Nähmaschine

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Die Nähmaschine dient zur mechanischen Herstellung einer Naht.

Die Anschaffung einer eigenen Nähmaschine ermöglichte es breiten Bevölkerungskreisen, Kleidung billig selbst herzustellen.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Zusammenspiel von Nadel und Faden[Bearbeiten]

Animation der Nahterzeugung

Zur Herstellung einer Naht innerhalb eines Gewebes werden ein oder mehrere Fäden (Nähgarn) durch Nähen miteinander verknüpft, wobei der so genannte Oberfaden zuvor mit einer Nadel durch das Gewebe geschoben wird.

Ein Greifer übernimmt nach dem Durchstich der Nähnadel durch das Nähgut einen Teil des zunächst an der Nadel anliegenden Oberfadens; dieser muss dem Greifer zuvor zugänglich gemacht werden. Das erfolgt meist durch den Schlingenhub, eine Nadelbewegung, die nach dem unteren Totpunkt der Nadel in Richtung Ausstich erfolgt und den Faden von der Nadel löst.

Einfacher Schnellnäher, Doppelsteppstich mit Kapsellüfter und Untertransporteur, Nähfuß mit Teflon belegt
Erzeugung einer einfachen Naht

Die nun folgende Verschlingung bei der Doppelsteppstichmaschine geschieht entweder durch Hindurchführen eines Spulenfadenwickels zwischen Nadel und großgezogener Fadenschlinge, wobei Spulenfaden abgewickelt wird, oder durch Umführen der Fadenschlinge um einen Spulenwickel. Das Bild zeigt die Umführung einer Fadenschlinge eines einfach vertikal umlaufenden Greifers um einen Spulenfadenwickel zur Bildung des Doppelsteppstiches. Die meisten heute gebauten gleichförmig umlaufenden Greifersysteme machen zwei Umdrehungen pro Stich, allerdings werden auch Greifersysteme mit drei Umdrehungen pro Stich gebaut. Die horizontal umlaufenden Greifersysteme erlauben das Wechseln der Spule von oben. In preiswerten Haushaltsnähmaschinen werden oft auch oszillierende Greifersysteme eingesetzt.

Nähmaschine „Singer Symphonie 300“, 2005

Bei Kettenstichmaschinen wird anstelle des Spulenwickels der nächste Nadeleinstich verwendet, um die Verschlingung zu erzielen.

Einfaden-Kettenstich

Das Bild rechts zeigt die Stichbildung eines Einfaden-Kettenstiches, wie sie auch heute noch vielfach bei Knopfannähern, Stielumwicklern, Punktheftmaschinen, Reihmaschinen etc. in der nähenden Industrie eingesetzt wird. Wenn der Greifer fadenführend ist, so spricht man vom „Doppelkettenstich“. Allerdings wird bei dieser Stichart die Nadelfadenschlinge durch den Greiferfaden verkettet; der Greiferfaden selbst wird durch den nächsten Einstich der Nadel verkettet, so dass eine Doppelverkettung erzeugt wird. Dazu muss die Nadel präzise in das „Fadendreieck“ stechen, was voraussetzt, dass sich die Schlinge des vorhergehenden Nadelfadens und der Greiferfaden in einer bestimmten, stabilen Position befinden, um die Verkettung zu ermöglichen. Oft wird mit mehreren Nadeln und einem Greiferfaden gearbeitet (Unterdecknaht), auch Oberfadenleger werden in Kombination eingesetzt.

Überwendlichmaschinen haben meist zwei Greifer, die beide fadenführend sein können. Sie arbeiten um die Versäuberungskante herum, die Verkettung durch die Nadel geschieht auf der Nähgutoberseite, während die Verkettung von Doppelkettenstichmaschinen auf der Unterseite unterhalb der Stichplatte erfolgt. Pelznähmaschinen arbeiten ebenso um die zu vernähenden Stoffkanten herum. Hier kommen sowohl Maschinen mit nur einem Greifer (Einfaden - Kettenstich) als auch andere Greifersysteme zum Einsatz. Üblich ist hier der Transport des Nähgutes mittels angetriebener horizontaldrehender Teller.

Die maschinell hergestellte Handnaht vernäht einen kurzen Faden, der jeweils in das Nadelöhr eingefädelt wird. Zwei Nadelzangen, die oberhalb und unterhalb des Stoffes arbeiten, schieben und ziehen die Nadel wechselweise durch den Stoff. Das Nadelöhr befindet sich in der Nadelmitte, die beiden Nadelenden sind spitz.

Diese Naht wird auch mittels einer Nähmaschine mit Hakennadel erzeugt; der Haken befindet sich am Ende der Nadel in der Nähe der Nadelspitze. Damit der Haken keine Beschädigungen am Stoff verursacht, ist er während des Durchstichs durch das Nähgut durch einen beweglichen Schieber verdeckt. Der Nähfaden wird oberhalb des Nähgutes in den Nadelhaken eingelegt; dazu wird der Schieber betätigt, um den Haken freizugeben. Nach dem anschließenden Verschließen des Hakens durch den Schieber wird der Nähfaden auf die zu vernähende Länge abgeschnitten. Es erfolgt der Durchstich der Hakennadel durch das Nähgut. Jetzt gibt der Schieber den Faden zur kompletten Übernahme auf den Greifer und der Fadenzange frei. Der nächste Stich ist ein Leerstich. Danach wird der Faden durch die Fadenzange wieder in den Haken der Nadel eingelegt, sodass der folgende Stich wieder ein Stich mit Nähfaden wird (Punktstich).

Die Länge der Fäden, die vernäht werden können, ergeben sich durch die Größe des Greiferweges, der das Durchziehen des Nähfadens durch das Nähgut nach jedem Stich übernimmt (kleiner als 1 m).

Die imitierte Handnaht erzeugt eine Einfaden - Kettenstichnaht und arbeitet mit einer Hakennadel und einer Nadel mit Öhr.

Passive oder aktiv angetriebene Nadelanschläge tragen wesentlich zur Stichsicherheit bei, da bei der Aufnahme des Nadelfadens auf den Greifer dieser ganz dicht an der Nähnadel vorbeigeführt werden muss, ohne die Nadel zu berühren. Weitere Stichbildungsorgane wie Spannung, Fadenhebel und Fadenscheibe dienen der Kontrolle und zum Spannen der Fäden. Bei Doppelkettenstichmaschinen werden auch Spreizer eingesetzt, um den Greiferfaden durch die Nadel sicher verketten zu können.

