen Ethnien angehören. Die größte Ethnie ist mit 70 % Bevölkerungsanteil die der Birmanen (Bamar). Die Shan sind die zweitgrößte Volksgruppe (8,5 %) und leben hauptsächlich im Shan-Staat des Landes, in Gebieten ab etwa 1000 Metern Höhe.

6,2 % stellen die überwiegend christlichen Karen und 2,4 % gehören zu den Mon. Die Padaung gehören zur Sprachgruppe der Mon-Khmer und umfassen etwa 150.000 Personen. Sie leben im südlichen Kachin- und im Shanstaat. 2,2 % sind Chin (Tschin) und 1,4 % Kachin.

Hauptsächlich im Rakhaing-Staat leben etwa 730.000 Arakanesen. Andere Quellen geben ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung sogar mit 4 % an. Ebenfalls im Rakhaing-Staat leben die Rohingya, denen der Status als Volksgruppe verwehrt wird und die von der Regierung als bengalische Muslime bezeichnet werden.[13][14] Viele von ihnen sind nach Bangladesch geflohen. Ferner stellen die Chinesen 1–2 % und die Inder 1 % der Bevölkerung. Die einzelnen Völker sprechen ihre eigenen Sprachen, Englisch ist Handelssprache. Amtssprache ist die Birmanische Sprache.

Religion[Bearbeiten]

Die Shwedagon-Pagode in Yangon 2013

Anteile der Religionen an der Bevölkerung:

Die am weitesten verbreitete Religion in Myanmar ist der Buddhismus. Einige der berühmtesten buddhistischen Kunstwerke (Statuen) im asiatischen Raum befinden sich hier. Vorherrschend ist die frühbuddhistische Theravada-Schule, die im 20. Jahrhundert auch maßgeblichen Einfluss auf die Buddhismus-Rezeption im Westen hatte. So fußen viele der Standardwerke der Vipassana-Meditation (zum Beispiel Nyanaponika: „Geistesschulung durch Achtsamkeit“) auf den Lehren birmanischer Dharma-Meister wie Mahasi Sayadaw, Chanmyay Sayadaw U Janaka, Ledi Sayadaw oder Sayadaw U Pandita. Zu den wichtigsten Heiligtümern zählen vor allem die Shwedagon-Pagode in Rangun, der Goldene Fels südöstlich von Bago und der Mount Popa in der Nähe von Bagan.

Zum Christentum bekennen sich nach offiziellen Angaben 4 % der Bevölkerung, vor allem in den Volksgruppen der Chin und der Karen, die einem im Jahre 2007 bekannt gewordenen Regierungsprogramm „zur Zerstörung der christlichen Religion in Myanmar“ zufolge, systematisch vertrieben werden sollen.[15] Besonders bei den ethnischen Minderheiten ist der Geisterglaube weit verbreitet (vgl. Weblinks: DLF).

Gesundheit, Bildung und Soziales[Bearbeiten]

Myanmar ist seit einigen Jahren eines der Länder mit besonders hoher AIDS-Zuwachsrate. Dies wurde von der Junta lange bestritten, was das Problem verschlimmerte. Ursachen sind vor allem die Prostitution besonders in Rangun und die verbreitete, aufgrund leicht zu beschaffender, inländischer Stoffe traditionelle Drogenabhängigkeit, die infolge der durch den jahrzehntelangen Bürgerkrieg eingetretenen gesellschaftlichen Zerrüttung noch verschärft wird.

Der Bildungssektor ist in Myanmar, das eine ausgesprochene Bildungstradition hat, unter dem Militärregime besonders stark geschrumpft. Mehrere Hochschulen wurden vorübergehend oder ganz geschlossen, vor allem aus Angst vor Studentenaufständen und vor der Kritik einer intellektuellen Elite. Lernfreiheit und freie Fächerwahl bestehen nicht, dafür ist es möglich, gewisse Fächer per Fernkurs zu studieren. Auch die Verbreitung von Büchern im universitären Bereich ist stark beschränkt, so kann etwa ein Medizinstudent keine Geschichtsbücher ausleihen etc.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Myanmars
Mingun-Tempel am Irrawaddy in Myanmar

Im 11. Jahrhundert gründete König Anawrahta das erste birmanische Reich. Im 19. Jahrhundert fiel Birma nach mehreren Kriegen unter britische Herrschaft. Der letzte König von Birma wurde mit seiner Familie durch die britische Besatzung ins Exil nach Indien geschickt, wo er auch starb. Birma wurde Teil von Britisch-Indien.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Birma von Japan okkupiert und ein Marionettenstaat errichtet. Nach Kriegsende 1945 wurde das Land von den Briten besetzt und erneut in ihr Kolonialreich integriert.

1948 wurde Birma in die Unabhängigkeit entlassen. Seither halten bewaffnete Konflikte in verschiedenen Landesteilen an, wo ethnische Minderheiten gewaltsam für mehr Autonomie oder Unabhängigkeit kämpfen. Nach einer kurzen demokratischen Phase bis 1962 wurde Birma von verschiedenen Militärregimen kontrolliert.

Von 1961 bis 1971 war der birmanische Politiker Maha Thray Sithu U Thant der dritte Generalsekretär der Vereinten Nationen. Als es wegen der Weigerung der Regierung Ne Win, ihm ein Staatsbegräbnis auszurichten, in Rangun zu Unruhen kam, wurden diese gewaltsam niedergeschlagen.

Am 18. Oktober 1965 verabschiedete der Revolutionsrat ein Gesetz, nach dem alle Wirtschaftsunternehmen verstaatlicht wurden. Wenig später wurden alle christlichen Missionare zum Ende des Jahres 1966 ausgewiesen.

Am 8. August 1988 gipfelten monatelange Unruhen (8888 Uprising) wegen der Wirtschaftspolitik des Militärs unter Führung von General Ne Win in der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten in der Hauptstadt Rangun mit mehreren Tausend Toten. Ein neues Militärregime unter General Saw Maung etablierte sich als Staatsrat für die Wiederherstellung von Recht und Ordnung (SLORC). 1989 wurde das Land in Myanmar umbenannt. Als 1990 bei demokratischen Wahlen die oppositionelle Nationale Liga für Demokratie (NLD) einen Erdrutschsieg errang, wurden die Wahlen vom Militärregime für ungültig erklärt, und es kam zu einer blutigen Niederschlagung von friedlichen Studentenprotesten. Das Regime blieb an der Macht.

Im November 2005 begann die Regierung mit der Verlegung des Regierungssitzes von Rangun nach Naypyidaw in der Nähe der Stadt Pyinmana (Mandalay-Division). Begründet wurde der Schritt offiziell mit der gegenüber Rangun zentralen Lage der neuen administrativen Hauptstadt. Inoffizielle Spekulationen reichten von der Furcht vor einer ausländischen Invasion vom Meer aus, über Einflüsse von Astrologen auf die Militärmachthaber bis zur Abschottung des Regimes aus Furcht vor möglichen neuen Volksaufständen.

In der Reihe der Kritiker des Regimes erschienen im Dezember 2005 erstmals auch die ASEAN-Staaten. Bereits im März 2005 hatte Myanmar auf die turnusmäßige Übernahme des jährlich wechselnden Vorsitzes innerhalb ASEAN zugunsten der Philippinen verzichtet. Ein von den USA im Weltsicherheitsrat eingebrachter Resolutionsentwurf, der das Militärregime zur Einhaltung der Menschenrechte und zur Freilassung aller politischen Gefangenen auffordern sollte, wurde im Januar 2007 mit den Stimmen der Vetomächte Volksrepublik China und Russland abgelehnt.

