Mycoplasma laboratorium

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Mycoplasma laboratorium ist eine Bezeichnung für ein bisher nicht existierendes, künstliches Bakterium mit einem minimalen Genom.[1] Als Strategie für die Herstellung wurde vorgeschlagen, ein Genom zu synthetisieren, das nur die essentiellen Gene einer Mycoplasma-Art enthält[2] und dieses Genom dann in Bakterienzellen, deren Genom entfernt wurde, einzufügen.[3] Die Bezeichnung Mycoplasma laboratorium ist zwar von den Mykoplasma-Bakterien abgeleitet, deren Genom sehr klein und bereits erforscht ist, stellt aber nur einen Arbeitstitel für das Projekt dar und ist kein offizielles Taxon.

Ein Ziel entsprechender Versuche ist es, festzustellen, wie groß die für einen lebenden Organismus mindestens notwendige Zahl von Genen ist, um Stoffwechsel, Wachstum und Fortpflanzung aufrechterhalten zu können. Ein Forscherteam von etwa 20 Wissenschaftlern um Craig Venter und den Nobelpreisträger Hamilton Othanel Smith erwartet, dass sich das resultierende Bakterium mit synthetischer DNA selbst replizieren wird. In einer publizierten Studie zerstörten sie Gene von Mycoplasma genitalium und beschrieben, dass 382 der 482 Gene dieses Organismus essentiell sind.[2] Derzeit laufen Experimente mit einer Variante mit 381 Protein codierenden Genen mit 580.000 Basenpaaren.[3]

Das künstlich hergestellte Minimalgenom soll nach dem Willen Craig Venters als Ausgangspunkt dienen, um Genomvarianten für Bakterien herzustellen, die in der Lage sind, wichtige biotechnologische Prozesse durchzuführen wie etwa die Gewinnung von Brennstoffen aus Zucker oder die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl A. Reich (2000): The search for essential genes. In: Res Microbiol. 151 Nr. 5, S. 319–324. PMID 10919511 doi:10.1016/S0923-2508(00)00153-4
  2. a b Glass, J.I. et al. (2006): Essential genes of a minimal bacterium. In: Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 103(2):425–430. PMID 16407165 doi:10.1073/pnas.0510013103
  3. a b Boening, Nies (2007): Der Billionen-Dollar-Organismus In: Technology Review.
  4. Gentechniker will künstliche Lebensform geschaffen haben. In: Sueddeutsche.de.

Quellen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]