Stichlänge und Stofftransport[Bearbeiten]

Untertransporteur mit Stichplatte und teflonbeschichtetem Nähfuß
Untertransporteur bewegt den Stoff (im Bild nach links)

Für jede Nähgutart werden geeignete Transporteinrichtungen zum Erzeugen einer Stichlänge oder Stichfolge gebaut. Der bei Haushaltnähmaschinen meist alleine arbeitende Untertransporteur weist den Nachteil auf, dass nur die untere Stofflage angetrieben wird, während der Nähfuß die obere Stofflage bremst. Das führt zu unerwünschten Stofflageverschiebungen, die durch geschicktes Ziehen (Dehnen) der unteren Stofflage während des Nähens teilweise ausgeglichen werden können. Pfaff baut daher eine Haushaltnähmaschine mit zusätzlichem Obertransporteur, der diesen Fehler teilweise kompensiert. Bei Overlockmaschinen und Überwendlichmaschinen werden oft zwei im Weg differenziert einstellbare Untertransporteure eingesetzt, wobei der vordere Transporteur das Ziehen (Dehnen) der unteren Stofflage übernehmen kann. Diese Maschinen werden auch mit zusätzlichem Obertransporteur eingesetzt. Der zusätzliche Obertransporteur ist in der Industrie weit verbreitet und wird auch durch angetriebene Walzen, Räder oder Bänder im oder am Nähfuß verwirklicht. Wenn zusätzlich zum Untertransporteur die Nähnadel nach dem Durchstechen mit transportiert, so spricht man vom Nadeltransport. Die Transportwirkung der Nähnadel zum Verringern von Stofflageverschiebungen ist allerdings nur bei unelastischem Nähgut wirksam.

Im Lederwarenbereich werden teilweise Dreifachtransportmaschinen verwendet. Hier kommt der Untertransporteur wie auch der Obertransporteur zur Wirkung, wobei zusätzlich die Nadel während des Stichbildungsvorgangs mit transportiert. Ein Haltefuß hebt sich während des Transportvorgangs und hält das Nähgut beim Leertransport fest (alternierender Transport). Stehen keine ausreichenden Transportorgane zur Verfügung, können Nähfüße mit Teflon belegt werden; auch Rollfüße sind im Einsatz. In der Schuhindustrie sind auch angetriebene Rollfüße üblich. Gängige Praxis war früher das Pudern von Lederwaren oder Einölen von Plastikmaterial, wenn kein ausreichender Transport vorhanden war. Auch reibungsminderndes Papier wurde teilweise mitgenäht. Diese Praxis ist beim Nähen von Samt im Haushaltbereich auch heute noch üblich.

Bauformen[Bearbeiten]

Maschinentypen[Bearbeiten]

Die Grundform der Nähmaschine ist die rechtsständige Flachbettnähmaschine. Für besondere Arbeitsgänge sind entsprechende Nähmaschinenformen entwickelt worden, die wie folgt zu unterscheiden sind: Flachbett-, Sockel-, Säulen-, Freiarm- und Blocknähmaschine. Es wurden auch vereinzelt linksständige Nähmaschinen gebaut, und die Armmaschine unterteilt sich in Freiarm-, Armabwärts- und Armaufwärtsnähend; die Säulenmaschine gibt es in mehreren Säulenhöhen und -Konstruktionen als auch mit drehbarer Kurbelsäule in verschiedenen Ausführungen.

Nähautomaten arbeiten meist mit Werkzeugen, die für spezielle Arbeitsvorgänge, wie z. B. das Erzeugen eines Knopfloches, das Annähen von Knöpfen oder eine definierte Verriegelung konstruiert werden. Es werden oft Messer eingesetzt, um mit dem Arbeitsgang Nähen andere Arbeitsgänge zu koppeln. Weit verbreitet ist das gleichzeitige Beschneiden der Nahtkanten beim Vernähen. Hier kommen meist ein bewegliches Obermesser und ein feststehendes Gegenmesser zum Einsatz, wobei große Standzeiten erreicht werden, wenn eines der beiden Messer aus Hartmetall besteht. Knopflochmaschinen schneiden in der Regel die genähten Knopflöcher vor oder nach dem Nähen automatisch auf. Doch es werden auch Messer bei anderen Näharbeiten eingesetzt, weil der Einschnitt zur Naht genau bestimmt werden kann. Die meisten Industrienähmaschinen haben automatische Fadenabschneider eingebaut. Knopfannäher können mit automatischer Knopfzufuhr ausgestattet werden. Vollautomaten, die ohne Bedienpersonal auskommen, sind nur selten verwirklicht worden; Textilien, die keine vorherbestimmbaren Positionen einnehmen, eignen sich nicht gut zur Automatisierung. Allerdings werden für viele spezielle Arbeiten entsprechende Halbautomaten eingesetzt.

Aufstellung von Industrienähmaschinen[Bearbeiten]

Die Ablösung der Kraftübertragung durch Transmission durch elektrische Einzelantriebsmotoren an jeder Nähmaschine ermöglichte die flexible Integration von Nähmaschinen in unterschiedlichste Fertigungsabläufe. Die Serienfertigung zur Beschickung des Näharbeitsplatzes erfolgt durch vielfältige Warentransporteinrichtungen, auch Schiebesysteme oder Hängesysteme. Entsprechende Arbeitsplatzgestaltungen erfolgen oft mit entsprechenden Ablagen oder Tischen und werden für den entsprechenden Nähprozess speziell gestaltet.

Die meisten Industrienähmaschinen werden mit einem 4-beinigen Eisengestell und einer darauf befestigten Tischplatte zu einer auf dem Fußboden stehenden transportablen Näheinheit montiert. Der elektrische Antriebsmotor befindet sich dabei oft unter der Tischplatte, die Kraftübertragung erfolgt dann über Keilriemen. Manchmal werden Elektroantriebe auch direkt in oder an die Nähmaschine integriert. Der Fußboden, auf dem die Näheinheit steht, dämpft dabei die Vibrationen der beweglichen Teile, auch wenn diese auf Gummipuffern gelagert sind. Je nach Anforderung sind auch andere Näheinheiten üblich. So werden Nähmaschinen zum Verschließen von Tüten oder Säcken in halbautomatische oder vollautomatische Abfülleinrichtungen integriert; auch hängende Nähsysteme sind hier üblich. Zum manuellen Verschließen von Säcken werden Handnähmaschinen verwendet; die Energiezufuhr des integrierten Antriebs erfolgt über flexible Stromkabel, Batterie oder Druckluft.