Die im August 2003 vom damaligen Premierminister Khin Nyunt verkündete „Road Map“ für den Weg zur Demokratie nahm mit der erneuten Einberufung der Nationalen Versammlung, die eine neue Verfassung erarbeiten sollte, ihren Lauf. Nach knapp zehnmonatigen Beratungen zwischen dem 17. Mai 2004 und dem 3. September 2007 erklärte der Vorsitzende der Kommission für die Einberufung der Nationalen Versammlung, Generalleutnant Thein Sein, dass man sich auf eine neue Verfassung geeinigt habe, die einen ersten Schritt zur Demokratisierung des Landes darstelle. Einen Termin für ein Referendum über den Verfassungsentwurf oder für freie Parlamentswahlen nannte er jedoch nicht.

Proteste in Myanmar 2007

Am 15. August 2007 wurden sämtliche Subventionen auf Kraftstoffe gestrichen. Die hierdurch auf bis zu 500 Prozent ansteigenden Preise für flüssigen Treibstoff und Gas waren der Anstoß zu Protestdemonstrationen, die sich bis Ende September auf das ganze Land ausweiteten. Sie wurden am 26. September gewaltsam niedergeschlagen. Dabei wurden nach unterschiedlichen Angaben zwischen zehn und mehreren Tausend Mönche und Demonstranten getötet.

Im Februar 2008 setzte die Militärjunta ein Referendum über die neue Verfassung im Mai 2008 an. Nach dem Terminplan sollten demokratische Wahlen 2010 stattfinden.[16]

In der Nacht zum 3. Mai 2008 wurden Teile des Landes durch den Tropensturm Nargis verwüstet. Es starben nach Regierungsangaben vom 24. Juni 2008 84.537 Menschen, 53.836 gelten als vermisst. Nach UNO-Schätzungen vom 9. Mai 2008 starben 63.000 bis 101.000 Menschen und rund eine Million wurde obdachlos. Die Militärjunta verweigerte Helfern den Zugang zum Irrawaddy-Flussdelta und beschlagnahmte Hilfsgüterlieferungen aus dem Ausland.

Staatschef von Myanmar, Thein Sein

Ungeachtet der Katastrophe führte das Regime am 10. Mai 2008 das Verfassungsreferendum wie geplant durch. Lediglich in den am schwersten betroffenen Gebieten wurde der Termin um zwei Wochen verschoben. Nach massiver Wahlfälschung und Einschüchterung verkündete das Militär schließlich eine 92,48-prozentige Zustimmung der wahlberechtigten Bevölkerung zur neuen Verfassung.

Am 7. November 2010 fanden die ersten Wahlen seit 1990 statt, woraufhin am 4. Februar 2011 der vorherige Premierminister Thein Sein zum ersten Präsidenten Myanmars seit 1988 ernannt wurde; dieser ist ein Than Shwe nahestehender General. Während die Parlamentswahlen von 2010 noch von der NLD boykottiert wurden, beteiligte sich die führende Oppositionspartei am 1. April 2012 erstmals seit 1990 wieder bei Parlamentswahlen. Bei den Nachwahlen wurden 45 der 664 Sitze in der Volksversammlung neu vergeben. 43 dieser 45 Sitze erhielt die Opposition mit der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.

Politik[Bearbeiten]

Politische Entwicklung[Bearbeiten]

Militärdiktatur 1988 bis 2010[Bearbeiten]

Am 18. September 1988 war die bisherige Verfassung der Sozialistischen Republik von 1974 außer Kraft gesetzt worden. Bis 2010 galt dieses Regierungssystem:

  • Staatsform: Militärdiktatur unter dem Namen „Staatsrat für Frieden und Entwicklung“ („SPDC“), bestehend aus elf Mitgliedern.
  • Staatschef: General Than Shwe (seit April 1992), Vorsitzender des „Staatsrats für Frieden und Entwicklung“.
  • Regierungschef: General Thein Sein.
  • Regierung: Kabinett bestehend aus 33 Ministern, überwiegend im Generalsrang, darunter Außenminister Nyan Win.
  • Parlament: Volksversammlung mit 485 für vier Jahre gewählten Abgeordneten (derzeit ausgesetzt).
  • Politische Parteien: Nationale Einheitspartei (NUP), hervorgegangen aus der Burma Socialist Programme Party von General Ne Win, Union Solidarity and Development Association (USDA) (regierungsnah, jedoch offiziell ohne Parteienstatus) sowie die Nationale Liga für Demokratie (NLD) und weitere acht Minoritäten-Parteien. Die NLD als wichtigste Oppositionspartei war zwischenzeitlich aufgelöst worden.

Verfassung[Bearbeiten]

Seit 1993 wurde über eine neue Verfassung beraten. Mit Verweis auf die fehlende Verfassung hatte die Militärregierung jahrelang freie Wahlen verhindert. Im Regierungsentwurf für eine neue Verfassung wurde als neuer offizieller Name Pyidaungsu Thamada Myanmar Naing-Ngan Daw (Republik der Union von Myanmar) vorgeschlagen. Außerdem wurde eine Änderung von Staatsflagge und Staatssiegel geplant. Die Diskussionen hierüber verzögerten die Fertigstellung der Verfassung bis zum 3. September 2007. Die Verfassung wurde im Mai 2008 zur Abstimmung vorgelegt. Diese schreibt immer noch Vorrechte des Militärs fest, etwa dass ein Viertel der Parlamentsmandate an Militärangehörige vergeben werden müssen.[17] Nach offizieller Lesart wurde diese Verfassung mit 92,48 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Erst am 22. Oktober 2010, rund zwei Wochen vor den für den 7. November 2010 angesetzten Wahlen, wurde der o.a. Namensvorschlag umgesetzt, zusätzlich wurden Flagge und Wappen geändert.

Durch ein im März 2010 von der Militärregierung veröffentlichtes Wahlgesetz war die führende NLD-Politikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi von den Parlamentswahlen am 7. November 2010 ausgeschlossen worden. Das Gesetz besagt, dass Strafgefangene, zu denen in Myanmar faktisch auch politische Gefangene gezählt werden, nicht Mitglieder einer politischen Partei sein dürfen. Gleichzeitig wurde die NLD dazu gezwungen, Aung San Suu Kyi aus der Partei auszuschließen, sollte sie an den Wahlen teilnehmen wollen. Obwohl das neue Gesetz auf internationale Kritik stieß, annullierte die Militärregierung gleichzeitig das Ergebnis der Parlamentswahl aus dem Jahr 1990, da es nicht mehr mit der neuen Verfassung übereinstimme. Die NLD hatte die Wahl im Jahr 1990 mit großer Mehrheit für sich entscheiden können. Erst auf internationalen Druck entließ die Militärregierung Myanmars Aung San Suu Kyi am 13. November 2010 aus ihrem insgesamt 15 Jahre währenden Hausarrest.

Am 7. November 2010 wurden erstmals auf Grundlage der Verfassung von 2010 Allgemeine Wahlen 2010 in Myanmar durchgeführt. Die Union Solidarity and Development Party stellt seit dem 4. Februar 2011 den Staatspräsidenten Thein Sein. Das Amt des Ministerpräsidenten ist bislang unbesetzt, Than Shwe hat somit kein politisches Amt mehr inne.

