Nürnberg Hauptbahnhof

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Nürnberg Hbf
Nuremberg.Central railway station.jpg
Nürnberger Hauptbahnhof vom Königstor aus
Daten
Kategorie 1
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise
  • 17 Fernbahngleise
  • 5 S-Bahngleise
  • 4 U-Bahngleise
  • 3 Tramgleise
Reisende/Tag 140.000
Abkürzung NN
IBNR 8000284
Eröffnung 1. Oktober 1844
Webadresse Stationssteckbrief der BEG
Architektonische Daten
Baustil Neobarock/
Neorenaissance (Frontfassade)
Jugendstil (Reisezentrum)
Architekt Eduard Rüber (Bau von 1844)
Karl Zenger (Bau von 1906)
Lage
Stadt Nürnberg
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 49° 26′ 47″ N, 11° 4′ 55″ O49.44638888888911.081944444444Koordinaten: 49° 26′ 47″ N, 11° 4′ 55″ O
Höhe über SO 312 m ü. NN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern

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Nürnberg Hauptbahnhof (kurz: Nürnberg Hbf, laut Betriebsstellenverzeichnis: NN) ist der wichtigste Bahnhof der Stadt Nürnberg und steht mit täglich rund 140.000 Reisenden auf Platz zehn der meistfrequentierten Fernbahnhöfe der Deutschen Bahn. Er gehört zu den 21 Bahnhöfen der höchsten Bahnhofskategorie 1 der DB Station&Service.

Der größte Bahnhof Nordbayerns gehört mit seinen 25 Gleisen, davon 23 Bahnsteiggleise, zu den größten Durchgangsbahnhöfen in Europa. Hier halten täglich über 700 Züge des Personenfern- und Regionalverkehrs. Daneben ist er eine zentrale Drehscheibe im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg.

Lage[Bearbeiten]

Im Streckennetz[Bearbeiten]

Luftbild des Bahnhofs 2009

Der Hauptbahnhof Nürnberg ist ein wichtiger Knotenpunkt im süddeutschen Bahnnetz, hier treffen sich zahlreiche Bahnlinien aus allen Himmelsrichtungen. Hier endet außerdem die im Sommer 2006 eröffnete Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt–München, die Reisezeiten auf zahlreichen Verbindungen verkürzte. Ebenso wird der Hauptbahnhof Ausgangspunkt der Aus- und Neubaustrecke Nürnberg–Erfurt sein, die weitgehend im Dezember 2017 in Betrieb genommen werden soll.

Bereits westlich vom Hauptbahnhof der Nachbarstadt Fürth vereinigen sich die Bahnstrecken von Würzburg und von Bamberg, die dann weiter in Richtung Nürnberg verlaufen. Im Westen Nürnbergs kommen dann die Bahnstrecken von Crailsheim, von Roth und von Augsburg hinzu. Die vier Strecken münden dann gemeinsam von Westen in den Hauptbahnhof.

Im Südosten Nürnbergs treffen sich die Bahnstrecke aus Regensburg und die Schnellfahrstrecke aus München. Im östlichen Vorfeld des Bahnhofs vereinigen sie sich mit den Strecken aus Cheb, aus Schwandorf und aus Feucht. Zusammen münden sie von Osten in den Bahnhof.

Im Stadtgebiet[Bearbeiten]

Der Hauptbahnhof befindet sich am Südostrand der Altstadt im Stadtteil Tafelhof direkt gegenüber dem Königstor an der Kreuzung Marientorgraben/Frauentorgraben/Bahnhofstraße.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Im Zuge des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 soll in Nürnberg ein Knoten des Integralen Taktfahrplans zur Symmetrieminute 0 eingerichtet werden.[1]

Fernverkehr[Bearbeiten]