Antriebstypen[Bearbeiten]

Der Antrieb einer Nähmaschine erfolgt heute mit einem Elektromotor. Diese Bauart ist aber nicht zwingend notwendig, die gleiche Maschine kann auch per Pedal durch die Füße der nähenden Person angetrieben werden. Platzsparende Tischnähmaschinen hatten vor der Elektrifizierung eine Handkurbel mit Übersetzung. Einer Umdrehung der Kurbel entsprachen drei Stiche.

Der Antrieb von Haushaltnähmaschinen erfolgt heute generell durch Elektromotoren, die bei der einfachsten Bauart (Anlassermotor) durch einen einstellbaren, meist als Pedal ausgeführten, Vorwiderstand in der Größenordnung bis 1000 Ohm die elektrische Leistung und somit die Drehzahl der Nähmaschine fast stufenlos begrenzen. Weit verbreitet sind auch elektronische Leistungsregler, wobei teilweise auch die Nadelstellung beim letzten Stich in eine definierte Position gebracht werden kann. Bei automatischer Nadeltiefstellung sowie Nadelendstellung entfällt der Griff der rechten Hand zum Handrad, um dieses manuell zu drehen; um z. B. die Nadel in das Nähgut zu stechen, um dieses um die eingestochene Nadel zu bewegen, oder um das Nähgut nach dem letzten Stich zu entnehmen, wobei nicht nur die Nadel in Hochstellung sein muss, sondern der Fadenhebel den Nadelfaden aus dem Greifer gezogen haben soll. Dieser soll sich dann in Höchststellung (oberer Totpunkt) befinden.

Antriebsmotoren von Industrienähmaschinen sind in der einfachsten Bauart ähnlich denen von Haushaltnähmaschinen aufgebaut. Um ein schnelles Beschleunigen und Abbremsen der Wellen in der Nähmaschine zu ermöglichen, werden Drehstrommotoren mit Kupplungs- und Bremsscheibe eingesetzt (Kupplungsmotor). Hier läuft der Rotor des Elektromotors nach dem Einschalten immer in der Nähe der Solldrehzahl, die durch die Motorkonstruktion vorgegeben ist. Die Abtriebswelle ist mit einer Bremsscheibe und einer Kupplungsscheibe ähnlich der von Kraftfahrzeugen ausgerüstet. Die Drehzahl wird durch Kuppeln oder Bremsen von Null bis auf ein Maximum reguliert, ein Keilriemen überträgt die Kraft auf das Handrad der Nähmaschine. Bei Nähmaschinenhalbautomaten mit Stichfolgen wurden Kupplung und Bremse auch in den Antrieb der Nähmaschine eingebaut.

Der Einsatz von automatischen Fadenabschneidern bei der Doppelsteppstichnähmaschine erfordert ein genaues Positionieren des Handrades, wobei definierte Drehzahlen einzuhalten sind. Zunächst wurden dafür Kupplungsmotoren mit Hilfsantrieben eingesetzt, später dann Kupplungsmotoren mit selbstregelnder (elektronisch betätigter) Kupplung und Bremse und nochmals später dann auch Energiesparmotoren ohne separate Abtriebswelle und ohne mechanische Kupplung/Bremse, die nur bei Nähmaschinenbetrieb mittels Strom anlaufen/bremsen. Diese benötigen ein großes Drehmoment, um zu kurzen Beschleunigungs- und Bremszeiten zu kommen. Zur Regelung der Nähmaschinendrehzahl und der Bestimmung ihres Drehwinkels wird immer ein Geber in der Nähmaschine (oft am Handrad) montiert, die der Elektronik die erforderlichen Signale übermittelt, während die Solldrehzahl meist mittels Pedal eingestellt wird. Dieses lässt sich meist nach zwei Seiten betätigen; vorwärts, um zu nähen, und rückwärts, um die Nähfäden automatisch abzuschneiden. Ein zweites Pedal wird oft für die Funktion Nähfuß heben verwendet, wobei die bedienende Person immer beide Hände für das Nähgut frei hat. Heute werden je nach Anforderung unterschiedliche Regelungen eingesetzt, wobei auch Stichfolgen und Fotozellenerkennung zum Einsatz kommen.

Der Einsatz von Mikroprozessoren ist in Nähmaschinen weit verbreitet. Bei Haushaltmaschinen übernehmen sie heute teilweise viele Funktionen; so werden über Stellmotoren der Zickzackantrieb bzw. der Überstich, die Kulisse für die Stichlänge, das Heben und Senken des Nähfußes sowie Stickrahmen bewegt. Über Bedieneinheiten können Nähmuster abgerufen werden, in hochpreisigen Maschinen sind Diskettenlaufwerke zum Abrufen von Stickmustern eingebaut. Auch Schnittstellen zum Anschluss an einen PC wurden verwirklicht.

Bei Industrienähmaschinen sind die Elektromotoren meist mikroprozessorgesteuert; Eingänge und Ausgänge können oft sehr flexibel konfiguriert werden. In Nähautomaten werden heute oft Schrittmotoren eingesetzt; der Antrieb erfolgt über einen speziellen Rechner mit entsprechend leistungsfähigen Ausgängen. Die Auflösung ist in der Regel ein zehntel Millimeter in Richtung jeder Achse. So können bei Riegel- und bei Knopflochmaschinen entsprechend der Größe des Nähfeldes schnelle Musterwechsel vorgenommen werden oder auch spezielle Stichfolgen erstellt/verändert werden. Zum Annähen von Etiketten, Zusammennähen von Serien können individuelle Werkzeuge angefertigt und das Nahtprogramm dazu erstellt werden. Stickmaschinen werden auch als Mehrkopfmaschinen betrieben; hier kann das Programm gleichzeitig mit mehreren Nähmaschinen genäht werden. Auch großflächige Nähfelder sind in der Steppdecken- und Bettenherstellung üblich.

Stichtypen[Bearbeiten]

Zickzack-Naht mit jeweils zwei Zwischenstichen (Nutzstich)

Zum Nähen nutzt die Maschine spezielle Nähmaschinennadeln.