Demokratisierungsprozess[Bearbeiten]

Seit April 2011[18] sind in Myanmar die Anfänge eines Demokratisierungsprozesses zu verzeichnen. Anlass und Nahziel dieser neuen Politik ist die Lockerung der internationalen Handelsblockaden, die das Land in der Vergangenheit stark isoliert hatten. Unter anderem wurden nach Informationen des Europäischen Auswärtigen Diensts die große Mehrzahl politischer Gefangener freigelassen, neue Vorschriften im Arbeits- und Investitionsrecht erlassen, die Kontrolle der Medien gelockert und mehr als 120 Gewerkschaften genehmigt.[18] Im Juli 2013 kündigte Thin Sein die Freilassung aller politischen Gefangenen bis zum Jahresende an, die ersten der etwa 150 Gefangenen kamen daraufhin eine Woche später frei.[19]

Am 1. April 2012 fanden Nachwahlen statt, nachdem zahlreiche Abgeordnete Regierungsämter übernommen und insgesamt 157 Kandidaten von 17 Parteien sich für die Nachbesetzung der freigewordenen 45 Parlamentssitze beworben hatten. Anteilmäßig waren lediglich sechs Millionen Wähler des 54-Millionen-Volks zu diesen Nachwahlen wahlberechtigt. An der Zusammensetzung des Parlaments hat die Nachwahl kaum etwas geändert, da die neu gewählten Abgeordneten mit 45 von insgesamt 664 Abgeordneten nur sieben Prozent aller Mandate innehaben.[20] Die vom Militär dominierte „Union Solidarity and Development“ hat rechnerisch nach wie vor eine klare Mehrheit. Allerdings zog Aung San Suu Kyi als Spitzenkandidatin der Partei NLD im Ergebnis der Nachwahlen erstmals in das Parlament ein, – nicht ohne sehr kritisch darauf hinzuweisen, dass die neue Verfassung immer noch Vorrechte des Militärs festschreibt, etwa dass ein Viertel der Parlamentsmandate an Militärangehörige vergeben werden müssen.[17] Suu Kyi wurde auch Vorsitzende des Unterausschusses für Rechtsstaatlichkeit.[18] Die NLD gewann laut Medienberichten in 112 von 129 Wahllokalen die meisten Stimmen.[21] Dies wird vielerorts als Aufbruchzeichen für eine weitere Demokratisierung gewertet.[20]

Menschenrechte[Bearbeiten]

Menschenrechtsorganisationen werfen Regierung und Armee Menschenrechtsverstöße wie Zwangsarbeit, Zwangsräumung von Dörfern, Folter, Vergewaltigungen und Einsatz von Kindersoldaten in den bis heute andauernden Kämpfen gegen Aufständische vor, vor allem gegen ethnische Minderheiten wie die Karen. Auch manche Rebellengruppen sollen Kinder rekrutiert und Zivilisten zur Zwangsarbeit verpflichtet haben.

Für den Bau einer Gaspipeline von Myanmar nach Thailand durch Total und Unocal (Yadana-Projekt) sollen, um die Pipeline vor Überfällen zu schützen, die Dörfer in diesem Gebiet weiträumig zerstört und die Bevölkerung umgesiedelt worden sein.[22] Die belegten Fälle von Zwangsarbeit, Vertreibung und Mord führten zu Prozessen gegen die beiden Konzerne.[23]

Ende Juni 2007 hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) öffentlich der Regierung schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Normalerweise äußert das IKRK seine Kritik vertraulich, doch da die Machthaber Myanmars nicht auf die Vorwürfe reagierten, habe man die Vorwürfe publik gemacht. Neben der Misshandlung von Gefangenen wurde vor allem die Verfolgung der Karen kritisiert.[24]

Der muslimischen Minderheit in Myanmar, den Rohingya, wird die Staatsangehörigkeit verwehrt und ihre Bürgerrechte werden stark eingeschränkt. Von den Vereinten Nationen werden die Rohingya als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt bezeichnet.[25][26]

In der Rangliste 2011 von „Reporter ohne Grenzen“ zur Lage der Pressefreiheit lag Myanmar auf Platz 169 von 179,[27] verbesserte sich aber bis 2014 auf Rang 145 von 180.[28] Im August 2012 wurden die strengen Zensurregelungen gelockert. Veröffentlichungen müssen demnach nicht mehr vorab von der staatlichen Prüfbehörde genehmigt werden, die Zensurbehörde wurde allerdings nicht aufgelöst und publizierte Texte müssen nachträglich auch weiterhin bei der Prüfstelle eingereicht werden.[29] Am 1. April 2013 erschienen erstmal seit 1962 wieder private Zeitungen in Myanmar, zuvor hatte das Informationsministerium acht von 14 Bewerbungen um eine Lizenz stattgegeben.[30][31][32]

Außenpolitik[Bearbeiten]

Aufgrund seiner Lage befindet sich Myanmar seit seiner Unabhängigkeit in einer besonderen Beziehung zu seinen großen Nachbarn Indien und China.[33]

Myanmar unterhält seit 1988 eine besondere Beziehung zur Volksrepublik China, es besteht jedoch keine formelle Allianz. Lange Zeit war auch in offiziellen Stellungnahmen die Auffassung verbreitet, China betreibe seit 1994 auf den Großen und Kleinen Kokosinseln nördlich der indischen Andamanen und Nikobaren einen Stützpunkt für Fernmelde- und Elektronische Aufklärung (SIGINT) und einen Flugplatz. Zudem kursierten Gerüchte über einen (geplanten) U-Boot-Stützpunkt.[34] Allerdings haben sich diese Berichte mittlerweile als Fehlinformation herausgestellt.[35] Die Volksrepublik China hat außerdem Überlandstraßen zwischen der chinesischen Grenze und dem Zentrum Myanmars in der Mandalay-Ebene finanziert und deren Ausbau logistisch unterstützt. Diese Straßen sind panzertauglich konstruiert und sichern den Chinesen den strategischen Zugang zum Indischen Ozean.

Neben der militärischen Zusammenarbeit dient Myanmar den Chinesen auch als Transferroute für den Erdöl- und Erdgastransport aus dem Mittleren Osten, sowie als Lieferant von Strom u. a. Dabei besitzt das Land eine gehobene Relevanz für die chinesische Energiesicherheit, da über den Landweg die äußerst verwundbare Malakka-Straße zumindest zu einem Teil umgangen werden kann. Allein seit März 2010 wurden Investitionen der Volksrepublik China von knapp 8,2 Mrd. US-$ beschlossen, wovon rund 3,6 Mrd. US-$ auf den Bau des Myitsone-Wasserkraftprojekts im Kachin-Staat entfallen. Letzteres wurde 2011 unilateral von der Regierung Myanmars ausgesetzt, was zu einer deutlichen Abkühlung der bilateralen Beziehungen führte. Viele der maßgeblichen Geschäftsleute in Myanmar haben chinesische Wurzeln. Ein Beispiel dafür ist Tun Myint Naing, auch bekannt unter dem Namen Steven Law, der aus der Familie eines Drogenbarons stammt und gegenwärtig als der reichste Mann Myanmars angesehen wird. Ihm gehört die Firma Asia World, die den Zuschlag zu vielen der aktuellen sino-burmesischen Großprojekte (Tiefseehafen in Kyaukpyu, Erdölpipeline, Dammprojekte) im Land erhielt. Innerhalb der Bevölkerung Myanmars wird das chinesische Engagement jedoch als bedrohlich und ausbeuterisch angesehen. Es kursieren Berichte über Ausbeutung, Enteignungen Zerstörung der lokalen Infrastruktur sowie Missachtung jeglichen Umweltschutzes, so dass in vielen Gegenden des Landes eine anti-chinesische Stimmung herrscht.[36] Steven Law steht, neben verschiedenen anderen, der Junta nahestehenden Personen, seit 2008 unter US-amerikanischen Sanktionen.[37]