ICE-Züge an den Fernverkehrsgleisen

Der Hauptbahnhof liegt am Schnittpunkt der Intercity-Express-Linien 25, 28, 31, 41, 91 sowie der InterCity- und EuroCity-Linien 26, 28, 31, 61 und ist der einzige Fernverkehrsbahnhof in Nürnberg. Diese Linien bedienen Nürnberg größtenteils im Stundentakt, wobei teilweise durch Linienüberlagerungen noch dichtere Taktraten entstehen. Fast alle von München nach Norden führenden Fernverkehrsverbindungen laufen heute gebündelt über die Schnellfahrstrecke nach Nürnberg und teilen sich erst hier auf. So entsteht auch im Fernverkehr ein dichter Takt zwischen den beiden Städten. Mit Fertigstellung der Schnellfahrstrecke zwischen Nürnberg und Leipzig wird auch diese Verbindung und damit die Verbindung nach Berlin erheblich beschleunigt werden. Fernzüge fahren von hier nach München, Leipzig, Berlin, ins Rhein-Main- und ins Ruhrgebiet, außerdem nach Stuttgart, Karlsruhe und Hamburg sowie nach Passau und Wien. Eine Interregio-Express-Verbindung führt nach Chemnitz und Dresden. Nachtzüge verkehren unter anderem nach Hamburg, Köln und Wien.

Seit 9. August 2009[2] wird von der Deutschen Bahn eine Expressbusverbindung zwischen Nürnberg und Prag angeboten. Sie wird in Kooperation von DB Fern- und DB Stadtverkehr sechs mal täglich im Zwei-Stunden-Takt mit Bussen des Omnibusverkehr Franken gefahren und ersetzt die 2004 eingestellte IC-Verbindung zwischen den beiden Städten.[2] Am 28. Mai 2011 ging eine weitere Fernbusverbindung in Betrieb, die einmal täglich Nürnberg mit Bad Füssing verbindet.[3]

Im Sommerfahrplan 1939 verkehrten regelmäßig 91 Fernzüge pro Tag über Nürnberg Hauptbahnhof.[4]

Regional- und Schnellbahnverkehr[Bearbeiten]

U- und S-Bahnverbindungen ab Nürnberg Hauptbahnhof
Zug des München-Nürnberg-Express

Nahverkehrsverbindungen mit Regional-Express-Zügen und Regionalbahnen führen vor allem ins Nürnberger Umland (Simmelsdorf-Hüttenbach, Neuhaus an der Pegnitz, Allersberg und Neustadt an der Aisch), aber auch in weite Teile Bayerns (Bayreuth, Hof, Neustadt an der Waldnaab, Schwandorf, Regensburg, München, Augsburg und Würzburg) sowie nach Stuttgart in Baden-Württemberg, Frankfurt am Main in Hessen, Dresden in Sachsen, Sonneberg in Thüringen und in die Tschechische Republik nach Cheb und Prag. Letztere wurde zum Fahrplanwechsel 2010 von Arriva Deutschland übernommen und bis Dezember 2012 vom ALEX befahren.[5] Fast alle Strecken werden in festen Taktraten, meist im Stundentakt bedient, dichtere Taktfolgen werden vor allem zu Stoßzeiten angeboten. Über die Schnellfahrstrecke nach Ingolstadt und München wurde mit dem München-Nürnberg-Express eine schnelle Nahverkehrsverbindung zwischen beiden Städten geschaffen, die eine günstige Alternative zum ICE darstellt.

Die vier Linien des S-Bahn-Netzes verbinden Nürnberg mit Bamberg bzw. Hartmannshof (S1), Roth bzw. Altdorf bei Nürnberg (S2), Neumarkt in der Oberpfalz (S3) und Ansbach (S4). Die Linien S1, S2 und S3 benutzen die Gleise 1 bis 3 sowie das Gleis 30 in unmittelbarer Nähe des Bahnhofsgebäudes, was die Umsteigezeiten auch auf den innerörtlichen Nahverkehr erheblich verkürzt. Aus betrieblichen Gründen (Blockierung des westlichen Bahnhofsvorfeldes bei Fahrten von den vorderen Gleisen zur Ansbacher Ausfahrt) fahren die Züge der S4 von Gleis 22 ab.

