Nördliche Kalkalpen

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Die Nördlichen Kalkalpen sind ein Gebirgszugsystem der Nordalpen, das dem Alpenhauptkamm der Ostalpen parallel vorgelagert ist. Das Gebirgssystem erstreckt sich über etwa 500 km vom Vorarlberger Rheintal bis Wien und ist bis zu 50 km breit.

Begriffsklärung[Bearbeiten]

Die Definition und Umgrenzung der nördlichen Kalkalpen orientiert sich sowohl nach geologischen als auch geografischen Kriterien. Außer den Nordalpen umfassen die Ostalpen gemäß der üblichen Dreiteilung noch die Zentralalpen und die Südalpen. Nur in Deutschland, wo der Alpenanteil fast ausnahmslos aus Kalken besteht, werden die Begriffe „Kalkalpen“ und „Nordalpen“ weitgehend synonym verwendet.

Blick vom Seefelder Joch auf Lechtaler Alpen, Mieminger Gebirge und Wettersteinmassiv

Einteilung der Nördlichen Kalkalpen[Bearbeiten]

Die Einteilung der Ostalpen parallel zum Verlauf des Hauptkamms in der Längsrichtung ist geografisch und geologisch sinnvoll. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Gebirgen der Welt werden die Ostalpen durch eine Reihe von Längstälern geprägt. Dazu gehören das Inntal, das Salzachtal, das Ennstal und das Murtal. Die Grenze zwischen den nördlichen Kalkalpen und den Zentralalpen folgt auf weiten Strecken diesen Längstälern.

Verlauf der Gebirgszüge[Bearbeiten]

Die Nördlichen Kalkalpen erstrecken sich vom Alpenrheintal in einer Breite von 25 bis 45 km durch Vorarlberg, Tirol, die bayerischen Bezirke Schwaben und Oberbayern, durch Salzburg, die nördliche Steiermark, Ober- und Niederösterreich.

Im Süden werden die Nördlichen Kalkalpen von einer markanten Längsfurche begleitet, im Westen zunächst von der Arlberglinie, nach Osten anschließend dann von Landeck über Innsbruck bis Wörgl vom Inntal. Weiter ostwärts verläuft die Furche weniger markant über St. Johann und Dienten nach Bischofshofen, folgt dann wieder sehr markant dem oberen Ennstal bis etwa zur Pyhrn Autobahn, anschließend über den Schoberpass an die Mur, und über den Semmering bis gegen Wiener Neustadt. Lediglich der Rätikon ganz im Westen ist ohne eine entsprechende Abgrenzung nach Süden.

Die Gipfelhöhen der Nördlichen Kalkalpen sind zwischen Alpenrhein und Steiermark im Wesentlichen bei etwa 2700 – 3000 m konstant und nehmen dann ostwärts gegen das Wiener Becken bis auf rund 2000 m ab. Die hohen Ketten der Nördlichen Kalkalpen werden nördlich von den niedrigeren, bewaldeten, etwa 1700 m hohen Kalkvoralpen begleitet.

Territoriale Gliederung[Bearbeiten]

Anteil an den Nördlichen Kalkalpen haben Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Schweiz hat nur insofern Anteil, als durch die Rheinbegradigung eine Rheinschlinge abgeschnitten worden ist und das Gebiet mit dem Schweizer Ort Diepoldsau jetzt nicht mehr linksrheinisch, sondern rechtsrheinisch, also in den Ostalpen und Nördlichen Kalkalpen liegt.

In Deutschland hat der Freistaat Bayern Anteil an den Nördlichen Kalkalpen. Bayern ist das einzige deutsche Bundesland, das Anteil an den Nördlichen Kalkalpen wie auch den Alpen insgesamt hat. Das Bundesland Baden-Württemberg hat nur dann einen kleinen Anteil an den Nördlichen Kalkalpen, wenn die Nordgrenze der Allgäuer Alpen nicht im engeren Sinne (also zwischen Immenstadt und Oberstaufen), sondern in einem weiteren Sinne gezogen wird und die Erhebung des Adelegg bei Isny mit einschließt.