Militär[Bearbeiten]

Die Streitkräfte von Myanmar, Tatmadaw genannt, umfassen rund 428.000 Soldaten und 72.000 paramilitärische Kräfte wie die Grenztruppen und Spezialpolizeikräfte. Der Verteidigungsetat belief sich 2012 auf etwa 2,5 Milliarden US-Dollar und entsprach 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes.[38]

Das Heer ist in 13 Regionalkommandos gegliedert und umfasst 30 Infanteriedivisionen, zwei Panzerdivisionen und zehn Artilleriedivisionen. Zu ihrer Ausrüstung zählen rund 130 Kampfpanzer vom Typ T-72, über 300 Kampfpanzer chinesischer Nachbauten des T-54, rund 150 amphibische Panzer vom Typ PT-76 und 140 Radpanzer EE-9 Cascavel. Die Artillerie verfügt über ein Arsenal an verschiedenen älteren Typen von Haubitzen, Geschützen und Mehrfachraketenwerfern aus verschiedenen Produktionsländern. Die Luftverteidigung verwendet ebenfalls ältere Systeme sowjetischer Herkunft, wie etwa SA-6 Gainful und SA-11 Gadfly. Bedeutende moderne Systeme sind die SA-16 Gimlet, SA-18 Grouse und das russische Kurzstrecken-Luftabwehrraketen-System SA-15 Gauntlet (Tor M1).

Der Luftwaffe gehören 15.000 Soldaten an, gegliedert auf acht Luftwaffenstützpunkte und sechs Luftverteidigungssektoren. Sie ist ausgerüstet mit 52 Jagdflugzeugen des chinesischen Typs Chengdu J-7, mehr als 12 Kampfflugzeugen vom Typ MiG-29, 48 NAMC Q-5 (Nanchang A-5) und weiteren Flugzeugen.

Über den Umfang und die aktuelle Ausrüstung der Marine gibt es keine aktuellen Daten. Zur Verfügung stehen den offenbar 16.000 Soldaten mindestens drei Korvetten und eine größere Anzahl an Patrouillenbooten und U-Boot-Begleitbooten.

Verwaltung[Bearbeiten]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Kachin-Staat Sagaing-Division Mandalay-Division Chin-Staat Magwe-Division Rakhaing-Staat Kayah-Staat Bago-Division Yangon-Division Irawadi-Division Mon-Staat Kayin-Staat Tanintharyi-Division Shan-Staat Laos China China Bangladesch Indien Indien Thailand
Verwaltungsgliederung

Myanmar gliedert sich in sieben States und sieben Divisions. Die Landesteile, die überwiegend von der größten Volksgruppe Myanmars, den Bamar, besiedelt sind, heißen Division, die Bereiche, die überwiegend von Minderheiten bewohnt werden, State.

Die Minderheiten-States bilden zum überwiegenden Teil die Außengrenzen Myanmars; im Uhrzeigersinn beginnend im Südwesten:

Von den sieben Divisions verfügen zwei über Außengrenzen auf dem Festland, die übrigen fünf liegen entweder im Binnenland oder am Meer:

States und Divisions sind weiter untergliedert in Distrikte und Gemeinden.

Städte[Bearbeiten]

Größte Stadt des Landes ist mit 4.477.782 Einwohnern Rangun, das bis November 2005 auch Hauptstadt des Landes war. Seit Dezember 2005 waren die Regierungsbehörden nach und nach in eine neue Hauptstadt westlich der Kleinstadt Pyinmana, ungefähr 320 km nördlich von Rangun, verlegt worden. Am 6. Februar 2006 war der Umzug sämtlicher Ministerien offiziell abgeschlossen. Die neue Hauptstadt wurde am 22. März 2006 Naypyidaw (Heimstatt der Könige) benannt. Weitere große Städte sind Mandalay, Mawlamyaing, Bago und Pathein.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Täglicher Ölverbrauch einiger Länder in Südostasien, Liter pro Tag/Einwohner

Mit einem Bruttonationaleinkommen von 1400 Euro (2010) pro Einwohner gehört Myanmar zu den ärmeren Ländern der Welt. 70 % der Beschäftigten arbeiten in der Landwirtschaft; in ihr werden 43 % des BIP erzeugt, während die Industrie 20 % und der Dienstleistungssektor 37 % beitragen. Vor der Diktatur stand das Land wirtschaftlich sehr gut da und wurde auch „Kornkammer Südostasiens“ genannt, bekannt auch als Kupfer- und Edelsteinlieferant.

Durch die politische Öffnung Myanmars werden ausländische Firmen wie Nissan[39] oder The Coca-Cola Company[40] angezogen. Zuvor war Myanmar stark isoliert.

Wirtschaftslage[Bearbeiten]

Myanmar kämpfte lange Zeit mit einer starken Inflation; die einheimische Währung Kyat verlor im Zeitraum von 1990 bis 2001 durchschnittlich 34,6 % pro Jahr an Wert; in den Jahren 2002/03 beschleunigte sich die Inflationsrate auf durchschnittlich 46,9 %. Durch die wirtschaftliche Öffnung des Landes durch die Regierung konnte die Inflation drastisch gesenkt werden. Im Jahr 2009 betrug sie nur circa 1,5 %, für 2010 wuchs sie jedoch erneut auf 9,6 % an.[41] Der inoffizielle Wechselkurs zum US-Dollar spiegelt dies eindrücklich wider: Bis 2007 stieg der Preis für 1 US-$ auf 1.300 Kyat, während er 2010 im Mittel unter 1000 Kyat sank. Ende Juli 2011 lag er gar bei 785 Kyat / US-$.[42]

Ein großes Problem des Staates ist der hohe Grad an Korruption. Myanmar belegte 2011 den vorletzten Platz von 183 Staaten, die in der Korruptionsstatistik der Organisation Transparency International gelistet sind.[43] Ein anderes großes Problem sind die exorbitanten Ausgaben für Militär, Polizei und Geheimdienste, die seit Jahren über 50 % des Staatsbudgets ausmachen.

Steigende Lebensmittel- und Treibstoffpreise und die Willkürherrschaft des Regimes sorgen bei den Einwohnern für große Unzufriedenheit, die sich zumeist hinter vorgehaltener Hand, aber auch öffentlich äußert. Stromausfälle sind recht häufig.[44]

Außenhandel[Bearbeiten]

Die Handelsbilanz war für das Jahr 2010 mit Importen im Wert von 4,532 Milliarden US-$ und Exporten im Wert von 7,841 Milliarden Euro stark positiv. Beide Werte sind tatsächlich weitaus höher, da über die Grenzen zu Thailand, China, Indien und Bangladesch im großen Stil geschmuggelt wird. Wichtigste Exportgüter sind Erdgas sowie land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, während die Importe zu einem großen Teil aus Konsumgütern, Halbfertigwaren und Investitionsgütern bestehen. Aus dem Land geschmuggelt werden vor allem Drogen, Edelsteine, Holz und Reis, während ins Land vornehmlich Konsumgüter und Treibstoff gelangen. Eine ganze Reihe europäischer und amerikanischer Firmen haben sich wegen zu schlechter wirtschaftlicher Aussichten, wegen übertriebener Bürokratie oder der Menschenrechtslage aus Myanmar wieder zurückgezogen; dagegen expandieren besonders Firmen aus Japan, Korea, Singapur und China im Land.

