Myelinscheide

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Aufbau einer Nervenzelle
Abbildung aus Gray’s Anatomy mit Querschnitten durch ein Axon im PNS mit einer Myelinscheide aus Schwann-Zellen

Die Myelinscheide (auch Markscheide; zu griechisch μυελός myelos ‚Mark’[1]) stellt eine um die Axone der Nervenzellen von Wirbeltieren gelagerte lipidreiche Schicht dar. Sie wirkt elektrisch isolierend. Im zentralen Nervensystem (ZNS) wird sie von Oligodendrozyten, im Bereich des peripheren Nervensystems (PNS) von den Schwann-Zellen gebildet. Sie besteht jeweils aus dem Myelin dieser Hüllzellen.

Im ZNS gehen vom Soma eines Oligodendrozyten Fortsätze aus, welche je einen Teilabschnitt eines Axons umhüllen. Deshalb kann ein Oligodendrozyt an den Myelinscheiden von etwa 10–50 Axonen beteiligt sein.[2]

Eine Schwann-Zelle im PNS hingegen umwickelt immer nur einen Teilabschnitt eines Axons, viele Schwann-Zellen liegen hintereinander mit ihrem Soma um ein Axon herum. Die Schwann-Zellen wachsen mit ihrem Soma während der Entwicklung der Myelinscheiden (Myelogenese oder Markreifung) je nach Typ der Nervenzelle 3- bis etwa 50-mal um den Nervenfortsatz herum und wickeln ihn dabei mit mehreren Lagen ein.[3] Dabei liegt eine Zellmembran­schicht unmittelbar auf der nächsten. Zwischen zwei protoplasmatischen, also inneren Blättern der Zellmembran ist normalerweise kein Cytoplasma mehr vorhanden. Sie sind miteinander zur Hauptlinie oder inneren Anlagerungslinie verschmolzen. Dort befindet sich das basische Myelinprotein.[2] Nicht verschmolzen sind die Zellmembranen an den Stellen der sogenannten Schmidt-Lantermann-Einkerbungen oder Myelininzisuren. Es handelt sich dabei um Reste von Cytoplasma, die sich als lichtmikroskopisch sichtbarer schmaler und schräg verlaufender Streifen durch alle Myelinschichten der Myelinscheide ziehen und für den Stoffaustausch über Gap Junctions miteinander verbunden sind.[2] Nach Ulrich Welsch haben auch die Myelinscheiden des ZNS Schmidt-Lantermann-Einkerbungen.[2]

Die in Myelinscheiden verlaufenden Nervenfasern werden als markhaltig, markreich, myelinisiert oder ummantelt bezeichnet. Die Funktion der Myelinscheide besteht im Schutz der Neuronen vor fremden Aktionspotentialen und der schnelleren Erregungs­ausbreitung durch die Saltatorische Erregungsleitung. Dabei werden die Umhüllungen der Neuronalaxone im Abstand von jeweils circa 0,2 bis 1,5 Millimeter von den sogenannten Ranvier-Schnürringen unterbrochen. Der Abschnitt zwischen jeweils zwei solchen Schnürringen wird bei peripheren Nerven entsprechend als Internodium (oder internodales Segment) bezeichnet.

Dadurch, dass Myelinscheiden isolierend wirken, verringern sie die Membrankapazität und verhindern Leckströme durch die Membran. Dadurch erfolgt die elektrotone Ausbreitung der Depolarisation innerhalb des Internodiums schneller und verlustärmer als in unmyelinisierten Nerven. Die Myelinscheide schützt das Axon ebenso vor Aktionspotentialen anderer Neuronen, die zufälligerweise dieses Neuron kreuzen.

Bei der Multiplen Sklerose und anderen demyelinisierenden Erkrankungen wird ebendiese Schutzhülle der Nervenzellen zerstört - im Fall der MS durch Autoantikörper wie Anti-MOG-Antikörper und Anti-MBP-Antikörper. Der entsprechende Vorgang wird als Demyelinisation bezeichnet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Renate Wahrig-Burfeind (Hrsg.): Wahrig. Illustriertes Wörterbuch der deutschen Sprache. ADAC-Verlag, München 2004, ISBN 3-577-10051-6, S. 590.
  2. a b c d  Ulrich Welsch: Sobotta Lehrbuch Histologie. Zytologie, Histologie, mikroskopische Anatomie. 2., völlig überarbeitete Auflage. Elsevier, Urban & Fischer, München u. a. 2006, ISBN 3-437-44430-1, S. 189.
  3.  Ulrich Welsch: Sobotta Lehrbuch Histologie. Zytologie, Histologie, mikroskopische Anatomie. 2., völlig überarbeitete Auflage. Elsevier, Urban & Fischer, München u. a. 2006, ISBN 3-437-44430-1, S. 186–188.