In Österreich haben die Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich, Steiermark, Niederösterreich und Wien Anteil an den Nördlichen Kalkalpen.

In Bayern befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Kalkalpen: Allgäuer Alpen (teilweise), Wettersteingebirge (teilweise), Karwendel (teilweise), Ammergauer Alpen (teilweise), Bayerische Voralpen (teilweise), Berchtesgadener Alpen (teilweise), Chiemgauer Alpen (teilweise)

In Vorarlberg befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Kalkalpen: Bregenzerwaldgebirge (ganz), Allgäuer Alpen (teilweise), Lechquellengebirge (ganz), Lechtaler Alpen (teilweise).

In Tirol befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Kalkalpen: Allgäuer Alpen (teilweise), Lechtaler Alpen (teilweise), Wettersteingebirge (teilweise), Mieminger Kette (ganz), Karwendel (teilweise), Rofangebirge (ganz), Ammergauer Alpen (teilweise), Bayerische Voralpen (teilweise), Kaisergebirge (ganz), Loferer und Leoganger Steinberge (teilweise), Chiemgauer Alpen (teilweise).

In Salzburg befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Kalkalpen: Loferer und Leoganger Steinberge (teilweise), Berchtesgadener Alpen (teilweise), Chiemgauer Alpen (teilweise), Salzburger Schieferalpen (teilweise), Tennengebirge (ganz), Dachsteingebirge (teilweise), Salzkammergut-Berge (teilweise).

In Oberösterreich befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Kalkalpen: Dachsteingebirge (teilweise), Totes Gebirge (teilweise), Ennstaler Alpen (teilweise), Salzkammergut-Berge (teilweise), Oberösterreichische Voralpen (teilweise), Ybbstaler Alpen (teilweise).

In der Steiermark befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Kalkalpen: Salzburger Schieferalpen (teilweise), Dachsteingebirge (teilweise), Totes Gebirge (teilweise), Ennstaler Alpen (teilweise), Hochschwab-Gruppe (ganz), Mürzsteger Alpen (ganz), Rax-Schneeberg-Gruppe (teilweise), Ybbstaler Alpen (teilweise), Türnitzer Alpen (teilweise).

In Niederösterreich befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Kalkalpen: Oberösterreichische Voralpen (teilweise), Rax-Schneeberg-Gruppe (teilweise), Ybbstaler Alpen (teilweise), Türnitzer Alpen (teilweise), Gutensteiner Alpen (ganz), Wienerwald (ganz).

Das Bundesland Wien hat nur Anteil am Wienerwald und teilt diese Untergruppe mit Niederösterreich.

Gebirgsgruppen nach der AVE[Bearbeiten]

Eine Definition der Nördlichen Kalkalpen und ihrer Unterteilung in einzelne Gebirgsgruppen erfolgt nach Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE).

Nach dieser werden die Nördlichen Kalkalpen in die folgenden Untergruppen unterteilt (die Reihenfolge und Nummerierung der Untergruppen verläuft von West nach Ost):

Übersichtskarte der Ostalpen mit der Alpenvereinseinteilung und -nummerierung
Nr. Untergruppe höchster Berg Höhe
(m)
1 Bregenzerwaldgebirge Glatthorn (Flyschzone) 2133
2 Allgäuer Alpen Großer Krottenkopf 2657
3a Lechquellengebirge Untere Wildgrubenspitze 2753
3b Lechtaler Alpen Parseierspitze 3036
4 Wettersteingebirge und Mieminger Kette Zugspitze 2962
5 Karwendel Birkkarspitze 2749
6 Brandenberger Alpen oder Rofangebirge Hochiss 2299
7a Ammergauer Alpen Daniel 2340
7b Bayerische Voralpen Krottenkopf im Estergebirge 2086
8 Kaisergebirge Ellmauer Halt 2344
9 Loferer und Leoganger Steinberge Birnhorn 2634
10 Berchtesgadener Alpen Hochkönig 2941
11 Chiemgauer Alpen Sonntagshorn 1960
12 Salzburger Schieferalpen Hundstein (Grauwackenzone) 2117
13 Tennengebirge Raucheck 2431
14 Dachsteingebirge Hoher Dachstein 2995
15 Totes Gebirge Großer Priel 2513
16 Ennstaler Alpen Hochtor 2365
17a Salzkammergut-Berge Gamsfeld 2028
17b Oberösterreichische Voralpen Hoher Nock 1963
18 Hochschwab-Gruppe Hochschwab 2277
19 Mürzsteger Alpen Hohe Veitsch 1982
20 Rax-Schneeberg-Gruppe Schneeberg 2076
21 Ybbstaler Alpen Hochstadl 1919
22 Türnitzer Alpen Großer Sulzberg 1400
23 Gutensteiner Alpen Reisalpe 1399
24 Wienerwald Schöpfl (Flyschzone) 893