Fast die Hälfte der Exporte geht nach Thailand (46,6 %); nächstkleinere Handelspartner sind Indien (12,9 %), China (9 %) und Japan (5,6 %). Größte Importländer dagegen sind China (33,1 %), Thailand (26,3 %) und Singapur (15,2 %). Der größte Importeur myanmarischer Waren in Europa ist Deutschland (Stand 2006: 102 Millionen Euro). Der Export nach Birma lag bei 32 Millionen Euro, was nach Meinung des Auswärtigen Amtes mit den schlechten wirtschaftlichen und politischen Bedingungen im Land zusammenhängt. Der Ostasiatische Verein, eine deutsche Unternehmerorganisation, ist seit 1997 in Rangun vertreten und plant eine Steigerung der unternehmerischen Aktivitäten.[45]

Bodenschätze[Bearbeiten]

In Myanmar werden hochwertige Jade und Edelsteine gefördert. Berühmt sind die Taubenblut-Rubine aus den Minen in der Nähe der Stadt Mogok. Dort kommen auch Spinell, Saphir und einige andere Minerale und Edelsteine in hervorragender Qualität vor. Einzigartig ist das Vorkommen von Painit. Gold wird ebenfalls gewaschen, wobei eine beträchtliche Menge davon von Pilgern in Form von hauchdünnen Blättchen auf Zedis (Stupas), Buddha-Statuen und den Goldenen Felsen geklebt wird.

Zudem förderte Myanmar 2011 täglich 20.200 Barrel Erdöl sowie jährlich 12,1 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Es wurden 2011 jedoch 40.620 Barrel an Erdölprodukten täglich verbraucht. Der Großteil der Ölprodukte muss importiert werden.[46] Die Ausbeutung und Weiterverarbeitung wird einerseits von der staatlichen Ölgesellschaft MOGE (Myanmar Oil and Gas Enterprise) vorgenommen und andererseits von ausländischen Ölkonzernen wie den französischen Konzernen Total und Elf sowie Texaco, Unocal, Amoco, British Premier of UK, Nippon Oil. Total baut mit Unocal eine Gaspipeline von Myanmar nach Thailand. Zwei Milliarden Dollar sollen dafür veranschlagt sein.[22]

Tourismus[Bearbeiten]

Myanmar bietet ein großes Angebot an Sehenswürdigkeiten. Die Shwedagon-Stupa in der früheren Hauptstadt Rangun ist die größte und vermutlich wertvollste Stupa der Welt. Sie ist vom Sockel bis zur Turmspitze mit Gold bedeckt.

Weitere Hauptattraktionen des Landes sind die weitläufigen Anlagen der alten Hauptstadt Bagan mit über 2000 Sakralbauten aus vier Jahrhunderten, der Goldene Fels bei Kyaikto im Mon-Staat, der Inle-See mit den in ihn hineingebauten Dörfern und die Stadt Mandalay als kulturelles Zentrum mit vielen Sehenswürdigkeiten auch in ihrer Umgebung. Eine davon ist die zweitschwerste freihängende läutbare Glocke der Welt, die „Mingun-Glocke“. Sie wurde 1808 auf Veranlassung König Bodawpayas angefertigt. Der im Westen gelegene Rakhaing-Staat beherbergt den Strand von Ngapali. Dieser Strand ist für Urlauber eines der beliebtesten Reiseziele.

Bekamen Touristen früher nur Visa für maximal eine Woche, so öffnete sich das Land vor einigen Jahren aus wirtschaftlichem Druck und wirbt zunehmend aktiv für den Devisen bringenden Tourismus. Dafür wurden Flughäfen und Straßen mithilfe von Zwangsarbeitern ausgebaut. Viele Menschenrechtsorganisationen und tourismuskritische Vereinigungen (beispielsweise Tourism Concern) riefen Touristen jedoch lang zum Boykott des Landes auf, da diese ihrer Ansicht nach durch Reisen nach Myanmar das Militärregime unterstützten und ihre Devisen nicht bei der Bevölkerung ankämen. Andere regierungsunabhängige Institutionen in Myanmar dagegen warnen vor einem Boykott, da viele Arbeitsplätze z. B. bei Hotels, Airlines, Restaurants, Souvenirgeschäften u.v.m. unmittelbar und mittelbar vom Tourismus abhängen und für diese Menschen von existenzieller Bedeutung sind. Auch sind Touristen eine wichtige Quelle unabhängiger Informationen, die sonst kaum den Weg in und aus dem Land finden.

Ein leichter Anstieg des Tourismus ist wahrscheinlich: Condor Flugdienst etwa plant wöchentliche Flüge ab dem Winterflugplan 2012/2013.[47]

Schattenwirtschaft[Bearbeiten]

An der Grenze zu Laos und Thailand hat Myanmar Anteil am sogenannten Goldenen Dreieck, in dem Schlafmohn angebaut wird, um aus ihm Opium zur Heroinproduktion zu gewinnen. Die Bedeutung Myanmars als Lieferant für den weltweiten Heroinmarkt ist zuletzt (2010) durch große Ernteausfälle der Drogenproduktion in Afghanistan und einer Vergrößerung der Anbauflächen wieder gestiegen.[48] Myanmar nimmt in der Welt eine Spitzenposition bei der Produktion von Amphetaminen ein, die auf chemischem Weg leichter, billiger und von der Witterung unabhängiger als Mohn produziert werden können. Sie werden in schwer auffindbaren Dschungel-Fabriken tonnenweise hergestellt und vor allem über Thailand und China in die ganze Welt exportiert. Teilweise sollen die Regierungsvertreter daran mitverdienen, indem mit den involvierten aufständischen Ethnien Waffenstillstände gegen Beteiligungen an den Einnahmen aus dem Drogenhandel ausgehandelt wurden.

Illegale Arbeit im benachbarten Thailand ist eine weitere inoffizielle Einkommensquelle. Insbesondere finden Menschen aus Myanmar als niedrig entlohnte Haushaltshilfen, Pflegerinnen und Kindermädchen Arbeit in Thailand.