Je nach Maschine gibt es verschiedene Stichtypen, z. B. nur mit einem Faden wie beim Einfachkettenstich. Bei Haushaltsnähmaschinen wird zumeist der Doppelsteppstich verwendet. Aber auch Overlock und Doppelkettenstich sind gebräuchlich. Nach einem internationalen Katalog werden sechs Stichtypenklassen unterschieden, die in der »DIN 61 400« ISO 4915 aufgeführt sind. Grundsätzlich wird zwischen elastischen und unelastischen Nähten unterschieden. Die Nähte sollen immer elastischer als das Nähgut sein, um bei Beanspruchung (Dehnung) nicht zu reißen. So kommt bei unelastischen, z. B. gewebten Stoffen meist der Doppelsteppstich zum Einsatz; die Nahtfestigkeit ergibt sich aus der Garnstärke, der eingestellten Spannung und der Anzahl der Stiche. Diese Stichart kann nur begrenzt elastisch gestaltet werden; Verfahren wie Zickzacknähen oder Zwischenstiche (Nutzstich) erhöhen die Menge des eingearbeiteten Nähfadens und somit die Elastizität. Diese weit verbreitete Stichart ist mit viel Störung behaftet; der Spulfadenraum ist begrenzt, was zu häufigem Spulenwechsel führt; der Nadelfaden wird gerade bei kleinen Stichlängen und geringem Fadenverbrauch pro Stich sehr häufig durch das Nadelöhr gezogen, was zu starkem Nadelfadenverschleiß während des Nähvorgangs führt.

Bei Maschenware kommen meist Doppelkettenstichnähmaschinen zum Einsatz. Diese Stichart ist durch die schlingenförmige Stichbildung und dem dadurch größeren Fadeneintrag pro Stich gerade bei kleinen Stichlängen sehr elastisch und ist dieser Nähgutart meist besser angepasst als der Doppelsteppstich. Durch die wesentlich geringere Anzahl der Passagen des Nadelfadens durch das Nadelöhr ergibt sich ein geringer Nadelfadenverschleiß während des Nähvorgangs; auch ist der Durchstich durch lockeres Nähgut weniger problematisch. Es kommen daher nicht nur hochwertige, gezwirnte Nähfäden zum Einsatz, sondern sehr häufig auch preiswerte Multifil-Endlosgarne, auch texturiert (Bauschgarn), die mit 150 Umdrehungen pro Meter gedreht sein sollten.

Geschichte[Bearbeiten]

Technische Vorläufer[Bearbeiten]

Wie alle Maschinen hat auch die Nähmaschine eine längere Entwicklungszeit hinter sich. Früher gebrauchten die Menschen Gräten zum Nähen. Später waren die Nadeln aus spitzen Knochen oder Horn mit einem Öhr. Erst im 14. Jahrhundert gelang es, eine Nadel aus Eisen herzustellen. Sie war jahrhundertelang das wichtigste Werkzeug für die Herstellung von Kleidern.

Bis 1830 nähte man mit der Hand. Der Beruf des Schneiders war sehr geachtet und der Name eines guten Schneiders bedeutete den Damen der Gesellschaft einiges. Ein geübter Schneider konnte 30 Stiche in der Minute machen.

Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts beschäftigte man sich damit, die Nähnadel durch eine Maschine zu bewegen. Die ersten mechanischen Experimente zur Herstellung einer Naht wurden von dem in England lebenden Deutschen Charles Frederick Wiesenthal 1755 durchgeführt. Seine Idee war, die Handnähbewegung von einer Maschine ausführen zu lassen und dafür eine zweispitzige Nadel mit Öhr in der Mitte einzusetzen. Diese Nadelform wurde später auch von Joseph Madersperger, John James Greenough und anderen benutzt. Sie findet auch heute noch in der Stickindustrie Verwendung. Archivunterlagen zufolge hat Wiesenthal jedoch nie eine arbeitsfähige Nähmaschine fertiggestellt.

Erste Anfänge[Bearbeiten]

„Nähhand“ des Josef Madersperger um 1825, Technisches Museum Wien
Die Nähmaschine aus der Zeitschrift Die Gartenlaube von 1853
Stichplatte, Füßchen und Transporteur einer Nähmaschine
Eine der ersten Pelznähmaschinen Electra, entwickelt von Joseph Priesner in Berlin 1872

Die erste arbeitsfähige Nähmaschine für Schuhmacher baute der Engländer Thomas Saint 1790, der seinen Entwurf patentieren ließ. Die Maschine war ganz aus Holz und hatte eine Gabelnadel, einen Vorstecher und eine Hakennadel. Sie nähte damit einen Kettenstich.

Auch in Deutschland gab es Erfinder, die die mühsame Handnäharbeit durch Maschinenarbeit ersetzen wollten. Unter ihnen war Balthasar Krems aus Mayen im Rheinland (Eifel) wohl der bedeutendste. Um das Jahr 1800 konstruierte der Deutsche ebenfalls eine Kettenstichnähmaschine, die erstmalig eine Nadel mit dem Öhr an der Spitze und einen gesteuerten Greiferhaken hatte. Ein interessantes Konstruktionsmerkmal war der Stachelradtransport für das Nähgut, der durch Anwendung eines Pausengetriebes fortlaufend schrittweise arbeitete. Die Maschine war allerdings nur für die so genannten Jakobinermützen einsetzbar, die Krems industriell herstellte. Sein letztes Modell, das etwa 300 bis 350 Stiche in der Minute nähen konnte, ist erhalten geblieben und steht im Genovevamuseum in Mayen.

Erster Nähmaschinenfabrikant der Welt war der Franzose Barthélemy Thimonnier. Er entwickelte 1829/30 sein am 17. Juli 1830 patentiertes Nähmaschinengrundmodell Couseuse, dem weitere bessere Modelle folgten. In demselben Jahr ging Thimonnier mit seinem Partner Ferrand nach Paris und gründete die Societé Germain Petit und Cie, die einerseits diese neuen Nähmaschinen in Serie herstellen sollte, andererseits gleichzeitig für die französische Militärverwaltung Uniformen produzierte. Die mit über achtzig Nähmaschinen arbeitende Gesellschaft war erfolgreich. Nur Thimonnier hatte ein Problem: Er wurde mit der Abwesenheit von Heimat und Familie nicht fertig und verließ Paris 1831 fluchtartig. Der Hersteller Germain et Petit arbeitete noch Jahrzehnte weiter – die oft erzählte Zerstörung der Fabrik hat nach Archivunterlagen niemals stattgefunden.