Ein geologischer Sonderfall ist der Drauzug, der geologisch viele Gemeinsamkeiten mit den nördlichen Kalkalpen aufweist, wegen seiner Lage südlich der Zentralalpen jedoch landläufig den Südlichen Kalkalpen zugerechnet wird.

Gipfel[Bearbeiten]

Der höchste Gipfel der Nördlichen Kalkalpen ist die Parseierspitze, 3036 m in den Lechtaler Alpen.

Die prominentesten Gipfel der Nördlichen Kalkalpen[Bearbeiten]

Trotz ihrer im Vergleich zu den zentralen Ostalpen, südlichen Kalkalpen und Westalpen deutlich geringeren Maximalhöhen befinden sich unter den Gipfeln der Nördlichen Kalkalpen viele besonders prominente Berge mit bedeutenden Schartenhöhen, darunter neun sog. Ultra Prominent Peaks, deren Schartenhöhe mindestens 1500 Meter beträgt. Der Hochkönig ist der sechstprominenteste Berg der Alpen und der prominenteste außerhalb der Zentralalpen.

Die folgende Liste führt die 20 prominentesten Berge der Nördlichen Kalkalpen auf.[1][2] Der höchste Gipfel der Nördlichen Kalkalpen, die Parseierspitze, bekleidet in dieser Aufstellung lediglich den 19. Rang.

Nr. Gipfel Gebirgsgruppe Höhe (m) Schartenhöhe (m) Bezugsscharte Prominence Master Island Parent
1 Hochkönig Berchtesgadener Alpen 2941 2181 Bei Zell am See (760 m) Großglockner Mont Blanc
2 Hoher Dachstein Dachsteingebirge 2995 2136 Eben im Pongau (859 m) Großglockner Mont Blanc
3 Zugspitze Wettersteingebirge 2962 1750 Westl. vom Fernpass (1212 m) Finsteraarhorn Mont Blanc
4 Großer Priel Totes Gebirge 2515 1705 beim Knoppenmoos (810 m) Hoher Dachstein Mont Blanc
5 Birnhorn Leoganger Steinberge 2634 1665 Hochfilzen (969 m) Großglockner Mont Blanc
6 Birkkarspitze Karwendel 2749 1564 Seefelder Sattel (1185 m) Zugspitze Mont Blanc
7 Ellmauer Halt Kaisergebirge 2344 1551 Östl. von Ellmau (793 m) Großglockner Mont Blanc
8 Hochtor Ennstaler Alpen 2369 1520 Schoberpass (849 m) Großglockner Mont Blanc
9 Grimming Dachsteingebirge 2351 1518 bei Schrödis (833 m) Großer Priel Großer Priel
10 Raucheck Tennengebirge 2430 1463 St. Martin (967 m) Hoher Dachstein
11 Großer Buchstein Ennstaler Alpen 2224 1363 Buchauer Sattel (861 m) Großer Priel
12 Hochiss Brandenberger Alpen 2299 1359 „Lärchenwiese“ (940 m) Birkkarspitze
13 Klosterwappen Rax-Schneeberg-Gruppe 2076 1348 Kalte Kuchl (728 m) Hochtor
14 Großes Ochsenhorn Loferer Steinberge 2511 1309 Römersattel (1202 m) Birnhorn
15 Großer Höllkogel Höllengebirge 1862 1294 Stehrerau (568 m) Hoher Dachstein
16 Großer Pyhrgas Ennstaler Alpen 2244 1290 Pyhrnpass (954 m) Großer Priel
17 Berchtesgadener Hochthron Berchtesgadener Alpen 1972 1279 Hallthurm (693 m) Hochkönig
18 Tschirgant Mieminger Gebirge 2370 1263 nördl. Holzleitensattel (1107 m) Zugspitze
19 Parseierspitze Lechtaler Alpen 3036 1243 Arlbergpass (1793 m) Hoher Riffler
20 Daniel Ammergauer Alpen 2340 1233 Lähn (1107 m) Hoher Riffler