Im März 2011 kam es im Grenzgebiet zu Thailand zu einem schweren Erdbeben. Das Militär hinderte ausländische Hilfskräfte daran, bis an den Ort des Epizentrums zu gelangen, was offensichtlich deswegen geschah, um Ausländern keinen Einblick in die Drogengeschäfte der Armee zu gewähren. Viele Bauern werden zum Opium-Anbau gezwungen. Es gibt andere Gegenden, in denen nicht das Militär das Sagen hat, sondern einzelne Rebellengruppen. Dort kontrollieren diese den Drogenanbau.[49]

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2010 Ausgaben von umgerechnet 2,95 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1,37 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 3,7 % des BIP.[50]

Die Staatsverschuldung betrug 2010 7,14 Mrd. US-Dollar und damit nur noch 16,6 % des BIP. Gegenüber dem Jahr 2004 (63,2 %) konnte sie damit stark abgebaut werden.[51]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Infrastruktur[Bearbeiten]

Flughäfen[Bearbeiten]

Myanmar verfügt derzeit über zwei internationale und 16 lokale Flughäfen, die von nationalen Fluggesellschaften bedient werden.[53] Der größte Flughafen befindet sich nördlich von Rangun. Auch die Stadt Mandalay besitzt einen internationalen Flughafen. Aufgrund des desolaten Straßennetzes und der Größe des Landes ist das Flugzeug das mit Abstand schnellste Verkehrsmittel im Land. Der Sicherheits- und Qualitätsstandard werden teilweise jedoch als rückständig beschrieben. Jüngst wurde daher ein Kooperationsvertrag mit der deutschen Fritz Werner Industrieausruestungen GmbH geschlossen, einige der wichtigsten Flug- und Seehäfen auszubauen bzw. zu modernisieren.[54]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Der Ursprung des fast ausschließlich in der Meterspur errichteten Eisenbahnnetzes geht auf die britische Kolonialzeit zurück. Die erste Eisenbahnlinie wurde 1869 zwischen Rangun und dem nordwestlich gelegenen Letpadan eröffnet. 1889 folgte die Linie von Rangun nach Mandalay, die später noch weiter nordwärts bis Myitkyina verlängert wurde.[55] Im Zweiten Weltkrieg ließen die Japaner von Kriegsgefangenen die sogenannte Todeseisenbahn von Thanbyuzayat nach Thailand errichten. Diese Strecke erlangte durch den Film Die Brücke am Kwai große Berühmtheit. Sie wurde aber bereits kurz nach Ende des Krieges demontiert. Heute hat das Streckennetz eine Länge von 5099 km (März 2008).[50] Grenzüberschreitende Linien existieren nicht. Rückgrat des Netzes ist die von Mawlamyaing über Rangun und Mandalay nach Myitkyina verlaufende Nord-Süd-Strecke. Innerhalb dieser Strecke kommt dem 622 km langen Abschnitt zwischen Rangun und Mandalay eine besondere Bedeutung zu, die sich unter anderem in seinem teilweise zweigleisigen Ausbau und dem Einsatz moderner und auch nach westlichen Gesichtspunkten komfortabler Expresszüge ausdrückt. Von der Nord-Süd-Strecke führen Stichstrecken unter anderem nach Lashio, Shwenyaung, Bagan und Pyay.

Fehlende Investitionen haben zum Verschleiß der Strecken geführt, so dass diese sich heute weitgehend in einem schlechten Zustand befinden. Der Verkehr wird von der staatlichen Gesellschaft Myanma Railways mit Diesellokomotiven abgewickelt. Dampflokomotiven wurden außerordentlich lange, bis etwa 2005 in großer Zahl eingesetzt. Die eingesetzten Züge erreichen oftmals nur Reisegeschwindigkeiten von 30 km/h oder weniger. Selbst die zwischen Rangun und Mandalay verkehrenden Expresszüge benötigen für die 622 km etwa 16 Stunden. Fahrpläne existieren zwar, sie sind aber für den täglichen Betriebsablauf kaum von Bedeutung, da Verspätungen von bis zu mehreren Stunden aufgrund des mangelhaften Streckenzustandes und wegen Unfällen an der Tagesordnung sind. Ebenso kommen aber auch Abfahrten mehrere Stunden vor dem Plan vor. Bei großen Verspätungen lässt die Bahngesellschaft auch schon einmal Züge ausfallen, um die Wagen- und Lokumläufe wieder zu ordnen. Angesichts einer Netzlänge von fast 4.000 km ist die Zahl der täglich eingesetzten Zugpaare mit etwa 100 vergleichsweise gering.

Myanma Railways hat seit 1988 folgende wichtige Strecken gebaut:

  • 199200000 Shwenyaung – Yauksauk (westlicher Shan-Staat (60,3 km))
  • 199300000 Aungban – Loi-kaw (164 km) (Kayah-Staat-Verbindung)
  • 1994–2006 Chaung-U – Pakokku – Kalaymyo (406 km) (Chin-Staat-Verbindung)
  • 1995–1998 Ye – Tavoy (177 km) (Tanintharyi-Division-Verbindung)
  • 1997–2003 Shwenyaung – Taunggyi – Mongne (Süd-Shan-Staat-Verbindung)
  • 199800000 Pyay – Aunglan – Satthwa (Magwe-Division) (145,4 km)
  • 201000000 Mong Nai – Keng Tung (Ost-Shan-Staat-Verbindung) (227,6 km)

Zurzeit sind die Strecken Kyangin (nördl. Irawadi-Division) – Pakokku (515 km) und Kathar – Bhamo (152 km) (Sagaing-DivisionKachin-StaatVolksrepublik China-Verbindung) im Bau.

Zum Zustand und Betrieb der Eisenbahn siehe die Reiseberichte.[56][57][58]

Straßennetz[Bearbeiten]

Der Straßenverkehr hat sich in Myanmar zum wichtigsten Verkehrsträger entwickelt. Das Straßennetz ist insgesamt 27.000 km lang (2005). Allerdings sind nur 3.200 km asphaltiert.[50] Der Straßenverkehr sieht sich mit schwierigen klimatischen Verhältnissen konfrontiert. Während der Regenzeit sind zahlreiche Straßen wegen Unterspülungen unterbrochen, in der Trockenzeit weicht die Hitze den Asphalt auf. Allerdings sind die Einheimischen sehr einfallsreich, um derartige Hindernisse zu überwinden.

Das Benzin ist rationiert. Privatfahrer erhalten offiziell nur neun Liter Benzin am Tag.[59]

Kultur[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Die klassische burmesische Musik unterscheidet sich trotz der frühen Einflüsse aus Indien und China und ab dem 18. Jahrhundert aus Thailand in Melodie und Rhythmus hörbar von der Musik der Nachbarländer. Zu den ersten Instrumenten, die mit der Ausbreitung des Buddhismus im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. aus Indien kamen, gehörten Vinas, das waren Stabzithern und Bogenharfen. Die alte Bogenharfe saung gauk hat als einzige dieser einst über Asien verbreiteten Instrumentengattung in Myanmar überlebt und genießt bis heute als Nationalinstrument höchste Wertschätzung. Die saung gauk ist ein Instrument für die Gesangsbegleitung in der feinen höfischen Kammermusik in geschlossenen Räumen, deren Tradition in der Liedsammlung Mahagita zusammengefasst ist. Ein großer Teil dieser Sammlung von etwa 500 heute bekannten Liedern geht auf Myawaddy Mingyi U Sa (1766–1853), den bedeutendsten Komponisten und saung-gauk-Spieler der Konbaung-Zeit zurück. Zur Kammermusik zählen auch kleine Instrumentalensembles, in denen außerdem das Xylophon patala (verwandt mit dem thailändischen ranat und dem kambodschanischen roneat), die Längsflöte palwe und die Zither do min eingesetzt werden.

Die klassische laute Musik für draußen, für Festveranstaltungen, Tänze und Geisteranbetungsrituale (Nat Pwe) bieten die hsaing waing-Ensembles. Sie bestehen aus dem namensgebenden Melodieinstrument, einem Kreis von 21 gestimmten Trommeln; einem Kreis mit 21 Buckelgongs (kyi waing oder kyi naung); ein weiteres Gongspiel (maung zaing), ebenfalls in einem Holzgestell; der Doppelrohrblattoboe hne (abgeleitet von persisch surnai) und diverse Trommeln als Rhythmusinstrumente. Bei zwei weiteren, in ländlichen Regionen bei Festen und religiösen Prozessionen gespielten Ensembles stehen große Trommeln im Vordergrund: das Ensemble der bis zu drei Meter langen Bechertrommel ozi und der Fasstrommel dhopat. Beide Gruppen verwenden außerdem Buckelgongs, Paarbecken und Bambusklappern.