Stadtverkehr[Bearbeiten]

Bahnhofplatz mit Straßenbahnhaltestelle

Im Untergrund des Bahnhofs befindet sich mit dem U-Bahnhof Hauptbahnhof einer der beiden Kreuzungsbahnhöfe der U-Bahn-Linien U1, U2 und U3. Die U1 verkehrt unter anderem in die Innenstadt und zur Messe Nürnberg, die U2 verbindet den Hauptbahnhof mit dem Bahnhof Nürnberg Nordost, dem Ausgangspunkt der Gräfenbergbahn Richtung Fränkische Schweiz, und dem Flughafen Nürnberg. Auf dem Bahnhofsplatz befinden sich Haltestellen verschiedener Straßenbahn- und Stadtbuslinien. An Wochenenden und Feiertagen dient der Bahnhofsplatz nachts außerdem als Treffpunkt und zentraler Umsteigeknoten für das „NightLiner“-Nachtbusliniennetz. Östlich davon, in circa zweihundert Meter Entfernung liegt der 2005 nach Umbau wiedereröffnete Zentrale Omnibusbahnhof, von dem vor allem auch internationale Buslinien in verschiedene Staaten Europas verkehren.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Service-Einrichtungen[Bearbeiten]

Die Deutsche Bahn unterhält im Bahnhof ein Reisezentrum sowie einen Servicepoint in der Mittelhalle. Im ersten Stockwerk befindet sich eine DB Lounge für bahn.bonus-comfort-Kunden und Reisende der 1. Klasse. Zahlreiche dynamische Anzeigetafeln in den Hallen und auf allen Bahnsteigen informieren über die aktuelle Verkehrslage. Ansagen werden automatisiert abgespielt. Das Bahnhofsgebäude sowie die Bahnsteige sind größtenteils barrierefrei zugänglich, alle Ebenen der Bahnhofshalle können über Rolltreppen und Aufzüge erreicht werden.

Die Bahnhofsmission Nürnberg steht im Untergeschoss des Bahnhofs Reisenden, Wohnungslosen und am Bahnhof Arbeitenden mit Rat und Tat zur Seite. Seit 9. März 2011 verfügt die Bahnhofsmission, als erste von fünf geplanten Standorten deutschlandweit, über eine Kinderlounge.[6]

Die gesamte vermietete Fläche liegt bei 20.214 Quadratmetern. Im Bahnhofsgebäude befinden sich zahlreiche Geschäfte des täglichen Bedarfs, daneben Läden mit Reisebedarf, Restaurants und Imbiss-Buden. Insgesamt wurden 55 Läden vermietet. Weitere Läden und Geschäfte befinden sich in der dem Bahnhof angeschlossenen Königstorpassage.

Taxistand am Bahnhofsvorplatz

Anfang 1999 ging ein Parkhaus neben der Osthalle mit 487 Stellplätzen in Betrieb. Die Deutsche Bahn hatte die entsprechende Planung initiiert, eine Versicherungsanstalt brachte die notwendige Investitionssumme auf.[7]

Im als Basement bezeichneten Untergeschoss des Hauptbahnhofs befindet sich eine bahneigene Fundstelle, die in Bahnhöfen und Zügen der DB verloren gegangene Gegenstände entgegennimmt. Dort befindet sich zudem der Schalter für IC-Kuriergut sowie die Gepäckaufbewahrung mit ungefähr 500 Schließfächern.

Auf dem Bahnhofsvorplatz befindet sich ein Taxi-Stand.

Stellwerk[Bearbeiten]

Um 1900 bedienten 116 Mitarbeiter im Schichtbetrieb Weichen und Signale für rund 100 Züge an Ort und Stelle.[8]

Zwischen 1907 und 1911 entstanden eine Reihe von Elektrischen Stellwerken. Zuvor wurden die Weichen und Signale dezentral von Wechselwärtern per Hand umgestellt. Statt 116 wurden fortan nur noch 40 Weichensteller benötigt. Der Betrieb wurde durch zwei Befehls- und zwölf abhängige Zustimmungsstellwerke gesteuert.[9] 1913 verkehrten täglich 122 Züge, die von 40 Mitarbeitern pro Schicht von 14 Turmstellwerken gelenkt wurden.[8]

Zwischen 1930 und 1935 wurden verschiedene Veränderungen und Verbesserungen vorgenommen, beispielsweise in der Sicherung von Durchrutschwegen und der Einführung der elektrischen Gleisfreimeldung einschließlich einer Belegtabhängigkeit. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Stellwerke 1944 zerstört. Sie wurden vorübergehend durch zwei fahrbare elektromechanische Stellwerke ersetzt. Beim Wiederaufbau wurden, durch weitere Zentralisierung, vier Stellwerke aufgelassen. 1968 ging ein erstes SpDrS-60-Relaisstellwerk in Betrieb, das einen Teil der Befehlsstellwerke ersetzte.[9]