International bekannte Gipfel[Bearbeiten]

Die international bekanntesten Gipfel sind:

Naturausstattung[Bearbeiten]

Gletscher[Bearbeiten]

In den Nördlichen Kalkalpen gibt es einige kleine und kleinste Gletscher.

Der größte Teil der Nördlichen Kalkalpen ist jedoch gletscherfrei. Die noch verbliebenen Gletscher der Nördlichen Kalkalpen sind zudem sehr klein im Vergleich zu den Gletschern der zentralen Ostalpen oder gar der Westalpen. Selbst in den südlichen Kalkalpen der Ostalpen gibt es größere Gletscher.

Die Gletscher der Nördlichen Kalkalpen sind – wie viele andere Gletscher der Alpen und weltweit – in einem Schrumpfungsprozess begriffen. Nur noch wenige Gletscher, die diesen Namen tragen, weisen in den Nördlichen Kalkalpen die für Gletscher typischen Eigenschaften auf, wie Spalten, Randkluft und Fließen des Eises. Bei einem Anhalten der gegenwärtigen Klimatendenz werden die letzten Gletscher der Nördlichen Kalkalpen spätestens in 50 bis 100 Jahren verschwunden sein.

Im bajuwarischen Sprachbereich – in Bayern und in Tirol – werden die Gletscher mit „Ferner“ bezeichnet. In den anderen Gebieten der Nördlichen Kalkalpen wird der hochdeutsche Begriff verwendet.

Die mit Abstand größten Gletscher der Nördlichen Kalkalpen befinden sich in der Dachstein-Gruppe. Der Hallstätter Gletscher ist der größte Gletscher des Dachsteins. Die Untergruppe beherbergt noch zwei weitere größere Gletscher, den Großen Gosaugletscher und den Schladminger Gletscher. Die anderen Gletscher des Dachsteingebirges sind heute kaum mehr als Eisfelder, wie der Edelgrießgletscher, der Südliche und Nördliche Torsteingletscher, der Gosaugletscher und der Schneelochgletscher.

Der Schneeferner im Wettersteingebirge ist der größte deutsche Gletscher. Vor Jahren noch wurde hier Sommerskilauf betrieben. Dieser Gletscher ist inzwischen soweit geschrumpft, dass er sich längst in zwei Teile gespalten hat, den Nördlichen und Südlichen Schneeferner. Das Wettersteingebirge beherbergt mit dem Höllentalferner den am besten ausgebildeten deutschen Gletscher mit einer Vielzahl von Spalten, Randkluft und Zunge. Über diesen führt der berühmte Höllentalanstieg auf die Zugspitze.

In den Berchtesgadener Alpen befindet sich an der Nordabdachung des Hochkönigs die Übergossene Alm, ein Plateaugletscher, der zunehmend Auflösungserscheinungen zeigt. Das ebenfalls stark in seiner Existenz bedrohte Blaueis am Hochkalter gilt als nördlichster Gletscher der Alpen. Auch der Watzmanngletscher wird von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften als Gletscher angesehen. Am Fuß der Watzmann-Ostwand befindet sich der Eiskapelle genannte Lawinenkegel, dessen unteres Ende auf 930 m Seehöhe liegt und bei dem es sich damit um das niedrigste ganzjährig vorhandene Eisfeld der Alpen handeln dürfte.