Die verschiedenen Volksgruppen haben eigene Instrumente und eine eigene traditionelle Musik. Die Mon verwenden ein aus alter Zeit stammendes Zupfinstrument, die dreisaitige Stabzither mí-gyaùng saung, die sich von hier weiter in Südostasien verbreitet hat. Nach dem Aussehen wird sie Krokodilzither genannt.

Als erstes westliches Musikinstrument wurde Ende des 19. Jahrhunderts das Klavier (burmesisch: sandaya) eingeführt, bis 1920 hatte es zu einem großen Teil die Liedbegleitung von der saung gauk übernommen. Ähnlich erfolgreich war die Geige (burmesisch: deyaw), später kam die Hawaii-Gitarre hinzu. Alle musikalischen Übernahmen aus dem Ausland, ob es sich um Melodien, Tonskalen (die pentatonische Stimmung stammt aus Thailand) oder Instrumente handelte, wurden grundsätzlich den einheimischen Hörgewohnheiten angeglichen und trugen zur Erweiterung der eigenen Musik bei.

Westliche klassische Musik konnte sich nicht durchsetzen. Einer Rückbesinnung auf die eigene Tradition seit Beginn der nationalen Unabhängigkeitsbewegung in den 1920er Jahren steht die Begeisterung für westliche Popmusik bei der jüngeren Generation gegenüber. Deren weit verbreitete, lautstarke und teilweise auch gelungene Nachahmung mit auf Burmesisch verfassten bzw. übersetzten Texten lässt sich als Ausdruck eines Freiheitswillens verstehen. Die Popmusik wird von der Regierung politisch kritisiert und von der älteren Generation moralisch verurteilt.

Seit 1993 findet das staatlich finanzierte Soyaketi-Festival der darstellenden Künste jährlich im Oktober/November statt. In zweieinhalb Wochen werden Wettbewerbe in den Sparten Gesang, Instrumentalmusik, Gesangskomposition, Tanz und Marionettentheater durchgeführt.[60] Seit 2007 findet die Veranstaltung nicht mehr wie zuvor in Yangoon, sondern am neuen Regierungssitz in Naypyidaw statt.[61]

Feste[Bearbeiten]

Das größte und wichtigste Fest in Burma ist das burmesische Neujahrsfest Thingyan, das dem thailändischen Songkran entspricht. Im Volksmund auch als Wasserfest bezeichnet, wird es an drei hintereinanderfolgenden Tagen im April – dem heißesten Monat – mit viel Wasser gefeiert. Mit Wasserpistolen, Wassereimern und sonstigen mit Wasser gefüllten Behältern ziehen die Burmesen auf Ladeflächen von LKW oder zu Fuß durch die Stadt und machen jeden nass. Es gibt auch Umzüge, bei denen zu den zum Wetter passenden heißen Rhythmen getanzt wird.

Das Phaungdaw U-Fest wird zu Ehren Buddhas im Herbst auf dem Inle-See gefeiert. Dabei wird eine Buddha-Statue auf einer geschmückten Barke über den See gefahren. Phaungdaw-U gehört zu den schönsten und den farbenfrohesten Festen Myanmars.

Literatur[Bearbeiten]

  • Roland Bless: Divide et impera? Britische Minderheitenpolitik in Burma 1917–1948. 1990, ISBN 3-515-05654-8.
  • Alan Clemens: Der Weg der Freiheit. Aung San Suu Kyi – Friedensnobelpreisträgerin. Gespräche 1997.
  • Jens Freyler: Road to Mandalay – Reisen in Myanmar/Birma. 2000, ISBN 978-3-937274-39-3.
  • Hans Wilhelm Finger: Dhammayangyi – eine Reise ins Herz Birmas. Die Biographie eines Tempels, seiner Menschen und des Königreichs Pagan. Wiesenburg Verlag, Schweinfurt 2008, ISBN 978-3-937101-49-1.
  • K: Myanmar Culture, 2. Auflage 500 Exemplare November 2006, Today Publishing House, Yangon, Myanmar.
  • Bertil Lintner: Burma in Revolt – Opium and Insurgency since 1948. 1988, ISBN 974-7100-78-9.
  • Klemens Ludwig: Birma. Aktuelle Länderkunde. 1997, ISBN 3-406-39870-7, Neuauflage 2009, ISBN 978-3-406-58459-6.
  • Ma Thanegi: Pilgerreise in Myanmar. 2002, ISBN 3-293-20289-6.
  • Rolf Opalka: Burma im Griff der Militärjunta. In: Blockierte Demokratien in der Dritten Welt. Hrsg.: Gunter Schubert, Reiner Tetzlaff, 1998, ISBN 3-8100-2011-7.
  • Inge Sargent: Mein Leben als Sao Thusandi – Prinzessin der Shan. 1997, ISBN 3-404-61920-X – Autobiographischer Bericht einer Österreicherin, die bis 1962 in Birma lebte.
  • Klaus R. Schröder: Myanmar/Burma – Reisen im Land der Pagoden.
  • Donald M. Seekins: Historical Dictionary of Burma (Myanmar). The Scarecrow Press, Lanham (Maryland) 2006, ISBN 0-8108-5476-7.
  • Martin Smith: Burma. Insurgency and the politics of ethicity. 1991.
  • Herbert Tichy: Keine Zeit für Götter. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1967.
  • Shelby Tucker: Among Insurgents – Walking through Burma. 2000, ISBN 0-00-712705-7.
  • Thant Myint-U: Burma: Der Fluss der verlorenen Fußspuren. Eine persönliche Geschichte. C. Bertelsmann Verlag, München 2009, ISBN 3-570-01101-1.
  • Hans J. Wehrli: Zur Wirtschafts-Geographie von Ober-Burma und den Nördlichen Shan-Staaten. In: Jahresberichte der Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft in Zürich. Band 6 (1905–1906), S. 41 ff. (Digitalisat)
  • Udo Witzens: Aufstand der Mönche. Hintergründe der „Safran-Rebellion“ in Birma. Karlsruhe 2009.
  • Hans-Bernd Zöllner: Konflikt der Welt-Anschauungen: Die „Zwei Birmas“ seit Beginn der Kolonialzeit “. Berlin: regiospectra Verlag, 2011, ISBN 978-3-940132-30-7.
  • Hans-Bernd Zöllner: Birma zwischen „Unabhängigkeit zuerst – Unabhängigkeit zuletzt“. Lit Verlag, Münster 2000, ISBN 3-8258-4360-2.
  • Hans-Bernd Zöllner: Weder Safran noch Revolution – Eine kommentierte Chronologie der Demonstrationen von Mönchen in Myanmar/Birma im September 2007. Abera Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-934376-79-3.