Im August 1983 begannen die Rohbauarbeiten für ein neues, 40 m langes, 21 m hohes und 11 m breites Zentralstellwerk-Gebäude.[9] Das Zentralstellwerk ging Ende November 1988 unter der Bezeichnung Nhf in Betrieb. Je ein Fahrdienstleiter und ein -helfer steuerten die West- und die Ostseite des Bahnhofs, unterstützt von einem Zugmelder, einem Zugansager und einem Wärter für das angeschlossene Reisezugwagenwerk. Der Stellbereich reichte bis nach Fürth und dem Bahnhof Schweinau im Westen, dem Bahnhof Eibach im Süden und den Bahnhöfen Dutzendteich und Mögeldorf im Osten.[8] Die netzseitige Leistung beträgt 630 kW.[9]

Insgesamt wurden 38,3 Millionen D-Mark investiert. Pro Tag wurden damals im Bereich des Hauptbahnhofs 800 Zug- sowie 2900 Rangierfahrten abgewickelt. Die Planung war in den 1970er Jahren eingeleitet worden, um neben einer Rationalisierung auch die Voraussetzungen für die geplante Schnellfahrstrecke nach München zu schaffen. Kurz vor Inbetriebnahme des Stellwerks ging eine neue, rund eine Million D-Mark teure, Abfahrtstafel in der Mittelhalle in Betrieb, die aus dem neuen Stellwerk per Computer gesteuert wurde.[8] Mit dem neuen Stellwerk der Bauart SpDrS 600 wurden zehn alte, damals rund 70 Jahre alte, Stellwerke, außer Betrieb genommen.[9] Drei weitere folgten im Rahmen des S-Bahn-Ausbaus Anfang der 1990er Jahre. Nach der Entfernung der ungünstig gelegenen, nicht mehr erweiterbaren Stellwerke, konnten die fünf Abstellanlagen zusammengelegt werden.

Heute steuern je ein Fahrdienstleiter (für Zugfahrten) und ein Weichenwärter (für Rangierfahrten) Osten und Westen. Unterstützt werden sie durch einen Teamleiter und Teamleiter-Assistenten, die Gleisänderungen, Anschlüsse und Zugfolge disponieren. Die Beschallung und Steuerung der Anzeigen übernehmen zwei Mitarbeiter von DB Station und Service. Alle diese Mitarbeiter sind im Zentralstellwerk untergebracht.

Architektur[Bearbeiten]

Mitteltrakt des Nürnberger Hauptbahnhofs bei Nacht

Der Nürnberger Hauptbahnhof, der ursprünglich als neugotisches Gebäude errichtet worden war, wurde vom Architekten Karl Zenger im Jahr 1900 weitgehend im Stil des Neubarock umgebaut. Erkennungsmerkmal ist vor allem der Muschelkalk, der die Außenfassade prägt. Die Portale der einzelnen Hallen sind reich verziert und zeigen vor allem Symbole des technischen Fortschritts, so zum Beispiel ein Flügelrad über dem Portal der Mittelhalle. Der Saal, in dem sich heute das Reisezentrum befindet, wurde 1904/1905 errichtet und von Bruno Paul im Jugendstil gestaltet. Teilbereiche der Wände sind mit detaillierten Mosaikflächen gestaltet, die Decke ist mit dezentem Stuck verziert. Der Jugendstilsaal ist einer der wenigen Bereiche des Bahnhofs, der die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Vor dem Hauptportal steht eine Litfaßsäule aus dem frühen 20. Jahrhundert.

1950 wurden Planungen aufgestellt, den neubarocken Stil in einen neugotischen Stil zurückzuverwandeln. Kurz nach Beginn der Bauarbeiten wurden diese aber wieder eingestellt, so dass nur einige wenige Bereiche umgestaltet wurden.