In den Allgäuer Alpen befindet sich an der Südflanke der Mädelegabel der Schwarzmilzferner, der durch die starke Abschmelzung der letzten Jahrzehnte seinen Gletschercharakter zunehmend einbüßt. Der berühmte Heilbronner Weg führt direkt über das „Gletscherchen“.

In den Lechtaler Alpen gibt es noch einen richtigen, spaltenreichen Gletscher mit sichtbarer Eisbewegung: der eindrucksvolle Vorderseeferner unterhalb der Vorderseespitze. Des Weiteren existieren noch weitere kleine Gletscher: Der Fallenbacher Ferner unterhalb der Feuerspitze, der Parseierferner am Dawinkopf, der Grinner Ferner bei der Parseierspitze, der Pazielferner am Trittkopf und der Grießlferner in der Nordflanke der Grießlspitze.

Im Karwendelgebirge liegt in der Nordflanke der Eiskarlnspitze ein spaltenreicher, kleiner Gletscher, die Eiskarln.

In der Mieminger Kette gibt es den an den Grießspitzen den kleinen Schneeferner mit einigen Spalten.

Im Lechquellengebirge befindet sich am Nordhang der Roten Wand ein kleiner Gletscher mit deutlichen Spalten, der diesen Berg von Norden her gesehen unverwechselbar macht. Des Weiteren erstreckt sich an der Braunarlspitze der Hochgletscher.

Die Gletscher sind also im steten Schwinden begriffen. Für die jährliche Schneebedeckung der Berge scheint dies jedoch nur eingeschränkt zu gelten. Es ist kaum festzustellen, dass die Hochregionen der Berge früher im Jahr schneefrei werden.

Geologie[Bearbeiten]

Die Nördlichen Kalkalpen gehören zu den Ostalpen und bestehen überwiegend aus mächtigen Sedimentgesteinen wie v.a. Dolomit, Kalkstein und Mergel. Der etwa 600 km lange Gebirgszug ist Ergebnis einer gewaltigen Überschiebung von Meeres-Sedimenten aus südlicher Richtung. Die Sedimentgesteine wurden auf älteren Gesteinen der Grauwackenzone abgelagert, die in der AVE-Diktion auch überwiegend zu den Nördlichen Kalkalpen zählt, geologisch aber eine eigene Einheit darstellt. Sie tritt vor allem am Südrand der Nördlichen Kalkalpen auf. Nördlich der Nördlichen Kalkalpen (im geologischen Sinne) liegen die Flyschzone, das Helvetikum und die subalpine Molasse, die in der AVE-Diktion größtenteils ebenso hinzugezählt werden, ihre alpinistische Bedeutung beschränkt sich jedoch vor allem auf Vorarlberg und das Allgäu.

Ein Großteil der Kalkalpengesteine wurde im Zeitraum vom Oberen Perm bis zum Jura auf dem nördlichen Kontinentalschelf der geologisch zu Afrika gehörenden Adriatischen Platte abgelagert. Ein geringer Teil, die Gosau-Sedimente, kamen in der Oberen Kreidezeit und dem tieferen Paläogen auf einem schon nach Norden vorwandernden Deckenstapel zu liegen. Die kalkalpinen Decken wurden während der Gebirgsbildung der Alpen im Eozän und Oligozän von Süden her weit über den Rand des europäischen Kontinents überschoben. Die Grauwackengesteine an der Basis der Nördlichen Kalkalpen stellen die Überreste eines variszischen Gebirges dar, das am Ende des Paläozoikums von der Erosion völlig eingeebnet und dann vom Meer überflutet wurde.

Die Flyschzone entstand aus Ablagerungen einer Tiefseerinne, die sich beim Vorschub der Alpen nach Norden gleichzeitig zu den Gosau-Sedimenten in der Kreidezeit und dem Paläogen bildete. Die helvetischen Gesteine zählen zum alten europäischen Kontinentalrand, liegen überwiegend nördlich der Flyschzone und treten vor allem in den Westalpen auf, reichen aber auch nach Vorarlberg und in das Allgäu hinein, vereinzelt auch bis Wien. Die Subalpine Molasse besteht aus Sedimenten, die beim Auffalten der Alpen während des Paläogens und des unteren Neogens in das damalige Vorland geschüttet wurden und später noch in die Alpenbildung einbezogen wurden. Auch sie reicht von der Schweiz über Vorarlberg ins Allgäu und nur vereinzelt ostwärts bis Niederösterreich.