Auch das Abenteuer in Manchester endete in gleicher Weise. Hier sollte Thimonnier den neuentwickelten Cousobrodeur für das Unternehmen Lakeman in Serie bauen, flüchtete jedoch nach wenigen Monaten zurück nach Amplepuis zu seiner Familie. Auf den Weltausstellungen in London und Paris wurde deutlich, dass Thimonnier den Zug der Zeit durch unverständliches Verhalten und langes Zögern verpasst hatte. Er starb am 5. Juli 1857 verarmt in Amplepuis. Originalnähmaschinen von Thimonnier stehen im Museum von Amplepuis und in der Sammlung Doyen in Lyon.

Von 1807 bis 1839 arbeitete der Kufsteiner Joseph Madersperger an der Herstellung und Verbesserung seiner Nähmaschine. Diese war zuerst mit einer zweispitzigen Nadel mit dem Öhr in der Mitte ausgestattet, er entschied sich jedoch im Laufe der Entwicklung für die öhrspitzige Nadel. Seine hervorzuhebende Erfindung aber war eine schiffchenähnliche Einrichtung zur Erzeugung des Doppelstiches. Leider gelang es ihm nicht, die Öffentlichkeit damals zu überzeugen. Er verstarb 1850 im Armenhaus in Wien. Sein einfaches Grab ist heute noch im Friedhof St. Marx zu besichtigen.

Ähnlich erging es dem Amerikaner Walter Hunt im Jahre 1834. Er entwickelte die erste Maschine, die mit zwei Fäden arbeitete und auch mit einem Schiffchen ausgestattet war. Zu seinem Bedauern brachte er allerdings seine Maschine nicht zum Laufen. Das erste US-Patent für eine auch zur Lederverarbeitung geeignete Nähmaschine erhielt John James Greenough am 21. Februar 1842. Ihm gelang jedoch kein wirtschaftlicher Erfolg.[1]

Eine besondere Herausforderung war die Entwicklung einer Pelznähmaschine, da die Verarbeitung von Leder und Pelzen durch die Härte und unterschiedliche Materialstärke kompliziert wird. 1870 begann das Berliner Unternehmen von Joseph Priesner mit ersten Versuchen. Zwei Jahre später konnte er die erste Pelznähmaschine der Welt auf den Markt bringen. Sie trug die Typenbezeichnung Ia und fertigte mit zwei Fäden eine feste, geschlossene Naht, die aber noch nicht dehnbar genug war. Priesner präsentierte auf der Weltausstellung 1873 die Electra I a und wurde mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.[2]

Industrielle Herstellung[Bearbeiten]

Nähmaschine von Howe im Nähmaschinenmuseum Sommerfeld
Nähmaschine vor 1904 (Langschiff Nähmaschine Unterfaden Führung mit einem Schiffchen)

Im Jahre 1846 baute wiederum ein Amerikaner namens Elias Howe eine nach dem gleichen Prinzip arbeitende Nähmaschine. Diese Maschine leistete die Näharbeit von vier bis sechs Handnäherinnen. Gerechterweise muss man Elias Howe als den Erfinder der Doppelsteppstich-Nähmaschine bezeichnen. Man geht auch bis zur heutigen Zeit davon aus, dass Howe die eigentliche Entwicklung der Nähmaschine zu verdanken ist. Es war in Boston um 1839, als der verarmte Mechaniker Elias Howe, der Schwierigkeiten hatte, seine Frau und die drei Kinder zu ernähren, seinen Chef zu einer Kundin sagen hörte: „Wer da jemals eine Maschine erfände, die nähen kann, der machte ein Vermögen!“ Diese Idee ließ Howe nicht mehr los. Er beobachtete die Finger seiner Frau und versuchte zuerst, deren Handbewegungen maschinell umzusetzen. Der erste Versuch schlug fehl, aber er ließ sich nicht entmutigen. Er tüftelte so lange herum, bis er eine Nähmaschine gebaut hatte, die 250 feste Stiche in der Minute nähte. Bei einem Wettbewerb gegen geübte Handnäherinnen nähten die Näherinnen 50 Stiche pro Minute, seine Maschine jedoch 300. Aus Mangel an Geld wurde sie mit Patentversprechen von seinem Bruder verkauft. Patentiert wurde sie aber am 1. Dezember 1846 in London auf den Namen von W. Thomas.

Dennoch fand er niemanden, der sie kaufen wollte, und führte seine Maschine auch zwei Herstellern vor. Diese schreckten jedoch vor dem Preis von 300 US-Dollar zurück und fürchteten zur gleichen Zeit die Drohungen der Schneidergilde. Da er in Amerika nichts erreichen konnte, reiste er mit seiner Familie nach England, weil er sich dort mehr Chancen ausrechnete.

Zwei Jahre später kehrte er ärmer denn je in die USA zurück; die Schiffspassage verdiente er sich als Schiffskoch. Angekommen, erlebte er eine bitterböse Überraschung: In den zwei Jahren, die er fort war, hatte ein gewisser Isaac Merritt Singer, ebenfalls ein Mechaniker aus Boston, eine Nähmaschine erfunden und patentieren lassen, die man nun in den Geschäften für 100 Dollar kaufen konnte. Howe focht das Singer-Patent an. Der Prozess zog sich allerdings in die Länge. Der Richter kam schließlich zu dem Ergebnis, dass die Gewinne der Nähmaschinen Singers geteilt werden mussten, und so erhielt Howe bis zu seinem Tod mit 48 Jahren jede Woche 4000 Dollar an Patentgebühren. Da Howe auch die übrigen Patentprozesse gewann, machte ihn seine Erfindung schließlich doch noch zu einem reichen Mann.