Die Architektur des modernisierten Bahnhofsgebäudes der 1990er Jahre wurde von FIS-Architekten (Aachen) entwickelt.[10]

Geschichte[Bearbeiten]

Von der Eröffnung bis zum ersten Umbau[Bearbeiten]

Der 1844 bis 1847 erbaute Bahnhof auf einer Fotografie von 1891

Zwischen 1844 und 1847 entstand im Zuge des Baus der staatlichen Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Lindau nach Hof der Hauptbahnhof Nürnberg in seiner heutigen Lage. Da die Fläche am Plärrer, dem Standort des Bahnhofs der privaten Ludwigseisenbahn nach Fürth, nicht ausreichte, entschloss sich die Staatsbahn zum Bau eines eigenen Bahnhofs vor dem Frauentorgraben. Er wurde wie seinerzeit bei größeren Stationen üblich als Kopfbahnhof angelegt. Das Empfangsgebäude wurde im neugotischen Stil erbaut. Mit der Eröffnung der Staatsbahnstrecken nach Schwabach (1849) Ansbach, (1875) und Bayreuth (1877) sowie der Ostbahnstrecken nach Hersbruck (1859) und Regensburg (1871) entwickelte sich der Bahnhof zum Zentralbahnhof von Nürnberg. Die Ostbahngesellschaft errichtete 1859 beim Bau der Strecke nach Hersbruck östlich des bestehenden einen eigenen Kopfbahnhof, der 1876 mit dem westlichen zu einem Durchgangsbahnhof verbunden wurde.

Der Bahnhof nach dem ersten Umbau (1900–1906)
Der Bahnhof mit Vorplatz um 1918

Das in den 1880er Jahren weiter steigende Schienenverkehrsaufkommen und die wachsenden Gleisanlagen machten den Bau der noch heute vorhandenen Straßenunterführungen notwendig. Nach und nach entstanden daher der Tafelfeld-, Karl-Bröger-, Marien- und Dürrenhoftunnel sowie die Celtis- und die Allersberger Unterführung. Zwischen 1878 und 1880 wurden die Gleisanlagen für den Personenverkehr noch einmal erweitert und der Güterverkehr 1880 zum neu gebauten Hauptgüterbahnhof am Kohlenhof verlegt. Bereits 1897 wurden neue Pläne zum Umbau des Hauptbahnhofes vorgelegt, die den Neubau des Empfangsgebäudes, die Hebung der gesamten Gleisanlagen um 3,27 m und den Bau von Fußgängerunterführungen (West- und Osttunnel) zu den Gleisen beinhalteten. Die Umbauarbeiten begannen 19. April 1900 und waren am 10. März 1906 abgeschlossen, die vorgesehene Öffnung des Westtunnels und die Errichtung des Südausgangs konnte erst 1927 erfolgen.

Zerstörung und Wiederaufbau[Bearbeiten]

Gepäckkarren auf den Bahnsteigen, Blickrichtung West, 1986

Mit Ausnahme des Jugendstilsaales wurde das Bahnhofsgebäude gegen Ende des Zweiten Weltkrieges durch die Luftangriffe auf Nürnberg schwer in Mitleidenschaft gezogen und am 16. März 1945 für neun Tage stillgelegt. Der Wiederaufbau fand zwischen 1945 und 1956 statt und musste aus Geldmangel in vereinfachter Form erfolgen, als Neuerung wurde ein Kino integriert. Unter dem Hauptbahnhof begannen 1973 die Bauarbeiten für die U-Bahn, wofür die Mittelhalle entkernt und auf Stelzen gestellt wurde. Zwischen 1976 und 1984 wurden neue Bahnsteigdächer installiert und die Bahnsteige der Gleise 1 bis 15 auf 76 cm über Schienenoberkante erhöht. Der Neubau der dritten Kuppel und der Mittelhalle begann im Jahr 1977. Am 2. April 1984 wurde die 1906 errichtete Gaststätte wiedereröffnet. Sie umfasste eine Fläche von 390 m², bei einer Höhe von acht Metern.[11] Schließlich wurden sogar Planungen zum Gesamtumbau aufgestellt, die aber nie verwirklicht wurden.