Gesteine[Bearbeiten]

Dachsteinkalk des Ramesch, Warscheneckgruppe

Wesentliche Bestandteile der Nördlichen Kalkalpen sind Gesteine des Mesozoikums, zu denen die Trias die größten Kalk- und Dolomitmassen beisteuert. Diese älteren Sedimente der Kalkalpen (Ober-Perm bis zum tieferen Jura) sind Abfolgen eines typischen passiven Kontinentalrandes. Bekannte und mächtige Formationen sowie stratigrafisch und topografisch markant für die Trias sind unter anderem der Hauptdolomit, der Wettersteinkalk und der Dachsteinkalk. Diese Kalk- und Dolomitfolgen bauen die Mehrzahl der höchsten Gipfel auf (so etwa Watzmann, Hochkönig, Hoher Dachstein, Hochschwab). Andere Gesteine wie Mergel, Sandstein und Schieferton treten weniger deutlich hervor, insbesondere die Gesteine der Werfen-Formation (Ober-Perm bis Unter-Trias) erreichen jedoch stellenweise größere Verbreitung.

Gesteine des Jura-Zeitalters sind unter anderen die Allgäu-Formation (auch Fleckenmergel genannt) sowie die Oberalmer Schichten bzw. Aptychenschichten. Die meisten Schichtglieder des Jura sind eher geringmächtig (vor allem im Unter- und Mittel-Jura). Kieselige Gesteine finden sich vor allem im Bereich der südlichen Nördlichen Kalkalpen. Die dort verbreiteten radiolaritischen Gesteine wurden in Tiefseerinnen abgelagert, wie sie aus Subduktionszonen bekannt sind, und belegen damit das Schließen des Neotethys-Ozeans im Jura.

Die Gesteine der Grauwackenzone bestehen aus überwiegend schwach metamorphen Gesteinen (Schiefer, Phyllite, Kalksteine bzw. Marmore,...) aus dem Paläozoikum (Ordovicium, Silur, Devon, Karbon).

Die Gosau-Gesteine bestehen aus Konglomeraten, Sandsteinen, Mergeln und Kalksteinen. Die Flyschgesteine bestehen aus Sandsteinen, Mergeln und Tonsteinen. Die Molassegesteine bestehen vorwiegend aus Konglomeraten und Sandsteinen.

In sehr geringer Verbreitung existieren auch metamorphe Gesteine, wie die Glimmerschiefer am Südwestrand der Lechtaler Alpen.

An Mineralen kommt in den Nördlichen Kalkalpen vor allem Calcit (CaCO3) in verschiedensten Variationen vor, seltener verschiedene Mineralphasen bzw. Vererzungen. Fluorit (Flussspat, CaF2), Bleiglanz (PbS) und Zinkblende (ZnS) wurden und werden in den Nördlichen Kalkalpen abgebaut, Kupfererze und Silbererze, Eisenspat (FeCO3) und Magnesit (MgCO3) in der Grauwackenzone. Die Flyschzone, das Helvetikum und die Molasse sind äußerst arm an abbauwürdigen Mineralen.

Plattentektonik[Bearbeiten]

Im Jura, vor allem im Mittel- und Ober-Jura, kam es zu einer ersten Deckenstapelung der Sedimentgesteine durch die Schließung eines am Ostende der Neotethys gelegenen Meeresbeckens (Meliata-Ozean).[3] Gleichzeitig oder kurz darauf öffnete sich das Meeresbecken der alpinen Tethys, einer Verbindung zwischen dem noch jungen Atlantik im Westen und der Tethys im Osten, in dem sich die Gesteine des Penninikums ablagerten. Im Laufe der Kreide wurde der vorher gebildete jurassische Deckenstapel während der Schließung der alpinen Tethys mehrfach tektonisch überprägt und verändert, auf seinem Rücken lagerten sich die Gosau-Sedimente ab. Am Ende der Überschiebungsvorgänge wurden die Nördlichen Kalkalpen auf die Flyschzone und das Helvetikum, stellenweise auch auf die Subalpine Molasse überschoben, welche sie heute an ihrem Nordrand begleiten.

