Myra (Lykien)

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36.25916666666729.985277777778Koordinaten: 36° 16′ N, 29° 59′ O

Reliefkarte: Türkei
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Myra/Demre
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Türkei

Myra ist eine antike Stadt in Lykien. Der Ort heißt heute Demre (früher Kale - das türkische Wort für Festung) und liegt in der Provinz Antalya in der Türkei. Bekannt ist Myra als Wallfahrtsort wegen des von dort stammenden Nikolaus von Myra (* 280/286 in Patara in Lykien; † 345/351).

Geschichte[Bearbeiten]

Römisches Theater in Myra

Myra war schon in klassischer Zeit von Bedeutung und ab der Zeit des Hellenismus eine der sechs größten Städte des Lykischen Bundes. Nach der Trennung Lykiens von Pamphylien unter Kaiser Theodosius II. (401–450 n. Chr.) wurde Myra Verwaltungshauptstadt und kirchliche Hauptstadt der Region. Artemis Eleuthera (Kybele) besaß in Myra ein Kultzentrum, das bei einem Erdbeben 141 n. Chr. zerstört wurde. Eine Inschrift des Opramoas von Rhodiapolis, der den Wiederaufbau des Theaters finanzierte, kennzeichnet ihren Tempel in Myra als den größten und prunkvollsten. Dies berichtet auch eine Legende vom eigenhändigen Abriss des Heiligtums durch Bischof Nikolaus im 6. Jahrhundert n. Chr.

Myra war Bischofssitz, ab 300 amtierte Nikolaus von Myra als Bischof.

809 wurde der Ort durch arabische Truppen unter Harun al-Rashid geplündert und verlor danach an Bedeutung. Während der Regentschaft des Alexios I. Komnenos (1081–1118) wurde Myra zeitweise von den islamischen Seldschukenherrschern erobert. Italienische Kaufleute aus Bari nutzten die unruhige Zeit, um die Gebeine des Heiligen Nikolaus in ihre Heimat zu überführen, wo sie am 9. Mai 1087 eintrafen. Fortan wurde Bari zur Pilgerstätte des St.-Nikolaus-Kultes.

Die Stadt wurde im Lauf der Jahrhunderte unter dem Schlamm des Demre-Flusses begraben; ihre Ruinen wurden in den Jahren 1965 und 1968 durch den deutschen Archäologen Jürgen Borchhardt erforscht.

Am 6. Dezember 2007 gestattete der türkische Kulturminister Ertuğrul Gunay dem griechisch-orthodoxen ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus I., einen Gottesdienst nach griechisch-orthodoxer Liturgie in der dem Heiligen Nikolaus geweihten Kirche von Demre zu feiern. Der letzte Gottesdienst in der Basilika hatte 2002 stattgefunden. Das Patriarchat stellte zwar jedes Jahr einen Antrag, erhielt jedoch fünf Jahre lang keine Genehmigung. Zusätzlich stellte der Kulturminister rund 25 000 Euro als Spende zur Verfügung, damit die Basilika, die in schlechtem Zustand ist, fertig restauriert werden kann.[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Felsengräber von Myra

Die erste Basilika von Nikolaus wurde im 6. Jahrhundert erbaut. Die heutige dreischiffige Basilika stammt im Kern aus dem 8. Jahrhundert. Konstantin IX. Monomachos (1000–1055) und Kaiserin Zoe erneuerten die Kirche. Ein Kloster wurde in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts erbaut, den Mönchen wurde die Pflege der Pilgerstätte übertragen.

Nikolaus’ Gebeine wurden 1087 von italienischen Kaufleuten nach Bari abtransportiert. Damit verlor die Kirche ihre Bedeutung nicht völlig, auch später noch suchten Pilger sie auf.

Die Kirche, die jahrhundertelang im Schlamm des Demre-Flusses versunken war, wurde 1863 vom russischen Zaren Alexander II. erworben und teilweise wiederhergestellt. 1963 wurde die östliche und westliche Seite der Kirche ausgegraben. Seit den 1990er Jahren finden weitere, türkische Grabungen an der Kirche statt. In ihrem Inneren finden sich byzantinische Fresken und Bauplastik sowie römische Sarkophage, die als Spolien wiederverwendet wurden. Vor der Kirche steht ein modernes Nikolaus-Denkmal.

Weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt sind das römische Theater und die lykischen Felsengräber.

Der alte Hafen von Myra, Andriake, 5 Kilometer südwestlich von Demre (heutiger Name: Bucht von Çayağzı) ist heute verlandet. Es handelt sich um eine frühhellenistische Gründung. Der Apostel Paulus wechselte hier im Jahr 59 n. Chr. auf seiner Reise nach Rom das Schiff. Die Hafeninfrastruktur wurde in der mittleren Kaiserzeit massiv ausgebaut. In spätantik-frühbyzantinischer Zeit erlebte der Hafen eine Blüte. Neben den sechs Kirchen wurden in dieser Zeit auch zwei Badeanlagen errichtet. In der frühbyzantinischen Zeit wurde beim Granarium Purpur gewonnen, wovon noch ein ausgedehnter Abfallhügel zeugt, der den einstigen Marktplatz teilweise überdeckt. Im frühen Mittelalter dürfte die Niederlassung aufgegeben worden sein, wobei die Gründe für diese Entwicklung nicht bekannt sind, sie mögen aber mit der zunehmenden Verlandung in Zusammenhang stehen.

Sehenswert ist das alte Granarium, eine Kornkammer, in der bis zu 6000 Kubikmeter Getreide gelagert werden konnten.

Ebenfalls sehenswert sind das nahegelegene Dorf Ücağız (Kekova) und das angrenzende Dorf Kaleköy (Simena). Lykische Felsgräber und Rankensarkophage sind dort – relativ gut erhalten – zu sehen.

In der Küstenregion ist das Tauchen zwar verboten, aber für Schnorchler ist die Gegend rund um Kekova reizvoll.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Borchhardt (Hrsg.): Myra. Eine lykische Metropole in antiker und byzantinischer Zeit; Istanbuler Forschungen, Bd. 30; Gebr. Mann, Berlin 1975. ISBN 3-7861-2209-1
  • Nevzat Çevik (Hrsg.): Arkeolojisinden Doğasına Myra/Demre ve Çevresi. T.C. Kültür ve Turizm Bakanliğı Yayını, Antalya 2010. ISBN 978-975-17-3517-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Myra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. AsiaNews: Finally a mass in the church of Saint Nicholas in Myra 5. Dezember 2007