Belletristische Werke:

  • Amitav Ghosh: Der Glaspalast. München 2000. Originalausgabe: The Glass Palace. Neu Delhi 2000.
  • George Orwell: Tage in Burma. Zürich 1982. Originalausgabe: Burmese Days. New York 1934.
  • Inge Sargent, Cecile G. Lecaux: Dämmerung über Birma – Mein Leben als Shan-Prinzessin. Unionsverlag, 2006, ISBN 3-293-20357-4.
  • Amy Tan: Der Geist der Madame Chen. München 2006. Originalausgabe: Saving Fish From Drowning. New York 2005.
  • Daniel Mason: Der Klavierstimmer Ihrer Majestät. Goldmann 2004, ISBN 3-442-45825-0.

Zum Namenskonflikt gibt es viele Meinungen und Ansichten in der wissenschaftlichen Literatur. Eine Auswahl:

  • Arthur Phayre: History of Burma. Bangkok 1998 (Nachdruck der Ausg. 1883), S. 2. (Bibliotheca orientalis – Burma; 7), ISBN 974-8299-00-7.
  • Christina Fink: Living Silence: Burma under military rule. Zed Books 2001. S. 4ff, 70 (Politics in Contemporary Asia), ISBN 1-85649-926-X.

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Myanmar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Myanmar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Myanmar – in den Nachrichten
 Wikivoyage: Myanmar – Reiseführer
Allgemein
Menschenrechte
Medien
Rundfunkberichte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. CIA World Factbook 2013
  2. World Economic Outlook Database, April 2012 des Internationalen Währungsfonds
  3. Human Development Report Office: Mali – Country Profile: Human Development Indicators, abgerufen am 23. Oktober 2014
  4. Duden − Deutsches Universalwörterbuch. 4. Auflage Mannheim 2001
  5. Should it be Burma or Myanmar? BBC news (englisch)
  6. Mental Culture in Burmese Crisis Politics: Aung San Suu Kyi and the National League for Democracy
  7. Ethnic Minorities and Nationalism in Southeast Asia (Version vom 28. Juli 2005 im Internet Archive)
  8. Interview mit Aung San Suu Kyi in Marie Claire (Version vom 16. Juni 2006 im Internet Archive)
  9. Birma, Burma und Union Myanmar In: Neue Zürcher Zeitung vom 25. September 2007  (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.nzz.ch
  10. Bericht bei heute.de
  11. Der Ständige Ausschuss für geographische Namen (StAGN)
  12. ' In: 141.74.33.52 (PDF-Datei)
  13. AFP: Myanmar envoy brands boatpeople 'ugly as ogres'
  14. Asia sentinel, Hong Kong: Myanmar's Outrageous Racism Excused
  15. Daily Telegraph: Burma 'orders Christians to be wiped out', 21. Januar 2007
  16. BBC News: Burmese junta sets voting dates, 9. Februar 2008.
  17. a b Vereidigung im Parlament von Myanmar: Suu Kyi ist jetzt offiziell Abgeordnete bei tagesschau.de, 2. Mai 2012 (abgerufen am 2. Mai 2012).
  18. a b c Antwort der Hohen Vertreterin für Außenpolitik der EU auf eine parlamentarische Anfrage des unabhängigen EU-Abgeordneten Hans-Peter Martin, abgerufen am 28. Februar 2013
  19. Myanmar lässt politische Gefangene frei
  20. a b Von Karl-Ludwig Günsche: Suu Kyis Wahlsieg in Burma: Triumph für die Demokratie. In: Spiegel Online. 1. April 2012, abgerufen am 23. Dezember 2014.
  21. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatNachwahlen zum Parlament in Birma: Aung San Suu Kyi gewinnt ihren Wahlkreis haushoch. In: Focus Online. 2. April 2012, abgerufen am 23. Dezember 2014.
  22. a b Kurier online: Westen stützt Herrschaft des Militärs, 26. September 2007
  23. Film „Total Denial“
  24. Rotes Kreuz prangert Birma offen an Bei: netzeitung.de vom 29. Juni 2007  (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv)[3] [4] Vorlage:Toter Link/www.netzeitung.de
  25. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatReligiöse Kämpfe in Birma: UN zieht Mitarbeiter ab. In: Focus Online. 12. Juni 2012, abgerufen am 23. Dezember 2014.
  26. S.M. Hali: Burmese Muslims’ unabated genocide. The Nation, 1. August 2012
  27. Reporter ohne Grenzen: Rangliste 2011
  28. reporter-ohne-grenzen.de: Rangliste: Birma
  29. tagesschau.de: Myanmar schafft die Zensur ab, 20. August 2012 (abgerufen am 20. August 2012).
  30. Deutsche Welle: Erste private Tageszeitungen in Myanmar erschienen (abgerufen am 1. April 2013).
  31. tagesschau.de: Öffnung des Zeitungsmarktes in Myanmar (Memento vom 1. April 2013 auf WebCite) (abgerufen am 1. April 2013).
  32. Anderen Quellen zufolge wurden 16 Lizenzen erteilt, so etwa Reuters und UPI.
  33. Alexander Dörffel: Myanmar im Spannungsfeld indisch-chinesischer Rivalität. (PDF; 256 kB), Dokumentation auf einer Seite des GIGA German Institute of Global and Area Studies, Juli 2003, abgerufen am 16. Juni 2012
  34. Bericht bei Federation of American Scientists
  35. Burma’s Coco Islands: rumours and realities in the Indian Ocean. Archiviert vom Original am 30. Dezember 2008, abgerufen am 15. Oktober 2014.
  36. anti-chinesische Stimmung
  37. US-amerikanische Sanktionen gegen S. Law
  38. a b c The World Factbook
  39. Nissan plant Produktion in Myanmar. Abgerufen am 15. Oktober 2014.
  40. Flaschendrehen für die Freiheit. Abgerufen am 15. Oktober 2014.
  41. The CIA Worldfactbook 2011 (englisch)
  42. The Irrawaddy (englisch)
  43. Index 2011 von Transparency International
  44. Dokumentation der Heinrich-Böll-Stiftung vom 3. Mai 2012, abgerufen am 16. Juni 2012
  45. Pressemitteilung auf oav.de, abgerufen am 16. Juni 2012
  46. CIA World Factbook: Burma
  47. Pressemitteilung vom 19. Januar 2012, abgerufen am 16. Juni 2012
  48. World Drug Report 2011; World Drug Report 2011 PDF
  49. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSascha Zastiral: Das Goldene Dreieck der Generäle. In: tagesspiegel.de. 28. März 2011, abgerufen am Dezember 2014.
  50. a b c CIA – The World Fact book: Burma Trans Burma (Zugriff 30. September 2006)
  51. Myanmar: Economic Policy Analysis
  52. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4
  53. Flughäfen in Myanmar
  54. Myanmar, Germany to cooperate in upgrading ports, airports (englisch)
  55. Mike’s Railway History: Burma’s Metre-gauge System, (Zugriff 30. September 2006)
  56. How to travel by train in Myanmar (Burma) – engl. Reisebericht
  57. Mit dem Salonwagen durch Myanmar – Reisebericht
  58. Deutsche Seite mit vielen Fotos von Dampflokomotiven (abgerufen am 13. Oktober 2009)
  59. Susanne Weingarten: Ein Land für die Götter. Die Zeit, 21. September 2006, S. 89
  60. Gavin Douglas: The Sokayeti Performing Arts Competition of Burma/Myanmar: Performing the Nation. In: The World of Music, Vol. 45, No. 1, (Contesting Tradition: Cross-Cultural Studies of Musical Competition) 2003, S. 35–54
  61. Cherry Thein: National performing arts competition remains in Limbo. Myanmartimes, 22. November 2010

21.195.45Koordinaten: 21° N, 95° O