Natursteine[Bearbeiten]

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Nationalparks[Bearbeiten]

In den Nördlichen Kalkalpen befinden sich drei Nationalparks.

Der Nationalpark Berchtesgaden liegt südlich des gleichnamigen Orts in Deutschland im Freistaat Bayern in den Berchtesgadener Alpen. Er wurde im Jahr 1978 gegründet und hat eine Fläche von 20.808 ha.

Der Nationalpark Kalkalpen liegt südlich von Steyr in Österreich im Bundesland Oberösterreich in den Oberösterreichischen Voralpen. Er wurde im Jahr 1997 gegründet und hat eine Fläche von 23.221 ha.

Der Nationalpark Gesäuse liegt bei Admont in Österreich im Bundesland Steiermark in den Ennstaler Alpen. Er wurde im Jahr 2002 gegründet und hat eine Fläche von 11.052 ha.

Biosphärenreservate[Bearbeiten]

In den Nördlichen Kalkalpen befinden sich zurzeit drei Biosphärenreservate.

Das Biosphärenreservat Großes Walsertal umfasst das gleichnamige Tal mit der umgebenden Bergwelt in Österreich im Bundesland Vorarlberg in Teilen des Bregenzerwaldgebirges und des Lechquellengebirges. Die Gesamtfläche beträgt 19.200 ha. Davon befinden sich 4.010 ha in den Kernzonen, 12.366 ha in den Pufferzonen und 2.824 ha in der Entwicklungszone.

Das Biosphärenreservat Berchtesgadener Alpen umfasst größere Teil der Berchtesgadener Alpen in Deutschland im Freistaat Bayern. Die Gesamtfläche beträgt 46.742 ha. Davon befinden sich 16.982 ha in der Kernzone (Nationalpark Berchtesgaden), 3.835 ha in der Pufferzone und 25.925 ha in der Entwicklungszone.

Der Biosphärenpark Wienerwald umfasst seit 2005 weite Teile des Wienerwalds westlich von Wien.

Tourismus[Bearbeiten]

Fern-/ Weitwanderwege[Bearbeiten]

Die Via Alpina, ein grenzüberschreitender Weitwanderweg mit fünf Teilwegen durch die ganzen Alpen, verläuft auch durch die Nördlichen Kalkalpen

Der europäische Fernwanderweg E5 (Atlantik – Bodensee – Alpen – Adria) erreicht die Nördlichen Kalkalpen bei Bregenz. Er führt durch die Allgäuer Alpen und die Lechtaler Alpen bis Zams im Inntal, wo er in die Zentralalpen übertritt.

Bergbahnen[Bearbeiten]

Zahnradbahnen[Bearbeiten]

In den Nördlichen Kalkalpen gibt es fünf Zahnradbahnen.

Hinweis: Die Berchtesgadener-, Chiemgauer-, Ammergauer- sowie Teile der Allgäuer Alpen und anderer Gebirgseinheiten werden oft auch als Bayerische Alpen bezeichnet. Für die Berchtesgadener Alpen, die Loferer und Leoganger Steinberge, Tennengebirge und die Berge des Salzkammerguts wird im österreichischen Land Salzburg oft der Begriff Salzburger Kalkalpen verwendet.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eberhard Jurgalski u. a.: Die prominentesten Gipfel der Alpen. peaklist.org, 8. Dezember 2008, abgerufen am 12. Oktober 2011 (xls; 613 kB, englisch).
  2. Siehe auch Liste der prominentesten Berge der Alpen
  3. Western Alps geological constraints on western Tethyan reconstructions. Stampfli u. a. 2002. (PDF-Datei; 3,63 MB) Abgerufen am 12. Dezember 2007.