Umbau des östlichen Vorfeldes für die S-Bahn[Bearbeiten]

Im Sommer 1988 begannen umfangreiche Bauarbeiten zur Errichtung der „Stammstrecke“ der S-Bahn Nürnberg im Bereich des Hauptbahnhofs. Durch Errichtung eigener S-Bahn-Gleise im Nordost-Teil des Hauptbahnhofs konnte der Halt der S-Bahnen von den (stadtfernen) Gleisen 18/19 auf die Gleise 2/3 verlegt werden. Durch die Nutzung dieser stadtnahen Gleise konnten auch die Umsteigewege zu Straßenbahn, U-Bahn und Bus deutlich reduziert werden. Zusätzlich wurde die neue S-Bahn-Station Nürnberg-Dürrenhof errichtet.[12]

Der in sechs Baustufen erfolgte Umbau des östlichen Gleisvorfeldes kostete insgesamt rund 100 Millionen D-Mark, die von Bund, Land und Stadt Nürnberg aufgebracht wurden. Auf einer Fläche von 156.000 Quadratmetern wurden unter anderem 16 Kilometer Gleise und 60 Weichen neu verlegt sowie zwei Abstellgruppen (zusammen 5,7 km) mit eigenem Rangierstellwerk errichtet. Zur kreuzungsfreien Führung des Richtungsgleises Lauf unter dem Richtungsgleis Altdorf entstand ein 60 m langes Kreuzungsbauwerk. Insgesamt mussten zehn Brückenbauwerke geändert oder neu gebaut werden, 640 m Schallschutzwände wurden neu errichtet. Die europaweit einmaligen Bestände des Sand-Tragant (Astragalus arenarius) wurden umgepflanzt, weitere Pflanzenbestände vorübergehend um- und später wieder im Bereich der Bahnanlagen angepflanzt. Der Umbau des Abschnitts mit den Bahnsteigen kostete weitere 40 Millionen D-Mark.[12] Die S-Bahn-Gleise sind im Bereich des Hauptbahnhofs mit 80 km/h befahrbar.

Modernisierung zur Jahrtausendwende[Bearbeiten]

Südlicher Abschnitt der Osthalle nach der Modernisierung

Zum Ende des 20. Jahrhunderts fanden die letzten größeren Umbauten statt, bei denen das Kino entfernt und der komplette Innenbereich neugestaltet wurde. Dabei wurden die Zwischengeschosse des Empfangsgebäudes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und der gesamte Bereich zum Einkaufszentrum umgestaltet. Fahrkartenverkauf und Beratung wurden in den historischen Jugendstilsaal verlegt. Von der Künstlerin Iris Rauh wurden drei Wandmosaike gestaltet. Das Mosaik „Zeitreise“, das das Thema „Reisen“ im Wandel der Geschichte darstellt, fand überregionale Beachtung. Am 24. Juni 2002 fand schließlich die Einweihung des mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Empfangsgebäudes statt.

Umbau für das S-Bahn-Ergänzungsnetz[Bearbeiten]

Bedingt durch Vergrößerung des Nürnberger S-Bahn-Netzes zum 12. Dezember 2010 wurden an den nun für die S-Bahn genutzten Bahnsteigen Umbauarbeiten notwendig. Der Hausbahnsteig (Gleis 1) wurde für die ankommenden Züge der S-Bahn von Neumarkt (S3) an seiner Ostseite verlängert (neue Gleisnummer 30), bietet seitdem 213 m Nutzlänge bei einer neuen Höhe von 76 cm über Schienenoberkante und erhielt einen weiteren Abgang zum Osttunnel.[13] Für die durchgängige Linie Bamberg–Nürnberg–Hartmannshof (S1) wurde der Westteil des Bahnsteigs 2 (Gleise 2 und 3) zum Teil auf 76 cm abgesenkt und über eine Rampe an den unverändert 96 cm hohen Bestandsbau angebunden.[14] Der für die S-Bahn nach Ansbach (S4) genutzte Bahnsteig 11 (Gleise 22 und 23) wurde im Sommer 2009 von damals 38 cm auf jetzt 76 cm, bei gleichzeitiger Anpassung der Zugänge (Treppe und Aufzug), erhöht und erhielt ein neues Bahnsteigdach.[15] Die Maßnahmen an den Bahnsteigen 1 und 11 begannen im Jahr 2009.[16]

Mit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt, Ende 2017, soll der Regional- und S-Bahn-Verkehr im Knoten Nürnberg neu geordnet werden. ICE-Züge von und nach Berlin sollen zukünftig nicht mehr zur Minute 30, sondern zur Minute 0 ankommen.[17]

Sonstiges[Bearbeiten]

