Mythologie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mythologie (griech. μυθοι mythoi „Geschichten“, λέγειν legein „erzählen“, veraltet: Sagenwelt) bezeichnet die Gesamtheit der Mythen eines Kulturraumes oder eines Volkes, einer Region oder einer sozialen Gruppe sowie ihre systematische Darlegung in literarischer, wissenschaftlicher oder religiöser Form, mit kulturübergreifenden Unterteilungen in Astralmythologie, Zahlenmythologie, Eschatologie und andere. Das deutsche Wort „Mythologie“ erscheint erstmals 1712 in dem Buch Die teutsche Mythologie oder Beschreibung heidnischer Götter.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Mythologie beschäftigt sich auch mit der Frage nach der Herkunft der Mythen und ihrem Verhältnis zu anderen Erzählformen wie Legende, Sage oder Epos. Besonders Märchen enthalten oft Elemente von Mythen. Die Entwicklung der Mythen als erzählerische Gattung und ihre Transformation zu Märchen ist Gegenstand der Erzählforschung (Narratologie). Die Entstehung von Mythen ist auch Gegenstand der Psychologie, besonders der einst modernen Völkerpsychologie.

Soweit der Gegenstand der Mythen religiös gesehen wird, ist ihre Erforschung eng mit der Religionsgeschichte verbunden. Informationen aus Mythen sind wichtig zur Rekonstruktion religiöser Vorstellungen, die manchmal Inhalte unterschiedlicher mythologischer Ursprünge zu einem System verbinden. Joseph Campbell wies darauf hin, dass aus religiöser Sicht Mythos als „die Religion anderer Leute“ definiert werden kann. Insofern sei Religion „missverstandene Mythologie“. Das Missverständnis bestehe darin, dass „mythische Metaphern als Hinweise auf unumstößliche Tatsachen interpretiert werden“.[2]

Zentrale Themen von kosmogonischen Mythen sind die Erschaffung der Welt (Schöpfungsgeschichten) aus dem Urmeer, die Ordnung der Welt um einen Weltenberg sowie Prozesse der Zerstörung und anschließender Erneuerung dieser Ordnung, häufig in Verbindung mit dem Kampf unterschiedlicher Mächte (sowohl konkreter Göttergestalten, Himmel und Erde, als auch abstrakter Eigenschaften, wie gut und böse, hell und dunkel). Sie sind nicht als historische Wirklichkeit gedacht, sondern als Darstellung einer Struktur hinter der Wirklichkeit in sprachlichen Bildern, beispielsweise die biblische Genesis.

Ein anderer Schwerpunkt von Mythologien sind die Erschaffung des Urmenschen und von der ersten Menschen ausgehend die genealogische Ableitung von Herrschergeschlechtern, seltener von Göttern oder von anderen Völkern hohen Ansehens. Sie dienen der religiösen Herrschaftslegitimation und dem Zusammengehörigkeitsbewusstsein von Stämmen durch das „Wir-Gefühl“ gleicher Abstammung. Als Beispiel kann die altnordische Ynglingatal dienen (siehe auch Herkunftssage, Origo gentis).

Der britische Schriftsteller Robert Graves definierte Mythologie als „Erforschung jener religiösen oder heldenhaften Legenden, die in der Erfahrung des Studierenden so fremdartig sind, dass er sie nicht für wahr halten kann.“[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Portal: Mythologie – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Mythologie
 Wikisource: Mythologie – Quellen und Volltexte
 Commons: Mythologie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Mythologie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Betz: Vom „Götterwort“ zum „Massentraumbild‘. Zur Wortgeschichte von „Mythos“. In: Helmut Koopmann (Hrsg.): Mythos und Mythologie in der Literatur des 19. Jahrhunderts. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1979, S. 11–24 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, Direktlink zur Seite 11).
  2. Joseph Campbell: Myths from West to East. In: Alexander Eliot (Hrsg.): Myths. McGraw-Hill, New York 1976, ISBN 978-0070191938, S. 31.
  3. Richard Aldington (Hrsg.): New Larousse Encyclopedia of Mythology. Putnam, New York 1968, [ohne Seitenangabe] (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, ohne Seitenansichten).