Erfolgreiche Markteinführung durch den Hersteller Singer[Bearbeiten]

Singer 15/15K Nähmaschine (um 1920)
Das Herz einer Nähmaschine: rotierende Unterspule und Greifer

Es ist das Verdienst der von Isaac Merritt Singer 1851 gegründeten I. M. Singer & Co., dass die ersten Nähmaschinen nach Howes Idee fabrikmäßig hergestellt wurden. Der Unternehmensinhaber machte somit die Nähmaschine populär und sorgte auch für dementsprechenden Absatz. Eine weitere Erfindung dieser Firma ist der Verkauf auf Abzahlung: Edward Clark, Partner von Singer, entwarf 1856 den Ratenkaufplan, den Prototyp für Ratenzahlungsverkäufe. Singer war zu dieser Zeit ein gescheiterter Erfinder, der eine Buchstabenschnitzmaschine nicht verkaufen konnte. Er arbeitete deshalb in der Nähmaschinenwerkstatt von Orson Phelps, der die Nähmaschine von Blodgett und Lerow herstellte. Diese Maschinen hatten denselben Nachteil wie die Nähmaschine von Howe: Sie nähten nur soweit, wie die Nähschiene reichte – also etwa 30 bis 40 cm. Singer änderte die Konstruktion durch eine senkrechte Nadelstange, eine waagerechte Antriebswelle und einen kontinuierlichen Stofftransport. Das Patent für diese Änderungen machte die Einrichtung einer Werkstatt durch die Partner Phelps, Zieber und Singer möglich. Dass Singer sich zusätzlich zum Vermarktungsgenie entwickelte, ist bekannt. Die Zahlungen an Howe jedoch beruhten auf einem früher für Howe patentierten Bauteil, das Singer von Blodgett übernommen hatte. Auch alle anderen Hersteller mussten Abgaben an Howe dafür zahlen.

Die Partner Grover und Baker in Amerika erhielten am 11. Februar 1851 das Patent Nr. 7931 für die Zweifadenkettenstich-Nähmaschine. Der Kunsttischler Wilson hatte schon Jahre zuvor eine vorwärts und rückwärts nähende Maschine entwickelt, für die er 1850 sein erstes Patent erhielt. Die Auswertung war jedoch unmöglich, weil das verwendete doppelspitzige Schiffchen bereits geschützt war. Wilson tat sich deshalb mit Wheeler zusammen und konstruierte einen rotierenden Greifer mit Spule, der 1851 patentiert wurde. Aus diesem wiederum entstand dann 1852 die erste Nähmaschine mit Umlaufgreifer, gebogener Nadel und Hüpfertransport. Der amerikanische Techniker Walter House hat die Grunderfindung, den umlaufenden Greifer, dann später weiterentwickelt.

James Gibbs, ein Farmer aus Virginia, entwickelte in zwei Jahren eine neuartige Kettenstichnähmaschine und ließ sie 1856 patentieren. Mit Willcox zusammen verbesserte er die Maschine und ließ sie serienmäßig herstellen. Weil sie preisgünstig war, fand sie für damalige Verhältnisse großen Absatz und wurde kaum verändert bis fast 1930 gebaut. 1887 brachte das Unternehmen Willcox & Gibbs eine neue Nähmaschine mit dreimal pro Stich umlaufenden Greifer mit Brille auf den Markt. Am 17. April 1873 erhielt Eduard Ward das Patent für seinen Arm und die Plattform. Im Jahre 1885 verbesserte der Techniker House den Umlaufgreifer von Wilson. Die Gebrüder Mack entwickelten im gleichen Jahr den Standard-Greifer, einen umlaufenden Greifer, der durch zwei Stifte bewegt wird, die wechselweise in geeignete Bohrungen im Greiferboden eingreifen. Ähnlich wie der Standard-Greifer der Gebrüder Mack funktioniert der Umlaufgreifer von White, der aus dem Jahre 1900 stammt. Er läuft in einer geneigt liegenden Bahn und wird durch wechselndes Eingreifen von Treiberstiften bewegt.

Weiterentwicklung zur Haushaltsnähmaschine[Bearbeiten]

Kaum beeinflusst wurde die Entwicklung der Haushaltsnähmaschine durch die Konstruktion der ersten deutschen Zickzacknähmaschine im Jahre 1882 durch John Kayser (englische und amerikanische gab es schon länger). Die Kaysersche Nähmaschine war zu umständlich und zu störanfällig. Die Zickzacknähmaschine setzte sich erst nach 1930 durch – entscheidend war die Konstruktion des Mechanikermeisters Handschuh. Die Naht unterscheidet sich von der Naht der Geradstichmaschine dadurch, dass sie elastischer ist und Verwendung bei Spezialarbeiten findet.

1893 wurde in der Schweiz die erste Hohlsaummaschine bei den Gebrüdern Gegauf gebaut, Erfinder war Fritz Gegauf. Wenige Jahre später entstand dann die neue Nähmaschinenfabrik Fritz Gegauf AG, die bis heute noch Nähmaschinen baut. Ab 1932 hießen diese Maschinen BERNINA. Ab 1946 bauten die Brüder Gegauf in Steckborn (Schweiz) die erste Zickzack-Freiarmnähmaschine der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Nähmaschinen für den Hausgebrauch mit Nutz- und Zierstich-Automatik auf, die mit Kurvenscheiben gesteuert wurden. Durch die Kupplung einiger weniger Kurvenscheiben ließen sich hunderte Zierstichmuster auf rein mechanischem Wege erzeugen.

Ab 1986 wurde die erste Bernina-Nähmaschine elektronisch via Schrittmotoren angesteuert. Dadurch mussten die Nutz- oder Decor-Stiche nicht mehr von Hand eingestellt werden. Die Nähmaschine wandelt sich zum Computer, die mit dem Modell Bernina 830 das Highlight der Nähbranche darstellt. Es ist eine Haushaltsnähmaschine mit einem ansteckbaren Stickmodul und integriertem Windows CE. Diese Maschine kann an den Computer und an das Internet angeschlossen werden. 2005 kam das Modell Bernina aurora mit der Weltneuheit, dem Bernina-Stich-Regulator auf den Markt. Diese Maschine reguliert die gleich bleibende Stichlänge beim Quilten.

Das Unternehmen Tavaro S. A. in Genf baute 1940 die erste transportable elektrische Freiarmnähmaschine nach den Patenten von Casas, der bereits fünf Jahre zuvor die erste Vorserie hatte herstellen lassen. Nach vielen sehr erfolgreichen Modellen ist Elna-Tavaro inzwischen auch Vergangenheit.

