Nürnberger Lebkuchen

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Nürnberger Lebkuchen ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung für Lebkuchen aus Nürnberg, die seit 1. Juli 1996 als geschützte geographische Angabe (g. g. A.) nach europäischem Recht anerkannt ist.[1] Demgemäß dürfen ausschließlich solche Lebkuchen als „Nürnberger Lebkuchen“ angeboten werden, die auf dem Gebiet der Stadt Nürnberg hergestellt wurden. Darüber hinausgehende Anforderungen wie etwa eine Einschränkung auf besondere Lebkuchenarten oder irgendwelche Qualitätskriterien sind mit dem Begriff nicht verbunden.

Nach verschiedenen Quellen soll es bereits seit 1927 einen rechtskräftigen Schutz für die Bezeichnung gegeben haben.[2][3] Die juristische Natur dieses Schutzrechts und genauere Kriterien sind unbekannt. Seit 1978 besteht außerdem eine nicht rechtsverbindliche Eintragung als geographisches Herkunftsgewährzeichen (RAL-RG 0131) im Register des RAL-Instituts.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Herstellung von Nürnberger Lebkuchen in Wolff Lebkuchenfabrik (1959)

Die Geschichte der Nürnberger Lebkuchen lässt sich bis ins Ende des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen. Anscheinend ließ Kaiser Friedrich III. in der Kreuzwoche im Jahre 1487 die Kinder der Stadt in den Burggraben kommen und verteilte anlässlich des Reichstages kleine Lebkuchen mit seinem Konterfei. Diese wurden mit großer Begeisterung angenommen.[5][6][7]

Im Jahr 1855 besuchten König Maximilian II. und die Königin Nürnberg. Zu ihren Ehren backten die Lebküchner dem Paar einen Riesenlebkuchen mit der Verzierung „Heil unserem König“.[5]

Beschreibung[Bearbeiten]

Unter Nürnberger Lebkuchen versteht man typischerweise große, zumeist runde Oblatenlebkuchen mit Zuckerglasur, mit Schokoladenüberzug („schokoliert“) oder auch ohne Überzug („natur“), daneben die stets eckigen, ebenfalls auf Oblaten gebackenen weißen Lebkuchen. Oft werden diese Oblatenlebkuchen auch mit Mandeln und Zitronat verziert. Als besonderes Qualitätsmerkmal gilt ein hoher Anteil von Mandel- und Nusskernen und eine geringe Zugabe von Mehl oder sogar der völlige Verzicht darauf. Oblatenlebkuchen der höchsten Qualität gemäß Deutschem Lebensmittelbuch heißen „Elisenlebkuchen“ und nehmen bei praktisch allen Nürnberger Anbietern einen prominenten Platz im Sortiment ein; sie müssen eine besonders hochwertige Zusammensetzung mit mindestens 25 % Mandeln, Haselnüssen oder Walnüssen aufweisen, dürfen keine anderen Ölsamen und maximal 10 % Mehl oder 7,5 % Stärke enthalten.[8]

Davon abgesehen können aber auch alle anderen Lebkuchenarten wie etwa Honigkuchen, Printen oder Dominosteine als Nürnberger Lebkuchen verkauft werden, wenn sie denn nur aus Nürnberg stammen, da es sich um eine reine Herkunftsbezeichnung handelt. Auch besondere Qualitätsmaßstäbe sind damit nicht verbunden. Daher trifft man bei hochwertigen Nürnberger Lebkuchen gelegentlich die entsprechende geschützte Kennzeichnung gemäß Deutschem Lebensmittelbuch zusammen mit dem Zusatz „Nürnberger“ an, also etwa feine Nürnberger Lebkuchen oder Nürnberger Elisenlebkuchen.

Unter dem Namen „Lebkuchen-Bruch“ verkaufen die Hersteller Stücke, die durch die Qualitätskontrolle des jeweiligen Betriebs gefallen sind, etwa weil sie tatsächlich gebrochen oder beschädigt sind, oft aber auch nur, weil sie zum Beispiel eine ungleichmäßige Form haben. Im Geschmack stehen sie der regulären Ware normalerweise nicht nach. Lebkuchen-Bruch wird vor allem in den Ladengeschäften in Nürnberg und anderen Städten, von einigen Herstellern aber auch im Versandhandel angeboten.

Lebkuchen-Fachgeschäft in Nürnberg
Lebkuchendose von Heinrich Haeberlein

Hersteller der Nürnberger Lebkuchen müssen innerhalb der Stadtgrenzen Nürnbergs produzieren. Dies sind zum Beispield die Lambertz-Gruppe (Marken Haeberlein-Metzger, Weiss, Wolff) und Lebkuchen-Schmidt (Marken Schmidt, Wicklein). Außerdem verkaufen viele Hersteller ihre Produkte in eigenen Fachgeschäften in Nürnberg, sowie – über den Fachhandel und im Direktversand – weltweit. Während die meisten Lebkuchenspezialitäten als Weihnachtsware angesehen und in Supermärkten nur wenige Monate im Jahr verkauft werden, kann man sie in den Nürnberger Läden und über den Versandhandel zu jeder Jahreszeit erwerben. Neben den großen Firmen gibt es noch zahlreiche kleine Handwerksbetriebe.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verordnung (EG) Nr. 1263/96
  2. Lebkuchensorten. Lebkuchen-Schmidt GmbH & Co. KG, abgerufen am 17. Dezember 2013 (HTML): „Der Begriff Nürnberger Lebkuchen ist weltbekannt und seit 1927 als Herkunftsbezeichnung gesetzlich geschützt.“
  3. Manfred Seifert: Qualitätsanforderungen an Lebkuchen. In: Verbraucherinformationssystem Bayern. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, 18. November 2004, abgerufen am 28. Dezember 2013 (HTML): „‚Nürnberger Lebkuchen‘ sind nach einem Urteil des Landgerichts Berlin bereits seit 1927 eine Herkunftsbezeichnung für die im Stadtgebiet Nürnberg hergestellten Lebkuchen.“
  4. RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung: RAL-RG 0131. Nürnberger Lebkuchen. Beuth, Berlin 1978.
  5. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatNürnberger Lebkuchen. Matthias Weinrich, 2010, abgerufen am 18. Januar 2011.
  6. Martin Schieber: Geschichte Nürnbergs, München 2007 [1]
  7. J. Scheible: Die gute alte Zeit, geschildert in historischen Beiträgen, Stuttgart 1847 [2]
  8. Deutsches Lebensmittelbuch, Leitsätze für Feine Backwaren, Abschnitt III 3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nürnberger Lebkuchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Rezept für Nürnberger Lebkuchen – Lern- und Lehrmaterialien