Seit dem 19. Oktober 2012 gilt im gesamten Hauptbahnhof Nürnberg mit Ausnahme der gastronomischen Betriebe an den Abenden vor Samstagen, Sonn- und Feiertagen ab 20 Uhr bis zum Folgetag, 6 Uhr, ein Verbot des Alkoholkonsums in der Öffentlichkeit, welches das Konsumieren und das Mitführen alkoholischer Getränke in geöffneten Behältnissen verbietet. Bei Verstößen gegen das Verbot droht eine Ordnungsstrafe von 40 € sowie ein Hausverweis, im Wiederholungsfall kann auch ein Hausverbot ausgesprochen werden. [18]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Karl Heinz Ferstl, Heinrich W. Kaiser (Hrsg.): Hauptbahnhof Nürnberg. Geschichte und Visionen. Haidhausen Verlag, München 2002, ISBN 3-926429-15-1.
  • Bundesbahndirektion Nürnberg (Hrsg.): 75 Jahre Hauptbahnhof Nürnberg. 1906–1981. 65-seitige Broschüre, 1981.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nürnberg Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manuel Rehkopf: Vollständige Inbetriebnahme der Neu-/Ausbaustrecke VDE 8, Angebotskonzept DB Fernverkehr AG. Präsentation, 26. August 2013, S. 8.
  2. a b DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): Expressbus Nürnberg - Prag startet. Pressemitteilung vom 8. August 2009.
  3. DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): DB eröffnete Fernbuslinie von Nürnberg nach Bad Füssing. Pressemitteilung vom 30. Mai 2011.
  4.  Ralph Seidel: Der Einfluss veränderter Rahmenbedingungen auf Netzgestalt und Frequenzen im Schienenpersonenfernverkehr Deutschlands. Dissertation an der Universität Leipzig. Leipzig 2005, S. 27, 48.
  5. Günstig, bequem und komfortabel von Nürnberg nach Prag. alex Kundencenter, 17. Dezember 2010, abgerufen am 10. März 2013.
  6. DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): Erste Kinderlounge im Nürnberger Hauptbahnhof eröffnet. Presseinformation vom 9. März 2011.
  7. Meldung Nürnberg Hbf: Parkhaus in Betrieb. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 48, Nr. 4, 1999, S. 177.
  8. a b c d Meldung Zentralstellwerk und rechnergesteuerte Abfahrtstafel für Nürnberg Hbf. In: Die Bundesbahn, 1/1989, S. 108.
  9. a b c d e Werner Ulrich, Gerhard Hugel: Das Zentralstellwerk Nürnberg Hbf. In: Die Bundesbahn, 9/1988, S. 849–853.
  10. Bund Deutscher Architekten / Deutsche Bahn AG / Förderverein Deutsche Architekturzentrum (Hrsg.): Renaissance der Bahnhöfe: Die Stadt im 21. Jahrhundert. Vieweg-Verlag, Wiesbaden 1996, ISBN 3-528-08139-2, S. 78 f.
  11. Umgestaltung der Gaststätte im Nürnberger Hauptbahnhof. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 33, Nr. 9, 1984, S. 717.
  12. a b Meldung 100 Millionen für die S-Bahn Nürnberg. In: Die Bundesbahn. 1988, Nr. 7, S. 655 f.
  13. DB ProjektBau GmbH (Hrsg.): Ausbau der S-Bahn Nürnberg–Feucht–Neumarkt (PDF; 114 kB). Info-Faltblatt (Stand: 5. Mai 2009).
  14. DB ProjektBau GmbH (Hrsg.): Ausbau der S-Bahn-Linie S1 Teilabschnitt Nürnberg–Fürth–Erlangen–Forchheim (–Bamberg) (PDF; 152 kB). Info-Faltblatt (Stand: 16. Juni 2008).
  15. DB ProjektBau GmbH (Hrsg.): Ausbau der S-Bahn Nürnberg–Ansbach (PDF; 108 kB). Info-Faltblatt (Stand: 5. Mai 2009).
  16. Ausbau des S-Bahn-Netzes um Nürnberg kommt zügig voran. In: DB Welt, Regionalausgabe Süd, Dezember 2008, S. 24.
  17.  Stephan Sohr: Ringtausch der S-Bahnlinien. In: Nürnberger Zeitung. 14. November 2013, S. 14 (Kurzversion online unter anderem Titel).
  18. Süddeutsche Zeitung: „Bahn verbietet Alkohol im Hauptbahnhof “, 18. Oktober 2012.