Die Entwicklung der Haushaltsnähmaschine[Bearbeiten]

Die Koffernähmaschine Freia entworfen von Ernst Fischer, VEB MEWA Ernst-Thälmann-Werk Suhl, 1948

Waren Haushaltsnähmaschinen in der Anfangszeit den Industrienähmaschinen recht ähnlich, so entwickelten sie sich im Laufe der Zeit doch in völlig andere Richtungen. Zunächst nur vorwärtsnähend (zum Rückwärtsnähen wurde der Nähfuß leicht angehoben und das Nähgut mit der Hand bewegt) setzte sich auch bei der Haushaltsnähmaschine der Stichumsteller zum Rückwärtsnähen als auch die Zickzackkulisse zum ZZ-Nähen durch. Dann trennten sich die Vorgaben; während sich die Industrienähmaschinen hauptsächlich auf die speziellen Belange der Textil- und Lederwarenindustrie einstellte und "Spezialmaschinen" baute, haben sich im Haushaltsnähmaschinenbereich die Overlockmaschine mit Kantenbeschneideeinrichtung zum Versäubern und Zusammennähen von Stoffkanten sowie die Blindstich- oder Pikiermaschine zum "unsichtbaren" (nicht durchgestochenem) Nähen als nennenswerte Haushalt-Tisch-Spezialmaschine entwickelt. Dagegen wurde die "Standardhaushaltsnähmaschine" oft mit Funktionen oder Merkmalen der "Industrie-Spezialmaschinen" versehen. Es entstanden Haushaltsnähmaschinen mit Vorrichtungen zum einfachen Erzeugen eines Knopfloches bis zur Knopflochhalbautomatik; Ziermuster entwickelten sich zum "Nutzstich", mit denen man z. B. elastische Stoffe oder Rocksäume einfach bearbeiten konnte. Sticken, Stopfen, "Freiarm", mit zwei Nadeln nähen können; eine Vorrichtung zum einfacheren Einfädeln des Nadelfadens in das Nadelöhr; das Aufspulen des Unterfadens durch die Nähnadel, ohne die Spule herausnehmen zu müssen, um nur einige zusätzliche Funktionen zu nennen. Das Graugussgehäuse wurde durch leichtere Aluminiumgussgehäuse ersetzt, was das Gewicht reduzierte und die Akzeptanz der platzsparenden "Koffernähmaschine" (Tischnähmaschine) erleichterte. Wurden die mechanischen Teile der erweiterten Funktionen zunächst durch immer größere Montageöffnungen in den Gusskörper eingebaut, ersetzte man bei den Generationen der Elektronikmaschinen (Computer, Tipptasten) meist die "klassische Form" des Nähmaschinengusses durch eine offene Blockvariante, bei der die Zusatz- und Antriebselemente heute an allen Seiten angebaut werden. Um das Aussehen einer Nähmaschine nicht zu verlieren, wird hier mit Gehäuseschalen die Maschine verkleidet (Design). Diese Maschinen haben meist keine Ölstellen mehr; man geht davon aus, dass die Werksschmierung dauerhaft ist. Gleichzeitig wurde generell an der Verringerung der Herstellungskosten gearbeitet; Metallkegelräder und andere Teile wurden oft durch Kunststoff ersetzt, oder die Konstruktion wurde auf andere Systeme wie Antriebsgurte oder Zahnriemen umgestellt; zwangsläufige Bewegungen der Nadelstangenschwinge wurden teilweise durch Federrückstellung ersetzt; Metallteile des Greifers wurden teilweise durch klemmfreien Kunststoff ersetzt, und kostengünstige Greifersysteme wurden entwickelt. Dadurch ergaben sich oft Veränderungen in der Langlebigkeit der Maschinen oder Maschinenteile, auch die Stichpräzision sowie die Stichsicherheit ist teilweise konstruktiv schlechter geworden, zumal, wenn auf die Stabilität der Stichbildungsorgane und präzise einstellbare Nadelanschläge verzichtet wurde und die vertikale Bewegung des Untertransporteurs konstruktiv zu ungünstigen Zeitpunkten erfolgt.

Geräusch einer elektrischen Haushaltsnähmaschine?/i

Die Strukturkrise der Nähmaschinenindustrie[Bearbeiten]

Über 200 Unternehmen in Deutschland beschäftigten sich mit dem Bau von Nähmaschinen. Namen wie Müller, Naumann, Seidel, Opel, Köhler, Adler und Phönix gehören zu ihnen. Die deutsche Nähmaschinenindustrie hatte im letzten Jahrhundert einige Krisen zu überstehen. Zunächst waren da die beiden Weltkriege, die dazu führten, dass nahezu alle Nähmaschinenfabriken ihre Produktion auf kriegswichtige Dinge umstellen mussten. Der Verlust des gesamten Außenhandels war nach den Kriegen nur schwer wieder gutzumachen. Um 1948 stiegen dann bekannte Unternehmen, die ihre angestammte Produktion nicht fortführen durften, auf Nähmaschinen um – Messerschmitt, Zündapp und Elac gehörten dazu. Schon nach wenigen Jahren wurde der Markt nun eng, einerseits durch eine größere Zahl von Herstellern, andererseits wurde Fertigkleidung immer preiswerter, so dass es nicht mehr lohnend war, seine Kleider und Wäsche selbst zu nähen. Hinzu kam, dass die ersten preiswerten Nähmaschinen-Fernostimporte in den Großhandelsunternehmen auftauchten. Der entstehende Preiskrieg führte zu Zusammenschlüssen der deutschen Unternehmen – Apha (= Anker, Phönix, Adler) – oder auch zu Arbeitsgemeinschaften mit Japanern – Adler-Toyomenka und Ähnliches – und endete dann in den siebziger Jahren mit der Produktionseinstellung bei fast allen deutschen Unternehmen. Nur Pfaff blieb zunächst verschont, endete aber später ebenso wie Singer und Elna. Pfaff-Haushaltsnähmaschinen werden nunmehr von Viking-Husqvarna in Schweden (die auch den Hersteller Meister verschwinden ließen) gebaut; als weiterer großer Haushaltsnähmaschinenhersteller existiert noch Bernina in der Schweiz. Auch Singer hat sich stark verändert. Das eigentliche Singer-Unternehmen hat sich vor Jahren der Weltraumtechnologie zugewandt und die Nähmaschinenfertigung an ein Lizenzunternehmen abgegeben.

Das Nähmaschinenwerk in Wittenberge 1984

Einige andere Nähmaschinenhersteller konnten ihre Produktion halten, weil sie über Vertriebspartner unter anderen Labels liefen. Zum Beispiel liefert VERITAS (VEB Nähmaschinenwerk Wittenberge) bis in die späten 80er-Jahre u. a. für die Kauf- und Versandhäuser Quelle und Neckermann unter dem Warenzeichen "Ideal" und "Brillant". Der italienische Fahrzeugteilehersteller Borletti lieferte aus seiner Nähmaschinensparte bis in die 1970er-Jahre für Neckermann unter dem Label Brillant. Borletti stellte seine Nähmaschinenproduktion Anfang der 1970er-Jahre ein. Der italienische Hersteller Necchi liefert bis heute für Aldi unter dem Label Medion.

Das VERITAS-Nähmaschinenwerk in Wittenberge, errichtet im Jahre 1903 von der amerikanischen Singer Company N.Y., erreichte in den 1980er-Jahren Produktionszahlen von jährlich über 400.000 Stück. Nach der Vereinigung Deutschlands wurde der Betrieb durch die deutsche Treuhandanstalt liquidiert.

Mit der Schließung des VERITAS-Nähmaschinenwerkes in Wittenberge im Jahre 1991 sowie dem Verkauf der Haushaltsnähmaschinensparte von Pfaff mit Produktionsstandort Karlsruhe-Durlach im Jahre 1999 ging ein einst bedeutender Industriezweig in Deutschland zu Ende – die Produktion von Haushaltsnähmaschinen.

Mit dem am 6. März 2013 erfolgten Verkauf von "PFAFF INDUSTRIAL" an die chinesische "SGSB Group Co., Ltd." (u. a. auch Inhaber von Dürkopp-Adler) gibt es jetzt keine rein deutsche Firma mehr, die Haushalts- oder Industrienähmaschinen produziert.

Deutsche Nähmaschinen-Hersteller[Bearbeiten]

In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts kamen die ersten amerikanischen Nähmaschinen nach Europa und wurden unverzüglich nachgebaut. Carl Beermann 1849 in Berlin, Christian Mansfeld 1853 in Leipzig und F. Böcke in Berlin 1854 gehörten zu den ersten deutschen Herstellern, die allerdings relativ schnell ihr Geschäftsfeld auf andere Bereiche verlagerten oder die Nähmaschinenproduktion aus anderen Gründen bald aufgaben. Der erste deutsche Hersteller war Clemens Müller 1855 in Dresden. Ihm folgten rund 100 weitere Unternehmen. Die amerikanischen Unternehmen hatten deshalb immer große Probleme auf dem deutschen Markt – mit Ausnahme des Singer-Unternehmens von Georg Neidlinger in Hamburg.

Eines der weiteren Unternehmen war die Maschinenfabrik Bernhard Stoewer in Stettin. Es begann 1862 mit der Herstellung von Nähmaschinen nach dem System Wheeler & Wilson. 1864 wurde von Bernhard Stoewer auch das System von Grover & Parker übernommen, und 1865 wurden elf Arbeiter und vier Lehrlinge beschäftigt. 1872 firmierte das Unternehmen als Nähmaschinenfabrik und Eisengießerei von Bernh. Stoewer, Stettin. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf 250 durch große Aufträge aus Skandinavien (nach System Singer als „Victoria“ bezeichnet) und Russland stieg die Zahl der Mitarbeiter auf 400. Im Jahr 1907 wurden 75.708 Nähmaschinen von Stoewer hergestellt, 1920 verließ die 1.500.000. Nähmaschine das Stoewer-Werk in Stettin. Im Jahr 1929 waren es nur noch 30.000 Nähmaschinen, die fabriziert wurden, 1931 musste die Liquidation beschlossen werden. Die Adolf Koch AG in Saalfeld übernahm die Maschinen, Vorrichtungen sowie Marken- und Vertriebsrechte.

Ebenfalls zu den ersten erfolgreichen Produzenten zählt Georg Michael Pfaff aus Kaiserslautern. Er war Blechinstrumentenbauer und kam, ebenfalls im Jahr 1862, über die Reparatur von Nähmaschinen zum Bau eigener Nähmaschinen anfangs nach dem System von Howe, später Singer. Seit 1868 gibt es in Dresden das Unternehmen Seidel & Naumann. Leopold Oskar Dietrich, Hermann Köhler und Gustav Winselmann gründeten 1871 in Altenburg (Thüringen) eine Werkstatt zum Bau von Nähmaschinen, die Vesta-Nähmaschinen-Werke. 1879 konstruierte Max Carl Gritzner aus Karlsruhe den zweimal umlaufenden Greifer ohne Brille. Seine Maschine hatte außer diesem Greifer einen Spulenkapsellüfter, einen umlaufenden Fadengeber und eine gesteuerte Fadenspannung. Allerdings erging es Gritzner wie vielen Erfindern, seine Idee wurde erst viel später populär, als die Amerikaner seine Erfindung übernahmen.

Weiterhin ist die Parallelität der Entwicklung der Nähmaschine und des Fahrrades auffällig, obwohl beide Industrieprodukte zunächst nicht viel gemeinsam haben. Beide bedienten jedoch zur gleichen Zeit den gleichen Absatzmarkt, und beide benötigten in gleichen Mengen präzise gefertigte Bauteile wie beispielsweise Lager und Gewindeteile. Aus diesem Grunde vertreiben auch heute noch viele Händler sowohl Fahrräder als auch Nähmaschinen. Die Konzentration der deutschen Nähmaschinenhersteller zusammen mit der Fahrradindustrie auf einige wenige Standorte wie beispielsweise Bielefeld ist ebenfalls auf diese Ursache zurückzuführen. Gleiches gilt für die Schreibmaschine. Nicht selten kamen alle drei Produkte aus einem Haus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Bäckmann: Nähen - Nadel - Nähmaschine. Ursprünge der Nähtechnologie im Zeitalter der ersten industriellen Revolution. Schneider, Hohengehren 1991, ISBN 3-87116-554-9.
  • Otto Landgraf: Oldtimer sewing machine. Landgraf, Dittelbrunn 1987, ISBN 3-926879-06-8; dt. Ausgabe: Oldtimer-Nähmaschinen.
  • Peter Wilhelm: Alte Nähmaschinen. Namen, Daten, Fakten. Mecke, Duderstadt 2002, ISBN 3-932752-87-2.
  • Peter Wilhelm: Alte deutsche Nähmaschinen. Ein Handbuch für Sammler und Liebhaber der Nähmaschine. Mecke, Duderstadt 1987, ISBN 3-923453-23-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franz Maria Feldhaus: Technik, „Nähmaschine“ Spalte 737 ff. (PDF; 2,1 MB), abgefragt am 20. Februar 2010
  2. Walter Fellmann: Der Leipziger Brühl, Fachbuchverlag, Leipzig 1989, S.109 ff ISBN 3-343-00506-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Nähmaschine – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Nähmaschinen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien